Geschäft mit der Angst?
Es gibt zahlreiche kommerzielle Blutbanken, die damit werben, dass die Aufbewahrung des Nabelschnurblutes für das Kind praktisch unverzichtbar ist: das Blut enthält Stammzellen, die noch nicht differenziert sind und aus denen man später einmal Gewebe züchten könne. Diabetes, Parkinson und Krebs sind damit möglicherweise einmal heilbar. Nervengewebe lasse sich nachzüchten und bei Querschnittslähmungen einsetzen. Die nicht spezialisierten Zellen können später ganz unterschiedliche Zellen des Körpers ersetzen.
Nur im Nebensatz wird dabei erwähnt, dass dies gegenwärtig reine Zukunftsmusik ist und niemand wirklich absehen kann, ob diese Zukunftsvisionen irgendwann einmal Wirklichkeit werden.
Gutes Geschäft
Mit der Angst der werdenen Eltern wird gut verdient: Bereits 50.000 Elternpaare haben Nabelschnurblut einfrieren lassen, weltweit sind es etwa 1,3 Millionen. Für das Einfrieren werden vierstellige Summen verlangt, gefolgt von relativ niedrigen Lagergebühren.
Es gibt bereits Stammzelltherapien
Die größte Angst heben junge Eltern vor bösartigen Erkrankungen, wobei Blutkrebs (Leukämie) in der Kindheit am häufigsten vorkommt. Eine Therapie mit Stammzellen ist in solchen Fällen bereits etabliert. Jedoch werden dazu ausnahmslos gespendete Stammzellen verwendet, denn das Risiko, dass das eigene Blut den zur Erkrankung führenden Defekt bereits beinhaltet, ist zu groß.
Erkrankt ein Kind etwa an Leukämie, so können ihm also die eigenen Stammzellen nicht helfen, da sie oft bereits die Information für Leukämie enthalten. Zellen aus gespendetem Nabelschnurblut dagegen werden heute bereits tausendfach erfolgreich transplantiert. Eingesetzt werden sie bei Leukämie, Erkrankungen des blutbildenden Systems oder Stoffwechselerkrankungen.
Die Alternative: öffentliche Blutbanken
Die größte öffentliche Blutbank, die auch Nabelschnurblut einlagert, befindet sich in der Universitätsklinik Düsseldorf. Dort lagern bereits 11.000 Nabelschnurblutkonserven, mit mehreren hundert davon wurde bereits enie Transplantation durchgeführt. Die Eltern können das nabelschnurblut ihrer Kinder bei diesen Blutbanken kostenlos spenden (www.nabelschnurblut.de).
Damit besteht dann die Chance, dass ein anderes Kind mit dieser Blutspende geheilt werden kann. Oder das eigene mit der Spende eines anderen Kindes.
Anmerkung: Auf diesen Seiten wird kontextbezogene Werbung geschaltet und daher in diesem Fall auch vermutlich Anzeigen kommerzieller Blutbanken, was sich technisch leider nicht verhindern lässt. Wir empfehlen, diese zu ignorieren.

Mr Wong
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[...] raten, Nabelschnurblut einfrieren zu lassen. Ich habe hier schon einmal einen Artikel über Sinn und Zweck der Nabelschnublut-Einlagerung [...]
Pingback von Nabelschnurblut: Geschäft mit der Angst | Schwangerschaft | Aktuelles zum Thema Kinderwunsch — 21. Januar 2008 @ 17:35
“Organe nachzüchten…” - *LOL*
Wenn die Wissenschaft tatsächlich mal so weit sein sollte, daß das möglich ist, wird sie längst auch andere Möglichkeiten entwickelt haben, Stammzellen zu gewinnen.
Mein Mann und ich haben den Unfug auch nicht mitgemacht. Aus genau den Gründen, die in dem TAZ-Artikel erwähnt wurden. Ich hatte mal kurz darüber nachgedacht, das Blut zu spenden; es wäre aber wohl für die Klinik ein ziemlicher Aufwand gewesen, sagte man mir. Also habe ich es gelassen.
Comment von Ute — 21. Januar 2008 @ 20:49
[...] geht der Kinderwunsch Blog in seinem Artikel “Geschäft mit der Angst” ins Gericht. AUf ähnliche Verquickungen der Wirtschaft und der Effektivität des Verfahrens [...]
Pingback von Nabelschnurblut - Nabelschnur Einlagerung oder Spende? : Kinderwunsch Kinder-und-Babys.de — 4. August 2008 @ 00:24
Es ist nicht alles Zukunftsmusik, wie es hier geschildert wird. So haben jüngst die Ärztezeitung und die FTD (und viele andere Zeitungen) berichtet, dass etwa Kinder mit Diabetes mit eigenen Stammzellen behandelt werden oder dass für Kinder (an der Medizinischen Hochschule) Hannover Herzklappen aus Stammzellen hergestellt und verpflanzt wurden. Einfach mal googlen “Nabelschnurblut + Diabetes” oder “Nabelschnurblut + Herzklappe”
Und mal ganz ehrlich - ich verstehe nicht, wieso so viele Leute auf dem Thema Nabelschnurblut rumhacken. Zwar kostet es Geld, aber so viel ist das verglichen mit anderen Anschaffungen nun auch wieder nicht. Und da gibt es wirklich sinnloseres Zeugs, für das Geld ausgegeben wird. Allein was an Zigaretten verkonsumiert wird - und die sind sogar schädlich! Nabelschnurblut zu gewinnen und einlagern, schadet medizinisch gesehen überhaupt nicht. Und wenn’s dann nicht verwendet wird, ist es doch auch nicht schlimm. Das heißt doch nur, dass die Kinder gesund sind. Und wenn es doch helfen kann, möchte ich nicht derjenige sein, der zuvor mit dem großen Zeigefinger den Eltern gesagt hat “lasst bloß die Hände davon”.
Comment von Bernd1971 — 7. Januar 2009 @ 11:37
@Bernd1971: Es geht nicht darum, dass Nabelschnurblut nicht nützlich sein könnte. Bei den genannten Forschungsergebnissen handelt es sich jedoch NICHT um NSB der erkrankten Kinder, sondern diese bekamen Herzklappen die mit gespendeten Zellen besiedelt wurden. Und so solls halt auch sein. Nabelschnurblut-Banken sollten als nicht kommerzielle Lagerstätten für Nabelschnurblut vorhanden sein. Und als solche gibt es diese bereits und man kann diesen sein NSB zur Verfügung stellen. Und so steht es auch oben im Text.
Aber ich denke, dass Sie ganz gut wissen, worum es eigentlich geht. Dazu ist Ihr Text viel zu werblich. Ich bin mir ziemlich sicher dass Sie diesen Kommentar nicht ohne kommerzielle geschrieben haben.
Und diese Aussage ist mehr als grenzwertig. Man sollte die Hände davon lassen. Insbesondere, wenn man wie in Ihrem Kommentar sieht, dass es hier nicht um Gesundheit geht, sondern um Marketing und Kommerz. Und Sie selbst vor subtilen Drohungen mit rechtlichen und moralischen Konsequenzen nicht zurückschrecken
Comment von E. Breitbach — 7. Januar 2009 @ 13:35
Ich finde es interessant, dass jeder, der mal nicht pauschal “alles Unsinn” sagt, eines werblichen Hintergrunds verdächtigt wird. Das passiert übrigens auch Bekannten, die Ärzte sind und über die ich selbst auf das Thema gestoßen bin. Ich hab nämlich für meine Kinder Nabelschnurblut eingelagert.
Worum es mir geht, ist eine sachliche Diskussion. Nehmen wir mal das Beispiel Leukämie. Ich habe selbst dazu recherchiert und festgestellt, dasss Leukämie NICHT die häufigste Krebserkrankung bei Kindern ist. Nach Zahlen des Kinderkrebsregisters (auf die Idee bin ich auch durch meine Bekannten gekommen) gab es von 1997-2006 unter 100.000 Kindern unter 15 Jahren 18283 Fälle von Malignomen, also Krebs. Davon waren 6237 (34.1 %) Leukämien. Der Rest waren KEINE Leukämien, sondern Lymphome 2154 (11.8 %) und der Rest irgendwelche Tumoren, die beim Krebsregister komischerweise alle einzeln aufgelistet werden, während Leukämien und Lymphome zusammengefasst werden. Das muss ich nicht verstehen. Nun bin ich kein Biologe, aber ich habe beruflich viel mit Statistik zu tun. Und so amüsiert mich dabei, dass offenbar keiner sich mal die Mühe macht, solche Behauptungen wie “leukämie ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern” zu hinterfragen.
Was die Artikel angeht - bei der Diabetesgeschichte schreibt das Ärzteblatt, dass eigene Stammzellen angewendet werden. Bei der MHH Geschichte habe ich gelesen, dass da eine gespendete Herzklappe (stimmt, nichts eigenes) mit den Zellen des Patienten besiedelt wurde.
Nichts für ungut - ich würde mich freuen, weiter mit Ihnen zu diskutieren.
Comment von Bernd1971 — 7. Januar 2009 @ 23:00
[...] Jetzt habe ich mal wieder (tatsächlich) die Erfahrung machen können, dass die BILD-Zeitung zu manchen Themen nicht nur dummes Zeug schreibt und sogar in der Lage ist, bei komplizierten Sachverhalten einen vom Mainstream abweichenden Standpunkt einzunehmen. Zum Thema Nabelschnurblut hatte ich ja schon mal einen Artikel hier auf der Seite eingestellt. [...]
Pingback von Bild und Nabelschnurblut | Dies und das, Wissenschaft | Aktuelles zum Thema Kinderwunsch — 13. April 2009 @ 23:07
Ich habe auch einen interessanten Artikel entdeckt, der mit Hintergrundinformationen aus BILD zu Stammzellen aus Nabelschnurblut natürlich nicht konkurrieren kann. Quelle ist bei mir Spektrum der Wissenschaft:
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/978584&_z=859070
Comment von Bernd1971 — 20. April 2009 @ 17:55
@Bernd1971: In diesem Artikel wird auf mögliche Vorteile der Stammzellen hingewiesen und auch im Zusammenhang mit Nabelschnurblut. Nochmal: das Hauptproblem ist in meinen Augen, dass es Firmen gibt, die das Nabelschnurblut der Kinder nur zum späteren Gebrauch durch die Kinder selbst lagert. Wenn Stammzellen aus Nabelschnurblut in ferner oder auch naher Zukunft wirklich eine konkrete Therapieoption eröffnen, dann spricht aufgrund der guten Transplantierbarkeit der aus diesem Material gewonnen Zellen nichts dagegen, diese Stammzellen aus uneigennützigen öffentlichen Stammzellbanken zu entnehmen, die es reichlich gibt und die von der Allgemeinheit finanziell unterstützt werden sollten, wenn das NSB in großem Stil als Therapeutikun eingesetzt werden kann. Private Nabelschnurblutbanken sind dafür nicht notwendig.
Comment von E. Breitbach — 20. April 2009 @ 21:31
[...] korrekte Knochenmark: Javier ähnelt seinem Bruder genetisch, so dass sich Zellen aus seinem Nabelschnurblut zu einer Rückenmarktransplantation eignen. Die Chancen auf Heilung lägen bei 70 bis 90 [...]
Pingback von Rückenmarkstransplantation und Designerbaby | Ausland, Dies und das, Wissenschaft | Aktuelles zum Thema Kinderwunsch — 31. Mai 2009 @ 00:39