Ist der Kaiserschnitt das Ende der Evolution?


Der Mensch beeinflusst die Evolution und mehr Kaiserschnitte sind die Folge. Durch Eingriffe des Menschen in die Natur treten bestimmte Eigenschaften häufiger auf, so auch ein zu enger Geburtskanal, der Kaiserschnitte notwendig macht.

„(Halb-)Gott in Weiß? – Kaiserschnitte beeinflussen die Evolution“, so titelt die ÄrzteZeitung aktuell. Sprachlich genauso gewagt wie bei der Kopplung von Gott und Evolution geht es im Artikel weiter: „Kaiserschnitte geben ungünstige Gene weiter“, wird die These eines österreichischen Biologen zitiert.

Kaiserschnitt bei über 30 % der Geburten

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes kamen in Deutschland 2015 222.919 Kinder durch Kaiserschnitt zur Welt, das sind 31,1 % der Geburten. Verglichen mit den Zahlen von 2014 ist das ein kleiner Rückgang, aber mehr als doppelt so viele Kaiserschnitte wie 1991 (126.297).

Dr. Michael Mitteröcker von der Universität Wien findet die zunehmende Zahl der Kaiserschnitte bedenklich. Die Kaiserschnitte sind nötig, da immer mehr Kinder einen so großen Kopf haben, dass sie nicht mehr durch den Geburtskanal passen.

Rein evolutionär betrachtet, hätten Mitteröckers Meinung nach die Menschen mit großem Kopf und Frauen mit engem Geburtskanal daher aussterben sollen. Dass jetzt mit Kaiserschnitten in diese evolutionäre Auswahl eingegriffen wird, ermöglicht also sozusagen einen anti-evolutionären Trend.

Stören wir die Evolution?

Gegenfragen: Bei was eigentlich? Einen Plan hatte die Evolution zumindest nie. Und ja: So ziemlich alles, was wir Menschen tun, greift in die Evolution ein.

Häuser, Heizung, Winterjacken? Tragen dazu bei, dass auch schwächliche und verfrorene Mitmenschen den Winter überleben und sich irgendwann fortpflanzen können.

Medikamente und Impfstoffe? Viele kranke Menschen überleben Krankheiten, an denen sie eigentlich auch hätten sterben können, und pflanzen sich später fort. Dabei geben sie auch bestimmte Krankheitsneigungen und Erbkrankheiten weiter.

Künstliche Babynahrung? Ermöglicht es den Kindern von Frauen, die nicht stillen können, zu überleben. Eine möglicherweise erbliche Stillunfähigkeit oder gar -unwilligkeit wird dadurch weitergegeben.

So hat sich die Evolution das nicht gedacht! Wollen wir also auf Wärme, Medikamente und beispielsweise auch künstliche Befruchtung verzichten, nur weil sie vielleicht der Evolution in die Parade fahren?

Für den Kaiserschnitt würde das beispielsweise bedeuten, dass wir den Tod von Frauen und Kindern in Kauf nehmen, nur um wieder dahinzukommen, wo die Evolution uns angeblich haben will. Um es klar zu sagen: Das ist natürlich komplett inakzeptabel.

Foto von kevin dooley


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