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Mehrlinge

Autor: E. Breitbach (Erstellt am 24.12.2002 | zuletzt geändert am 05.05.2006)

Mehrlinge als Risiko der Kinderwunschbehandlung

Bei einer Reagenzglasbefruchtung werden nur maximal drei Embryonen zurückgegeben, daher ist nur die Enstehung von Drillingen möglich. Wenn eine hormonelle Stimulation vor Verkehr oder einer Insemination erfolgt, dann sind höhergradige Mehrlinge möglich. Insbesondere bei schlechter Überwachung kann es dann zu solchen Fällen kommen, wie sie gelegentlich in der Presse beschrieben werden (7-linge, 8-linge). Wenn auch Zwillinge und Drillinge von einem verantwortungsbewußten Arzt möglichst vermieden werden, so sind solche Berichte ein Zeichen für einen krankhaften Erfolgswillen bei Arzt und Patientin, die in einer modernen Reproduktionsmedizin nichts zu suchen haben.

Wie häufig sind Mehrlinge eigentlich?

Wenn keine Hormontherapie erfolgt, dann können natürlich auch Mehrlinge auftreten. Die Häufigkeit errechnet sich nach der “Hellinschen Regel”:

  • auf 85 Geburten kommt eine Zwillingsgeburt (1,8%)
  • auf 852(= 7225) Geburten eine Drillingsgeburt (0,014%)
  • auf 853(= 614125) Geburten eine Vierlingsgeburt. (0,0001%)

Bei der Reagenzglasbefruchtung sind diese Zahlen wesentlich höher. Das Deutsche IVF-Register gibt für das Jahr 2000 folgende Zahlen heraus: Ca. 75% der Schwangerschaften nach IVF und ICSI sind Einlingsgeburten, 23,87% (IVF) bzw. 21,65% (ICSI) sind Zwillingsgeburten und 2,56% bzw. 2,11% sind Drillinge (für das Jahr 1999: > 4% !). Sogar Vierlinge traten auf, jedoch insgesamt “nur” in zwei Fällen, was aber immerhin 0,03% entspricht.

Für andere reproduktionsmedizinische Maßnahmen gibt es keine zuverlässige Statistik, jedoch sind die Zahlen auch hier deutlich höher als bei normal entstandenen Schwangerschaften.

Was ist daran so schlimm, wenn man 2-3 Kinder auf einmal bekommt?

Vieles. Es muß einem klar sein, daß Drillinge eine ökonomische und soziale Katastrophe darstellen. Die finanziellen Belastungen sind einem Kinderwunschpaar, das mit den Worten “Hauptsache schwanger” in die Therapie geht, im Vorfeld meist nicht klar und auch nicht die Tatsache, daß die Beanspruchung durch die Kinder die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte erschwert oder gelegentlich sogar unmöglich macht. Mal ehrlich, wer lädt eine Familie mit drei Kleinkindern mal eben zum Kaffetrinken ein? Eben. Im Vordergrund stehen aber die medizinischen Risiken:

Mehrlingsschwangerschaften haben ein größeres Risiko für

  • Frühgeburtlichkeit, bei Drillingen ist dies ausnahmslos der Fall. Die Unreife der kindlichen Organe kann je nach Zeitpunkt der Geburt zu bleibenden Schäden führen. Im Schnitt werden Zwillinge 5 vor dem Termin geboren, bei Drillingen sind es 8 Wochen.
  • Vorzeitige Wehen. Die Vorstufe der Frühgeburtlichkeit. Sie führen zu ambulanten, oft aber auch stationärer Behandlung.
  • Bleibende Schäden: Entsprechende Untersuchungen in Deutschland zeigten, daß bei jeder zweiten Drillingsschwangerschaft entweder eines der Kinder noch vor oder kurz nach der Geburt verstarb oder bleibende Schäden (Geistige Behinderungen, Hörstörungen und Lähmungen sind seltener, Sehstörungen sind durch die oft langandauernde Beatmung der Kinder sehr häufig)
  • Schwangerschaftskomplikationen wie Wassereinlagerungen, Nierenstörungen, erhöhter Blutdruck, akute Leberschädigungen und Schwangerschaftsdiabetes treten bei Mehrlingsschwangerschaften häufiger auf als bei Einlingen
  • Totgeburten: Bei Zwillingen sind diese 6x häufiger als bei Einlingsschwangerschaften
  • Bei Mehrlingen sind oft “Kaiserschnitte” notwendig bei der Entbindung, bei Drilligen ist dies die Regel.

Kann man Mehrlinge vermeiden?

Eines vorweg: Dieses oben genannte Szenario gilt hauptsächlich für die Drillingschwangerschaften, mit einer angemessenen Betreuung führen Zwillingschwangerschaften oft zu einer normalen Entbindung am Termin und zwei gesunden Kindern.

Aber Drillinge zu vermeiden sollte dem betroffenen Paar und dem Arzt wichtiger sein als eine Schwangerschaft. Dazu noch einmal ein paar interessante Daten aus dem “Deutschen IVF-Register”: Bei Frauen bis zu einem Alter von 35 Jahren konnte die Schwangerschaftsrate durch die Zurückgabe von drei statt zwei Embryonen von 33,95% auf 34,62% “gesteigert” werden (IVF) bzw. von 32,19% auf 32,81% (ICSI). Die Mehrlingsrate erhöhte sich jedoch deutlicher: von 23,87% auf 27,99% (Zwillinge) bzw. von 0,2% auf 5,36% (Drillinge). Die Konsequenz dieser Zahlen liegt auf der Hand: der Transfer von mehr als zwei Embryonen sollte bei Frauen <36 nur in absoluten Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Und was ist mit Zwillingen?

Grundsätzlich sollte man diese auch möglichst vermeiden. In Deutschland haben wir “nur” ein gesetzliches Problem: Da die Auswahl der Embryonen, welche zum Transfer weiterkultiviert werden sollen, bereits am Tag nach der Eizellentnahme im sogenannten Vorkernstadium erfolgen muß, ist die Überlebensfähigkeit der Embryonen schwerer abzuschätzen als in anderen Ländern, wo man diese Auswahl sehr viel später durchführen kann. Gäbe es diese Regelung nicht, könnten möglicherweise häufiger ideale Embryonen ausgewählt werden und dann auch mit dem Transfer nur eines Embryos bessere Schwangerschaftsraten erreicht werden.

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