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Während üblicherweise bei der IVF und ICSI der Transfer der Embryonen am 2. oder dritten Tag nach der Eizellentnahme erfolgt, werden die Embryonen beim sogenannten Blastozystentransfer 5 Tage lang kultiviert, um das Blastozystenstadium der embryonalen Entwicklung zu erreichen. Durch die längere Kultur erfolgt der Transfer zu dem Zeitpunkt, an dem die Embryonen auch üblicherweise die Gebärmutter erreichen und sich einnisten.
Man erhofft sich dadurch, eine bessere Auswahl vitaler und einnistungsfähiger Embryonen erreichen zu können, da das Blastozystenstadium nicht von allen Embryonen erreicht wird und man annimmt, dass nur die besten sich so lange ungestört entwickeln und somit auch nur jene mit dem besten Einnistungspotential.
Entgegen oftmals anderslautender Meinungen ist der Blastozystentransfer auch in Deutschland erlaubt.
Das Problem bei einem Transfer am 5. Tag nach der Punktion ist, dass möglicherweise keiner der erzeugten Embryonen die lange Kultur überlebt. Man kann davon ausgehen, dass ca. 50% der kultivierten Embryonen am 5. Tag nach der Punktion noch vital sind. Um sicher zu gehen, dass Embryonen zu Transfer vorhanden sind, muss die Zahl der gewonnenen Eizellen relativ hoch sein. Während bei ausreichender Eizellzahl in den unterschiedlichen Studien die Transferrate bis zu 92% betrug, sind bei einer Eizellzahl < 6 nur 42-64% der Zyklen mit einem Transfer abzuschließen. Diese Zahl liegt bei dem Transfer am 3. Tag nach der Punktion durchweg um 20-30% höher.
Dies soll ausgeglichen werden durch eine verbesserte Einnistung des einzelnen Embryos beim Blastozystentransfer. Während diese beim Tag-3-Transfer mit 18-21% angegeben werden, liegt diese bei den unten genannten Studien bei 24-26%. In einer Studie (Milki et al.) jedoch deutlich höher mit 47%, wobei sich hier Zahl der transferierten Embryonen sowie der Mehrlingsschwangerschaften von den anderen genannten Untersuchungen abhob.
Im Hinblick auf die Schwangerschaftsraten muss man sogenannte retrospektive von prospektiven und kontrollierten Studien unterscheiden. Erstere sind reine Nachbeobachtungen, während letztere bei ausreichend großer Patientenzahl eine echte Unterscheidung der Wirkung einer Methode zulassen. Während bei retrospektiven Untersuchungen mit jungen Patientinnen Erfolgsraten von 80% genannt werden, kommen prospektive und kontrollierte Studien zu anderen Ergebnissen. Hier konnten keine signifikanten Unterschiede bezüglich Schwangerschaftsrate, Lebendgeburtrate oder Implantationsrate pro Embryo gefunden werden. Eine sytematische Auswertung dieser prospektiven Untersuchungen ( Cochrane Database Blake et al.) bestätigte dies.
Auch die Annahme, dass speziell bei älteren Patientinnen die Problematik des beeinträchtigten Erbguts der Eizellen weniger zum Tragen kommt, konnte nicht in dem erwarteten Umfang bestätigt werden. Bei Patientinnen >35 Jahren betrug der Anteil genetisch auffälliger Embryonen am 3. Tag 60%, am 5. Tag jedoch immer noch 40%.
Ein weiterer gelegentlich genannter Vorteil könnte eine geringere Eileiterschwangerschaftsrate sein. Zum einen aufgrund der schnelleren Einnistung nach dem Transfer und zum anderen aufgrund der Größe der Blastozyste, die nicht in mehr in den Eileiter “passt”. Dazu gibt es eine (retrospektive) Studie, die das Auftreten von Eileiterschwangerschaften nach Transfers am Tag 3 und 5 nach der Punktion anhand einer großen Fallzahl miteinander verglich (Milki et al.; 2003): Hier wurden 623 Schwangerschaften, die nach einem Transfer am 3. Tag nach der Punktion stattfanden mit 333 Schwangerschaften verglichen, die nach einem Blastozystentransfer auftraten. Nach Transfer am dritten Tag wurden 22 Eileiterschwangerschaften festgestellt (=3,5%) und nach Transfer am 5. Tag 13 (=3,9%). Ein statistisch signifikanter Unterschied ergab sich dadurch nicht.
Möglicherweise lassen sich jedoch höhere Implantationsraten durch selektive Verwendung von sequenziellen Medien erzielen, wobei es auch hier unterschiedliche Ergbnisse gibt (Emiliani et al.). Die höhere Abbruchrate von Behandlungszyklen mit Blastozystentransfer sowie schlechtere Ergebnisse nach Kryokonservierung führten jedoch dazu, den Blastozystentransfer nicht als überlegen zu empfehlen.
Es ist nach wie vor ungeklärt, welchen Einfluss die (verlängerte) Embryonenkultur auf die kindliche Entwicklung hat. Die frühen Teilungsstadien des Embryos sind ein hoch komplexes System, der Einfluss einer Embryokultur ist beim Blastozystentransfer ebenso wie bei der konventionellen IVF noch nicht abschließend geklärt. Mit den väterlichen und mütterlichen Chromosomen werden alle Gene doppelt vererbt, aber nur eines wird benötigt, das andere wird “abgeschaltet”. Das “imprinting” legt fest, ob das von der Mutter oder das vom Vater geerbte Gen aktiviert wird. Begünstigt durch die Reagenzglasbefruchtung soll es zu Defekten kommen, bei dem in Einzelfällen beide elterlichen Gene aktiviert werden.
Die Rate eineiiger Zwillinge nach Blastozystentransfer wird in retrospektiven Studien mit 4,3 % höher angegeben als nach frühem Transfer und wird in der Kombination mit der Eröffnung der Eizellhülle bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion auf mehr als 5 Prozent erhöht. Prospektive Studien, die diesen Zusammenhang beweisen könnten, stehen aus.
Die höhere Zahl der Eizellen, die für den Blastozystentransfer notwendig ist, erhöht die Risiken für ein Überstimulationssyndrom.
Milki AA, Jun SH
Ectopic pregnancy rates with day 3 versus day 5 embryo transfer: a retrospective analysis.
BMC Pregnancy Childbirth. 2003 Nov 7;3(1):7
Emiliani S.,Delbaere A., Vannin A-S, Biramane J., Verdoodt M., Englert Y., Devreker F.
Similar delivery rates in a selected group of patients, for day 2 and day 5 embryos both cultured in sequential medium: a randomized study
Hum. Reprod. 2003 18: 2145-2150
Blake D, Proctor M, Johnson N, Olive D.
Cleavage stage versus blastocyst stage embryo transfer in assisted conception.
Cochrane Database Syst Rev 2002; 2: CD002118.
Coskun S, Hollanders J, Al-Hassan S, Al-Sufyan H, Al-Mayman H, Jaroudi K.
Day 5 versus day 3 embryo transfer: a controlled randomized trial.
Hum Reprod 2000 Sep;15(9):1947-52
Huisman GJ, Fauser BC, Eijkemans MJ, Pieters MH.
Implantation rates after in vitro fertilization and transfer of a maximum of two embryos that have undergone three to five days of culture.
Fertil Steril 2000 Jan;73(1):117-22
Plachot M, Belaisch-Allart J, Mayenga JM, Chouraqui A, Serkine AM, Tesquier L.
Blastocyst stage transfer: the real benefits compared with early embryo transfer.
Hum Reprod 2000 Dec;15 Suppl 6:24-30
Milki AA, Hinckley MD, Fisch JD, Dasig D, Behr B.
Comparison of blastocyst transfer with day 3 embryo transfer in similar patient populations.
Fertil Steril 2000 Jan;73(1):126-9
wie ist das Werben mit überdurchschnittlich (i. Vgl. zu Deutschland) hohen Schwangerschaftsraten bei Blastozystentransfer in Bregenz/ Österreich zu bewerten?
Dazu ist zu sagen, dass es gute und weniger gute Zentren in Österreich gibt. Das gleiche gilt auch für Deutschland.
Die Erfolgsraten sind in Österreich nicht generell höher als in Deutschland, wie der Vergleich der jeweiligen zentralen IVF-Register zeigt.
Es gibt sicherlich Zentren, die sehr gute Ergebnisse haben und Blastozystentransfers durchführen. Fraglich ist der direkte Zusammenhang, denn ähnlich gute Ergebnisse haben auch die sehr guten deutschen Zentren ohne Blastozystentransfer.
Zur Werbung konkret möchte ich mich eher nicht äußern.
[...] Blastozystentransfer wird oft zur Verbesserung der Schwangerschaftsraten eingesetzt. Jedoch gibt es keine [...]
[...] Transfer nach 5 Tagen im sogenannten Blastozystenstadium wird immer wieder als eine Methode genannt, die nach wiederholt erfolglosen IVF-Behandlungen doch [...]
[...] einem Blastozystentransfer werden die befruchteten Eizellen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung erst 5 Tage nach der [...]
[...] Worten wird Prof. Feichtinger zitiert. Eine erstaunliche Feststellung aus dem Land, in dem die Blastozystenkultur mit hohen Hormondosen und möglichst lang andauernder Kultur vieler Embryonen der Standard war [...]
[...] ersten Artikel zur Selbstkorrektur genetischer Fehler in den Embryonen auf einen wichtigen Punkt den Blastozystentransfer betreffend noch nicht hingewiesen [...]
[...] hierzulande “eh´ nicht erlaubt sein werden”, obwohl dies oft nicht stimmt (z. B. Blastozystenkultur). Selbst die genetische Untersuchung von Embryonen ist in Deutschland nun [...]
[...] Studie”. Jedoch fand ich eine andere, die den Sachverhalt zumindest bis zum Transfer als Blastozyste [...]