Wohin mit den Frühchen?


Frühgeborenes
Frühgeborene benötigen eine intensive Betreuung in Perinatalzentren. Ist deren Bestand gefährdet?

Eine „normale“ Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Kommt das Kind früher, vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche, spricht man von einer Frühgeburt. Weltweit werden jährlich 15 Millionen Babys zu früh geboren, etwa eine Million davon stirbt an den Komplikationen der zu frühen Geburt. In den ersten vier Lebenswochen ist die Frühgeburt damit der häufigste Grund für den Tod von Kindern.
In Deutschland gibt es laut Wikipedia jährlich etwa 63.000 Frühgeburten, davon rund 8.000 Geburten vor der vollendeten 30. Schwangerschaftswoche.

Bei Frühchen kommt es zu gesundheitlichen Problemen, weil ihr Körper noch nicht völlig ausgebildet ist: Die inneren Organe, vor allem die Lunge, sind noch nicht ganz soweit, und das Immunsystem ist noch nicht voll funktionstüchtig. Frühstgeborene Kinder können alleine – ohne intensive medizinische Behandlung und Betreuung – nicht überleben.

Wer behandelt diese Frühchen?

Es scheint logisch, dass zu früh geborene Kinder am besten da behandelt werden sollten, wo die Mediziner die meiste Erfahrung damit haben, also in einem Perinatalzentrum. Seit 2006 gibt es gesetzliche festgelegte Kriterien, die bestimmen, wann sich eine Klinik so nennen darf. Dabei geht es hauptsächlich um die Zahl der Fälle, die medizinische Qualifikation des Personals und die technische Ausrüstung.

Auch die Anzahl der Pflegekräfte ist für den Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen) ein Kriterium. Laut einem Bericht der Welt wurden bisher bis zu fünf Frühchen von einer einzigen Krankenschwester betreut. Das soll sich nun ändern, idealerweise soll das Verhältnis sogar eins zu eins betragen.

Qualifizierte Pflegekräfte fehlen

Genau das bereitet den Kliniken aber Probleme. Es gibt einfach nicht genug Pflegekräfte mit den entsprechenden Qualifikationen. Die vom G-BA beschlossenen Standards gelten zwar ab sofort, es gibt für die Kliniken aber eine Übergangsfrist bis 2017. Bis dahin wird die Versorgungslücke hoffentlich geschlossen. Andernfalls droht einigen Perinatalzentren der Entzug dieses Titels, was für die Krankenhäuser selbst einen großen finanziellen Verlust bedeuten kann; für Mütter und Kinder bedeutet es unter Umständen, dass die Versorgung des Frühchens, die schon jetzt nicht immer wohnortnah erfolgen kann, in noch weitere Ferne rückt.

Eine Übersicht über deutsche Perinatalzentren gibt es unter http://www.perinatalzentren.org/

Foto von bradleyolin


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