Müttersterblichkeit in Europa


Trotz bester gesundheitlicher Versorgung kommt es immer noch vor, dass Frauen im Rahmen der Entbindung versterben. Oft ist dies schicksalhaft und unvermeidbar. Es gibt jedoch auch in hochentwickelten Gesellschaften zu Todesfällen, die hätten vermieden werden können. Müttersterblichkeit ist eines der Kriterien, die für die Bewertung der gesundheitlichen Versorgung von Müttern und Kindern herangezogen werden. Sie ist auch eine der Zahlen, die Aufschluss darüber geben können, ob das jeweils betroffene Land ein „Entwicklungsland“ ist.

Gründe für Müttersterblichkeit

Das liegt daran, dass die Gesundheit der Mütter bzw. schwangerer Frauen immer im Gesamtkontext von Gesundheit und Infrastruktur zu sehen ist: Wenn ein Land so arm ist, dass es keine Schulen, Universitäten, Ärzte und Krankenhäuser gibt, dann führt das neben einer hohen allgemeinen Sterblichkeit natürlich auch zu einer hohen Müttersterblichkeit. Eine weitere Facette ist die Wertschätzung, die Frauen und ihrer Gesundheit in der jeweiligen Kultur überhaupt entgegengebracht wird – oder eben nicht.

Bild: misone2000
Bild: misone2000

Die Gründe dafür, warum Mütter sterben, sind vielfältig. Dazu gehören vor allem Blutungen, Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften, Sepsis, Thrombosen, Komplikationen bei Schwangerschaftsabbrüchen.
Die Senkung der Müttersterblichkeit ist eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen. Bis 2015 soll die Müttersterblichkeit in den Entwicklungsländern um drei Viertel gesenkt werden.

Durch Zugang zu Familienplanung, Verhütungsmittel und sichere Abtreibungen, der Vermeidung von Schwangerschaft von Minderjährigen und einer verbesserten medizinische Betreuung von Schwangeren und Gebärenden soll die gesundheitliche Lage von Frauen verbessert werden. In Entwicklungsländern wie etwa dem Tschad sterben aktuell jedes Jahr Tausende Frauen (2010 lag im Tschad die Sterblichkeitsrate bei Müttern bei 1.100 pro 100.000 Lebendgeburten; im Vergleich dazu lag sie in Estland bei 2).

Wie sind die Zahlen in Europa?

Doch auch in den Industrieländern ruhen sich die Mediziner nicht auf ihren Lorbeeren aus und suchen nach Wegen, Mütter noch besser zu schützen. Wie springermedizin.de berichtet, sterben beispielsweise in Frankreich acht bis neun Mütter pro 100.000 Lebendgeburten.

Obwohl diese Zahl seit gut 15 Jahren recht stabil bleibt, ist Dr. Monica Saucedo von der Epidemiological Research Unit on Perinatal Health and Womenʾs and Childrenʾs Health in Paris überzeugt, dass jeder zweite Todesfall zu vermeiden wäre, vor allem die Fälle, bei denen Frauen an Blutungen sterben. Dr. Saucedo und ihre Kolleginnen sind sich sicher, dass mit früherem Eingreifen und mehr Transfusionen 90 % dieser Frauen das Leben gerettet werden könnte. Deutschland ist bei der Müttersterblichkeit übrigens eines der Schlusslichter. Bei uns sterben nur rund fünf Frauen pro 100.000 Lebendgeburten.


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