Ersatzteile und Entscheidungen

Samstag, 29 November 2008

Gestern mittag, 12 Uhr.

Tante Heinz schmeißt sich eine Dormicum und nimmt danach Platz auf dem Zahnarztstuhl.

Mhm, lecker. Schon wieder Drogen, die mich schläfrig machen. Diesbezüglich war das Jahr 2008 wirklich eine Wucht.

Leider durfte ich nicht einschlafen, denn der Herr Zahnarzt war angewiesen auf meine aktive Mithilfe. Das hörte ich jedoch erst, als das OP-Tuch auf meinem Gesicht eine Flucht unmöglich machte. Und weil ich gestern dank Dormicum von Vernunft und einem angenehmen LMMA-Gefühl gesegnet war, habe ich seinem Entschluss zugestimmt. Zu nah lag der Nerv dem Areal, in das mein Implantat geschraubt werden sollte.

Mit der Betäubung wurde dementsprechend auch nicht der Nerv lahmgelegt, denn den sollte ich ja spüren, sondern alles ‘drumherum. Und Bescheid sagen sollte ich, falls er sich trotz genauer Berechnung in die brandgefährliche Region schrauben sollte.

Hach Gott, was habe ich mich verflucht, dass ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht doch noch ein wenig aufgestockt hatte. So ‘ne kleine Lippenlähmung ist nicht nur im beruflichen eine Tantenkatastrophe. Man stelle sich vor, ich müsste damit zu einem Logopäden - da käme ich nun wirklich in echte Schwulitäten, denn die sind alle bekloppt.

Aber was soll ich sagen - Implantieren ist echt besser als Zähne ziehen. Sieht man mal von den gruseligen Geräuschen ab, die das Skalpelll macht, wenn das Zahnfleisch abgesäbelt wird. Werde in Zukunft immer ein OP-Tuch über dem Gesicht verlangen. Man kann die Augen verdrehen, sie zukneifen, muss niemanden anschauen und kann so tun, als wäre man gar nicht da. Toll.

Und weil das in meinem Leben das letzte Implantat gewesen sein wird - schließlich habe ich den Zahn nicht versaut, sondern Dr. F. , der schlechteste und kleinste Zahnarzt auf Gottes Erdboden, Mitarbeiterausbeuter, Dumme-Witze-Reißer und Am-Ende-des-Quartals-aus-Langeweile-Privatpatientenzahnzerstörer- war das nun eine einmalige Erfahrung, die man mal gemacht haben muss.

Um 22 Uhr klingelte das Telefon. Am Apparat der Implantatverschrauber, der sich erkundigen wollte, ob alles töfte ist.

Nun habe ich ihn endgültig in mein großes Tantenherz geschlossen.

Wange kühlen geht gut - es liegt noch genug Schnee auf dem Balkon, mit dem ich innerhalb kürzester Zeit den Waschlappen auf Niedrigtemperaturen bekomme. T. hat mich mit einem feinen Mankell-Krimi versorgt. Und mit einem hübschen Vargas-Krimi. Deswegen ist es gerade auch total egal, dass ich schon um 5 aus dem Bett gefallen bin, ich muss unbedingt wissen, wer den Archäologinnen-Sohn nun umgebracht hat.

Heute werden wir in trauter Zweisamkeit Plätzchen backen und uns darüber freuen, das niemand etwas von uns will. Ab dem nächsten Wochenende wird es terminlich wieder ganz gruselig, wie immer vor Weihnachten.

Übrigens: Wir haben uns zu einem Termin bei Frau Th. entschlossen. Naja, ich schon etwas länger, aber T. hat ernsthaft zugestimmt. Wir brauchen jemanden, der erstens nett ist und zweitens ein Gespräch in Gang hält, ohne dass eine Person die Fluchtmöglichkeit ins Schlafzimmer hat. Das lassen wir nämlich hier. Wir brauchen Entscheidungshilfen. Betonung liegt auf “Wir”. Denn ich bin selbst ganz unschlüssig.

Uah… Wir gehen zur Paartherapie. Ich bin ganz aufgeregt. Dann kann ich sie gleich mal fragen, ob wir ansonsten ganz richtig im Kopf sind.

“Aber erst im nächsten Jahr.” Diese Einschränkung lässt mich angesichts des fortgeschrittenen aktuellen Jahres recht cool. Und ich habe definitiv nicht “Erst im übernächsten Jahr.” gehört. Und nachdem wir ja schon ihren Vortrag in Hannover gehört haben, denke ich, dass diese Frau genau die Richtige für uns ist. Keine Hampeleien mehr, wir gehen nur noch zu Koryphäen.

Sollte es zu einer Entscheidung kommen, müssen wir uns nur noch darüber unterhalten, wer die ausführende ärztliche Instanz sein wird. T. hat nämlich einen anderen Favoriten als ich. Vermutlich will er danach eine mit ihm rauchen gehen.

Habe Besucher Nummer 60.000 verpasst. Wer war das? Eigentlich wollte ich ihm Socken stricken. Tja. Hat sie mal wieder nicht aufgepasst, die Frau Tante und muss ihr Vorhaben auf die 100.000 verschieben. Eigentlich dachte ich ja, hier sei jetzt bald mal Schluss, aber anscheinend wid uns der Plan B noch ein paar Jährchen beschäftigen.

So. Ich gehe wieder ins Bett.

Herr P. - Mein neuer alter Freund…

Freitag, 21 November 2008

Hui…. Es gewittert… Es ist zappenduster… Und es schneit….

Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich meinen, der Himmel fällt mir auf den Kopf.

Ich muss sagen, mein Verhältnis zu Schnee hat sich gebessert. Wir sind gute Kumpels geworden, der Herr Schnee und ich. Zumindest heute finde ich ihn ganz hübsch. Und ich finde Autofahren gerade mal wieder ganz aufregend.

Mein Auto, welches ja nun wieder vorzüglich funktioniert, hat auf dem Weg nach Hause komische Töne gemacht. Diagnose, von der Tante höchstpersönlich gestellt: Schraube im rechten Vorderreifen. Töfte, das. Vor allem das Geräusch der entfleuchenden Luft. Immerhin, ich hatte noch die Wahl, in die Werkstatt meines Vertrauens zu fahren, denn der Reifen hatte noch ein bisschen Restluft. Und ein Sommerersatzrad aufzuziehen, da war mir irgendwie nicht nach.

Und was habe ich gelernt? Man muss gar keinen neuen Reifen kaufen, denn mein Abrakadabra-KFZ-Freund, den ich seit heute anbete, hat ihn gestopft.

Wow. Was es nicht alles gibt. Sieht zwar einigermaßen bescheuert aus, aber hält noch jahrelang. Sagt er.

Schon heute morgen habe ich bemerkt: Es ist Freitag. Böser Tag. Gemeinhin passieren da komische Sachen. Der Autoreifen passte vorzüglich ins Gesamtbild. Freitags steht zum Beispiel gerne mal eine Praxis unter Wasser und Frau Tante muss sich mit irrsinnigen Gas-Wasser-Installateuren herumschlagen, die entweder tablettensüchtig oder einfach nur dumm sind.

Heute stand die Praxis nicht unter Wasser. Heute war die Praxis kalt.

Passte so gut zur Außentemperatur. Wir haben uns eine Kerze angezündet und uns die Hände gewärmt, bis der Herr Vermieter beziehungsweise seine Angestellte es ans Telefon geschafft hat.

“Hallo, hier Tante Heinz. Die Heizung ist kaputt.”

Angestellte: “Da sind sie falsch verbunden. Wir sind hier eine Arztpraxis.”

TH: “Jaja. Genau.”

Angestellte legt auf.

Erstaunter Tantenblick. Erneuter Griff zum Hörer. Besetzt. Rückrufaufbau ist was Feines. Ich finde die Telekom ja eigentlich blöd, aber heute war sie einigermaßen praktisch.

TH: “Hallo nochmal. Tante Heinz hier wegen der Heizung.”

A: “Hui, sie haben sich schon wieder verwählt.”

TH: “Gute Frau. Ich lebe seit zwei Jahren unter Ihnen. Letzte Woche haben Sie mir die schlimmste Spritze meines Lebens verpasst. Klopfklopf, na, klingelt’s? Meine Heizung geht nicht. Meines Wissens habe ich sie nur gemietet und andere Leute sind dafür zuständig, sie wieder auf Vordermann zu bringen.”

A: “Aaaaaaah, Tante Heinz!! Na das ist ja doof. Ist doch so kalt heute.”

TH: “Genau.” ( …immmerhin, dafür hat die Wahrnehmung so früh am Morgen schon gereicht….) “Und nun?”

A: “Ja, Mensch, die ist doch heute erst gewartet worden vom Herrn P.”

TH: “Welcher Herr P.? Der Herr P.? Der Herr P., der mir vor einem Jahr, nachdem T. und ich vier Stunden Wasser aus der Praxis geflitscht hatten, sagte, da käme gar kein Wasser aus der Wand, Frauen würden sich so allerhand einbilden, da sei doch gar kein Rohr…? Der Herr P., der sagte, das Wasser sei unter der Tür hergeregnet und zwar 6 cm hoch??? Der Herr P., der sagte, wir sollten erstmal weiterflitschen, er würde in zwei Stunden nochmal wiederkommen? Der Herr P., der, als ich fix und alle auf dem Hocker im modifizierten Schwimmbad saß, Schwänke aus seinem Leben erzählte und mir prophezeite, der Schimmel würde bald die Wände hochkriechen und ich könnte erstmal ein paar Monate zumachen? Der Herr P. war im Haus????? Kein Wunder, dass es heute morgen so komisch roch. Und noch weniger ein Wunder, dass hier nichts mehr funktioniert. Wir können ja mal ganz froh sein, dass wir gerade noch gesund auf unserem Stuhl sitzen und noch nicht in die Luft geflogen sind. Ich hörte, wir heizen mit Gas.”

A: “Ich rufe ihn mal an und schicke ihn vorbei.”

TH: “Ja, rufen Sie ihn an. Nein, schicken Sie ihn keinesfalls herein. Ich habe gerade wirklich ganz gute Laune. Wenn er kommt, dann nur in professioneller Begleitung.”

Nach einer halben Stunde ein plötzlicher Hitzeschub aus dem Heizkörper. Klein K. und ich schauten uns hocherfreut an. Er hatte mir gerade gesagt, sein Papa würde immer mit dem Hammer auf das Thermostat kloppen. Kurze Zeit später kam der Anruf von oben.

Des Rätsels Lösung war nach meinen bisherigen Erfahrungen logisch:

Herr P. hatte meine Heizung abgestellt und ist nach Hause gefahren.

Das kann man dann bei ihm durchaus als professionelle Wartung werten. Der war heute für seine Verhältnisse richtig gut, schließlich muss er zumindest einen Schalter oder so etwas betätigt haben.
Wahrscheinlich hat er mir danach noch ‘ne Schraube in den Reifen gewämst, weil ich im Januar so gemein zu ihm war - und nebenbei gesagt Recht hatte, was das Wasser aus der Wand betraf.

So. Ich würde ja gerne noch ein bisschen schreiben, habe gerade einen Lauf, aber ich gehe vorher schnell noch die Welt retten.

Übrigens: Es geht uns wieder gut. Wir hatten eine klitzekleine Krise. Ein Krischen quasi. Aber dank Wiwwi *winke* wurde das Krischen dann doch recht schnell gelöst.

Passt alle auf Euch auf, geht nicht an den Briefkasten, fahrt vorsichtig Auto, kontrolliert Eure Reifen, heute liegt etwas in der Luft. Nämlich Herr P. Wenn er vor der Tür steht, macht schnell wieder zu. Ihr werdet es schaffen, bevor er den Fuß in den Türrahmen stellt, denn er ist ein bisschen langsam in allem, was er tut.

Trotzdem wünsche ich ihm ein schönes Wochenende. Ich bin heute nicht so streng wie sonst.

Freitagsrechnungen II oder “Mein Sohn heißt Jesus”

Samstag, 8 November 2008

Freitagsrechnungen können schlecht sein, müssen Sie aber nicht! Nachdem wir einige Zeit auf die Rechnung gestarrt haben, begannen die Buchstaben zunächst zu flattern, dann zu vibrieren und mit einem lauten “Poff” war auf einmal wieder Ruhe.

Unter der Berücksichtigung, dass ich ein mit Azoospermie gesegneter Klinefelterpatient bin, grenzt die folgende Rechnung an ein Wunder. Wie dieses Wunder zustande gekommen ist, vermag nur die KiWu-Klinik zu erklären…

Aber aufgrund der Ähnlichkeit der Zeugungsumstände, werde ich den Jungen (sofern es denn einer wird) Jesus nennen!!!!

T.

Freitags-Rechnungen

Freitag, 7 November 2008

Eizellen einfrieren ist teuer. Wir haben an dem Tag nach allem gefragt, aber nicht danach, wie viele Öcken wir für die Prozedur zu latzen haben.

Ich habe mittlerweile auch gar keine Ahnung, ob wir das Dutzend jemals brauchen werden. Zumal eh in den Sternen steht, ob die Zellen zu gebrauchen sind.

Natürlich kann ich mir nun sagen, es könnte sein, dass ich nächstes Jahr unverhofft in die Menopause komme und ich dann froh bin, dass ich noch für ein paar Reserven gesorgt habe. Könnten schließlich im Idealfall noch 12 Kinder werden.

Muhaha.

Boah, ist das ätzend. Schon wieder fängt diese Schacherei an - wer kriegt wieviel für wen, was übernimmt die Kasse und wann bequemt sie sich zur Zahlung - ich könnte echt die Wände hochgehen. Da ist man gerade wieder so halbwegs auf dem Teppich angelangt und Herr über die Tücken des Alltags, plant seinen sauer verdienten Urlaub für’s nächste Jahr und dann findet man diesen Stinkebrief im Postkasten.

Und wieder einmal kann man niemandem einen Vorwurf machen, nur sich selbst. Und wahrscheinlich würden wir beim nächsten Mal die gleiche Entscheidung treffen - wofür auch immer wir die Eizellen noch brauchen. Vielleicht können wir sie ins europäische Ausland verschachern.

So. Ich habe schon vorher schlechte Laune gehabt - jetzt haben sie mich soweit, dass ich mir heute abend nichts mehr antue außer mindestens einer Flasche Wein.

Solidarisch wie man mich kennt, habe ich natürlich auch gleich T. den Tag versaut. Aber da sind noch so ein paar Dinge offen, die nur er erledigen kann. Und ich hoffe mal, dass er das zeitnah tut.

Dass solche GuteLauneDämpfer aber auch immer vor dem Wochenende kommen müssen - es ist doch wirklich zum Brechen.

Betrachtungsweisen

Mittwoch, 5 November 2008

Sitze gerade vorm PC und spiele ausnahmsweise mal nicht mein abendliches Ründchen WOW. Nach dem ganzen Desaster in Gö bin ich virtuell zum rasenden Troll mutiert, habe den Wichtel aufgemotzt bis unters Dach und bin wie ein irrer Killer durch die virtuelle Welt gefetzt und habe bei Gelegenheit alles und jeden umgenietet, dessen ich habhaft werden konnte.

Früher habe ich Holz gehackt, waren die Stunden mal düster. Aber nach Kyrill ist hier nicht mehr viel mit Holz hacken. Das was man bekommt, ist bereits gehackt.

Und mittlerweile hat die virtuelle Welt nachgezogen und ich kriege sie genauso auf die Mütze wie vorher auch. Vielleicht bin ich auch nicht mehr wütend genug.  Was geblieben ist, ist mein hypergenialer Tombolagewinn vom Hannover-KiWu-Festival:

Die GONAL-Tasse.

Diese gnadenlos häßlich designte und mit unsäglich vielen Ein-, Zwei-, Drei- und Vielfachzellhaufen rundrum, welche mich in den schönen klinisch blassen Mikroskopfarben immer leicht an etwas erinnern, an das ich gar nicht erinnert werden möchte. Aber sie ist praktisch. Und ich hatte immer schon ein Faible für praktische Dinge. Und Tassen mit Deckel sind nunmal unsäglich praktisch. Auch dann noch, wenn der Deckel ebenfalls mit einem Foto geschmückt ist. Darauf sieht man eine gigantische Eizelle. In knalligem Rot liegt die fett und feist in der Ecke und erinnert eher an einen überreifen Granatapfel als an eine Eizelle. Aber damit man nicht vergisst, dass es sich dabei um eine Eizelle handelt, hat Gonal gleich noch so ein hyperagiles Edelspermium vor der Zelle mitten auf dem Deckel geparkt. Für alle Fälle. Man weiß ja nie ob sich beim Nutzer der Tasse nicht doch noch der Gedanke einschleicht, es könnte sich um einen Granatapfel handeln…

Wäre ich für dieses schäbige Design verantwortlich, ich hätte auf dem Tassenboden nochmal die Eizelle geparkt. Allerdings wäre das Spermium bis auf zwei Zentimeter Spermienschwänzchen komplett in der Zelle verschwunden. So quasi als Befruchtungsersatzritual für Teetrinker: Tee alle - Zelle befruchtet - toll!

Aber wie gesagt ist die Tasse so häßlich, dass man nicht erwarten kann, dass die Geschmacklosigkeitmöglichkeiten bis ultimo ausgereizt werden. Denn dann wäre sie ja fast wieder schön.

Aber praktisch ist sie. Der einzige Grund der sie davor bewahrt im Wutrausch mit einem lauten Scheppern an der Wand zu enden. Denn weder Eizellen kurz vor der Befruchtung, noch hyperagile Edelspermien gehören zu den Dingen die ich mir gerade gerne ansehe. 

Ich weiß, demnächst steht noch ein ausgeprägtes Gespräch mit der Tante an, wie es denn jetzt wohl weitergeht. Ich kann nicht sagen, dass ich mich mit den Geschehnissen soweit arrangiert habe, dass ich ohne Probleme damit klarkomme. Wenn ich mich damit auseinandersetze bin ich nach einigen Minuten wieder verdammt nah am Wasser und einige Minuten später linse ich bereits wieder in Richtung Axt. Natürlich nicht der optimale Zustand. Aber es geht schon besser. Manchmal ertappe ich mich, wie ich darüber nachdenke, wie denn wohl das Süppchen eines begnadeten Spenders in meine Tante kommt und ob in den (hoffentlich) riesiggroßen Spenderdatenbanken irgendwo ein Typ versteckt ist, der wenigstens ein paar von jenen Dingen sein eigen nennt, die ich an mir nicht unflott finde.

Hätte mir vor ein paar Monaten jemand gesagt, dass ich mich freiwillig derartigen Gedanken hingebe, ich hätte den Notarzt gerufen. Aber den hätte ich auch gerufen, wenn er mir das erzählt hätte, was in Gö passiert - bzw. nicht passiert ist. 

Ich glaube ich mache mir noch einen Tee.

 

T. 

 

 

Aua

Dienstag, 4 November 2008

Ich habe Rücken. Anscheinend habe ich das ganze Elend dieser bösen Welt auf meine gemeinhin recht starken Schultern gepackt und einfach mal schick acht Wochen gewartet, bis ich den Haus- und Hofarzt aufsuchte. Es tat weh. Und bestimmte Bewegungen riefen ein recht lautes Knacken hervor. Lokalisierbar war der Schmerz dann irgendwann nicht mehr. Er fing unten an. Dann war er mal wieder in der rechten Schulter. Dann mittig zwischen den Schulterblättern. Dann wieder unten. Ganz schön flexibel, so’n Schmerz. Manchmal hatte ich ihn nur morgens. Und dann plötzlich nur abends. Und seit Freitag kontinuierlich.

Gestern abend war es dann soweit. Zack, den Oberkörper freigemacht, mich auf die Liege geschwungen und dann fing der Herr Doktor mit der Ichhabevergessenwiemansienennt-Behandlung an. Normalerweise kann man sich mit dem Typen ganz gut unterhalten. Wenn ich willenlos auf seiner Liege liege, ist Schluss mit netter Unterhaltung. Das ist wie Krieg. Außerdem wollte ich gar nicht mit ihm reden, denn er hatte bereits mit T. - ebenfalls rückenkrank, aber nun kuriert - gesprochen und wusste von unseren Problemen der letzten Wochen. Sehr gut. Das erspart mir Grundsatzdiskussionen. Da habe ich nämlich gerade gar keine Lust ‘drauf.

“Atmen sie tief ein und dann wieder aus” - knack - “Nochmal” - knackknack- “Jetzt bitte auf die Seite legen.” - knackknack - “Und auf die andere Seite.” - ganz viele laute Knacke - “Na, das hat sich ja richtig gelohnt, sie können sich wieder anziehen.”

Fein. Es hat sich gelohnt. Ärzten kann man auch am späten Abend noch mit Kleinigkeiten den Feierabend versüßen.

Ich weiß immer noch nicht, was er da macht. Aber meistens hilft’s. Er wollte mir keine Spritze geben. “Versuchen wir’s erstmal ganz natürlich. Das ist sicherlich auch in ihrem Sinne, Tante Heinz. Sie legen sich jetzt erstmal jeden Tag auf das Unterwassermassagebett und dann wollen wir doch mal sehen, ob wir das nicht ohne Spritzen wegbekommen.” Sagt’s und jagt mir die Grippeimpfung in den Oberarm.

Heute, nach zweimaligem Liegen auf dem Wassermassagedings habe ich beschlossen: Ich will eine Spritze. Mir doch vollkommen egal, wie natürlich oder unnatürlich ich die Seuche wegbekomme. Wenn ich mir überlege, was ich mir in den letzten sechs Wochen so gepfiffen habe, kommt’s auf das Spritzchen nun auch nicht mehr an. Morgen gebe ich dem Rücken noch eine Chance. Übermorgen kriegt er’s knüppeldick.

Wenn es mir früher nicht gut ging…

Sonntag, 26 Oktober 2008

….habe ich gestrickt. Ich habe freitags angefangen und sonntags war das Werk vollendet. Mit Beendigung des Strickwerks ging es mir dann meistens auch wieder ganz töfte.

Jeden Pullover kann ich immer noch einem meiner damaligen Freunde zuordnen. Aber so leichtfertig, wie ich mich von den Männern getrennt habe, trenne ich mich nicht von meinen Pullovern. Ich ziehe sie zwar nicht mehr an - naja, einen noch, den L.-Pullover, aber auch nur, wenn ich Laub fege, im Dunklen einen Spaziergang wage oder krank zum Arzt gehe und eh schon Scheiße aussehe - aber sie sind immer noch da. Lediglich der S.-Pullover wird jetzt wahrscheinlich irgendwo in Afrika getragen - schließlich hat er sich damals mit einer blonden BWL-Studentin verlustiert. Später stellte sich heraus, dass dieser nette und vergnügliche Abend eine kleine Julia hervorgebracht hat. Trotzdem hat er mir noch monatelang Mozartkugeln auf den Balkon gelegt und japanische Liebesgedichte geschrieben. Genauso stillos wie S. war auch der Pullover. Ich weiß gar nicht, ob ich den jemals getragen habe.

Mit T. hörte die Liebeskummerstrickerei dann auf. Der hat mir keine japanischen Gedichte geschrieben, sondern putzige Bilderchen gemalt. Vor allem kam T. zu einem Zeitpunkt, wo ich es mir einfach nicht mehr leisten konnte, mich tagelang strickenderweis’ der Öffentlichkeit zu entziehen. Zudem bietet er mir einfach keinen Liebeskummeranlass.

Die aktuelle Phase schreit jedoch nach meditierendem Irgendwas. Tür zu, Klingel aus, Telefon wird delegiert. Und schnell muss es gehen. Ein Tag - danach muss die Tante geistig wieder fit sein.

Deswegen werden keine Pullover mehr gestrickt, sondern es wird Seife gesiedet. Neben dem Akt der vorübergehenden Eremitage (….meine Güte, bin ich heute klug… ) bietet die Seifensiederei aufgrund der Zutaten erstens etwas Gefährliches, zweitens riecht es in den meisten Fällen gut, drittens sieht es noch gut aus und viertens wären die Weihnachtsgeschenke für 2008 bereits im Oktober quitt. Über den Gesundheitsfaktor reden wir jetzt mal nicht, ich habe nach dem ganzen Strickgeschreibsel eh schon den Öko-Stempel auf der Stirn…

Und der gehört da gar nicht hin, denn zum Kloreinigen benutze ich Cilit-Bang und meinen letzten Teppich habe ich bei Ikea gekauft und der wurde sicherlich nicht von erwachsenen Frauen in gemütlicher Atmosphäre geknüpft…

So. Das ist mein Plan für heute. Und warum schreibe ich das überhaupt? Erstens, um ein Lebenszeichen abzugeben. Zweitens, um T. noch ein Frühstück in der Küche zu ermöglichen. Momentan schläft der Gute nämlich noch, und Brötchen mit Lavendelaroma hält der stärkste Mann nicht aus. Und drittens, um zu bekennen: Ich fühle mich verhältnismäßig beschissen. Aber die Erfahrung lehrt: Heute abend geht’s mir wieder gut und morgen bin ich wieder gesellschaftsfähig.

Hätte ich eine Julia von S. gewollt? Nö. Die wäre wahrscheinlich genauso bescheuert geraten wie ihr Vater.

Hä??

Samstag, 18 Oktober 2008

Meint es das Schicksal nun gut oder schlecht mit mir, wenn es mir eine Blutung am 23. ZT beschert? Zunächst tendierte ich zum Negativ, schließlich hatte ich bis gerade eben einen echt netten Tag.

Mittlerweile deute ich es halbwegs positiv, denn ich hoffe, dass damit eventuell mal wieder ein Schläfchen auf dem Bauch möglich ist. Schließlich ist die Tantenfrontalseite bis zu den Beinen dermaßen schmerzempfindlich, dass ich zur Seitenschläferin mutiert bin. Ich armes Häschen.

Ich könnte mich jetzt auch ausgiebig darüber wundern, dass Blutungen am 23. ZT überhaupt möglich sind und was für’n Hormon sich da gerade gänzlich anders verhält, als es dieses normalerweise tut.

Stattdessen werde ich lieber meine Siebensachen packen und Dinge erledigen, die eigentlich zum samstäglichen T.-Dienst gehören. Der ist allerdings aus verschiedenen Gründen außer Gefecht gesetzt, die ich hier wiederum aus Zeitgründen nicht näher erörtern kann, denn irgendjemand muss sich ja darum kümmern, dass hier Klopapier und Essen ins Haus kommt.

Oh Mann. So schnell kann ein ICSI-Zyklus zu Ende gehen. Das war ja nun mal definitiv ein kurzer Spaß.

Auweia

Dienstag, 14 Oktober 2008

Passend zum Drama der letzten Tage ist mein Tagebuch zwei geworden. Und ich hab’s mal wieder verpasst.

Herr Doktor hat einen Bericht an meinen Frauenarzt geschickt. Huiii, das nenne ich mal schnell.

Abgesehen davon, dass uns persönlich alles bekannt ist, was da drin steht, finde ich es ganz niedlich, dass er ihm in Anbetracht des geäußerten Vorschlags, den sprungbereiten September-Follikel zu nutzen, eine kleine Auffrischung des Studienlernstoffs 1./2. Semester zukommen lässt. Bei den Chromosomenaberrationen hat er damals bestimmt gefehlt. Jetzt hat er die wichtigsten Infos auf einem Blatt Papier.

Das erspart mir das angedachte Umhängeschild für den nächsten Besuch.

Gruß aus dem mittlerweile oberen Drittel des Trauerlochs,

Eure Tante

Stimmungsbarometer: Mittleres Drittel

Samstag, 11 Oktober 2008

Feststellung 1: Alles, was ich letztes Jahr in die Warteschleife hineininterpretiert habe, passiert auch ohne Transfer. Toll. Stünde jetzt noch eine ICSI an, wäre ich schlauer. Mein Bauch ist dick, mein Bauch tut weh, meine Hupen sind prall und meine Laune ist schlecht.

Feststellung 2: Seit Verkündigung unserer Azoospermie vor zwei Jahren sind wir etwas schlauer geworden und verfallen in sinnvollen Aktionismus. Zu Hause ist’s doof. Veränderungen müssen her, dann fällt es fast nicht auf, dass wir zu Hause sind. Also sind wir gestern zu Ikea gejuckelt. Die Geschwindigkeit des Fords war so beängstigend, dass ich auf der Autobahn das Gefühl hatte, auch neben dem Fahrzeug herlaufen zu können.

Allerdings ist der Kofferraum dermaßen groß, dass wir ohne viel Packbegabung alle Errungenschaften ‘reinschmeißen konnten.

Wie immer, wenn man mit diesem Gefährt irgendwo parkt, kommt mindestens ein Mensch, der ihn entweder selbst früher fuhr, oder als ein Kind von vielen auf der Rückbank geparkt wurde.

So auch gestern. Wir steigen aus, und ein Harley-Fahrer brüllt uns an: “Ey, wasndasfürnBaujahr?” Selbstverständlich ging diese Frage an T. und es verstand sich wie immer von selbst, dass die Tante die Standard-Antwort “66″ brüllt. “Geil. Den hatten meine Eltern auch. Mit dem sind wir nach damals nach Italien gefahren…”

Herrlich. Erst dachte ich, er wollte T. ‘n paar auf die Fresse hauen, denn er hatte den bösen Blick.

Auf dem Weg zum Eingang brachte mir T. bei, was ich demnächst zu sagen habe: “Baujahr 66. Leider nur 4-Zylinder. Hätte lieber den V6 gehabt.” Okay. Ist abgespeichert. Damit schindet man Eindruck. Zudem lese ich gerade “Mit dem Auto auf Du” - man muss sich ja bilden. Und ich liebäugle ja immer wieder mit diversen alten Käfern. In dem Buch kommen keine Kinder vor, das ist sehr entspannend.

Blöd, wenn man mit tiefgekühlten Köttbullar im Kofferraum nach Hause kommt und der Kofferraum nicht aufgeht. Irgendetwas musste ja schiefgehen. Schlimmer wäre es allerdings gewesen, wenn es uns auf dem Ikea-Parkplatz passiert wäre. Es wundert mich sehr, dass dem nicht so war. Hätte zur Gesamtsituation gepasst.

Werde meine Zeit heute damit verbringen, eine Gardine zu nähen. Mit der alten Nähmaschine, die so komische Töne von sich gibt. Ich bin mir sicher, mit einer neuen Nähmaschine würde die Gardine mit weniger Flüchen zur Welt kommen. Allerdings stellte es 1972 das Verlobungsgeschenk meines Vaters an meine Mutter dar ( ….das waren noch Geschenke… Wusste frau vorher noch nicht, welche Tätigkeiten ihren Alltag nach der Hochzeit dominieren würden, spätestens nach Geschenkübergabe wusste sie es ganz genau… ) und deswegen kommt mir keine neue ins Haus. Den Heiratsantrag untermalte mein Vater im Übrigen mit einem Strauß Radieschen. Ich weiß schon, wo ich meinen Sinn für Romantik herhabe.

Heute abend müssen wir irgendwie T.’s Eltern auf den neuesten Stand bringen, das wird nochmal ein schwerer Gang und ich kann nicht sagen, dass wir uns darum reißen. Aber besser jetzt, wo wir ohnehin noch angeschlagen sind, als übernächste Woche, um dann mit der Heulerei wieder von vorne anzufangen.

Die eingefrorenen Eizellen - naja, ich bin mittlerweile ganz froh, dass T. sich dafür entschieden hat. Wer weiß, was noch passiert. Uns wurde gesagt, bei einer von fünf Frauen in der gleichen Situation wurde eine Schwangerschaft erzielt. Das ist jetzt nicht so ganz viel, aber auch nicht so ganz wenig. Hatte eigentlich immer gedacht, das ginge gar nicht.

Wie wir allerdings diese Schwangerschaft erzielen - keine Ahnung. Durch eine zweite TESE jedenfalls nicht. Kinderwunsch ja, aber nicht um jeden Preis. Und was nützt es uns, wenn T. nach einer zweiten TESE total im Eimer ist? Abgesehen davon war das eine Information, die uns Schulze schon vor der OP mit auf den Weg gab: “Wir versuchen es, aber nur einmal. Alles andere wäre Wahnsinn.”

Wir hatten im letzten Jahr eine realistische tolle Chance und in diesem Jahr einen Haufen Mist. Das hält sich jetzt hübsch die Waage und damit ist auch gut. (Gut ist’s natürlich nicht, aber ich denke, das muss ich nicht weiter ausführen..)