Weiterführende Artikel:
- Grundlagen der Schilddrüsenfunktion
- Diagnostik der Schilddrüse
- News: Wann muss eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt werden?
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Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion besteht in der Gabe von Schilddrüsenhormonen. Man verwendet dazu meist künstliche Hormone, im allgemeinen L-Thyroxin. Eine Normalisierung der Schilddrüsenhormon-Spiegel im Blut wird üblicherweise mit 100-150 Mikrogramm/Tag erreicht. Bei grenzwertigen Befunden (latente Hypothyreose) sind gelegentlich auch 75 Mikrogramm oder weniger ausreichend.
Liegt der Schilddrüsenunterfunktion eine Autoimmunerkrankung zugrunde, dann kann die Gabe von Selen und gelegentlich auch von Cortison sinnvoll sein. Auch hier ist bei ansonsten unauffälligen Schilddrüsenhormonwerten eine Behandlung mit L-Thyroxin notwendig, um die Aktivität der Schilddrüse und damit auch die Bildung von Antikörpern gegenüber der Schilddrüse zu mindern.
Zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion muß zunächst festgestellt werden, ob es sich um eine diffuse Aktivierung der gesamten Schilddrüse handelt, oder ob es in der Schilddrüse Areale gibt, welche autonom, also losgelöst von den hormonellen Regelmechanismen, Hormon produzieren. Letztere werden meist operativ entfernt.
Die medikamentöse Therapie erfolgt mit “Thyreostatika”, also Medikamenten, welche die Produktion von Schilddrüsenhormonen drosselt (Carbimazol, Propylthiouracil, und Thiamazol)
Um Schilddrüsenstörungen zu erkennen, wird meist ein “Screening” durchgeführt und der sogenannte TSH-Wert bestimmt. Dieses Hormon wird von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet, um die Funktion der Schilddrüse zu steuern und steigt bei einer Schilddrüsenunterfunktion an.
Dann handelt es sich um eine subklinische Hypothyreose. Wenn die Spiegel der Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 im Normbereich sind, der TSH-Wert jedoch erhöht (größer 4 mU/l), dann spricht man von einer solchen subklinischen Hypothyreose. Ungefähr 16% der deutschen Bevölkerung ist von einer solchen Unterfunktion betroffen.
Generell wird sich gegenwärtig noch meistens an dem Richtwert von 4 mU/l orientiert und bei normalen Schilddrüsenwerten erst bei Überschreiten dieser Grenze Schilddrüsenhormone verabreicht. Auch wenn diese Grenzwerte keinesfalls Normwerte sind, so ergibt sich bei den meisten Betroffenen nach Auffassung der meisten Endokrinologen kein Behandlungsbedarf, solange keine Symptome der Unterfunktion erkennbar sind.
Es besteht aber Einigkeit, dass man bei einer latenten Hypothyreose und Schilddrüsenantikörpern (Hashimoto-Thyreoditis) Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) verabreichen sollte. Vor allem deswegen, weil viele der Betroffenen innerhalb unterschiedlich langer Zeiträume eine echte Unterfunktion der Schilddrüse entwickeln können. Durch die Medikamente wird dieser Prozess zum einen verzögert und Phase niedriger Schilddrüsenwerte abgefangen
Üblich ist der Therapiebeginn mit täglich 25 µg bis 50 µg L-Thyroxin, angestrebt wird ein TSH im unteren Normbereich (1 mU/l). Dies gilt übrigens bei vorhandenen Schilddrüsenantikörpern für alle betroffenen Patienten, nicht nur für Frauen mit Kinderwunsch.
Ebefalls wenig umstritten ist die Behandlung von Typ-1-Diabetikern. “Diese haben oft erhöhte Anti-TPO-Titer als Ausdruck der Autoimmunkrankheit“, sagte Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Städtischen Klinikum Bogenhausen zur “Ärzte Zeitung”. “Und schon bei subklinischer Hypothyreose sinkt die Insulinresistenz und die gastrointestinale Glukoseaufnahme nimmt ab. Mögliche Folge: Hypoglykämien“.
Bei einer latenten Unterfunktion der Schilddrüse wird von den meisten Endokrinologen eine großzügige Einstellung der Schilddrüsenhormone propagiert, deren Wert inzwischen auch wenig umstritten ist, da ein Zusammenhang zwischen subklinischer Hypothyreose und Infertilität bei Frauen nach Studiendaten wahrscheinlich ist und ein Zusammenhang mit Fehlgeburten gesichert. Die angestrebten Grenzwerte sind jedoch umstritten und in keiner Richtlinie eindeutig geregelt, empfohlen wird jedoch oft ein Grenzwert für das TSH von 2,5 mU/l. Im Falle von Schilddrüsenantikörpern gilt der weiter oben erwähnte Wert von 1,0 mU/l.
Während die eingangs erwähnte Definition unumstritten ist (TSH > 4,0 mU/l bei noch normalen Schilddrüsenhormonen), sind strengere Sichtweisen immer noch höchst umstritten, obwohl große Studien bereits nachweisen konnten, dass eine latente Hypothyreose auch bereits bei TSH-Werten unterhalb von 4 mU/l bestehen kann.
Schilddrüsengesunde Menschen haben nämlich einen Wert (Median) von 1,4 mU/l, wie in einer amerikanischen Studie mit 13.300 Probanden gezeigt werden konnte. Daraus leiten die amerikanischen Kollegen einen oberen Normwert von 2,5 mU/l für Schilddrüsengesunde ab. Deutsche Studien konnten diese Wert bestätigen.
Diese Feststellung der Normalverteilung der Hormonwerte führt jedoch nicht zwingend auch zu einer Therapie, da es keine prospektiven Studien mit ausreichend großer Patientenzahl gibt, die einen positiven Effekt einer Therapie mit L-Thyroxin bei TSH-Werten > 2,5 mU/l nachweisen konnten. daher sind diese Grenzwerte nicht anerkannt und insbesondere Kinderwunsch-Patientinnen laufen Gefahr, nicht ausreichend therapiert zu werden (oder übertherapiert), da allgemein Unsicherheit herrscht und die Therapie “aus dem Bauch heraus” basierend auf den Erfahrungen des jeweiligen Arztes erfolgt oder ausbleibt.
In Anbtracht der eher geringen Nebenwirkungen, ist aus Sicht des Reproduktionsmediziners die Indikation zur Behandlung bei Kinderwunsch-Patientinnen wohl eher großzügig zu stellen und bei vorhandenen Antikörpern zwingend notwendig. Daher sollte das üblichen Hormon-Screening vor einer Kinderwunschbehandlung neben dem TSH-Wert auch die Schilddrüsenantikörper (TPO-Ak) beinhalten, während die Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 erst bei der medikamentösen Einstellung einer evtl. nachgewiesenen (latenten) Hypothyreose nachgewiesen werden müssen.
Weitere Infos zu “Schilddrüse” aus unseren News
Kommentare
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Bei mir wurde vor kurzem eine Hpypothyreose festgestellt -> TSHB 4,6 wird nun seit einer Woche mit 50 mg L-Thyroxin behandelt. Ich möchte gerne schwanger werden (bin 30 jahre alt), jetzt ist meine Frage: wie lange dauert es ungefähr bis sich alles wieder einigermassen normalisiert hat, sodass ich schwanger werden kann? Und ist diese Dosis überhaupt ausreichend, denn mein Hausarzt erscheint mir nicht unbedingt kompetent?
Hallo!
Bei mir wurde eine leichte Schilddrüsen-Unterfunktion festgestellt und 50 mikrogramm Levothyrexin pro Tag verschrieben. Ich habe das jetzt 5 Wochen lang genommen, die Regel, die vor zwei Wochen fällig gewesen wäre habe ich nicht bekommen. Ich bin auch sicher, ich hatte keinen Eisprung. Vorher war meine Zyklus mit Hilfe von Keulschlamm-Präparaten immer sehr regelmäßig. Ich habe meiner FA gesagt, dass ich die Keulschlamm-Präparate nehme und sie meinte, das sei ok. Was soll ich tun?
@ Michaela: es kann durchaus 1-2 Monate dauern, bis sich das alles wieder normalisiert hat und es ist auch durchaus sinnvoll, zunächst einmal nicht zu hoch einzusteigen, denn die Dosis korelliert nicht zwingend mit der Höhe des TSH-Wertes.
@ Christina: Ich kann von hier aus ohne Hormonbefunde und Ultraschall beim besten Willen nicht sagen, weshalb Ihre Regel nun ausgeblieben ist. Dass es etwas mit dem Levothyroxin zu tun hat, wage ich zu bezweifeln, ausschließen kann ich es jedoch auch nicht. das kann nur Ihre Ärztin klären.
Hallo,
ich bin 21 Jahre alt,weiß seit ca. 5 Jahren dass ich am PCO-Syndrom leide und habe vor 2 Monaten über´s Internet erfahren was das eigentlich bedeutet (nehme nun Metformin 2000mg). Jetzt hat ein Internist eine Insulinresistenz festgestellt und eine sehr kleine Schilddrüse (4ml Volumen statt ca. 23 ml Norm) lt. Laborwertbogen: FT3 3,53 pg/ml, FT4 10,50 pg/ml,
TSH basal 1,19mlU/ml.
Was heißt das jetzt? Schilddrüsenunterfunktion? Und wenn ja, wie äußert sich das? Auch durch Leistungsabfall, Müdigkeit und Konzentrarionsschwäche?
@Viviane: Es kann zwar sein, dass die Schilddrüse durch eine Autoimmunerkrankung an Volumen verloren hat, jedoch sind Ihre Schilddrüsenhormonwerte noch völlig in Ordnung. Siehe auch hier