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Mit der Kinderwunschpraxis ist es wie mit allen Ärzten: die Chemie sollte stimmen. Und da es sich hier um eine recht intime Angelegenheit handelt und man – falls es nicht gleich klappt – dort womöglich viel Zeit verbringen wird, ist es doppelt wichtig, sich gut aufgehoben zu fühlen. Und nicht jede Praxis passt zu jedem Kinderwunschpaar. In einem Erstgespräch kann man die Praxis kennenlernen. Hierbei sollte man auf folgende Dinge achten:
Das Bauchgefühl ist mit eines der wichtigesten Kriterien. Stimmt die Chemie zwischen Arzt und Kinderwunschpaar? Fühlt man sich in der Praxis gut aufgehoben? Interessiert der Arzt sich dafür, was unsere Vorstellungen von einer Kinderwunschbehandlung sind und wie weit wir wann gehen wollen? Gibt es Zeit um solche Themen immer mal wieder zu erörtert, falls der Erfolg auf sich warten läßt? Fragen sollten verständlich beantwortet und nicht abgetan werden. Sonderwünsche sollten zumindest angehört werden. Weiterhin sollte ein gewisses Maß an Intimsphäre gewahrt werden. Gespräche sollten am Schreibtisch stattfinden und nicht nebenher während einer Behandlung oder Untersuchung auf dem Gynstuhl. Überhaupt sollte man das Gefühl haben, zwar gut beraten zu werden, die wichtigen Entscheidungen jedoch letztlich selber treffen zu dürfen. Und da eine Kinderwunschbehandlung manchmal sehr belastend werden kann, ist es schön wenn auch ein wenig Empathie gezeigt wird. Manche Praxen bieten auch psychosoziale Beratungen an.
Bisher hat sich häufig gezeigt, dass User, die bereits zu Anfang ein schlechtes Gefühl bezüglich einer Praxis hatten, dort auch wenig Erfolg hatten. Es lohnt sich also, so lange zu suchen, bis man etwas findet, was zu einem passt.
In seriösen Praxen wird das Thema Kosten im Erstgespräch angesprochen und Kostenvoranschläge, häufig in schriftlicher Form erstellt. Gute Praxen informieren von sich aus, welche Kosten man selber tragen muss und welche Kosten die Krankenkasse übernimmt. Manche Praxen bieten außerdem Ratenzahlungen für finanzschwache Paare an.
Die medizinische Kompetenz ist für den Laien häufig schwer zu beurteilen! Man kann aber nach den Erfolgsquoten der Praxis und dem Ranking im IVF-Register fragen. Hierbei sollte man fragen, wieviele Schwangerschaften eintreten und wieviele Paare pro angefangenen Zyklus letztlich mit einem Kind nach Hause gehen. Nimmt die Praxis nur Paare an bei denen mit einer guten Prognose zu rechnen ist oder kümmert sie sich auch um Paare mit nicht so guten Aussichten? Eine ausführliche Vorgeschichte (Anamnese) sollte erhoben werden und evtl. vorliegende Vorbefunde gesichtet werden. Gibt es ein 0–8-15-Schema, oder wird ein individuell auf uns zugeschnittenes Behandlungsschema erstellt? Überlegt sich die Praxis nach mehreren Fehlversuchen ein neues Konzept? Schaut sie auch nach nicht rein gynäkologischen Gründen für Fehlschläge (Schilddrüse etc.)?
Für eine Kinderwunschpraxis ungeheuer wichtig ist eine gute Praxis-Organisation. Eisprünge und reifende Follikel richten sich nicht oder nur begrenzt nach Öffnungszeiten oder Wochentagen. Die meisten Frauen sind außerdem berufstätig und müssen die Termine (durchaus 2–5 pro Zyklus und das je nach Behandlungsverfahren womöglich über mehrere Monate hinweg) irgendwie in ihren Berufsalltag einpassen. Starre Zeiten zu denen Ultraschalle, Blutabnahmen, Medikamentengaben, Embryotransfers und Inseminationen stattfinden können dabei zum großen Hindernis werden, denn man wird sich nicht immer für alle Behandlungstermine so kurzfristig Urlaub nehmen können. Schön ist daher, wenn die Untersuchungen und Behandlungen auch nach Feierabend, in der Mittagspause und an Wochenenden möglich (u.U. sehr wichtiger Punkt!) sind. Wenigstens am Samstag sollte eine Insemination oder ein Embryotransfer möglich sein. Schön ist es auch, wenn es einen mir zugeordneten Arzt gibt und man nicht immer wieder alles von vorne erzählen muss. Ist dies nicht der Fall, kann man ruhig mal fragen, wie die Kommunikation zwischen den Ärzten sichergestellt wird. Die ganze Akte werden die Kollegen wohl kaum jedes Mal lesen wollen. Außerdem sollten Telefonkontakte möglich sein, wenn dringende Fragen auftreten („Ich hab erst übermorgen Termin, aber mein LH-Test ist heute schon positiv, was tun?“). Wie flexibel ist die Terminvergabe? Kann ggf. auch mein Haus-Gyn das Zyklusmonitoring übernehmen, falls der Fahrtweg weit ist oder ich das möchte?
Schließlich gibt es noch Extras die bei der Entscheidung für eine Praxis auch eine Rolle spielen können: Wie ist die Praxis eingerichtet? Können wir uns da wohlfühlen? Wird auf Intimität geachtet, insbesondere in «kritischen Räumen» wie dem Spermienabgaberaum? Ist die Praxis so eingerichtet, daß nicht das ganze Wartezimmer mithören kann was ich an der Anmeldung bespreche? Manche Praxen bieten begleitende Angebote wie Akupunktur? oder bestimmte Naturheilverfahren? an oder sind besonders gut auf endokrinologische (z.B. Schilddrüse) oder immunologische (Einnistungsstörungen) Sonderfälle eingerichtet. Inzwischen gibt es auch in vielen Praxen eine Kooperation mit psychosozialen Beratern. Man sollte ruhig danach fragen, wenn man mitten in der Behandlung das Gefühl hat, dass einem alles über den Kopf wächst.
Nicht zuletzt kann man im Forum nach Erfahrungen mit speziellen Kinderwunschzentren fragen.
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