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Bei Vorliegen einer Insulinresistenz ist oft der Blutzuckerspiegel auch unter Belastung mit Kohlenhydraten normal, da die zum Ausgleich erhöhten Insulinspiegel im Blut noch in der Lage sind, den Blutzucker in einem normalen Rahmen zu halten. Eine Insulinresistenz ist wegen dieser kompensatorischen Hyperinsulinämie mit einem normalen Glucosetaleranztest (oGTT) nicht auszuschließen. Zur Diagnose des Insulinresistenz-Syndroms sollte demnach ein herkömmlicher oGTT um die zeitlich parallele Insulinbestimmung erweitert werden.
Zur Bestimmung der Insulinresistenz werden zusätzlich zeitlich parallel die Insulinspiegel im Blut bestimmt. Zu hohe Ausgangswerte im nüchternen Zustand oder weiterhin deutlich erhöhte Insulinspiegel nach 2 Stunden sprechen (auch bei normalen Blutzuckerspiegeln) für eine Insulinresistenz.
HOMA-Index: Hierbei wird der Nüchternblutzucker (NBZ) nach 12 Stunden und das Nüchterninsulin (NI) bestimmt. Berechnet man dann den HOMA-Index nach der Formel NIxNBZ (in mmol/l):22,5, dann sind Werte von 1 normal, Werte >2 grenzwertig und können bereits für das Vorliegen einer Insulinresistenz sprechen und Werte >2,5 sind nahezu beweisend für eine Störung des Insulinhaushaltes.
Bei Angabe der Glucose in mg/dl errechnet sich der HOMA-Index = Insulin (nüchtern, µU/ml) x Blutzucker (nüchtern, mg/dl):405.
Der Zusammenhang mit dem Hormonhaushalt und seine Auswirkungen auf den Kinderwunsch wurden bereits in einem anderen Kapitel erläutert. Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, weshalb einem solchen Verdacht nachgegangen werden sollte. Es ist auch für den Fall eines Schwangerschaftseintritts wichtig, denn Patientinnen mit einem PCO-Syndrom neigen auch zu Fehlgeburten, wobei hier ein Zusammenhang mit der diabetischen Stoffwechsellage besteht. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung zum Gestationsdiabetes (Entwicklung einer echten Zuckererkrankung, also Diabetes mit erhöhten Blutzuckerspiegeln im Verlauf einer Schwangerschaft), wobei “PCOS”-Patientinnen, die einen Gestationsdiabetes zum Ende der Schwangerschaft entwickeln, bereits vor der Schwangerschaft eine erhöhte Insulin- und Glucose-Antwort im OGTT zeigten. Das erhöhte Risiko von “PCOS”-Patientinnen für den GD ist vergesellschaftet mit Schwangerschafts-induzierter Hypertonie (SIH, erhöhter Blutdruck im Verlauf der Schwangerschaft).
Diese schwangerschaftsbedigten Erkrankungen können sehr schwerwiegende Verläufe haben, insbesondere beim SIH kommt es zu Situationen, in denen der Blutdruck der Schwangeren nicht mehr medikamentös beherrschbar ist und nur eine vorzeitige Entbindung das Leben der Mutter retten kann. Die damit einhergehende Frühgeburtlichkeit des Kindes führt leider auch zu möglichen Schädigungen.
Des weiteren ist bekannt, dass Fettstoffwechselstörungen (erhöhte freie Fettsäuren) mit der Insulinresistenz vergesellschaftet sein können, was langfristig zu Gefäßschäden führen kann.
Das scheint nicht der Fall zu sein: In einer Studie aus den USA1 wurden 4 Gruppen von Frauen auf ihren Insulinhaushalt hin untersucht: Normalgewichtige Frauen mit und ohne sonographisch erkennbares PCO-Syndrom und Zyklusstörungen sowie übergewichtige Frauen (Bodymassindex >25) mit und ohne Hinweise auf ein PCOS.
Ohne PCO hatten Übergewichtige häufiger eine erhöhte Insulinresistenz als Normalgewichtige, was so sicher auch zu erwarten war. Aber Normalgewichtige mit PCO waren stärker insulinresistent als Übergewichtige ohne PCO. Die stärkste Insulinresistenz hatten Übergewichtige mit PCO. Am insulinempfindlichsten waren erwartungsgemäß Normalgewichtige ohne PCO. Der metabolisch entscheidende Faktor scheint somit das polyzystische Ovar und nicht das Übergewicht zu sein.
Daraus folgt:
1. Bei Zyklusstörungen und Übergewicht ist zwar weiterhin eine Reduzierung des Körpergewichtes zu empfehlen, aber dies sollte nicht die einzige ärztliche Maßnahme sein, die Bestimmung der Insulinresistenz gehört sicherlich ebenfalls dazu.
2. Auch bei normalgewichtigen Frauen mit einem PCO-Syndrom sollte eine Kontrolle des Insulinhaushalts erfolgen.
[1] Gynecol-Tribune, Ausgabe 7 / 2003 S.10, vgl - Janet Cresswell et al., Acta Obstet Gynecol Scand 2003; 82: 61 - 64
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Kommentare
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kann diesen Insulinresistenz-Test jeder Arzt durchführen, also auch der Hausarzt? Mein Frauenarzt weigert sich nämlich, weil er es für “Blödsinn” hält
@ Steffi: ja, grundsätzlich kann das jeder Arzt durchführen, der es nicht für “Blödsinn” hält. Ob es bei Ihnen sinnvoll ist oder nicht, lässt sich jedoch nur beurteilen, wenn man Ihre Vorgeschichte und Befunde kennt.
Meine Ärztin im KI-WU Zentrum möchte bei mir einen Insulinresistenztest machen. Warum ist es wichtig, dass ich zu diesem Zeitpunkt weder am Ende noch am Anfang des Zyklus bin? Ich habe sonst nirgendswo INFO in dieser Hinsicht gefunden. Vielen Dank !
@Susanne: Vielleicht möchte sie noch weitere Hormone bestimmen, ansonsten ist es nicht von Bedeutung
Mein FA hat mich wegen einen Insulinresistentztest zwecks einer evtl. Metformineinnahme an den Diabetologen überwiesen. Dieser meinte aber, dafür ist der Endokrinologe zuständig. Nun meine Frage: Wer ist nun wirklich zuständig oder kann den Test auch mein Hausarzt machen?
Wann spricht man denn von “weiterhin deutlich erhöhtem Insulinspiegel nach 2 Stunden”? Bei mir war z.B. Nüchtern-Insulin bei 9,3, nach 1 Stunde 164,8 und nach 2 Stunden 64,8. Vielen Dank!
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