Pille bei Kinderwunsch


Die Gabe der Antibabypille kann auch bei einer Kinderwunschbehandlung durchaus sinnvoll sein Foto von starbooze
Die Gabe der Antibabypille kann auch bei einer Kinderwunschbehandlung durchaus sinnvoll sein – oft auch, um später erfolgende Hormongaben besser steuern zu können
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„Pille“ bei Kinderwunsch…..das passt doch nicht zusammen….oder?

Doch, manchmal schon. Oft wird die Pille eingesetzt bei der Behandlung bestimmter hormoneller Störungen, z. B. dem PCO-Syndrom, um die überaktiven Eierstöcke ruhig zu stellen. Natürlich kann das nur in der Vorbereitung auf den eigentlich Behandlungszyklus sinnvoll sein, denn eine Antibabypille wirkt ja nun einmal so, dass der Eisprung unterdrückt wird.

Aber auch in Vorbereitung auf einen IVF-Zyklus oder auch hormonellen Stimulationen für andere Therapien wird die Pille häufig eingesetzt. Die Pille bewirkt durch die erhöhten Östrogenspiegel (Ethinylöstradiol, wesentlich stärker wirksam als das natürliche Östradiol), dass die Hirnanhangsdrüse „annimmt“, dass eine Schwangerschaft vorliegt und diese dann die Ausschüttung von LH und FSH unterlässt. Dadurch bleibt eine Follikelreifung aus. (Hier mehr zu den hormonellen Grundlagen)

…verstanden, aber warum und wann verwendet man es bei der Kinderwunschbehandlung?

Dazu muss man Folgendes verstehen:

  1. durch die Antibabypille wird das Wachstum eines reifen Follikels unterdrückt, jedoch nicht die ersten Entwicklungsschritte der Follikel
  2. die Entwicklung eines Eibläschens beginnt nicht mit der Regelblutung, sondern bereits in der zweiten Zyklushälfte des Vorzyklus.
  3. Es entwickeln sich immer mehrere Follikel pro Zyklus, jedoch reift normalerweise nur eines bis zum Ende aus

Gibt man also eine Pille im Vorzyklus in Vorbereitung auf eine hormonelle Stimulation, dann entwickeln sich Follikel, jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt, nämlich dem Zeitpunkt, bei dem eine zusätzliche Stimulation der Eierstöcke mit FSH (medikamentös oder durch die Hirnanhangsdrüse) für ein weiteres Wachstum notwendig wird. Unter der Wirkung der Pille kommt es dann zu einem Stillstand im Follikelwachstum und zwar bei dem selben Entwicklungschritt und allen Eibläschen. Diese werden also sozusagen auf der „Startlinie“ aufgereiht und keines kann sich einen entscheidenden Wachstumsvorteil verschaffen.

Setzt man dann die Pille ab und beginnt nach Eintritt der Blutung mit einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke, dann gelingt es aufgrund der gleichgeschalteten Entwicklung, die Eibläschen gleichzeitig zu Reife zu bringen. Also auch dann, wenn das Ziel der Stimulation nur in wenigen Eibläschen besteht, ist es durch die Vorbehandlung mit der Pille besser möglich, eine ausreichende Anzahl optimal reifer Eizellen zu stimulieren. In Zentren, die lieber wenige, dafür aber gute Eizellen haben möchten, ist die Gabe einer Pille daher oft Voraussetzung, um dieses Ziel mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zu erreichen.

Drei weitere Vorteile sollen nicht unerwähnt bleiben:

  1. Wird eine Downregulation bereits im Vorzyklus begonnen, dann fällt der „Flare-up“-Effekt durch die initiale Ausschüttug von FSH und LH weg und auch die Östrogenentzugserscheinungen fallen meist weg, so lange die Pille genommen wird.
  2. Eine Schwangerschaft kann ausgeschlossen werden zum Zeitpunkt des Beginns der Downregulation. Beginnt diese in der zweiten Zyklushälfte des Vorzyklus, kann dies sonst nicht mit Sicherheit gewährleistet werden. Es ist zwar nach wie vor unklar, was mit einer solchen Schwangerschaft unter dem Einfluss der GnRH-Analoga geschieht, aber es ist sicherlich besser, eine solche (meist sehr unwahrscheinliche) Situation zu vermeiden.
  3. die Stimulation ist durch die Gabe einer Pille besser planbar. Je nach Protokoll kann man die Pille so absetzen, dass die ersten Ultraschalluntersuchungen genau und die Punktion ungefähr oft Wochen im voraus zeitlich vorhersehbar ist

Zuletzt bearbeitet am: 10. Mai 2015 @ 22:08

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