Imprinting


Genetic Imprinting als Risiko der Kinderwunschbehandlung

Mit den väterlichen und mütterlichen Chromosomen werden alle Gene doppelt vererbt, aber nur eines davon wird benötigt, das andere wird „abgeschaltet“. Das „imprinting“ legt fest, ob das von der Mutter oder das vom Vater geerbte Gen aktiviert wird. Begünstigt durch die Reagenzglasbefruchtung soll es zu Defekten kommen, bei dem in Einzelfällen beide elterlichen Gene aktiviert werden.

Epigenetik, die Lehre von der Steuerung der Gene

Die Epigenetik ist ein neuer Wissenschaftszweig, der sich nicht mit den Genen selbst beschäftigt, sondern mit der Steuerung derselben. Epigenetische Faktoren beeinflussen also nicht die eigentlich Erbinformation, sondern die „Lesbarkeit“ der Gene. Dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle, beim Menschen und auch anderen Säugetieren ist dies vor allem die DNA-Methylierung. Da die Zellen des frühen Embryonen (bis zum Achtzellstadium) noch nicht spezialisiert, also „totipotent“ sind, sind diese Steuerungsmechanismen zunächst aufgehoben und alle Erbinformationen lesbar. Erst bei der weiteren Entwicklung der Eizelle kommt es dann zu einer Neuordnung der Lesbarkeit der Gene.

Imprinting bei der Reagenzglasbefruchtung

Dieser sehr komplexe Ablauf könnte im Reagenzglas Störungen ausgesetzt sein, wenn es zu Asymetrien bei der Programmierung der väterlichen und mütterlichen Gene kommt, welches aufgrund unterschiedlicher Chromatinstrukturen derselben im Reagenzglas der Fall sein könnte. Im Tierexperiment konnten unter IVF-ähnlichen Studienbedingungen solche Probleme beobachtet werden.

Die Überlegungen, daß Imprinting-Defekte auch beim Menschen unter den physiologischeren Bedingungen einer IVF auftreten könnten, kamen durch eine häufigeres Auftreten des Angelmann-Syndroms auf, einer genetisch bedingten Erkrankung, welche auf Imprinting zurückgeführt wird. Das Angelmann-Syndrom tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:15.000 auf, wobei aber lediglich 4% durch Imprinting-Defekte hervorgerufen werden.

Um also das gehäufte Auftreten von Imprintingdefekten bei IVF oder ICSI im Rahmen einer Studie zu beweisen, müsste man mind. 125.000 durch Reagenzglasbefruchtung gezeugte Kinder genetisch untersuchen. Gegenwärtig ist also dieser Beweis nicht führbar.

Schlussfolgerungen für die Patientenaufklärung

Aufgrund der Tatsache, daß solche durch Imprinting hervorgerufenen Erkrankungen extrem selten sind, sollte zwar bei einer Aufklärung für IVF oder ICSI der Hinweis erfolgen, dass hier möglicherweise ein erhöhtes Risiko besteht. Im einzelnen auf diese Erkrankungen einzugehen und über diese aufzuklären ist in Anbetracht der Tatsache, dass deren Auftreten nur im niedrigen Promillebereich erfolgt, nicht gerechtfertigt, möchte man nicht unnnötig Ängste bei den Kinderwunsch-Paaren schüren.

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