Übergewicht: Dauerhafte Nachwirkung auch nach Gewichtsnormalisierung?


Foto von daniel.julia
Übergewicht in der Schwangerschaft: Wieviel ist zuviel?

„Übergewicht“ ist nicht nur in den Frauenmagazinen und Klatschspalten ein Dauerthema, auch Schwangere müssen sich wohl oder übel damit auseinandersetzen. Immer wieder gibt es neue Studien dazu, ob und wie das Gewicht einer Schwangeren das Gewicht und das künftige Wohlergehen ihres Kindes beeinflusst.
Während vor allem in ärmeren Ländern ein zu niedriges Geburtsgewicht ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für Kinder ist, ist zu hohes Geburtsgewicht natürlich eher ein Luxusproblem. Da Studien darauf hindeuten, dass dicke Kinder auch dicke Erwachsene werden und dann Stoffwechselerkrankungen (wie etwa Diabetes) und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems bekommen, machen sich Wissenschaftler aber trotzdem Gedanken darüber, wie man das möglichst vermeiden kann.
Die Zusammenhänge und Mechanismen sind aber vielfältig und komplex, was die große Zahl der Studien erklärt, die fast im Wochenrhythmus veröffentlich werden, immer neue Erkenntnisse bieten, und sich gelegentlich auch komplett zu widersprechen scheinen.

Viele Studien, viele Ergebnisse

Die Schwangere ist übergewichtig? Dann können Gestationsdiabetes und Frühgeburten die Folge sein. Lässt eine übergewichtige Frau vor einer geplanten Schwangerschaft bariatrischen Eingriff durchführen und nimmt ab, kann das Risiko von Gestationsdiabetes und zu hohem Geburtsgewicht des Kindes zwar sinken, das Risiko von zu niedrigem Gewicht des Kindes kann aber steigen.

Die Schwangere nimmt zu viel Folsäure ein? Dann kann es sein, dass die Tochter zu einem Leben als Dicke verurteilt ist.

Die Eltern der Schwangeren waren bei ihrer Geburt sehr leicht? Dann kann es gut sein, dass das Enkelkind ebenfalls mit sehr niedrigem Gewicht zur Welt kommt, aber trotzdem zu Adipositas und Diabetes neigt.

Auswirkungen auch auf weitere Kinder?

Eine jetzt im American Journal of Obstetrics and Gynecology veröffentlichte Studie der Universität Saint Louis belegt nun wohl, dass das Gewicht der Mutter während ihrer der Schwangerschaft sogar Einfluss auf das nächste Kind hat.
Unter der Leitung von Professorin Jen Jen Chang fand das Forscherteam heraus, dass das Gewicht der Schwangeren – sowohl Über- als auch Untergewicht – keinerlei negativen Einfluss auf die aktuelle Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes haben muss. Zu „verspäteten“ Komplikationen (Präeklampsie, zu hohes oder zu niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt, Kaiserschnitt etc.) kann es aber bei einer eventuellen darauf folgenden Schwangerschaft kommen, und zwar sogar, wenn die Frau bei dieser Schwangerschaft ein „gesundes“ Gewicht erreicht hat.

Chang gibt zu, dass es vollkommen unklar ist, warum Frauen bei einer Schwangerschaft ein als ungesund eingestuftes Gewicht haben, es aber zu keinerlei Komplikationen kommt, während es bei der nächsten Schwangerschaft bei gesundem Gewicht eben doch Komplikationen gibt. Vielleicht, so Chang, verändert sich der Körper bei unter- und übergewichtigen Frauen so durchgreifend, dass die Änderungen trotz Gewichtszu- oder Abnahme einen negativen Effekt auf das nächste Kind haben.
Professor Chang und ihre Kollegen raten deswegen allen Frauen im gebärfähigen Alter, auf jeden Fall ein „gesundes Gewicht“ (eingeordnet nach dem BMI) anzustreben, bevor es an die Familienplanung geht.

Ob das dann rechtzeitig genug ist, oder ob das frühere unerwünschte Gewicht die erste Schwangerschaft trotz dann gesundem Gewicht beeinflussen kann, wurde in der Studie nicht untersucht.

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