Finnische Mütter: Genetischer Schutz vor Präeklampsie

Auch mütterliche Gene beeinflussen das Risiko für Gestose


Finnische Mediziner fanden jetzt heraus, dass manche finnischen Frauen seltene Gen-Varianten haben, die sie vor Präeklampsie schützen. Es handelt sich dabei um gefürchtete Schwangerschaftserkrankung, die unerkannt und unbehandelt zum Tod von Mutter und Kind führen kann.

Auch bei uns hier ist die Präeklampsie immer wieder ein Thema, denn natürlich forschen Wissenschaftler eifrig daran, diese Erkrankung besser zu verstehen.

Die Ursachen sind nicht abschließend geklärt

Früher wurde diese Erkrankung als „Schwangerschaftsvergiftung“ oder Gestose bezeichnet. Sie tritt bei uns bzw. in ganz Westeuropa bei etwa 5 % aller Schwangerschaften auf. Die Ursachen sind nicht völlig geklärt, diskutiert werden Stoffwechselerkrankungen, eine gestörte Einbettung des Embryos, Vitaminmangel und auch (wir berichteten) eine bestimmte DNA-Variante des Embryos. Alle Ursachen werden als mögliche Ursache einer gestörten Entwicklung der Blutgefäße in der Plazenta gewertet, die wiederum zur Präeklampsie führt. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf; kam es in der Familie der Mutter oder auch des Vaters schon zu einer Schwangerschaftsvergiftung, ist das Risiko erhöht.

Genetische Ursachen der Präeklampsie wahrscheinlich

Forscher der Universität Helsinki untersuchten jetzt die Auswirkung von genetischen Varianten bei der Mutter auf das Auftreten von Präeklampsie. Sie verglichen dafür Proben des Genmaterials von über 600 Präeklampsie-Patientinnen mit den Proben von 2.000 Gesunden. Die Studie basiert auf den Materialien des FINNPEC (Finnish Genetics of Pre-eclampsia consortium) und der FINRISK-Kohortenstudie.

Das sFLT-1-Protein ist bekannt dafür, im Zusammenhang mit Präeklampsie zu stehen. Ein zu hoher Spiegel von sFLT-1 führt zu Fehlbildungen und Schäden an den Blutgefäßen. Bei Präeklampsie-Screenings achtet man deswegen auch auf das Vorkommen von sFLT-1. Verantwortlich für die Produktion des Proteins ist das Gen FLT-1, das die entsprechenden „Baupläne“ dafür trägt.

An dem Gen, das die Information für dieses Protein trägt, fanden wir zwei Abwandlungen. Frauen mit diesen Mutationen litten seltener an Präeklampsie als andere Mütter“, so Inkeri Lokki, die ihre Dissertation über dieses Thema schreibt. Aber die Mutationen schützen die Frauen wohl auch über die Schwangerschaft hinaus: Die betroffenen Frauen hatten auch später ein geringeres Risiko von Herzproblemen, wie die Daten der FINRISK-Studie belegen.

Finnin zu sein, ist in der Schwangerschaft offenbar von Vorteil

Das spezielle genetische Profil der Finnen erlaubt es uns, neue Entdeckungen zu Krankheiten zu machen, die von verschiedenen, genetischen wie Umwelt-Faktoren verursacht werden. Die in dieser Studie identifizierten Mutationen, die ihre Trägerinnen vor Präeklampsie schützen, sind bei Finnen zehnmal häufiger als in anderen Populationen. Etwa 3 bis 5 % aller Finnen tragen diese Gen-Varianten“ sagt Hannele Laivuori, Leiterin der Forschergruppe an der Universität Helsinki.


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