Herzerkrankungen: Schwangerschaft als „Stresstest“


Foto von CarbonNYC [in SF!]
Herzerkankungen treten meist in fortgeschrittenem Alter auf. Dennoch lässt sich auch bereits aus dem Verlauf von Schwangerschaften erkennen, ob später ein Risiko besteht.

Der Verlauf der Schwangerschaft kann als darauf hinweisen, wie hoch das Risiko ist, später an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Das hat Dr. Barbara Crohn vom Public Health Institute im kalifornischen Berkeley herausgefunden.
Crohn brachte Daten aus groß angelegten Langzeitstudien der Jahre 1959 bis 1967 zur Gesundheit und Entwicklung von Kindern in Zusammenhang mit den Todesursachen der Mütter in den darauf folgenden 50 Jahren. So konnte sie feststellen, dass für Frauen, bei denen während der Schwangerschaft Komplikationen auftreten, ein deutlich höheres Risiko besteht, im Alter an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben.

Veränderungen während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft nimmt die Blutmenge im Körper der Schwangeren zu, das Herz steigert seine Leistung. Der Blutdruck sinkt zu Beginn der Schwangerschaft, später steigt er wieder an. Schwangere lagern oft mehr Fett ein und werden eventuell auch – zumindest vorübergehend – insulinresistent. Damit werden sozusagen die Weichen gestellt, damit es im späteren Leben zum metabolischen Syndrom kommt, das einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Komplikationen als Frühwarnsystem

In den Child and Health Development Studies (CHDS) wurden über 15.000 Frauen während der Schwangerschaft begleitet. Anhand der Daten konnte das Forscherteam von Dr. Crohn feststellen, dass Schwangerschaftskomplikationen wie etwa Präeklampsie oder Frühgeburt Vorboten dafür sein können, dass die Mutter vor ihrem 60. Lebensjahr durch eine kardiovaskuläre Erkrankung stirbt.

Kommt es zu mehreren Erkrankungen während der Schwangerschaft, steigt das Risiko dramatisch. Leidet die Frau etwa schon vor der Schwangerschaft an Bluthochdruck und es kommt zu einer Frühgeburt, dann besteht ein siebenfach erhöhtes Risiko. Etwas niedriger ist das Risiko bei der Kombination von bereits bestehendem hohen Blutdruck und Präeklampsie oder auch bei schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck und einer Frühgeburt.

Die Wissenschaftler konnten sogar zwei neue Komplikationen als kardiovaskuläre Risikofaktoren identifizieren: Glukosurie (Zucker im Urin) erhöht das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um mehr als das vierfache; beim Abfall des Hämoglobins in der Spätschwangerschaft steigt das Risiko um das 1,7-fache.

Warnzeichen als Chance

Auch wenn die schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen nach der Schwangerschaft wieder verschwinden, sollten sie nicht vergessen oder als „abgehakt“ abgetan werden. Crohn sieht die Erkenntnisse ihres Teams deswegen auch als Chance. Die Erkrankungen sollten Anlass für die behandelnden Ärzte sein, mit ihren Patientinnen über Möglichkeiten zu sprechen, wie sie das Risiko von Herzanfällen und anderen kardiovaskulären Krankheiten senken und einen frühen Tod damit möglichst vermeiden können.

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