KiWuWiki: Heterologe

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Fortsetzung der Seite Heterologe Insemination I


Wie geht es denn Männern damit?


Häufig braucht es eine Phase der Entscheidungsfindung, die länger (Jahre) oder kürzer ausfallen kann. Häufig ist hierbei einer der beiden Partner schneller als der andere. Hier helfen nur viele Gespräche und warten, bis beide Partner soweit sind. Steht nur einer der Partner hinter der HI, ist es sicher nicht der richtige Weg. Ist die Entscheidung jedoch einmal gefallen, ist es ein sehr guter Weg, eine gemeinsame Familie zu gründen – auch für die Männer.


Während der Behandlung sollten die Männer nach Möglichkeit soweit wie möglich mit einbezogen werden. Dies kann beispielsweise darin bestehen daß er nach günstigen Medikamenten recherchiert, die Spritzen gibt, bei der Insemination die Spritze abdrückt und die Frau davon abhält zu früh zu testen. Manche Männer interessieren sich dabei für jeden kleinen Behandlungsschritt und jedes mögliche Schwangerschafts-Zeichen, andere wiederum nicht so. Ansonsten treten die selben Probleme wie bei homologen Therapien auf: viele Männer schweigen und erscheinen desinteressiert. Häufig liegt dem jedoch lediglich ein anderes, eher verdrängendes Verarbeitungsmuster zu Grunde. Schwierig ist auch für manche Männer, daß ihre Frauen viel für eine SS auf sich nehmen müssen und sie aus ihrer Sicht nur wenig zum Erfolg beitragen können. Manche Männer rechnen auch so fest mit einem raschen Erfolg, daß die Behandlung für sie nur noch eine uninteressante Formsache ist. Hier kann es zu Partnerschaftskonflikten kommen. Wie so häufig hilft hier nur reden, reden, reden. Und sich ggf. auch mal Unterstützung woanders, zB im Freundeskreis holen. Steht man die Konflikte durch, kann man sich hinterher aber über eine stabilere Partnerschaft freuen.


Ist die Frau schließlich schwanger ist die Freude meist auf beiden Seiten groß. Beide sind erleichtert, daß es (endlich?) geklappt hat. Ich habe noch nie gelesen, daß ein Mann das Kind nicht akzeptiert hätte. Ab diesem Zeitpunkt verhalten sich die Männer meistens wie andere Väter auch. Die Schwangerschaft wird gemeinsam und eher intensiver erlebt. Es ist IHR Kind und im Alltag wird allen Beteiligten die HI meist wenig bewußt. HI-Väter stehen meist mehr hinter ihren Kindern als Väter, die ihre Kinder weniger bewußt gezeugt haben.

Psychosoziale Aspekte


Bekommt ein Paar ein Kind auf natürlichem Wege oder auch durch Methoden der Kinderwunschbehandlung, bei denen die Eizelle von der späteren Mutter und der Samen vom späteren Vater stammt, haben beide Partner die gleichen Voraussetzungen, denn sie sind beide auch genetisch die Eltern. Bei einem adoptierten Kind haben beide Partner ebenfalls die gleichen Voraussetzungen, denn sie sind beide mit dem Kind genetisch nicht verwandt. Die Partner bewegen sich genetisch gesehen immer auf einer Ebene, was die Beziehung zum Kind betrifft (es geht hier um Gene, nicht um Liebe, nicht mißverstehen). Bei der HI ist es anders: Die Mutter ist genetisch mit dem Kind verwandt, während der Vater genetisch nicht verwandt ist. Die Beziehung der Eltern zu dem Kind ist also asymmetrisch und wird es auch immer bleiben, auch wenn der Vater das Kind noch so sehr liebt (und umgekehrt). Kinder sagen Sachen wie “Du bist gar nicht meine Mutter” oder “Du bist gar nicht mein Vater”, wenn sie sich über ihre Eltern ärgern, das ist ganz normal. Auch HI-Kinder sagen so etwas. Bei ihnen kann das für die Eltern aber eine ganz andere Bedeutung bekommen und sehr verletzend sein, grade wenn die Problematik einer HI nicht verarbeitet, sondern totgeschwiegen wurde. Es reicht daher nicht zu sagen: «Wir wollten beide das Kind und es ist unser beider Kind und wir lieben es, als wäre es genetisch unser beider Kind.” Das stimmt zwar. Aber trotzdem wird es immer irgendwie präsent sein, daß der Mann nicht auch genetisch der Vater des Kindes ist. Um eine Auseinandersetzung kommt man daher nicht herum, denn tut man das nicht, schwelt immer etwas im Unterbewusstsein und führt auf Dauer zu Konflikten. Studien zeigen jedoch, daß Familien die einen guten Umgang damit gefunden haben häufig sehr stabil und glücklich sind. Es gibt auf HI spezialisierte Psychologen, die Beratungen anbieten. http://www.bkid.de/


Aufklärung ja oder nein?


Hierzu gibt es sehr unterschiedliche Meinungen
.
Argumente dagegen:


Argumente dafür:


Insgesamt ist es so, daß die Fachleute, die sich mit den Aufklärungsfragen beschäftigt haben (Psychologen, Sozialarbeiter, Therapeuten) dazu raten aufzuklären. Ärzte und Leiter von Samenbanken sehen sich selbst übrigens häufig auch als Experten zum Thema Aufklärung. Man sollte jedoch nicht vergessen daß diese schon allein deswegen häufig raten nicht aufzuklären, um sich selbst Probleme mit der wackeligen Rechtslage in Deutschland zu ersparen.
Wenn man sich gegen Aufklärung entscheidet sollte man sich die Möglichkeit sich umzuentscheiden lassen und trotzdem eine Bank wählen, die die Spenderdaten offen legt. Die Erfahrungen im Forum zeigen, daß sich viele Paare für zugunsten einer Aufklärung umentscheiden wenn das Kind erst einmal da ist.
Bei Regenbogenfamilien und alleinstehenden Frauen stellt sich die Frage OB man aufklärt meist nicht, da dem Kind das Fehlen eines männlichen Partners irgendwann auffällt. Hier wird von Expertenseite meist empfohlen die Möglichkeit zu schaffen männliche Bezugspersonen zu haben, wenn zum Spender kein Kontakt besteht.

Wie sag ich es meinem Kind?


Analog zur Aufklärung bei der Adoption raten die Experten das Kind am besten so aufzuklären, daß es sich an keinen Zeitpunkt erinnern kann an dem es nicht um seine Herkunftsgeschichte wußte (ein Unterschied zur Adoption ist übrigens, daß sich nicht eine Mutter und ggf ein Vater gegen das Kind entschieden haben, sondern im Fall der HI waren (mindestens) drei Erwachsene dafür, daß es entsteht). Es wird geraten, das Kind auf jeden Fall vor Beginn der Pubertät aufzuklären.
Ein Weg ist, dem Kind immer wenn es fragt immer so viel zu sagen, wie es verstehen kann. Anfangs also nur, daß man froh ist daß es da ist, weil es nicht so einfach war und der Doktor und ein netter Mann helfen mußten. Und wenn es nach äußerlichen Ähnlichkeiten mit dem Papa fragt sagt man ihm daß das nicht ererbt sein kann.
Nachdem es bisher nur englische Kinderbücher (Let me explain: A story about donor insemination) zum Thema gab, gibt es jetzt lobenswerterweise auch ein deutsches Aufklärungskinderbuch: Petra Thorn, Die Geschichte unserer Familie, Fam Art Verlag?, http://www.famart.de Viele Familien lesen es den Kindern immer wieder vor und nehmen es als Grundlage für weitere Gespräche.
Vermieden werden sollte jedenfalls ein „offizielles Aufklärungsgespräch“ nach dem Motto „Du, wir müssen Dir etwas sagen“ für ein fast erwachsenes Kind. Ist das Kind bereits erwachsen und man entscheidet sich für eine Aufklärung sollte man sich hinsichtlich des Zeitpunktes und der Art und Weise gut beraten lassen (nicht in Krisensituationen, zB kurz nach dem Tof des Vaters).
Weiterhin wird empfohlen die Begrifflichkeiten klar zu trennen: der Vater ist der Mann, der die Vaterrolle tatsächlich übernimmt und vom Kind auch als Vater gesehen wird. Der Spender ist der Spender oder auch Erzeuger. Begriffe wie „biologischer Vater“ oder gar „richtiger Vater“ (was ist ein richtiger und was ein falscher Vater?) sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
Die Erfahrungen mit der Aufklärung im HI-Forum sind bisher durchweg positiv. Da es zum Thema Aufklärung immer wieder Kontroversen gibt, gibt es nun ein extra HI-Aufklärungsforum in dem diese Fragen diskutiert werden können.

Lesbische Paare mit Kinderwunsch

Lt den Richtlinien des Arbeitskreises für donogene Insemination besteht bei homosexuellen Frauenpaaren eine „relative Indikation“ zur DI. Da hier die Rechtslage jedoch noch ungeklärter ist, weigern sich viele Ärzte die Behandlung vorzunehmen oder auch nur Unterstützung mittels Zyklusmonitoring zu geben.
Offiziell wird meist gesagt, daß die Praxen keine lesbischen Paare behandeln, unter der Hand tun es einige, wie beispielsweise die Praxis Bloechle http://www.kinderwunsch-berlin.de und das Fertility Center http://www.fertilitycenterberlin.de dann wohl doch. Es lohnt sich also immer, in einem Erstgespräch persönlich nachzufragen und sich nicht mit der Auskunft der Sprechstundenhilfe zufrieden zu geben.
Als deutsche Samenbank ist die Samenbank Andreeßen http://www.berliner-samenbank.de bereit Sperma an homosexuelle Paare abzugeben. Der Spender muß sich jedoch vorher ausdrücklich zur Weitergabe seiner Spermien an lesbische Paare einverstanden erklären. Und natürlich muß man wie heterosexuelle Paare auch einen Notarvertrag abschließen, der besagt, daß die Partnerin die Mutter finanziell unterstützt.
Viele ausländische Samenbanken verschicken jedoch problemlos an lesbische Paare. Allerdings sind Erfolgsquoten bei der Selbstinsemination mit Kryosperma recht gering (s.o.).
Da nun nicht alle lesbischen Paare zur Behandlung nach Berlin fahren können und Unterstützung wie auch Informationen rar sind, entscheiden sich viele Paare für einen privaten Spender. Manche Frauen entscheiden sich für den Bruder der Partnerin, falls vorhanden. Andere finden ihren Spender entweder im Bekanntenkreis oder auch über Vermittlungen wie http://www.spermaspender.de. Wie die Spende im einzelnen abläuft, ob der Spender ein Honorar verlangt oder nur Fahrtkosten ersetzt haben möchte muß man dann mit dem Spender direkt klären. Ebenso ob er bereit ist später Kontakt mit dem Kind zu halten. Einige Spender bestehen wohl darauf mit der Frau tatsächlich zu schlafen, andere springen kurz vor dem vereinbarten Termin ab. Es wird absolut davon abgeraten sich mit dem Spender alleine zB in der eigenen Wohnung zu treffen. Es kam leider schon zu halben oder ganzen Vergewaltigungen. Selbst bei seriösen Spendern ist es häufig sehr schwierig zu organisieren, daß der Spender zum Zeitpunkt des Eisprungs tatsächlich bereit steht.
Leider ist das Thema Sicherheit bei einer privaten Spende häufig nur unbefriedigend zu klären. Man sollte zumindest einen HIV-und Hepatitis-Test und ein Spermiogramm vom Spender verlangen, kann sich aber natürlich nie ganz sicher sein ob der Befund nicht gefälscht wurde. Eine Möglichkeit wäre hier, sich mit dem Spender gemeinsam bei einem Arzt Eures Vertrauens vorzustellen. Natürlich kann man auch mit dem Spender in eine Kinderwunschpraxis gehen und um Unterstützung bitten, falls der Spender hierzu bereit ist. Manche Frauen geben auch einfach den Spender als Partner aus und werden dann relativ problemlos in Kinderwunschpraxen behandelt.
In Kopenhagen gibt es außerdem die Storkklinik http://www.storkklinik.dk, die alleinstehende Frauen und lesbische Paare behandelt.
In Berlin gibt es außerdem eine Gruppe die sich Queerfamily http://www.queerfamily.de nennt. Dort treffen sich Lesben und Schwule bei Kaffee und Kuchen um gemeinsam Familie zu gründen.
Infos gibt es auch bei ILSE (Initiative lesbischer und schwuler Eltern) unter http://www.regenbogenfamilien.de

Singlefrauen

Lt den Richtlinien des Arbeitskreises für donogene Insemination besteht bei Singlefrauen mit Kinderwunsch ebenfalls eine relative Indikation zur HI. Der Spender muß ebenfalls ausdrücklich damit einverstanden sein und darüber aufgeklärt, daß uU rechtliche Ansprüche an ihn entstehen können. In der Realität sind den allermeisten Praxen und Samenbanken die Risiken jedoch zu hoch und sie sind noch weniger bereit Singlefrauen zu behandeln als lesbische Paare.
Was für Möglichkeiten gibt es also:


Literatur


leider ist vieles bisher nur auf Englisch erhältlich (zB über Amazon)
es wäre außerdem nett wenn ihr die Bücher über den Forums-Amazon-Link bestellt, denn damit unterstützt ihr das Forum finanziell

Bücher


1. Carol frost, Heidi Moss, Robert Moss; Helping the stork; ISBN 0–02–861917-X
2. Susan Lewis, Ellen Sarasohn; Choosing assisted Reproduction; ISBN 0–944934-19–6
3. Petra Thorn, Familiengründung mit Samenspende Kohlhammer Verlag
4. Ken Daniels Building a family with the help of donor insemination
5. Tanja Fredersdorff Johanna und Olivia Verlag Hartmut Becker
6. Martin Spiewak Wie weit gehen wir für ein Kind Eichborn Verlag
7. Alan Beer Is my body babyfriendly ISBN 0–9785078-0–0


Herzlichen Dank an Rebella für die folgenden Literaturhinweise:

Aufklärungsbücher


3 – 6 J.
Petra Thorn (2006): Die Geschichte unserer Familie, Fam ART? Verlag; ISBN-10: 3–9811–4100–8; ISBN-13: 978–9811–4100-9
DC Network (1991) My Story. DC Network. Nottingham. (http://www.dcnetwork.org)


8 – 10 J.
Gordon, E. (1992) Mommy, did I grow in your tummy? Where some babies come from, E.M. Greenberry Press, Santa Monica, CA.
Jane T. Schnitter (1995): „Let Me Explain“, Perspectives Press; ISBN: 0–944934-12–9 (Das Buch wird leider nicht mehr verlegt, wird aber unter Umständen noch second Hand angeboten.)


Websites


http://www.spendersamenkinder.de
Internetseite einer Elterngruppe mit Kindern nach donogener Insemination in Deutschland, die sich in regelmäßigen Abständen trifft, um Erfahrungen auszutauschen und ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, andere Kinder mit gleicher Entstehungsgeschichte kennen zu lernen.
http://www.donor-conception-network.org/
Ein Selbsthilfe-Netzwerk von mehr als 1.000 Familien, die aus einer Samen-, Eizell- oder Embryonenspende hervor gegangen sind. (englisch) Adresse: PO Box 7471, Nottingham NG3 6ZR; Telefon: (44) 0208 245 4369
http://www.pthorn.de
Internetseite der Sozialarbeiterin und Familientherapeutin Petra Thorn, die Betroffene umfassend berät, Seminare zum Thema „Donogene Insemination“ durchführt und auch verschiedenes Informationsmaterial heraus gegeben hat.
http://www.donogene-insemination.de
Internetseite des Arbeitskreises Donogene Insemination, in dem insbesondere viele deutsche Ärzte zusammen geschlossen sind, die donogene Befruchtungen durchführen. Auch die wichtigsten Samenbanken haben sich diesem Arbeitskreis angeschlossen.
http://www.wunschkinder.net und http://www.klein-putz.de
Internetseiten, auf denen sich Betroffene in einem geschützten Forum austauschen können.
http://www.donors.ch/gesetz.html
Schweizer Fortpflanzungsmedizingesetz

Artikel

Thomas Katzorke: Die Entstehung und Entwicklung der Spendersamenbehandlung in Deutschland, Blickpunkt III/05, S. 3
Thorn,P. & Daniels,K. (2000). Psychosoziale Fragestellungen, die bei der Familienbildung mit donogener Insemination entstehen. Reproduktionsmedizin, 16, S. 203f.
Thorn,P. & Daniels, K. (2000). Die Praxis der donogenen Insemination in Deutschland. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 60, 630 – 637.
Thorn,P. Familienbildung mit donogener Insemination – Zusammenfassung des gleichnamigen Vortrages für das medizinisch – wissemschaftliche Seminar für Ärztinnen von Pro Familia, 15.11.2003.
Brewaeys, A. (1996). Donor insemination, the impact on family and child development. Journal of Psychosomatic Obstetrics and Gynaecology, 17, 1–13.
Vanfraussen K, Ponjaert-Kristoffersen I, Brewaeys A. What does it mean for youngsters to grow up in a lesbian familiy created by means of DI? J Reproductive Infant Psychology 2002; 20: 237–54.

Studien

Golombok, S./ Cook, R./ Bish, A./ Murray, C.: Families created by the new reproductive technologies: Quality of parenting and social and emotional development of the children. Child Development 1995
Golombok,S., Brewarys,A., Cook, R.., Giavazzi,M.T., Guerra, D., Mantovani, A., van Hall,E., Crosignani,P.G. & Dexeus,S. (1996).The European study of assisted reproduction families: family functioning and child development. Human Reproduction, 11(10), 2324 – 2331.
Golombok,S., Mac Callum,F., Goodman, E.& Rutter, M. (2002). Families with Children Conceived by Donor Insemination: A Follow – Up at Age Twelve. Child Development.73 (3), 952 – 968.
Jadva, V. et al.: Age of disclosure and donor offspring's feelings about finding out they were donor conceived. European Society for Human Reproduction 24th Annual Meeting, Barcelona (6.-9.7.2008)
Robin Rowland: The social and psychological consequences of secrecy in artificial insemination by donor programmes, Deakin University, Victoria 3217, Australia, 1985
Turner, A.J., Coyle, A. What does it mean to be an donor offspring? The identity experiences of adults conceived by donor insemination and the implications for counselling and therapy, Human Reproduction, Vol.15 No.9, S.2041–2051, 2000
Gottlieb, Lalos und Lindblad (2002): Disclosure of donor insemination to the child: the impact of Swedish legislation on couples´ attitudes (Die Geheimhaltung der Spendersamenübertragung gegenüber dem Kind: Der Einfluss der schwedischen Gesetzgebung auf die Entscheidung der Paare), Human Reproduction, S. 2052 – 2056

Heterologe Befruchtung und alternative Familienformen


Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation Nr. 16, „Lesben und Schwule mit Kindern – Kinder homosexueller Eltern“, Lela Lähnemann, herausgegeben von der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, 1996, Berlin-Kreuzberg
Brewaeys, Dufour und Kentenich (2005): Sind Bedenken hinsichtlich der Kinderwunschbehandlung lesbischer und alleinstehender Frauen berechtigt?, Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie; 2(1), S.35–40
C. Murray and S. Golombok; Solo mothers and their donor insemination infants: follow-up at age 2 years; Family and Child Psychology Research Centre, City University, London; Human Reproduction 2005 20(6):1655–1660
Casey, P. et al.: Child development and parent-child relationships in surrogacy, egg donation and donor insemination families at age 7. European Society for Human Reproduction 24th Annual Meeting, Barcelona (6.-9.7.2008)
Ulrike Sonnenberg-Schwan, „HIV und Kinderwunsch“, http://hiv.net/2010/buch/kw.htm
Matthias Kettner: „Neue Formen gespaltener Elternschaft“, aus: Politik und Zeitgeschichte, B27/2001, veröffentlicht auf der Internetseite der Bundeszentrale für Politische Bildung

Stellungnahmen der Kirchen


Katechismus der Katholischen Kirche 2376–2378.; Vgl. auch Johannes Paul II., Evangelium Vitae (1995), 14.
„Stellungnahme der evangelisch-methodistischen Kirche zu Fragen der künstlichen Befruchtung und der Gentechnologie“, Heft 54 in der Reihe „EMK heute“, November 1987.
Stellungnahme der evangelisch-methodistischen Kirche zu Fragen der künstlichen Befruchtung und der Gentechnologie

Interview mit Petra Thorn


FRAGE: Frau Thorn, Sie bieten als einzige Therapeutin in Deutschland Seminare für Paare an, die sich ihren Kinderwunsch mittels einer Fremdsamenspende erfüllen möchten. Wer hat bei heterosexuellen Paaren die größeren Probleme damit – die Mütter oder die Väter?
PETRA THORN: Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Es entstehen ja für Männer und Frauen ganz unterschiedliche Fragestellungen in diesem Bereich. Der Mann muss sich damit auseinander setzen, dass er zwar sozialer Vater wird, aber seine Gene nicht an das Kind weitergeben kann. Die Frau muss sich damit auseinander setzen, dass sie mit dem Samen eines anderen Mannes schwanger wird und nicht von dem Mann, den sie liebt und mit dem sie eigentlich ein Kind haben möchte.


Empfinden Männer eine solche Schwangerschaft als Untreue?
Wenn Paare bewusst darüber sprechen, taucht dieser Begriff eher selten auf. Ein Bild, das Männer häufiger verwenden, ist der Vergleich mit einem Kind, das ihre Frau aus einer früheren Partnerschaft mitbringt und das sie selbstverständlich annehmen würden. Ich denke, das ist der Versuch, sich für eine Form von Familie ein inneres Bild zurechtzulegen, für die wir als Gesellschaft kein Bild haben.


Spielen Fantasien um die Person des Samenspenders eine Rolle?
Ja, eine ganz große – vor allem für die Frau während der Schwangerschaft. Diese Fantasien sind nur menschlich, denn wir alle tendieren ja dazu, über etwas Unbekanntes, das für uns sehr wichtig ist, viel nachzudenken. Bei der Samenspende können sie eine sehr große Bandbreite einnehmen. Das reicht von Ängsten darüber, wie der Spender – und infolgedessen auch das Kind – aussehen mag und ob es auch gesund ist bis hin zu sehr positiven Fantasien, in denen die Spender stark idealisiert werden.


Sie plädieren dafür, die Kinder über die spezifische Form ihrer Herkunft aufzuklären – warum?
Die donogene Insemination ist eine Form, eine Familie zu gründen, sie ist legitim und sie ist in Deutschland erlaubt – weshalb sollte man mit Kindern nicht genauso offen darüber sprechen wie mit Kindern, die adoptiert sind?


90 Prozent der Eltern tun es nicht.
Häufig spüren Kinder atmosphärisch trotzdem, dass in ihrer Familie etwas anders ist, dass ihre Eltern mit bestimmten Themen anders umgehen, als es in anderen Familien üblich ist. Wir haben mittlerweile Erfahrungsberichte, die das sehr deutlich zeigen. Zum Beispiel gab es eine Familie, in der ein Kind nicht Medizin studieren sollte. Später wurde ihm klar, dass seine Eltern dagegen waren, weil es aufgrund der Blutgruppen hätte feststellen können, dass sein Vater nicht der genetische Erzeuger war.


Meist raten die Ärzte den Eltern, ihren Kindern zu verheimlichen, woher sie stammen. Halten Sie das für richtig?
Es ist in unserem Kulturkreis üblich zu wissen, von wem wir genetisch abstammen. Warum sollte dieses Recht dieser Bevölkerungsgruppe vorenthalten werden? Die Rechtsprechung etwa in Schweden, Österreich oder in der Schweiz sieht vor, dass jeder Mensch das Recht hat zu wissen, von wem er abstammt. Aus psychologischer Sicht ist die genetische Identität Teil unserer Identität, genauso wie die soziale – deshalb sollten die Kinder Bescheid wissen. Die Bedeutung des sozialen Vaters wird dadurch nicht abgemildert.


Ist das die Angst der Eltern, die bislang in vielen Fällen der Aufklärung der Kinder entgegensteht?
Diese Angst ist groß, und sie ist – wie bei Adoptivkindern auch – unbegründet. Die Kinder wissen: Das ist der Mann, der mich großgezogen hat, der für mich im Alltag da ist, und das andere ist einfach der genetische Erzeuger. Interessanterweise steigt die Aufklärungsquote bei Eltern, die sich in Seminaren mit dieser Frage beschäftigen, bis auf 90 Prozent.


Was wollen Kinder über ihren genetischen Erzeuger wissen?
Das ist ganz unterschiedlich: Es gibt Kinder, denen es reicht zu wissen, wer ihr Vater ist und dass es daneben eben noch einen genetischen Erzeuger gibt. Andere haben ein großes Interesse, mehr über ihren genetischen Erzeuger zu erfahren.


Was momentan kaum möglich ist.
In der Tat ist es im Moment so, dass die Unterlagen, wie alle medizinischen Unterlagen, nach zehn Jahren vernichtet werden können. Rund die Hälfte der Ärzte tut das auch tatsächlich, d.h. nach zehn Jahren kann niemand mehr nachvollziehen, von wem ein Kind abstammt. Deshalb brauchen wir aus meiner Sicht eine gesetzlich geregelte Dokumentationspflicht, die beispielsweise angelehnt ist an die gesetzliche Regelung zur Dokumentation von Adoptionsakten.


Das Gespräch führte Karin Nungeßer.(())

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