Was ist eigentlich künstlich an der künstlichen Befruchtung?
Üblicherweise werden im allgemeinen Sprachgebrauch sämtliche Arten der
Kinderwunschbehandlung als
«künstliche Befruchtung» bezeichnet, was so aber nicht richtig ist.
Bei einer reinen
Hormonbehandlung werden die Eierstöcke durch Hormongaben dazu angeregt,
Eizellen zu produzieren, z. Beispiel bei gestörter
Eizellreifung. Die dann stattfindende Befruchtung der Eizelle geschieht jedoch völlig natürlich.
Das gleiche gilt für eine
Insemination. Hier werden nach einer Hormonbehandlung
Spermien in den weiblichen Genitaltrakt gespritzt, also in
Eileiter oder
Gebärmutter. Die anschließende Befruchtung geschieht ebenfalls auf normalem Wege, wie sie auch beim natürlichen Ablauf passieren würde.
Auch die normale
Reagenzglasbefruchtung also die
IVF ohne
ICSI bringt lediglich die Spermien und die Eizellen außerhalb des Körpers zueinander. Der eigentlich Befruchtungsvorgang findet zwar im Reagenzglas statt, unterscheidet sich jedoch nicht von der natürlichen, im Eileiter stattfindenden Befruchtung.
Von einer künstlichen Befruchtung kann man daher eigentlich nur sprechen, wenn eine
ICSI durchgeführt wird. Diese Methode wird bei sehr schlechter Spermienqualität angewendet und es wird dabei ein einzelner Samenfaden in die Eizelle eingespritzt, um eine Befruchtung zu gewährleisten.
Es mag zwar spitzfindig klingen, wenn man das so differenziert darstellt, jedoch hat das einen wichtigen Hintergrund: Während bei allen Arten der normalen Befruchtung die Eizelle letztlich den Samenfaden auswählt, welcher in die Eizelle eindringt, ist dies bei der ICSI nicht der Fall. Die Frage, ob eine erhöhte Anzahl an Fehlbildungen bei den so gezeugten Kindern besteht, ist
nicht abschließend geklärt, während man dies bei den anderen Methoden mit großer Sicherheit ausschließen kann.