Hoher Blutdruck vor der Schwangerschaft: Wird es ein Junge?

Hoher Blutdruck führt zu männlichem Nachwuchs


Mädchen oder Junge? Die Wahl des Geschlechts noch vor der Zeugung ist der Wunsch vieler Paare. Es gibt keine zuverlässige Methode, das Geschlecht zu beeinflussen, auch keine unzuverlässigen. Nun zeigt eine Studie: Mit höherem Blutdruck bekommt man Jungens.

Obwohl gerade im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin so getan wird, als würden sich im Zweifelsfall alle Eltern für einen blonden Sohn entscheiden, ist den meisten Eltern nur eines wichtig: Ein Kind. Ein gesundes Kind.

Ob Mädchen oder Junge ist den Eltern in der Regel vollkommen egal, außer wenn der äußere kulturelle Druck auf die Eltern nicht gefährlich hoch ist. Beeinflussen kann man es sowieso nicht, denn schließlich entscheidet allein der Zufall, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Oder vielleicht auch nicht – eine aktuelle Studie fand nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Bluthochdruck der Frau und dem Geschlecht ihres Kindes.

Der Blutdruck vor der Schwangerschaft beeinflusst das Geschlecht

Forscher aus Kanada und China haben jetzt im American Journal of Hypertension eine Studie veröffentlicht, in der sie genau diesen Zusammenhang festgestellt haben. Sie hatten über 1.400 chinesische Frauen untersucht, die frisch verheiratet waren und möglichst bald Kinder bekommen wollten. Im Durchschnitt wurden die Frauen nach 26 Monaten schwanger; es kamen 673 Mädchen und 739 Jungen zur Welt. Die Wissenschaftler machten als einzigen Faktor, der über das Geschlecht des Kindes entscheidet, den systolischen Blutdruck der Frau aus – und zwar schon vor der Schwangerschaft.

26 Wochen vorher

Der systolische Blutdruck der Frauen, die später Jungen zur Welt brachten, war etwa 26 Wochen vor der Empfängnis 3 mmHg höher als der Blutdruck der Frauen, die Töchter bekamen. Alter, BMI, Blutzucker, Cholesterin oder Bildung der Frauen machte keinen Unterschied. Die Unterschiede in der Höhe des Blutdrucks wurden dabei nur vor der Schwangerschaft beobachtet, aber nicht während der Schwangerschaft selbst.

Blutdruck als Steuerinstrument?

Die gezielte Manipulation des Blutdruckes, um ein Kind des „Wunschgeschlechts“ zu bekommen, ist aus vielerlei Gründen nicht ratsam, nicht alleine, weil ein Unterschied von 3 mmHg so gering ist, dass er kaum gezielt angesteuert werden kann.

Es ist vollkommen unklar, ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang besteht, also ob und wie der Blutdruck das Geschlecht des noch nicht einmal gezeugten Kindes beeinflussen könnte. Vermutlich ist es eher so, dass manche Frauen sozusagen darauf angelegt sind, sowohl Bluthochdruck zu haben als auch Söhne zu bekommen. Ein eventueller gemeinsamer Ursprung ist ebenfalls noch vollkommen unbekannt.

Experten sind nicht beeindruckt

Bernhard Krämer von der Universitätsklinik Mannheim ist Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga und bemerkt, dass es sich bei dem Studienergebnis um rein statistische Aussagen handele, die für Frauen im Alltag nicht anwendbar seien. Sein Kollege Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie hinterfragt im Ärzteblatt außerdem die Relevanz der erhobenen Werte: Die Frauen seien nicht gefragt worden, ob sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. „Die Variabilität von Blutdruckmessungen in verschiedenen Situationen – ambulant vom Arzt, von medizinischen Assistenzpersonen oder unbeobachtet und durch Automaten, wurde in letzter Zeit im Anschluss an die SPRINT-Studie heftig diskutiert“, so Schatz weiter.


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