KiWuWiki: PCO

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DAS PCOS (POLYZYSTISCHES OVARIAL SYNDROM)


GRUNDLAGEN:


Das PCO-Syndrom (abgekürzt PCOS) ist ein sehr häufig auftretendes Gesamtbild von diversen Einzel-"Erkrankungen", die letztlich zu einer schlechteren Fruchtbarkeit führen können, wenn das PCOS unbehandelt bleibt. Jedenfalls kann sich die Zeit des «Übens» ganz schön verlängern....
Es tritt bei 5 % der Frauen im gebärfähigen Alter auf – das ist schon eine ganze Menge! Das sind 5 von Hundert Frauen... bildlich gesehen eine ganze Menge.


Das Grundbild des Syndroms setzt sich wie folgt zusammen:


– Zyklusstörungen (Oligo- oder Amenorrhoe)
– männliche Behaarung bei Damen (Hirsutismus)
– zu viele männliche Geschlechtshormone im Blut (Hyperandrogenämie)
– oftmals unerfüllter Kinderwunsch
– viele Eierstockzysten (PCO = polyzystische Ovarien), die von vielen gleichzeitig nicht ganz reifenden Follikeln herrühren
– oftmals Übergewicht (leider bedingt durch die Insulinresistenz und kaum durch Hungern/Bewegung bekämpfbar)
– Insulinresistenz (beseitigt man diese, wird auch das Übergewicht besser und die Hormone kommen in Einklang)
– metabolisches Syndrom tritt häufiger auf (Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Gefäßverkalkungen, Zuckererkrankungen)


URSACHEN:


Hormonstörungen beim PCOS


Beim PCOS bilden mehrere endokrinologische Störungen in einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis.


Es besteht eine vermehrte Ausschüttung des Hormons LH (Luteinisierendes Hormon) und eine Verminderung des FSH (Follikelstimulierendes Hormon) aus der Hirnanhangsdrüse. (ungünstiger Quotient wird der Arzt dann vielleicht sagen...)


Die vermehrte LH Konzentration stimuliert am Eierstock die Bildung männlicher Geschlechtshormone. Diese werden im Fettgewebe, welches bei Übergewicht ja vermehrt vorhanden ist, in weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) umgewandelt und leider völlig unnütz entgegen dem normalen Menstruationszyklus abgegeben. Dies bewirkt wiederum an der Hirnanhangsdrüse die bereits beschriebene Störung der LH und FSH-Ausschüttung. Das ganze geht von vorne los...


Das Hormon FSH hat ebenfalls einen bedeutenden Einfluß, indem es bei der gesunden Frau an der Umwandlung der Androgene in Östrogene beteiligt ist und eine regelrechte Menstruation mit Eisprung gewährleistet. Bei vermindertem FSH werden weniger Androgene umgewandelt. Folge: kein/chaotischer Zyklus. Auch fehlt oft bei vermindertem FSH der Eisprung überhaupt und damit der Zyklus an sich.


Die vermehrte Anwesenheit von Androgenen im Blut führt am Eierstock zu einer Verdickung (Fibrose) der äußeren Eierstockwand (Kapsel), die zusätzlich dazu führt, daß die FSH-Wirkung blockiert wird. Ein Ei SPRUNG wird dadurch oft erschwert. Manche Ärzte empfehlen eine operative Behebung (Stichelung, Keilresektion?).


Insulinresistenz beim PCOS


Die Insulinresistenz des PCOS führt leider zu einer vermehrten Insulinfreisetzung, um die Wirkung der Resistenz auszugleichen.... Das dadurch zu viel im Blut kreisende Insulin verstärkt die schon bestehende Hyperandrogenämie (zuviele männl. Hormone im Blut), einerseits durch direkte Steigerung der Androgenproduktion in den Eierstöcken, andererseits durch wiederum vermehrte Freisetzung des LH.


Insulin hemmt aber auch die Bildung des Proteins SHBG in der Leber und stimuliert die Nebenniere eine zusätzliche Bildung männlicher Geschlechtshormone, die eh schon im Überfluss vorhanden sind...


Man behauptet, PCOS zeige eine familiäre Häufung, so dass eine genetische Komponente in der Enstehung dieser Erkrankung anzunehmen ist...


THERAPIEN IM ÜBERBLICK:


Ohne Kinderwunsch ist die Behandlung meist auf die Linderung der lästigen Merkmale wie Behaarung oder Pickel oder Zyklusstörungen ausgerichtet. Man gibt bevorzugt die “Pille”, hierbei ein Mittel, was eine antiandrogene Wirkung hat (Diane 35 z. B. )


Besteht ein Kinderwunsch, ist die Problematik schon da... eine “Pille” wäre da sehr kontraproduktiv.


Niedrig dosierte Cortison-Präparate (Glucocortikoide) können in Einzelfällen zur Hemmung der Steroidsynthese in der Nebenniere genutzt werden.


Bei besonders ausgeprägter Adipositas (Übergewicht) ist eine Reduktionsdiät anzustreben, vor allem in Kombination mit einem Diabetes-Mittel (oft z. B. Metformin), um den Teufelskreis Insulinausschüttung-Heißhunger-Insulinanstieg-erneute hohe Insulinausschüttung zu unterbrechen.


Metformin zeigte außerdem in Studien, daß es signifikant die Androgene senken kann. Eine Normalisierung des Zyklus ist damit möglich! Erste Daten belegen, dass auch nicht-insulinresistente PCOS-Patientinnen von einer Metformintherapie profitieren. Metformin verbessert außerdem die meisten Symptome des metabolischen Syndroms, wie Blutfette, Blutdruck etc. Eine einschleichende Therapie ist aufgrund der Magenverträglichkeit angeraten. (siehe hier auch Metformin In Der Schwangerschaft)


Um einen Eisprung und einen halbwegs regelmäßigen Zyklus zu erzeugen, wird in der Kinderwunschbehandlung bei PCOS oft eine synthetische Eisprungauslösung (Ovulation) z.B. mit Clomifen, bevorzugt. Clomifen Tabletten ist das einfachste Mittel, um einen Eisprung/Zyklus hervorzurufen. Sollte nach 6 Zyklen kein “Erfolg” eingetreten sein, schwenkt man auf eine Hormontherpie ähnlich wie bei einer IVF um, man spritzt z. B. HMG (Menogon) und löst den Eisprung mit HCG aus.


Achtung: da PCOS Frauen immer viele (!) Follikel in der Reifephase im Eierstock haben, ist bei einer hormonellen Stimualtion der Reife die Gefahr von Mehrlingsschwangerschaften gegeben, da auch viele Follikel zu einem Eisprung kommen können. Die hormonelle Stimulation mit Clomi oder Spritzen ist immer nur mit Ultraschall-Kontrolle der Eierstöcke durchzuführen! Schon Zwillinge bergen ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko...


Eine gründliche Labordiagnostik der Blutwerte (Hormone aller Art) sollte vor jedem Therapiebeginn erfolgen und ist zur Feststellung von PCOS unerläßlich!


Gute Infos wie auch Selbsthilfegruppen findet man auf der Patienten-Webseite: http://www.pco-syndrom.de/


Ein Test


 

referenzierende Seiten: GnRH-Antagonisten
Hashimoto
HeterologeInsemination
Inhaltsverzeichnis
Metformin
Überstimulationssyndrom


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