ElternWiki : Sauberkeitserziehung

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Sauberkeitserziehung


Trotz ängstlicher Eltern, Großeltern, eingreifender Nachbarn und einer Menge anderer Leute, die glauben, alles besser zu wissen, ist eine Sauberkeitserziehung erst dann und nur dann möglich, wenn die Kinder so weit entwickelt sind. Kein Kind kann trainiert werden, bevor sich nicht die entsprechenden Nervenbahnen gebildet haben. Das ist ein Prozess, der sich vollständig dem Einfluss selbst der brillantesten Eltern entzieht. Und wenn es dann so weit ist, wird der gesamt Prozess vom Willen des Kindes bestimmt, mitzumachen oder sich den Bemühungen zu widersetzen. Und dies wiederum ist abhängig vom Temperament des Kindes und den Fähigkeiten und der Geschicklichkeit der Eltern abhängig.
Es scheint, dass zu Beginn des letzten Jahrhunderts Kinder wesentlich früher zur Sauberkeit erzogen wurden als heuzutage. Damals begann man damit schon nach dem dritten Lebensmonat. Und es gibt viele Berichte, nach denen Kinder schon am Ende des ersten Lebensjahres vollständig sauber waren. Vieles sprach für ein frühes Training in einer Zeit, in der Wasser meist kalt war, es nur schlechte Waschmittel gab und alles von Hand gewaschen werden musste. In dieser Zeit waren die Menschen geradezu von den Körperfunktionen besessen. Der Gang zu Toilette sollte präzise zu immer den gleichen Zeiten vonstatten gehen. Jungen Müttern wurde regelrecht eingehämmert, wenn einem Baby von klein an der richtige Weg gewiesen würde, dann würde es in seinem späteren Leben nicht von der Geißel der Vorstopfung heimgesucht. Das meiste, was damals als 
Sauberheitserziehung verstanden wurde, war im Grunde nichts anderes als ein Training von Reflexen, die nur zu bestimmten Zeiten auftreten sollten. Und obgleich wir inzwischen 100 Jahre weiter sind, werden Eltern immer noch vom Mythos der frühen Sauberkeitserziehung geplagt.
Die meisten Probleme bei der Sauberkeitserziehung sind heutzutage Scheinprobleme, die durch falsche Erwartungen und falschen Rat entstehen. Fehlgeleitet von 100 Jahren alten Auffassungen, fangen Eltern häufig viel zu früh mit dem Taining an. Beginnen Sie nicht zu früh, das führt unweigerlich zu Problemen. Bedenken Sie, dass ganz allein das Kind entscheidet, ob und wohin es auf die Toilette geht.

Zeittraining und Sauberkeitserziehung


Von Anfang an neigen Babys dazu, ihren Darm oder ihre Blase zu entleeren, nachdem sie gefüttert wurden. Dies ist eine reine Reflexreaktion, die genauso wenig gesteuert ist wie der Kniesehnenreflex. Wird ein Kind, nachdem es gefüttert wurde, auf den Pott gesetzt, besteht deshalb eine gute Chance, dass etwas passiert. Das ist recht interessant, aber nichts Aufregendes. Denn das ist reines Zeittraining.
Sauberkeitstraining ist etwas ganz anderes. In diesem Fall benutzt ein älteres Kind sein Gehirn, um zu entscheiduen, ob es Zeit ist, auf die Toilette zu gehen, und ob es der Entscheidung dann auch folgt. Das ist eine Willenssache, bei der das Kind die volle Kontrolle hat.
Die meisten irrwitzen Vorstellungen über frühe Sauberkeitserziehung, kommen von solchen Allwissenden, die nicht in der Lage sind, Zeittraining und Sauberkeitstraining voneinander zu unterscheiden. Kein Kind ist mit einem Jahr sauber und Kinder, die doch so scheinen, demonstrieren lediglich ein besonders starkes Zeittraining. Der Effekt mag zwar eine vorübergehende Entlastung der Waschmaschine sein. Doch verscheindet er in der Regel sofort, sobald das kind mit den bewussten Überlegungen, auf die Toilette zu gehen, beginnt.

Die normale Entwicklung


Während der ersten 1,5 Lebensjahren kann das Baby weder seinen Darm noch seine Blase kontrollieren. Ab dem 18. Lebensmonat scheint die frühe Reflexreaktion schwächer zu werden, und parallel dazu setzt willentliche Konbtrolle allmählich ein. Es ist nutzlos, mit dem Sauberkeitstraining zu beginnen, bevor sich das Kind überhaupt bewusst ist, dass es in die Windel oder Hose gemacht hat. Und dieses Bewusstwerden kann selten vor dem 18. Lebensmonat einsetzen. In den nun folgenden Monaten wird sich das Kind der Ausscheidungsvorgänge immer bewusster – und zwar immer stärker vor dem Ereignis. Dieser große Druchbruch findet irgendwann zwischen 18. und dem 24. Lebensmonat statt. Dabei ist das System so eingerichtet, dass das Kind erst fünf Sekunden vor dem Pieseln die Warnung verspürt, dass es nun so weit ist. Mit dem 2. Lebenjahr hat sich diese Vorwarnzeit etwas erweitert, und die Eltern können mit den ersten Erfolgen rechnen. Zu dieser Zeit hat sich meist auch die Kontrolle des Darms eingestellt. Bei einigen Kindern vor, bei anderen nach der Balsenkontrolle. Mit 2,5 Jahren sind mehr als zwei Drittel aller Kinder überwiegend trocken. Sie können selbstständig auf die Toilette gehen und ihre Hosen runter- und hochziehen, ohne dass alzu viele “missgeschicke” passieren. Zu dieser Zeit stellt sich auch nachts allmählich eine Kontrolle ein. Zwar muss das Kind anfangs noch mitten in der Nacht auf die Toilette gesetzt werden, doch bald kann es das ohne Hilfe. Obwohl die meisten Kinder mit 2,5 Jahren sauber sind, ist das Ganze immer noch mit viel Aufregung und Dringlichkeit verbunden. Das Kind muss meist unbedingt jetzt sofort auf die Toilette und überhaupt nicht dann, wenn es gerade den Eltern passt.
Bei dieser Entwicklung gibt es zwischen den Kindern große Unterschiede. Es gibt so etwas wie eine Familiengeschichte. Eltern, die selbst eine späte Kontrolle der Blase erreicht hatten, besonders nachts, werden feststellen, dass dies bei ihren eigenen Kindern ähnlich verläuft. Mändchen sind in der Regel etwas eher trocken als Jungen, vielleicht auf Grund ihrer etwas schnelleren Gesamtentwicklung, ihrer Anatomie oder weil sie in deisem Lebensabschnitt eine anpassungsfähigere Persönlichekit haben. Eine frühe Entwicklung ist genauso wenig ein ZEichen für größere Intelligenz wie das frühe Auftauchen eines Zahnes.

Ein paar Fakten