Weiter Infos finden Sie im Theorie-Teil: Spermiogramm
Unfruchtbarkeit…
Nach oft jahrelangem geduldigen „Versuchen“ stellt das Paar fest „es klappt nicht“. Man begibt sich in eine DAFÜR SPEZIALISIERTE PRAXIS, in eine Kinderwunschpraxis. Dort werden verschiedene Untersuchungen vorgeschlagen, um der Ursache der bisherigen Unfruchtbarkeit auf die Spur zu kommen.
40/40/20 – Regel
In etwa 40 % der Fälle liegt die Ursache der Unfruchtbarkeit bei der Frau… halt, meine Herrn, nicht zu früh freuen – denn in etwa 40 % liegt die Ursache der Unfruchtbarkeit beim Mann.. ausschließlich beim Mann. Also genauso oft. Aber: in etwa 20 % haben BEIDE Ursachen für eine Unfruchtbarkeit. Das ist dann Pech.
Um das herauszufinden – also: an wem liegt's denn so? – werden verschiedene Untersuchungen oder Tests gemacht.
Testmöglichkeiten
Am einfachsten ist die Blutuntersuchung, ob mit den Hormonen alles stimmt.
Wenn da alles ok ist, heißt es weiterforschen. Jetzt könnte man unendlich viele Untersuchungen bei der Frau beginnen. Das ist oftmals sehr schwierig, denn alle Organe, die betroffen sind, liegen IM Körper der Frau.
Sehr viel einfacher ist es, vorher den Mann zu checken. Da bietet sich ein Spermiogramm an – denn alles, was ER braucht, ist Sperma, was funktioniert. Und das kann man relativ einfach gewinnen ;-)
Hintergrundwissen: was geht da ab im S… ;-)
Spermienentwicklung in den Keimdrüsen des Mannes
Hirnanhangdrüse und Nebenniere dienen als Steuerungssysteme für die Spermien- und Hormonproduktion in den männlichen Keimdrüsen. Wie bei der Frau werden hierfür die Hormone FSH und LH (Hypophyse) sowie das GnRH (Hypothalamus) benötigt.
In den Hoden des Mannes werden Hormone produziert. Wichtig ist das Geschlechtshormon Testosteron. Es beeinflusst die Ausprägung der männlichen Geschlechtsmerkmale, hat aber auch Auswirkungen auf die Entwicklung der Spermien.
Das alles geschieht regelmäßig, zyklisch. In Schüben reifen die Samenzellen aus den Urformen der Samenzellen, aus den Spermatogonien, heran. Weil ca. alle 16 Tage größere Mengen von Urformen der Samenzellen den Reifungsprozess durchlaufen, ist es möglich, dass immer wieder neue, frische, reife Spermien im Ejakulat des Mannes vorhanden sind.
Der Vorgang der Spermiogenese = Reife dauert etwa 74 Tage und ist sehr störanfällig. Schon eine schlichte Erkältung mit Fieber, die schon ein paar Wochen zurück liegt, kann zur Folge haben, dass JETZT das Spermiogramm schlecht ist….
Ejakulation
Die Reifung der Spermien vollzieht sich auf einer langen Reise durch die Samenkanälchen des Hodens und durch den Nebenhoden. Reif genug, um eine Eizelle zu befruchten, werden die Samenfäden erst im Nebenhoden. In einem bestimmten Abschnitt des Nebenhodens liegen die voll ausgereiften Spermien dann so lange, bis ein Samenerguss (Ejakulation) erfolgt und sie endlich ihr Ziel suchen können – die Eizelle.
Der Hauptteil des Samenergusses, der unmittelbar nach der Ejakulation sehr zähflüssig ist, wird in den sogenannten Samenbläschen und in der Prostata gebildet und den Spermien auf dem Weg aus dem Nebenhoden in den Penis und raus beigemengt. Er dient als Transportmedium und enthält wichtige Nährstoffe (Fructose) – sonst würden die Jungs auf dem langen Weg zur Eizelle verhungern ;-)
Die Hoden können lebenslang neue Samenzellen bilden. Deswegen gibt es auch zieeeemlich alte Väter… Allerdings steigt – wie bei Frauen ab 35 – auch bei Männern mit zunehmenden Alter das Risiko chromosomaler Störungen beim Kind deutlich an.
Diagnostik
Anamnese: Krankheiten und Eingriffe
Wichtig ist es, am Anfangs einer Kinderwunschbehandlung die Ursache einzukreisen. Hierzu wird das Paar ausgiebig befragt. Auch der Mann wird sich speziellen Fragestellungen widmen müssen.
Oft wird er nach Erkrankungen in der Kindheit befragt – die können nämlich erhebliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben!
Schlichtes Mumps wird bei 1% der Fälle durch eine Hodenentzündung begleitet, die zur Beeinträchtigung der Hodenfunktion führen kann. Deswegen: gegen Mumps sollte man als Kind geimpft sein…
Wenn es Operationen gab, können Spätschäden auftreten:
Hierbei sind nicht nur Eingriffe im Genitalbereich relevant, auch eine Operation an der Hypophyse kann die Spermienreifung und Entstehung beeinträchtigen.
Auch ein Hormonmangel / Testosteronmangel kann Verursacher der Unfruchtbarkeit des Mannes sein, der Hormonmangel zeigt sich oft an Symptomen wie Antriebsschwäche, keine Lust auf Sex, Müdigkeit, Erektionsschwäche ….
Körperlicher Untersuchung
Eine Unterfunktion der Hoden fällt bei einer körperlichen Untersuchung auf. Die Betroffenen können eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse aufweisen, auffällig kleine und feste Hoden und einen weiblichen Behaarungstyp haben, also keinen Brust- und Nackenpelz ;-) Das Ejakulat enthält dann wenige oder keine lebenden Spermien.
Bei der Inspektion der männlichen sekundären Geschlechtsmerkmale achtet der Arzt auf Fehlbildungen wie Fehlmündung der Harnröhre. Denn das könnte dazu führen, dass das Sperma einfach nicht den Ort des Geschehens erreicht…
Ebenfalls auffällig sind drittgradige Krampfadern (Varikozelen), bei denen die erweiterte Vene sichtbar ist wie sonst am Bein….Eine solche Krampfader kann zur unnötigen Erwärmung der Hoden führen. Und Wärme wiederum schadet der Spermienproduktion sehr!
Beim Nebenhoden kann die Ursache für Unfruchtbarkeit durch das Abtasten (meist völlig schmerzlos…) festgestellt werden: Hat der Patient akute Nebenhodenentzündung, ist der Nebenhoden druckschmerzhaft und geschwollen (dann tuts doch weh.. ). Eine schmerzlose Schwellung kann auf einen Verschluss des hinteren Nebenhodengangs hinweisen – dann stauts nur.
Entzündung der Hoden und Nebenhoden können die Spermienfunktion ziemlich beeinträchtigen. Das beste Beispiel ist die Sache mit der Entzündung nach Mumps… dann ist der Mann oft unfruchtbar.
Spermiogramm
Ein Spermiogramm zu erstellen ist relativ einfach – wenn man dafür spezialisiert ist. Ein Spermiogramm sollte NICHT irgendjemand erstellen, schon gar nicht sollte es ein Teststäbchen aus der Apotheke sein. Denn es gibt sehr unterschiedliche Kriterien, die berücksichtigt werden müssen.
Wo?
Die Ejakulation dazu ist auch zu Hause möglich, wenn der Transport innerhalb einer halben Stunde gewährleistet ist. Das Probengefäß sollte körperwarm sein, um einen Kälteschock der Jungs zu vermeiden zu vermeiden. Nach dem „Kommen“ ist das Sperma innerhalb einer halben Stunde eilends ins Labor zu bringen! Alles, was später ist, bringt nix mehr. Die Transporttemperatur sollte zwischen 20 °C und 40 °C liegen, also den gut verschlossenen kleinen Becher (den man übrigens vom Arzt mit heimkriegt) am Körper tragen. Am Bauch. Unterm Pulli. Oder so. Und bei einer Polizeikontrolle nicht nervös werden...
Das Ejakulat (Sperma) besteht im wesentlichen aus 2 Teilen, der Samenflüssigkeit, die hauptsächlich in zwei Organen produziert, der Prostata und den Samenblasen, produziert wird. Und den Zellen, neben den im Hoden produzierten Samenzellen kommen noch andere Zellbestandteile vor, nämlich im Falle einer Erkrankung z.B. Entzündungszellen.
Wie?
Klassisch… durch selbst-machen….
Die Untersuchung erfolgt nachdem der Mann etwa 1–3 Tage keinen Samenerguß gehabt hat, sonst ist das nicht vergleichbar. Länger Warten verschlechtert das Spermiogramm hinsichtlich der Beweglichkeit der Jungs, kürzer Warten kann weniger Spermien zur Folge haben. Am besten wird das Ejakulat natürlich durch Masturbieren direkt am Untersuchungsort gewonnen. Heutzutage ist der Raum zum Hervorzaubern des Spermas nicht mehr die Besenkammer der Praxis und es klopft auch nicht dauernd die Schwester an, um noch Versicherungsdaten abzufragen. Oft kann die jeweilige Partnerin mit in das Zimmer und helfen, und sei es nur seelischer Beistand ;-) man findet allerdings auch rein zufällig in diesen Räumen oft Zeitschriften… nicht die Brigitte oder Für Sie, sondern andere ;-)
Wichtig zu wissen: das Spermiogramm zeigt lediglich einen momentanen Zustand und ist nicht so konstant, deshalb sind oft mehrere Untersuchungen in einigem Zeitabstand nötig. Das geschieht nicht, um den Patienten zu schikanieren, sondern weil die Spermien ja regelmäßig frisch nachreifen. Siehe auch „Hintergrundwissen…“
Was?
Dann erfolgt der wirklich zentrale Punkt der Untersuchungen: die Erstellung des Spermiogramms.
Bei der Erstellung des Spermiogramms werden zahlreiche Faktoren untersucht:
– Die Menge des Ejakulats, das nur zu etwa fünf Prozent aus Samenzellen besteht (normal: 2 bis 8 Milliliter)
– die Sperma-Verflüssigungszeit (sollte ca. eine halbe Stunde betragen, deswegen ist auch ein Test in der Praxis eigentlich besser, denn auf dem Transport verflüssigt es ja schon oft)
– bakteriologische Untersuchung auf evtl. Infektionen (Geruch, pH-Wert)
– Samenfäden werden nach Anzahl, Beweglichkeit und Form unter dem Mikroskop näher beurteilt.
Die Beweglichkeit der Spermien ist in den meisten Fällen das wichtigste Kriterium für die Fruchtbarkeit des Mannes – jedenfalls, wenn im klassischen Sinne „geübt“ wird…
Hierbei gibt es die allgemeine Beweglichkeit, die dabei „Globalmotilität“ heißt, also wie die Jungs rumschwirren. Und dann noch die wichtige Vorwärtsbeweglichkeit, die progressive Motilität, denn sie sollen ja auch irgendwann man am Ziel ankommen ~~=(O> (@)
Von Bedeutung sind auch die Anzahl der Spermien pro Milliliter des Ejakulates, das wird Spermatozoen-Dichte genannt, und überhaupt die Gesamtzahl der Samenfäden.
Auch das Aussehen der Spermien wird beurteilt, weil Fehlformen (zum Beispiel sog. Rundkopfspermatozoen oder schwanzlose Spermatozoen) unter natürlichen Bedingungen keine Eizelle befruchten können. Sie kommen nicht wirklich rein. Deswegen sind auch Teststäbchen aus der Apotheke Mist, denn die messen nur, ob überhaupt welche da sind. Nicht, wie beweglich sie sind, nicht, ob sie ordentlich aussehen.
Mit Hilfe eines Färbetests (Eosin-Testes) lassen sich unbewegliche lebende oder tote Spermien voneinander unterscheiden ?Vitalität?: der Farbstoff Eosin kann nur in tote Zellen eindringen. Unter Normalbedingungen sollten sich höchstens 50 Prozent der Spermien in diesem Test anfärben. Aber man muss auch nicht erschrecken: es sind eben immer viele tote Zellen dabei – weil ja auch täglich neue entstehen. Irgendwie würde der Mann ja sonst überschwemmt ;-)
Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von zusätzlichen Methoden, das Sperma hinsichtlich seiner wahrscheinlichen Befruchtungsfähigkeit zu beurteilen, wie zum Beispiel die Analyse der Überlebensfähigkeit der Spermien innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes, was ja bei dem langen Weg durch die Gebärmutter und Eileiter durchaus von Interesse sein kann. Außerdem wird oft auch im Laborversuch die Fähigkeit der Samenfäden, den Zervixschleim der Partnerin überhaupt zu durch schwimmen und die Hüllen der Eihaut der reifen Eizelle zu durchdringen untersucht ?Penetrationstest?. Dann gibt es noch die biochemische Untersuchungen des Spermas auf seinen Fruktosegehalt – den brauchen die Jungs als Nahrung auf dem Weg.
Mögliche Ergebnisse:
WHO Norm
o Die WHO-Norm ist mal festgelegt worden als Durchschnittswert. So ungefähr sollte ein gesundes Spermiogramm eines gesunden Mannes aussehen…
Ein normales Spermiogramm weist folgende Werte auf:
– Ejakulatvolumen: mindestens 2 Milliliter
– Spermiengesamtzahl: mindestens 40 Millionen
– Spermien pro Milliliter: mindestens 20 Millionen
– Spermienbeweglichkeit: mindestens 50 % mit Vorwärtsbeweglichkeit oder mindestens 25 % mit schneller Vorwärtsbeweglichkeit
– Spermienform: mindestens 30 % normal geformt.
– Anteil der lebenden Spermien > 75% (mit dem Färbetest..)
– MAR-Test (Spermatozoen-Antikörperbestimmung) < 10 % Spermatozoen mit Partikel
– Leukozyten < 0,5 Mio / ml
– Rundzellen < 1 Mio / ml
– a-Glukosidase > 11 mU / Ejakulat
– Fruktose > 13 µmol / Ejakulat
– Zink > 2.4 µmol / Ejakulat
Außerhalb der Norm
Was passiert bei einem veränderten Spermiogramm?
Fällt das Ergebnis nicht normal aus, sollte mindestens eine zweite Untersuchung im Abstand von einem Monat durchgeführt werden, da die Werte von Probe zu Probe stark schwanken können. Das vor allem, weil ja bekanntlich immer wieder neue Spermien heranreifen und schon Kleinigkeiten wie eine fiebrige Erkältung den Jungs echt schaden können.
Zeigen sich auch dann nur wenige oder wenig aktive Spermien, sind zusätzliche Untersuchungen nötig. Neben einem Ultraschall von Hoden und Prostata, mit dem sich Gewebsveränderungen z.B. durch einen Tumor aufdecken lassen, werden Hormonuntersuchungen durchgeführt. Gewebeproben unter örtlicher Betäubung werden nur dann entnommen, wenn sich im Spermiogramm extrem wenige Spermien finden. Damit lässt sich prüfen, ob überhaupt Samenzellen produziert werden. In einer Blutprobe kann eventuell nach genetischen Abweichungen gesucht werden. Dies wird besonders vor einer künstlichen Befruchtung empfohlen (allerdings bei beiden Partnern).
Begriffe und ihre Bedeutung:
Der Mann bekommt dann oft eine Diagnose genannt, die sich sehr nach Begriffen aus dem Tierreich anhört… hier sind die einzelnen Begriffe mal auseinandergedröselt:
Normozoospermie = normales Spermiogramm
Aspermie = kein Samenerguß
Hypospermie(Parvisemie) = zu wenig Menge < 2 ml Ejakulatvolumen
Polyspermie (Multisemie) = zu viel Menge > 6ml Ejakulatvolumen
Kryptospermie = nur ganz vereinzelt Samenzellen < 1 Mio Spermien pro Milliliter
Oligozoospermie = zu wenig Samenzellen < 20 Millionen Spermien pro Milliliter
• Oligozoospermie I 10 – 20 Millionen pro ml
• Oligozoospermie II 5.0 – 10 Millionen pro ml
• Oligozoospermie III < 5.0 Millionen pro ml
Polyzoospermie = zu viele Samenzellen > 200 Millionen Spermien pro Milliliter (als relative Polyzoospermie bei Parvisemie)
Hyperzoospermie > 150 Millionen Spermien pro Milliliter
Teratozoospermie = zu viele fehlgeformte Samenzellen < 30 % der Spermatozoen mit normaler Morphologie (zu viele fehlgeformte Samenzellen)
Leukospermie = Entzündung, meist Prostata
Nekrozoospermie keine Beweglichkeit der Spermien, im EOSIN-Test alle tot
Leider wird aber auch sehr häufig ein OAT-Syndrom diagnostiziert:
Oligo-Astheno-Terato-Zoospermie = (OAT-Syndrom) – Kombination von geringer Zahl, schlechter Beweglichkeit und zu vielen Fehlformen der Spermien. Das ist lediglich eine ungenaue Zustandsbeschreibung,keine richtige Diagnose
Mögliche Ursachen für eine Unfruchtbarkeit des Mannes
Warum aber ist das Spermiogramm so miserabel? Was ist geschehen, was ist die Ursache?
zu spät vorgenommene, operative Korrektur der Fehllage des Hodens
Varikozele (Krampfadern) am Hoden
Entzündungen des Hodens (Folge von Mumps und Co..)
angeborene Fehlbildungen mit unzureichender Produktion von Samenzellen
Hormonstörungen
Allergie gegen eigenes Sperma (Spermienantikörper)
Unfähigkeit zur Ejakulation durch Querschnittslähmung, Diabetes oder Nervenerkrankungen
Sterilisation (Unterbindung der Samenleiter)
und andere Erkrankungen
Varikozele
Auszug aus einem Forschungsergebnis:
Türkische Forscher untersuchten in einer Studie, welchen Einfluss eine Varikozelektomie (Entfernung einer Varikozele) auf die Samenqualität und die Reproduktion hat. An der Studie haben 540 unfruchtbare Männer zwischen 18 und 58 Jahren teilgenommen. Alle Teilnehmer mit einer Varikozele (Krampfaderbruch) haben sich einer mikrochrirurgischen Varikozelektomie unterzogen. Die Forscher verglichen vor und nach dem Eingriff die Spermienzahl der Patienten.
Reproduktionsarten:
• Patienten mit 0 bis 1,5 Mio. beweglichen Spermien wurde eine künstliche Spermien-Injektion (ICSI) vorgeschlagen,
• bei 1,5 bis 5 Mio. beweglichen Spermien eine In-vitro-Fertilisation (IVF),
• bei 5 Mio. Spermien kam eine intrauterine Insemination (IU), d.h. Samenzellübertragung in die Gebärmutterhöhle, in Frage,
• bei mehr als 20 Mio. Spermien war eine normale Schwangerschaft möglich.
Ergebnisse der Varikozelektomie:
Bei der Hälfte der Männer wurde nach dem Eingriff ein 50%iger Anstieg der beweglichen Spermien festgestellt. Womit die Varikozelektomie als erfolgreich betrachtet werden kann.
Innerhalb der ersten sieben Monate nach der Operation wurden 37% der Partnerinnen spontan schwanger.
11% der operierten Männer, die sich vor dem Eingriff in die Gruppe der spontanen Schwangerschaften qualifizierten, eine schlechtere Spermienqualität auf.
Schlussfolgerung:
Durch die Entfernung eines Krampfaderbruches kann bei unfruchtbaren Männern die Samenqualität verbessert werden, wodurch die invasive Reproduktionsmaßnahmen entfallen (Ende)
Krampfadern der Hoden können zu dessen Überwärmung und damit zur Veränderungen der Samenzellen führen. Denn Wärme können die überhaupt nicht ertragen.
Aber: Eine Krampfader am Hoden ist also kein k.o.-Kriterium, wenn sie operiert wurde und die alleinige Ursache der Fruchtbarkeitsstörung war, hat „Mann“ durchaus Chancen, hinterher ein sehr viel besseres Spermiogramm zu haben.
Die Operation einer symptomlosen Varikozele ist sehr viel umstrittener als in dieser Studie erkennbar. Zahlreiche andere Studien ergeben keinen Unterschied, ob man einfach abwartet ohne Operation oder operiert.
Entzündungen
Auch bei Männern sind Entzündungen z.B. der ableitenden Samenwege oder deren Verschluss nach Mumps, einer Geschlechtskrankheit oder einer Verletzung mögliche Übeltäter, die zu Transportstörungen der Samenzellen führen können. Die Jungs kommen so nie am Ziel an.
Urethritis (Harnröhrenentzündung)
Ursächliche Erreger akuter Infektionen im Bereich der Harnröhre sind in der Mehrzahl Chlamydien, die auch den Frauen übel schaden können hinsichtlich Fruchtbarkeit, Mykoplasmen, Trichomonaden und Neisseria gonorrhoeae.
Es kommt zu Symptomen wie Harnröhrenausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen, Druck und Rötung der Harnröhre. Das ganze kann aber auch völlig unbemerkt von Statten gehen…
Prostatitis (Prostataentzündung)
Akute Prostatitis
Die akute bakterielle Prostatitis ist eine akute Entzündung der gesamten Drüse. In 80% der Fälle findet man Keime, die für die meisten Harnwegsinfektionen verantwortlich sind (Escherichia coli, Pseudomonas, Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken und Serratia). Gerne führt das dann zu Harnwegsinfekten bei den Mädels… wenn die Männer sich nicht mit behandeln lassen. Denn diese Keime übertragen sich beim Geschlechtsverkehr.
Chronische Prostatitis
Die chronisch bakterielle Prostatitis ist relativ selten (5%), aber ein häufiger Grund für immer wieder kehrende Harnwegsinfekte bei den Partnerinnen (siehe oben…). Die Erreger sind die gleichen wie bei der akuten Form, nur wurde diese Entzündung schön lang verschleppt.
Als Krankheitsablauf werden
sekretorische Dysfunktion (es wird kein Sekret mehr produziert)
sowie Stauung von infiziertem Prostatasekret aufgeführt.
Bei der Prostataentzündung können verschiedene Faktoren benannt werden, die theoretisch die männliche Fruchtbarkeit verschlechtern:
Leukozytospermie – Leukozyten in der Sperma
Bakteriospermie – Bakterien in der Sperma
Zytokine – Botenstoffe des Immunsystems, die die entzündliche Reaktion regulieren
Spermatozoenantikörper, die als immunologischer Sterilitätsfaktor gelten
Eine Prostataentzündung „gehört“ behandelt. Klingt sie ab und verschwindet vollends, wird die Fruchtbarkeit oft auch wieder normal.
Andere mögliche Ursachen
Weitere Ursachen sind Hormonstörungen. Diskutiert werden auch Umwelteinflüsse, die Veränderung der Spermien bewirken sollen; insbesondere Rauchen, zu viel Alkohol und Stress werden verantwortlich gemacht.
Behandlungsmöglichkeiten
Einige Erkrankungen wie Entzündungen lassen sich gut behandeln, andere leider überhaupt nicht. Künstliche Befruchtungen sind dann meist die einzige Lösungsmöglichkeit des Problemes.
Hier einige mögliche Formen der künstlichen Befruchtung, je nach Fruchtbarkeitsstörung:
Dabei wird der Samen des Mannes (!) künstlich (nach Abgabe des Spermas mitttels eines dünnen Gummischlauches) in die Gebärmutter oder Eileiter seiner Partnerin eingeführt. Diese Methode wird vor allem dann angewendet, wenn der Samen nicht die notwendige Anzahl und/oder Beweglichkeit für eine natürliche Befruchtung besitzt Mehr dazu hier und hier
Reicht die Zeugungskraft des Mannes nicht aus, kann der Samen eines fremden (!) zeugungsfähigen Mannes künstlich in die Gebärmutter oder den Eileiter der Partnerin eingeführt werden. In diesen Fällen ist das Kind nicht mehr das leibliche Kind des Partners, sondern nur noch der Mutter. Die Erfolgsquote dieser Methode liegt bei ca. 20%. Mehr dazu hier
Bei diesem Verfahren werden der Frau einige Eizellen durch die Scheide entnommen (punktiert), die dann außerhalb ihres Körpers mit dem Samen des eigenen Mannes befruchtet werden (im Reagenzglas oder der Petrischale). Die befruchteten Eizellen werden für zwei oder mehr Tage in einen Brutschrank gelegt und anschließend werden bis zu 3 Embryos in die Gebärmutter der Partnerin eingepflanzt (Transfer). Diese Methode wird dann angewendet, wenn die Durchgängigkeit der Eileiter gestört ist. Mehr dazu hier oder hier
Bei einer ICSI (gesprochen Ixi) wird ein Spermium direkt in die Eizelle implantiert also eingespritzt, ansonsten verläuft alles wie bei der o.g. IVF. Die Methode kommt bei ausgeprägten Störungen, d.h. geringer Spermienzahl und eingeschränkter Beweglichkeit oder auch mit einzelnen aus dem Nebenhoden oder Hoden gewonnenen Spermien in Frage. Mehr dazu hier
Voraussetzung für genannte Reproduktionstechniken ist – abgesehen von der Heterologen Insemination – die Verfügbarkeit von Samenzellen, man muss also Samenzellen zur Verfügung haben.
Die Spermiengewinnung erfolgt durch
normalen Samenerguss (in der Regel durch Masturbation) wie beim Spermiogramm,
operative Methoden: Spermiengewinnung direkt aus dem Hoden oder aus dem Nebenhoden (TESE) oder MESA (microsurgical epididymal sperm aspiration),
medikamentöse Behandlung, zum Beispiel bei retrograder Ejakulation (Sperma wird nach hinten in die Blase ausgestoßen) und evtl. zusätzlich Blasenspülungen.
Elektrostimulation: Durch Stromimpulse wird bei Männern, welche nicht ejakulieren können, eine Ejakulation ausgelöst
Vibratorstimulation: Hier wird bei Männern ohne Ejakulation durch mechanische Reize eine Ejakulation bewirkt