Hoffnung für Hebammen?


Kinder auf die Welt zu holen ist wunderschön. Aber eben auch nicht frei von Risiken. Hebammen sind jedoch nicht in der Lage,die Kosten für die Absicherung der Risiken zu bezahlen.

Wer soll den Hebammen helfen, ihre teuren Versicherungsbeiträge zu zahlen? Die Krankenkassen sollen das machen, findet Gesundheitsminister Hermann Gröhe. Hebammen sollen nicht nur besser bezahlt werden, es soll auch einen „Sicherstellungszuschlag“ für freiberufliche Hebammen geben, die nur wenige Geburten im Jahr betreuen.

Was eine ziemlich interessante Idee ist. Aus Sicht der Geburtskliniken besteht jedoch durchaus berechtigter Anlass zur Frage,warum mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn Kliniken mit nur wenigen Geburten wird aufgrund der niedrigen Zahlen die notwendige Expertise zur Betreuung von Geburten abgesprochen und die Abteilungen werden dann geschlossen. Ein Trend, der sich in vielen anderen medizinischen Bereichen ebenfalls erkennen lässt: Kleinere Abteilungen werden geschlossen, weil deren Komplikationsrate oft höher ist.

Das gleiche gilt jedoch auch für Hebammen. Wer z. B. nur 5-10 Geburten pro Jahr betreut, gerät schneller an seine fachlichen Grenzen als jemand, der mehrere hundert Geburten pro Jahr mitbetreut und eine entsprechend immer weider aktualisierte Erfahrung aufweist. Zudem sollen nach Gröhes Willen Krankenversicherer in Zukunft auf Regressforderungen verzichten. So würden die hohen Deckungssummen und damit auch die Beiträge wieder sinken. Diese Regressdeckelung sehen die Hebammen selbst nicht als dauerhaftes Hilfsmittel. Sie verlangen eine „langfristige solide Lösung“ mit einer öffentlichen Absicherung des Haftungsrisikos, so DHV-Präsidentin Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. Sie schlägt einen steuerfinanzierten Haftungsfonds vor.

Die gesetzlichen Krankenversicherer sind naturgemäß von dem Vorschlag nicht begeistert. „Es kann nicht sein, dass die Beitragszahler der Sozialversicherungen das Geschäft der privaten Versicherungswirtschaft machen sollen und statt der Haftpflichtversicherung die Folgekosten von Hebammenfehlern übernehmen“, so Sprecher Florian Lanz im Ärzteblatt.

Nachvollziehbar. Bedeutet Gröhes Vorstoß doch, dass man den Hebammen zugesteht, Fehler zu machen, die dann von der Versichertengemeinschaft bezahlt werden soll, da die Krankenkassen keinen die HEbammen oder deren Versicherung in die Pflicht nehmen darf. In keinem anderen medizinischen Bereich gibt es eine solche Regelung und man muss sich fragen, ob der Gesundheitsminister gut beraten ist, vor der geschickten Lobbyarbeit der Hebammenverbände zu Kreuze zu kriechen.

In diesem Zusammenhang meldet sich auch Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, zu Wort. Er weist darauf hin, dass es auch für Ärzte deutlich schwieriger geworden sei, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Montgomery fordert deswegen eine Senkung der Versicherungssteuer für die ärztliche Haftpflicht von aktuell 19 auf 11 Prozent. Dies könnte Gynäkologen jährlich um rund 80 Millionen Euro entlasten.

Photo by Sharon Mollerus


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