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Erhöhtes Prolaktin

Autor: E. Breitbach (Erstellt am 08.10.2003 | zuletzt geändert am 05.03.2006)

Behandlung der Hyperprolaktinämie

Erhöhte Prolaktinwerte müssen nicht zwangsläufig immer therapiert werden. Bei Frauen ohne konkreten Kinderwunsch ist es auch ausreichend, den Östrogenmangel, der durch die unterdrückte Eizellreifung entsteht, z. B. mit Gabe einer “Pille” auszugleichen.

Negative Einflüsse ausschließen

Bei Frauen mit Kinderwunsch ist die Normalisierung des Prolaktinspiegels unbedingt notwendig, um zu einer normalen Eizellreifung zu kommen und damit zu einem Eisprung. Voraussetzung für die medikamentöse Behandlung ist, daß keine anderen Urachen für die Hyperprolaktinämie vorliegen, wie z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion. Sollte diese der Grund sein, ist die Gabe von Schilddrüsenhormonen das Mittel der ersten Wahl. Normalisiert sich der Prolaktinspiegel darunter nicht, kann man noch zusätzlich prolaktinhemmende Medikamente geben. Auch Stress kann zu einer vorübergehenden Erhöhung der Prolaktinwerte führen, der erhöhte Wert lässt sich in solchen Fällen “wegkontrollieren”.

Wirkung der Prolaktinhemmer

Dopamin ist im Zwischenhirn der Gegenspieler der prolaktinfreisetzenden Hormone (z. B. des TRH). Daher behandelt man die Hyperprolaktinämie mit dapominähnlichen Substanzen (Dopaminagonisten). Diese stammen von den Mutterkornalkaloiden ab. Die Hemmung der Prolaktin-Sekretion durch die Dopaminagonisten beruht auf dem dopaminähnlichen Effekt der Mutterkornalkaloide, die spezifisch an dem Dopamin-Rezeptor binden. Man unterscheidet nach ihrer Struktur 3 Gruppen.

  • Lysergsäure-Amid-Derivate (z. B. Bromocriptin = Pravidel ®)
  • Amino-Ergolin-Derivate (Lisurid = Dopamin ®, Cabergolin = Dostinex ®)
  • Clavin-Derivate (z. B. Pergolid)
  • Der einzige Nicht-Mutterkorn-Dopaminagonist mit ausgeprägter Affinität zum D2-Rezeptor ist das Quinagolid (=Norprolac ®)

Bromocriptin war der erste Dopaminagonist, der zur Behandlung der Hyperprolaktinämie eingesetzt wurde. Daher sind die Kenntnisse über die Nebenwirkungen und die Auswirkungen in der Schwangerschaft bestens bekannt und untersucht. Nach wie vor gilt das Bromocriptin als das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Hyperprolaktinämie. Cabergolin und Quinagolid binden spezifischer an dem prolaktinssteuernden D2-Rezeptor, weshalb die Kreislaufnebenwirkungen bei diesen Präparaten der zweiten Generation geringer sind als bei dem unspezifischer bindenden Bromocriptin, welches auch an dem kreislaufwirksamen D1-Rezeptor bindet. Diese Medikamente werden auch zu Abstillen eingesetzt, bei der Lektüre des Beipackzettels darf man sich darüber nicht wundern.

Nebenwirkungen

Die Medikamente wirken sämtlich sehr schnell, der Prolaktinspiegel normalisiert sich innerhalb weniger Tage, manchmal Stunden. Aufgrund der Nebenwirkungen sollte mit einer niedrigen Dosierung begonnen werden und abends in Verbindung mit einer Mahlzeit. Die bekannten Nebenwirkungen Dopaminagonisten sind:

  • Niedriger Blutdruck
  • Schwindel
  • Übelkeit, Brechreiz, Kopfschmerzen
  • Trockene Nase
  • Verstopfung
  • Psychosen (Halluzinationen)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Gewichtsverlust

Diese Nebenwirkungen treten häufig am Beginn einer Therapie auf und vermindern sich dann im weiteren Verlauf der Behandlung

Die Behandlung mit Prolaktinhemmern ist eine Dauertherapie. Die vielgeübte Praxis, nach wenigen Wochen einen Auslassversuch durchzuführen, ist nicht begründbar, wenn eine deutliche Erhöhung der Prolaktinspiegel vorgelegen hat, denn diese werden in der Regel innnerhalb kürzester Zeit nach Absetzen des Medikaments wieder erreicht.

Auch bei Prolaktinomen, also gutartigen Tumoren, welche Prolaktin produzieren, ist die medikamentöse Therapie das Mittel der Wahl. Die Operation ist nur bei ausgedehnten Befunden in Ausnahmefällen zu rechtfertigen.

Bei der Hyperprolaktinämie handelt es sich also um sehr gut und effektiv zu behandelnde hormonelle Störung.

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21 Antworten auf “Erhöhtes Prolaktin”

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Kommentare unserer Besucher zum Artikel

  1. Martina schreibt:

    Ich habe erhöhten Prolaktin Werte, muß daher das Madikament Dostinex nehmen, habe wieder einen Kinderwunsch, wenn ich nochmal Schwanger werden sollte, muß ich dann auch in der Schangerschaft dieses Medikament nehmen und wenn ja, schädigt das mein Ungeborenes Kind?

  2. E. Breitbach schreibt:

    @ Martina: In der Schwangerschaft steigt der Prolaktinwert ohnehin deutlich an und daher ist die Einnahme des Medikaments dann nicht mehr notwendig

  3. Sandra schreibt:

    Hallo….
    ich habe eine Frage!! Bei mir wurde ein Prolaktinom festgestellt, habe schon seit Jahre (ungefähr 10 Jahre) Probleme. Nun sollte dieses Prolaktin operativ entfernt werden, ich habe jedoch erst einmal auf die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie bestanden. Allerdings habe ich mit Pravidel und Bromocriptin recht schlechte Erfahrungen gemacht, mir war ständig übel und teilweise bin ich einfach umgefallen, diese Symptome haben sich im Laufe der Zeit nicht gebessert, so dass das Medikament wieder abgesetzt wurde. Ich bin 31 Jahre alt und natürlich habe ich den Wunsch Schwanger zu werden, habe jedoch Angst das neue Medikament welches ich jetzt einnehmen soll, nicht zu vertragen. Es zieht sich alles so in die Länge und jünger werde ich nicht. Vielleicht habt ihr noch einen Rat, werde ich vielleicht niemals Kinder haben? Diese Frage konnte mir mein Endokrinologe nicht genau beantworten. Ich danke euch im Falle einer Antwort und Hilfestellung.
    LG Sandra

  4. E. Breitbach schreibt:

    @ Sandra: Wenn das neue Medikament Dostinex ist, dann dürfte die Verträglichkeit besser sein. Ob Sie niemals schwanger werden…das wage ich zu bezweifeln. Wenn Sie diese Problematik jetzt konsequent behandeln lassen, dann haben Sie vermutlich recht gute Chancen, wenn sich ein Spezialist um Sie kümmert, der die Hormone anschließend weiter im Auge behält

  5. Lydia schreibt:

    Gibt es vielleicht ein homöopatisches Mittel zur Behandlung des erhöten Prolaktinwertes?

  6. Monika Matte schreibt:

    Hallo!
    Ich nehme aufgrund meiner Hyperprolaktinämie seit ca. 5 Wochen Liserdol. Seit dieser Zeit nehme ich stetig zu; in 5 Wochen schon 4 kg!!!
    Jetzt habe ich das Liserdol erst einmal eigenmächtig abgesetzt, da ich mich so überhaupt nicht mehr wohl fühle.
    Habt Ihr auch schonmal die Erfahrung der Zunahme gemacht?
    Lt. Nebenwirkungen sollte bzw. könnte man eigentlich nur an Gewicht verlieren.
    Hat jemand einen Tipp für mich?

  7. gala schreibt:

    Ich mus jeden abend eine halbe Tablette Bromocriptin-ratiopharm 2,5 einnehmen.Ich verstehe es deswegen nicht weil es überall was steht von Milchreduzierung und Abstillen oder unregelmäßigen Periode.aber ich habe regelmäßige periode und meine Brüste haben keine milch .wir wollen nur ein baby?
    ist diese Tabletten nützlich.Ich trinke diese tablette immer abend und wir üben weiter.Falls ich schwanger werden sollte,wirken sich die Tabletten negative auf die Schwangerschaft aus?

  8. E. Breitbach schreibt:

    @ Lydia: Keines, welches so effektiv wäre, wie die schulmedizinischen Mittel

    @ Monika: Möglicherweise wäre ein anderes Medikament sinnvoll, ich hatte es bereits weiter oben erwähnt

    @ Gala: Diese Tablette ist gegen erhöhte Prolaktinwerte, wie oben bereits erwähnt. Diese Medikamente nimmt man auch zu Abstillen, das stimmt. Sie wirken sich auf eine evtl. eintretende Schwangerschaft nicht negativ aus.

  9. Bärbel schreibt:

    Hallo,
    habe mich auch jahrelang mit zu hohem Proktinspiegel rumgeplagt inkl. unerfülltem Kinderwunsch und heftigsten Nebenwirkungen von Norprolac und Pravidel. Nach regelmäßiger Einnahme von cabaseril ( ähnlicher oder gleicher Wirkstoff wie dostinex nur billiger ) kam Wunschkind ohne Probleme gesund auf die Welt. Fragt Euren Frauenarzt nach dem Medikament- hat mir Endokrinologe in Schwabinger Krankenhaus empfohlen.
    Vor allem sind die Nebenwirkungen nach ca. 2 Wochen gegen null- bei Dauereinnahme sehr angenehm mit zu leben.

  10. Rebekka Schwieger schreibt:

    Hallo,
    ich habe seit Jahren ein Prolaktinom , nehme schon lange Cabaseril und habe nun Kinderwunsch. Mein letzter Prolaktinwert lag bei 18,6. Ist das zu hoch für eine
    Empfängnis?
    Mit freundlichen Grüßen
    Rebekka

  11. E. Breitbach schreibt:

    @ Rebekka: Nein, das ist im Normbereich. Hier die Normwerte der wichtigsten weiblichen Hormone

  12. Rita schreibt:

    Hi,
    ich nehme seit ca. 2 Monaten Bromocriptin ein, es hat sich aber in beim Kinderwunsch noch nichts getan. Muss bromocriptin ein lebenlang eingenommen werden? Ich habe gelesen das die Schildrüse auch mit erhöhten Prolaktinwerte zu tun hat. Mein THS-Wert ist 4,38 µIU/ml ist das bei Kinderwunsch gut oder schlecht?

    Mit freundlichen Grüßen
    Rita

  13. E. Breitbach schreibt:

    Der Wert ist viel zu hoch und spricht für eine latente Schilddrüsenunterfunktion. Und es kann durchaus gut sein, dass der erhöhte Prolaktinspiegel eine Folge davon ist.

  14. Serap schreibt:

    Hallo,
    muss Hyperprolaktinämie bei Frauen ohne Kinderwunsch unbedingt behandelt werden? Kann das langfristig zum Brustkrebs oder anderen Krankheiten verursachen?

    Mit freundlichen Grüßen

  15. E. Breitbach schreibt:

    @Serap: Nein, diesbezüglich ist der erhöhte Prolaktinspiegel kein Problem

  16. MAusy schreibt:

    Hallo Dr Breitbach,
    bin 33 Jahre alt. Bei mir wurde vor ca 8 Jahren festgestellt, dass ich einen erhöhten Prolaktinwert bedingt durch ein kleines Gewächs an der Hirnanhangdrüse festgestellt. Seit dieser Zeit nehme ich regelmässig Sostillar. Nach meiner 1. Schwangerschaft habe ich jetzt immer wieder Probleme mit meinem Zyklus. Die Dosis Sostillar wurde jetzt auf 1 Tablette pro Woche erhöht. Zur Zeit wünschen wir uns ein zweites Kind, was aber bis jetzt nur in 2 Fehlgeburten endete. Bei der anschliessenden Diagnosik wurde jetzt auch noch der Faktor V Leiden sowie ein Protein S Mangel festgestellt.
    Leider ist meine Regel jetzt wieder ausgeblieben, der Schwangerschaftstest ist aber negativ. Muss die Dosis Sostillar evt. wieder erhöht werden, oder ist eine zweite Schwagerschaft unmöglich ?
    mit freundlichen Grüssen

  17. Sandra schreibt:

    Hallo…

    nehme seit ca. 1 Jahr Dostinex ein mit recht guter Verträglichkeit. Nun habe ich allerdings immer wieder Milchabsonderungen aus einer Brust, und dann nicht gerade wenig. Sollte dies mit diesem Medikament nicht unterdrückt werden. Irgendwie klappt es auch mit einer Schwangerschaft nicht. Der letzte Wert lag bei 35 (jedoch wird dies bei uns mit einer anderen Einheit berechnet). Mir wurde daraufhin gesagt, dass dieser Wert viel zu niedrig sei und er mind. bei 100 liegen sollte. Nun bin ich doch ein wenig überfordert und weiß nicht so recht, was ich nun tun soll. Habt ihr eine Idee.

    LG

  18. E. Breitbach schreibt:

    @Sandra: Sollten Sie bereits ein Kind geboren haben, dann sind Milchabsonderungen auch ohne einen erhöhten Prolaktin-Wert nicht ungewöhnlich. Ansonsten wäre es natürlich auch interessant, andere Hormone abzuklären, swelche den Eisprung beeinträchtigen können

  19. verina schreibt:

    hallo,
    ich versuche seit drei jahren ein kind zu bekommen.ich nehme Bromocriptin.und nehme auch tabletten zur schilddrüße unterfuktion.ist diese methode dauerhaft?
    und kann ich auch in dieser zeit wenn ich tabletten nehme
    ein baby bekommen?

  20. Anna schreibt:

    Hallo,
    ich bin 22 und nehme jetzt seit ca 8 Monaten Dostinex (1/2 Tablette pro woche). Mein Prolaktinwert ist erhöht und es ist nciht sicher, dass ich ein Prolaktinom habe, aber es kann auch nicht ganz ausgeschlossen werden(nur ein kleiner punkt auf dem bild). Meine Periode war schon immer unregelmäßig und ich gebe seit ca einem dreiviertel jahr Milch. Meine Frage: Muss die Prolaktinüberproduktion auch behandelt werden, wenn momentan kein Kinderwunsch besteht, aber zukünftig schon?

    und kann eine Prolaktionüberproduktion auch z.B. eine Reizung der Gebärmutter durch eine Spirale entstehen? Oder durch eine Schädigung eines Eierstocks durch Bestrahlung im Kindesalter?

  21. E. Breitbach schreibt:

    @ verina: Das ist üblicherweise eine Dauertherapie und natürlich können Sie auch mit diesen Tabletten schwanger werden, vermutlich sogar eher als ohne

    @Anna: Man muss einen Prolaktinüberschuß nicht zwingen behandeln, wenn kein Kinderwunsch besteht, jedoch sollte man dies tun, wenn ein Prolaktinom besteht oder nicht ausgeschlossen werden kann.

    Zu Ihren beiden Fragen am Schluss: Nein, da besteht kein Zusammenhang

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