Beim
Einnässen – griech. Enuresis: en (in, hinein) und ourein (nässen) – unterscheidet man zwischen der primären und sekundären Enuresis.
Psychologisch gesehen spricht man korrekt erst dann vom Einnässen, wenn ein Kind jenseits des 5. Lebensjahres (sowie geistigem Intelligenzalter von 4 Jahren) über mindestens 3 Monate 2mal pro Monat (1mal bei älteren Kindern) die Symptomatik des Einnässens zeigt.
Unterscheidung in primäre und sekundäre Enuresis
War ein Kind noch nie dauerhaft trocken spricht man von der primären Enuresis. Hier ist von einer Entwicklungsverzögerung des Kindes auszugehen. Diese Form des Einnässens kann auch familiär gehäuft auftreten. Bei der primären Enuresis werden psychische Probleme nicht als Ursache, sondern als Folge betrachtet. Die primäre Enuresis ist gekennzeichnet durch:
• tiefen Schlaf
• schwere Erweckbarkeit bei normalem Schlafverhalten
• häufigem Einnässen mit großen Urinmengen
• Hohe Einnässfrequenz
• seltene psychische Begleitsymptome
Nässt ein Kind wieder ein, nachdem es ca. sechs Monate trocken war, spricht man von einer sekundären Enuresis. Hier spielen wahrscheinlich psychische Ursachen die Hauptrolle. Häufig lassen sich unerwartete Veränderungen im Leben des Kindes finden, die es verunsichern.
• Einschulung
• Geburt von Geschwistern
• Rivalität unter Geschwistern
• Häufige Konflikte oder Trennung der Eltern
• Tod eines nahen Verwandten
Eine weitere Erscheinung, das überwiegend in der Pubertät beobachtet wird, sind Kinder die absichtlich in die Hose machen. Sie wollen so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und es macht ihnen oft Spaß, sich von den Eltern wickeln zu lassen. Kinder mit einem solchen Verhalten werden in Fachkreisen auch als Teenbaby bezeichnet, das sich mitunter weit bis ins Erwachsenenalter erstrecken kann.
Verbreitung des Einnässens
Das Einnässen gehört zu den häufigsten Störungen des Kindesalters. Nachts nässen etwa 25 % der Vierjährigen, 10 % der Siebenjährigen und
1–2 % der Jugendlichen ein. Das Geschlechtsverhältnis zwischen Jungen und Mädchen beträgt 2:1. Tags nässen
2–3 % der Siebenjährigen und unter 1 % der Jugendlichen ein. Untersuchungen zufolge haben etwa 1 % der Erwachsenen ihre Blase nachts nicht unter Kontrolle. An dem Krankheitsbild leiden demnach in Deutschland rund 800.000 Menschen.
Folgen unbeachteten bzw. unbehandelten Einnässens
Mit zunehmendem Alter beginnen die Kinder zu erkennen, dass es als beschämend gilt, keine Kontrolle über die Ausscheidungen zu haben. Eltern reagieren möglicherweise wütend in dem Versuch, ihre eigenen Gefühle des Versagens, der Schuld und der Verlegenheit zu verbergen. Kinder die trocken geworden sind, sehen sich selbst oft als erwachsen an und hänseln ihre weniger glücklichen Altersgenossen gnadenlos. In der Folge kann das Kind schüchtern, ängstlich und zurückhaltend werden.
In der Übergangsphase vom Einnässen bis zum Trocken werden brauchen Eltern viel Geduld.
Eltern können ihr Kind beim Trockenwerden unterstützen:
• Die ersten Erfahrungen mit Topf oder Toilette sollten für das Kind angenehm sein. Zu vermeiden sind Dauersitzungen und ein kalter oder kippeliger Thron.
• Das Kind weiß selbst am besten, ab wann es in der Lage ist, zur Toilette zu gehen. Es ist schön für das Kind, wenn es den Zeitpunkt für die erste Topferfahrung selbst bestimmen darf. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es bereits bei den anderen Familienmitgliedern gesehen hat, was es auf der Toilette soll.
• Im Sommer werden Kinder viel leichter trocken als im Winter, weil sie bei Wärme die Schließmuskeln besser kontrollieren können als bei Kälte.
• Es ist ganz normal und kein Grund zum Schimpfen, wenn es bei Kindern, die eigentlich schon ohne Windel auskommen, noch hin und wieder eine nasse oder volle Hose gibt. Das gilt besonders in schwierigen Situationen wie Eintritt in den Kindergarten, Geburt eines Geschwisterchens oder Streit zwischen den Eltern.
Behandlungsmöglichkeiten
Weil das Einnässen ganz verschiedene Ursachen haben kann, gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, es zu behandeln. Vor allem wenn das Kind noch nie ganz trocken war, ist eine Untersuchung beim Kinderarzt sinnvoll. Fehlbildungen von Harnleitern oder Blase oder auch Infektionen können die Ursache des Problems sein. Findet der Arzt keine körperlichen Auffälligkeiten, reagiert das Kind mit seinem Einnässen möglicherweise auf seelische Belastungen. Auch Erziehungsberatungsstellen können bei Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern wegen des Trockenwerdens helfen. Erst wenn man davon ausgehen kann, dass es keine Ursachen für Ängste oder Spannungen gibt, oder wenn dem Kind bei der Bewältigung seiner seelischen Probleme geholfen wird, sind praktische Methoden wie eine „Klingelhose“ (ein Gerät, das klingelt, wenn die Unterhose feucht wird), regelmäßiges Wecken oder Blasentraining angebracht. Werden solche Methoden jedoch eingesetzt, ohne nach der Gesamtsituation des Kindes zu schauen, besteht die Gefahr, dass sie den Druck auf das Kind noch verstärken. Wichtig ist vor allem, dass das Einnässen nicht mehr Hauptthema der Familie ist.
Weblinks
www.wikipedia.de
http://www.elternbriefe.de/elternbriefe/09/artikel_01.html – Nützliche Tipps für Eltern