Cannabis in der Schwangerschaft: Keine gute Idee


Foto von M. Martin Vicente
Schwanger? Dann ist ein Joint nicht dein Freund. Cannabis Hat in der Schwangerschaft und Stillzeit erhebliche Nachteile für das Kind.

In den USA steht in immer mehr Staaten der Genuss von Cannabis nicht mehr unter Strafe. Schon vorher war Cannabis als „Freizeitdroge“ beliebt, und auch zwei bis fünf Prozent der Schwangeren rauchen angeblich zumindest gelegentlich einen Joint. Deswegen warnt das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG), sozusagen der Berufsverband der US-amerikanischen Frauenärzte, vor Cannabisgenuss während der Schwangerschaft.

Der Cannabisbestandteil Tetrahydrocannabinol (THC) kann bei ungeborenen Kindern zu Entwicklungsstörungen führen. Gestörte Motorik, „Veränderungen des emotionalen Verhaltens“ und auch eine gesteigerte Neigung zu Drogenkonsum im späteren Leben können die Folge sein.

Wie kommt das Cannabis ins Kind?

Diese Wirkung ist möglich, weil THC die Plazenta passiert, also nicht vom Mutterkuchen zurückgehalten wird, sondern ungehindert in den Organismus des Fötus wandern kann. Dort bindet es sich an bestimmte Rezeptoren im Gehirn und kann zu den genannten Entwicklungsstörungen führen. Diese Erkenntnisse stammen allerdings meist aus Tierversuchen und lassen sich nicht uneingeschränkt auf den Menschen übertragen. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Frauen, die Cannabis konsumieren, auch rauchen und Alkohol trinken, in manchen Fällen auch zu illegalen oder härteren Drogen greifen.

Die US-Frauenärzte weisen auch darauf hin, dass die Schwangeren oft sozioökonomisch benachteiligt seien, also prinzipiell einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung hätten. Gesundheitlich beeinträchtigte Babys können also nicht zweifelsfrei einem eventuellen Cannabiskonsum zugeschrieben werden. Die in einer Studie entdeckten Fehlbildungen am Gehirn von Kindern beispielsweise könnten mit Cannabiskonsum, aber auch mit einem nicht behandelten Folsäuremangel zusammenhängen.

THC in der Muttermilch

THC gelangt aber nicht nur durch die Plazenta zum Kind, nach der Geburt kann es auch durch die Muttermilch aufgenommen werden. Ob und wie es dann das Kind schädigt, ist nicht geklärt.

Wahrscheinlich ist es am vernünftigsten, während Schwangerschaft und Stillzeit auf alle Drogen zu verzichten, egal ob Cannabis, Alkohol oder Nikotin. Auch auf aus medizinischen Gründen verschriebenes Cannabis sollten die Frauen lieber verzichten, finden die Ärzte. In der Medizin wird Cannabis bei verschiedensten Krankheiten eingesetzt, deren Beschwerden sich sonst durch kaum ein anderes Medikament lindern lassen. Sinn und Wirkung ist unter Fachleuten umstritten, betroffene Patienten sind allerdings verständlicherweise dankbar um jede Linderung ihres Leidens.

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