IMSi Feb
2004–08–04
Israelisches Team entwickelt neue Methode zur In-vitro-Fertilisation
Ein israelisches Expertenteam für Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann hat ein erweitertes Verfahren zur intracytoplasmatische Spermieninjektions-Technik (
ICSI) in der Reproduktionsmedizin entwickelt,welche die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft
und eine erfolgreiche Entbindung erhöhen soll.
Professor Benjamin Bartoov, ein Biochemiker und Androloge an der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan, entwickelte die neue Methode, die als intracytoplasmatische Injektion morphologisch ausgewählter Spermien (IMSI) bekannt ist. Mit Hilfe dieses Verfahrens wurden von ihm in den letzten 4 Jahren 101 Babies auf die Welt gebracht.
Bei einer routinemässigen ICSI wird ein einzelnes
Spermium aus dem Sperma-Pool mit Hilfe eines Mikroskops selektiert, welches eine Vergrösserung um einem Faktor von 2
00–400 aufweist.
Professor Bartoov hingegen erreicht bei seinem Verfahren durch Einsatz eines besonderen Mikroskops («high power light microscope») eine optische Vergrösserung des Spermiums bis hin zum 6000fachen. Hierdurch ist es möglich, Spermien zu eliminieren, deren Zellkerne anormale Auffälligkeiten in Form oder Struktur aufweisen, welche nach seinen Ergebnissen weniger selten zum Entstehen gesunder
Embryos mit Aussicht auf eine
Einnistung in der
Gebärmutter führen.
Ein Artikel über die Methode und ihre Ergebnisse wurde im letzten Jahr von Professor Bartoov und acht Kollegen der Bar-Ilan Universität und dem Herzliya Medical Center in der Zeitschrift Fertility and Sterility (2003;80:1413-9) veröffentlicht. Im Rahmen dieser Studie wurden 50
Paare, mit mindestens zwei fehlgeschlagenen ICSIs mit der neuen ICSI-Methode behandelt, wobei die Selektion der verwendeten Spermien anhand von normal gebildeten Zellkernen erfolgte. Zur Kontrolle wurde eine weitere Gruppe von 50 Paaren mit einer routinemässigen ICSI
behandelt. Die Studie offenbarte, dass die Schwangerschaftsrate mit der modifizierten ICSI-Methode deutlich höher war als mit der
Standardmethode (66% gegenüber 30%).
Nach Ende der Studie hat das Team weitere IMSI-Behandlungen durchgeführt. Nach Aussage des Team konnten mit der neuen Technik die
Schwangerschaftsraten auf 48% und die
Entbindungsrate auf 40% gesteigert werden – im Vergleich zu normalen Raten für Invitro-Fertilisation von
20–30% (Israel, USA und West-Europs) und etwa 20% für der Entbindungen.
Professor Bartoov hat mehr als 20 Jahre zur Entwicklung des Bar-Ilan Quantitative Ulta-Morphology Systems aufgewendet, mit dessen Hilfe das Fruchtbarkeitspotential einzelner Spermien bestimmt werden kann. Hierbei werden Spermien mit makelloser Oberfläche und interner Struktur bezüglich sieben subzellularer Zellbestandteile ausgewählt.
Als optimal haben sich dabei glatte und symmetrische Zellkörper mit ovalem Aufbau erwiesen. Jede Ein- oder Ausbuchtung der Zellkörpermasse
wird dabei, nach Aussage des Teams, als Fehlbildung angesehen. Zusätzlich sollte die
Chromatinmasse des Zellkerns höchstens eine
Vakuole besitzten, die weniger als 4% der Fläche einnimmt. Das Team bestimmte auch optimale Längen und Breiten für die effektivsten Spermien.
Die frisch ejakulierten Spermienzellen mit dem grössten Fruchtbarkeitspotential werden in eine Glasschale platziert und dann in einen speziellen Kühler gegeben, den Professor Bartoov entwickelt hat. Danach werden sie in eine In-vitro-Fertilisationsklinik verbracht. Diese Prozedur ist zeitlich sorgfältig abgestimmt, so dass die ausgewählten Spermien zum idealen Zeitpunkt den
Embryologen zur Injektion in das
Zytoplasma der weiblichen
Eizelle bereitstehen.
Das Team schliesst, dass der Feinmorphologische Zustand des Spermien-Zellkerns einen wichtigen Faktor darstellt, eine Schwangerschaft zu erzielen, falls eine ICSI erfolglos ist, und dass eine
Doppelblindstudie durchgeführt werden sollte, um ihre Ergebnisse zu
validieren.
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Ergänzung von
Rebella 67:
Der Abstract Band mit u.a. folgendem Inhalt ist erschienen als Vol. 19, Supplement 1
2004 der Zeitschrift Human Reproduction von Oxford University Press,
und dort bestellbar:
http://www.humrp.oupjournals.org
O 154 «High magnification and intracytoplaxmic sperm
injection, Studie einer Klinik aus Paris:
6600fache Vergrößerung von beweglichen Spermien wurde als Methode
entwickeltn von Bartoov und anderen. Die Anwendung dieser Methode bei
Icsi-Patienten konnte zeigen, dass die feinmorphologische Integrität der
menschl. Sperma Zellkerne ein wichtiger Faktor für die
Schwangerschaftsrate nach ICSI ist.
IMSI (Intracytoplasmic MOrphologycally SElected sperm Injections) wurde
bei Patienten mit mindestens zwei erfolglosen vorherigen Versuchen
angewendet. Alle Partner waren jünger als 38. Es wurde die methode von
Bartoov genutzt (beschrieben in Journal of Andrology 2002, 23), im
Prinzip durch mikroskopische Untersuchung. Die Befruchtungsrate wurde
durch die Spermienselektion nicht erhöht, aber die Schwangerschaftsrate
deutlich (durchschnittl. Schwangerschaftsrate nach IMSI in der
Untersuchungsgruppe 60%).
P 381: Does poor sperm morphology affect the outcome of ICSI cycles?
Clinical Centre Zerifin, Israel. Retrospektive Studie von 589 Zyklen mit
Kontrollgruppe. Befruchtungsrate war in beiden STudien gleich,
SChwangerschaftsrate praktisch auch. D.h. keine statistisch
Signifikanten Erfolgsunterschiede bei guter und sehr schlechter
Morphologie. Allerdings ist die Rate an Fehlgeburten bei schlechter
Morphologie höher. Von Mikroskop in dieser Studie keine Rede.
Bei der Klinik aus Paris und den Autoren handelt es sich um diese:
Autoren: A. M.Junca, M. Dumont-Hassan, F. Couvret, P. Cohen-Bacrie, A.
Le Meur, A. Hazout
Die Klinik: Art Unit Eylau-La Muette, IVF, Paris, France
und: Laboratoire D'Eylau, IVF, Paris, France.