ICSI


Indikationen für Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die ICSI ist eine Behandlungsmethode, welche entwickelt wurde, um Paare zu behandeln, bei denen der Kinderwunsch wegen einer schlechten Spermienqualität unerfüllt bleibt. Oft reicht bei eingeschränkter Zahl oder Beweglichkeit der Spermien schon eine Insemination oder eine normale IVF aus, um die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu erhöhen und den Kinderwunsch zu erfüllen. Allerdings ist bei einer IVF eine Mindestanzahl von 50.000 bis 100.000 funktionsfähigen und schnell beweglichen Spermien pro Eizelle notwendig, um eine Befruchtung zu erzielen. Wenn das Spermiogramm so schlecht ist, daß diese Zahlen nicht erreicht werden können, dann ist die ICSI eine letzte und erfolgversprechende Therapieoption.

Eine weitere Indikation ist die Azoospermie, also das völlige Fehlen von Spermien im Ejakulat . Bei diesen Spermienemmisionsstörungen können die Spermien nicht per Masturbation gewonnen werden, sondern werden aus dem Hoden oder Nebenhoden gewonnen (MESA oder TESE). Die Zahl der so gewonnenen Spermien ist regelmäßig zu gering, um beispielsweise eine Insemination durchführen zu können und meist auch für eine „normale“ IVF nicht ausreichend.

Prinzip und Vorgehensweise

eggmovie1.gifDas Prinzip der ICSI liegt darin, daß die Eizelle „gezwungen“ wird, sich von nur einem Samenfaden befruchten zu lassen. Dazu wird die Eizelle mit einer dicken Glaskanüle fixiert (auf dem Bild links) und eine sehr feine Pipette wird verwendet, um ein Spermium unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle einzuspritzen. Der Samenfaden ist in der Kanüle zu sehen.

Ansonsten unterscheidet sich diese Therapie in nichts von der konventionellen IVF. Auch für die ICSI wird dieselbe hormonelle Stimulation durchgeführt und anschließend die Eizellen durch eine Punktion gewonnen. Auch die Rückgabe der befruchteten Eizellen (Transfer) wird auf die gleiche Weise durchgeführt.

Der einzige Unterschied liegt also darin, daß man nicht der Eizelle die Auswahl eines Samenfadens überläßt, sondern einen aussucht, welcher dann injiziert wird. Nun ist völlig unklar, nach welchen Kriterien die Auswahl des letztlich zur Befruchtung führenden Spermiums erfolgt, denn sicherlich stimmt „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ hier nicht. Man kann also nicht wissen, ob man wichtige Auswahlkriterien der Eizelle einfach außer Kraft setzt.

Mögliche Risiken

Da die Methode relativ neu ist (1993), bestand lange Zeit die Frage, ob ein erhöhtes Mißbildungsrisiko für die so erzeugten Kinder besteht. Im Nachhinein durchgeführte (retrospektive) Untersuchungen an den bereits geborenen Kindern auch über längere Zeiträume nach der Geburt ergaben kein erhöhtes Risiko, jedoch war es wichtig, eine prospektive Studie durchzuführen. Die Ergebnisse dieser in Deutschland erstellten Studie zeigten, daß das Risiko für Fehlbildung bei der ICSI geringfügig gegenüber normal enstandenen Kindern erhöht ist, jedoch bei Berücksichtigung der negativen Voraussetzungen seitens der Eltern (häufiger höheres Alter, Übergewicht der Frau und genetische Veränderungen) lediglich ca.0,5% höher liegt (0,2-0,7%).

Diese Ergebnisse führten dazu, daß die Krankenkassen die Kosten für eine ICSI-Behandlung jetzt übernehmen, was bis zu einem entsprechenden Urteil des Bundessozialgerichts (4/2002) bisher nicht der Fall war

Das Embryonenschutzgesetz und die standesrechtlichen Richtlinien gelten für die ICSI genauso, wie für die IVF, so daß die in dem entsprechenden Kapitel erwähnten Voraussetzungen für die ICSI genauso zu erfüllen sind.

Ergebnisse

Die Erfolgsraten mit der ICSI sind ähnlich den Ergebnissen der IVF-Behandlung. Die früher häufig geäußerte Meinung, daß die Ergebnisse besser seien, konnte sich über die Jahre nicht bestätigen

Risiken

Das Spektrum der Risiken ist das gleiche wie bei der IVF. Jedoch sind die Drillingsraten bei der ICSI etwas höher, weshalb speziell bei dieser Therapievariante eine Reduktion der transferierten Embryonenzahl auf 2 bei jüngeren Patientinnen zu erwägen ist. Auf das unklare Risiko bei den Fehlbildungen wurde ja bereits hingewiesen.


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