TSH: Schilddrüsenscreening für Schwangere?


Die Schilddrüse spielt eine wichtige Rolle beim Energiestoffwechsel, beim Aufbau einzelner Zellen und des gesamten Körpers. Störungen ihrer Funktion können deswegen auch den ganzen Organismus beeinträchtigen.

Leidet eine Frau während der Schwangerschaft unter Schilddrüsenproblemen, hat sie selbst ein höheres Risiko von Anämie und Präeklampsie, für ihr Kind besteht die Gefahr von Früh- oder gar Totgeburt, eines niedrigen Geburtsgewichtes oder der Kropfbildung. Eine unbehandelte Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) der Mutter kann auch zu irreparablen Beeinträchtigungen der neurokognitiven Entwicklung des Feten führen, so Professor Dagmar Führer und ihre Kollegen vom Universitätsklinikum Essen. Sie sprechen sich für die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen aus, auch wenn die Schwangere nur eine latente Hypothyreose haben sollte, also wenn bei ihr der TSH-Wert erhöht ist, sie aber sonst keine Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion hat. Wir berichteten darüber bereits vor einiger Zeit.

Untersuchung der Schilddrüse mit Ultraschall
Untersuchung der Schilddrüse mit Ultraschall

Nach Expertenmeinung sind alleine in Deutschland pro Jahr etwa 3500 Kinder in Gefahr, weil die Schilddrüse ihrer Mütter nicht einwandfrei funktioniert. Die ETA (European Thyroid Association, Europäische Schilddrüsenvereinigung) ist deswegen für ein generelles Schilddrüsenscreening aller Schwangeren.

Um die Funktion der Schilddrüse zu untersuchen, wird in der Regel auch der TSH-Wert erhoben. TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, ein anderer Name dafür ist Thyreotropin. Dieses Hormon regt das Wachstum, die Jodaufnahme und die Hormonbildung der Schilddrüse an. Liegt der Wert im Normalbereich, funktioniert die Schilddrüse normalerweise problemlos. Ist der Wert zu hoch, deutet das auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin, die der Körper durch eine vermehrte Ausschüttung von Thyreotropin zu regulieren versucht.
Um die Sache noch ein bisschen komplizierter zu machen, kann laut einer aktuellen Studie aus den Niederlanden auch ein Zuviel an mütterlichen Schilddrüsenhormonen für die Entwicklung des kindlichen Gehirns schädlich sein. Tim Korevaar von der Erasmus-Universität in Rotterdam und seine Kollegen werteten die Daten von fast 4000 Mutter-Kind-Paaren aus und achteten dabei vor allem auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den Schilddrüsenwerten der Mutter und dem späteren IQ der Kinder.

Sie fanden heraus, dass der durchschnittliche IQ der Kinder von Müttern mit erhöhten Thyroxinwerten deutlich unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe lag (Kinder von Müttern mit einem Thyroxinwert im mittleren Bereich). Gerade weil immer mehr Schwangere vorsorglich mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden, warnt Korevaar vor einer „Überbehandlung“.


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