Weniger Kinder wegen Depressionen?


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Ein eigentlich freudiges Ereignis wie die Geburt eines Kindes kann dennoch zu Depressionen oder Stimmungstiefs führen. Das hat dann auch Einfluss auf die weitere Familienplanung.

Manche Studienergebnisse überraschen niemanden, weil es dabei um „Tatsachen“ geht, die sowieso jeder schon weiß. Besser gesagt: Zu wissen glaubt, denn nur weil „man“ es ja schon lange weiß, bedeutet das nicht, dass etwas auch wissenschaftlich belegt ist. Genauso ist das mit dem Schluss, den Wissenschaftler der Universität Kent gezogen haben: Mütter, die an postpartalen Depressionen leiden, bekommen nur selten mehr als zwei Kinder.

Die Anthropologen Sarah Myers, Dr. Oskar Burger und Dr. Sarah Johns sammelten Daten über die Schwangerschaften von über 300 Frauen und untersuchten die Rolle, die postpartale Depressionen bei der Entscheidung spielen, weitere Kinder zu bekommen. Sie stellten fest, dass Depressionen nach der Geburt des ersten Kindes die Wahrscheinlichkeit senkten, dass die betroffenen Frauen noch ein drittes Kind bekamen. Auf eine zweite Schwangerschaft hatte es keine Auswirkungen.

Postpartale Depressionen sind häufig

Was gemeinhin als „Babyblues“ bekannt ist, heißt in Fachkreisen postpartales Stimmungstief und gilt als die mildeste Form der postpartalen Stimmungskrisen. Es klingt meist von selbst nach vergleichsweise kurzer Zeit ab. Die echten Depressionen können sich auch noch Jahre nach der Entbindung schleichend entwickeln, sind sehr schwerwiegende Krankheiten und müssen unbedingt behandelt werden. Postpartale Depressionen sind keineswegs selten, laut der Forscher der Universität Kent sind in den Industrieländern 13 % aller Mütter davon betroffen.

Im Rahmen dieser Studie hat sich ein Forscherteam erstmals mit den möglichen Folgen postpartaler Depressionen für die Gesamtbevölkerung beschäftigt. Durch sinkende Geburtenzahlen kommt es in den industrialisierten Ländern nämlich zu einer Überalterung der Bevölkerung, was wiederum einschneidende soziale und ökonomische Folgen hat.
Die englischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass Investitionen in Screening und Vorbeugung, also in die seelische Gesundheit von Schwangeren und Müttern, dazu beitragen können, die Kosten und Probleme zu vermeiden, die eine überalterte Bevölkerung mit sich bringt.

Mehr Informationen zu postpartalen Depressionen und Hilfen für Betroffene gibt es im Internet, beispielsweise bei gesundheitsinformation.de und beim Bündnis Depression.

Foto von amenclinics_photos


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