PCO-Syndrom

Da es das Syndrom der Polycystische Ovarien (PCOS) eigentlich nicht gibt, sondern nur eine Ansammlung von Symtomen, die verschieden stark ausgeprägt oder gar nur gelegentlich auftretend unter diesem Begriff zusammengefasst werden, gibt es auch nicht die Therapie. Das therapeutische Vorgehen muss also unbedingt individuell an die Ergebnisse der Diagnostik und die Symptome angepasst werden und auch an die jeweilige Zielsetzung. Letztere kann z. B. bei Kinderwunsch eben eine völlig andere sein als ohne.

Beseitigung möglicher Ursachen

  • Übergewicht: Sehr häufig liegt dem PCO-Syndrom als einzige Ursache ein Übergewicht vor. Dies führt bei ausreichender Verminderung des Körpergewichts oft dazu, dass sämtliche evtl. vorhandenen Begleitsymptome (Zyklusunregelmäßigkeiten, erhöhte männliche Hormone und insbesondere die Insulinresistenz) ganz oder zumindest zum Teil verschwinden.
  • Insulinresistenz: Oft im Zusammenhang mit Übergewicht auftretend, kann sie also bereits durch Gewichtsabnahme beseitigt werden, sollte dies nicht ausreichend sein, sind zusätzliche medikamentöse Massnahmen (z. B. Metformin) notwendig
  • erhöhte männliche Hormone: da diesen gelegentlich eine Störung der Cortisol-Produktion des Körpers (adreno-genitales Syndrom: AGS) zugrunde liegt, sind gering dosierte Cortisongaben oft in der Lage, diese abzusenken (z. B. Dexamethason oder Prednisolon). Gelegentlich wird auch eine „Pille“ eingesetzt, deren Gelbkörperhormonanteil antiandrogen wirkt.

Behandlung der Symptome

  • Ausbleibende Blutung: Da beim PCO-Syndrom der ausbleibende Eisprung das Hauptproblem ist und dadurch die Blutung ausbleibt, besteht diesbezüglich praktisch immer Handlungsbedarf.
    • Ohne Kinderwunsch: Hier ist nur die regelmäßige Herbeiführung einer Blutung erforderlich. Nun könnte man ja meinen, dass das Ausbleiben der Blutung ja auch recht praktisch sein kann, jedoch ist es für die Schleimhaut der Gebärmutter wichtig, regelmäßig auf-und abgebaut zu werden. Grundsätzlich reicht eine vierteljährliche Gabe eines hochdosierten Gelbkörperhormons zum Auslösen der Blutung, jedoch wird wegen der erhöhten LH-Spiegel und der oft erhöhten männlichen Hormone gerne eine Pille gegeben, welche diese Hormone in den Normbereich absenken kann.
    • Mit Kinderwunsch: Hier geht es nicht nur darum, die Blutung herbeizuführen, sondern das zugrundeliegende Fehlen des Eisprungs zu beheben. Wenn die Behandlung von Übergewicht und Insulinresistenz nicht ausreichen, um einen Eisprung herbeizuführen, dann müssen darüber hinaus auch noch Hormone zur Stimulation der Eierstöcke gegeben werden. Das Mittel der ersten Wahl ist hierbei das Clomifen, wenn dies nicht ausreicht, dann können auch Spritzen gegeben werden (hMG oder FSH), gelegentlich auch im Zusammenhang mit einer sogenannten Downregulation zur Unterdrückung der erhöhten LH-Spiegel. Oft wird auch hier zunächst mit einer „Antibabypille“ vorbehandelt, um die überaktiven Eierstöcke ruhigzustellen. Diese Behandlungen sind oft langwierig und nicht nebenwirkungsfrei, jedoch sind die Chancen auf eine Schwangerschaft gut, wenn ein Eisprung erreicht werden kann.
  • Hirsutismus, Akne: Stehen die erhöhten männlichen Hormone im Vordergrund und die Nebenwirkungen derselben, also zunehmende Behaarung an für Frauen untypischen Stellen und Hautunreinheiten, dann ist auch bei Kinderwunsch zuächst eine Pille mit antiandrogener Komponente und später die Gabe von Cortisonpräparaten (s. o.) angezeigt. Zusätzlich ist die Vorstellung bei einem Hautarzt empfehlenswert, der lokale Behandlungen in Zusammenarbeit mit einer medizinischen Kosmetikerin vornehmen kann.

Operation

Früher wurde das PCOS weniger als ein schwerpunktmäßig hormonelles Problem angesehen wie es heute der Fall ist, sondern als eine organische Besonderheit der Eierstöcke. Auffallend ist ja auch die oft deutliche Vergrößerung der Ovarien und die Verdickung der Kapsel der betroffenen Organe. Daher waren die ersten Maßnahmen zur Wiederherstellung der Eierstocksfunktion operativer Natur. Es wurden sogenannte „Keilexzisionen“ durchgeführt, also ein größeres Stück des Eierstocks enfernt. Dadurch wurde die Größe der Ovarien normalisiert und die Zahl der unreifen Follikel reduziert. Und in der Tat führte diese eher brachiale Therapie dann oft auch zu einer Normalisierung der Funktion der Eierstöcke bis hin zu Eisprüngen und Schwangerschaften. Der Effekt dieser Maßnahmen ist aber immer nur vorübergehender Natur, da es an den zugrundeliegenden Störungen nichts ändert.

Allerdings ist es heute möglich, einen ähnlichen Eingriff im Rahmen einer Bauchspiegelung durchzuführen. Hierbei wird dann aber kein Gewebe aus dem Eierstock entfernt, sondern es werden mit einer Nadel – welche mit Strom erhitzt wird – die an der Oberfläche liegenden kleinen Follikel „angepiekst“ und durch Hitze zerstört. Auch hierbei kommt es durch die Verminderung der Zahl der kleinen Follikel oft zu einer vorübergehenden Normalisierung der Eierstocksfunktion.

pco_lsk.jpgTypisches Bild eines polycystischen Eierstocks: die Vergrößerung lässt sich aufgrund mangelnder Vergleichsmöglichkeiten nicht erfassen, jedoch zum einen die „porzellanglatte“ Oberfläche, da aufgrund fehlender Eisprünge keine Ovulationsnarben entstehen. Zum anderen sieht man direkt unter der Oberfläche viele kleine, wasserhelle Zystenpco_cauterisation.jpgNach dem Eingriff erkennt man gut die „verkokelten“ Stellen an der Oberfläche des Eierstocks. Hier wurden die unter der Oberfläche liegenden kleinen Follikel mit einer Nadel zerstört

Zuletzt bearbeitet am: 19. Sep 2010 @ 00:18

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