KiWuWiki : HabenIcsiKinderGenschäden

Aus der Presse:

(Zitat: )

Riskante Zeugung in der Retorte

Gibt es durch das Icsi-Verfahren mehr Chromosomenschäden?
Die Qualität der Samenzellen eines Mannes wird an rein äußerlichen Kriterien festgemacht. Sollen die Fortpflanzungschancen beurteilt werden, untersucht man zum Beispiel, wie viele Spermien in der Samenprobe sind und wie gut sie sich bewegen. Lange Zeit war umstritten, inwieweit sich daraus auch auf die inneren Qualitäten des Samens schließen läßt. Inzwischen mehren sich die Hinweise, daß man bei einer geringen Anzahl von Spermien und mangelhafter Beweglichkeit auf mehr Chromosomenschäden gefaßt sein muß. Manche Forscher beziffern für diesen Fall den Anteil von Spermien mit Aneuploidie – überzähligen oder zu wenigen Chromosomen – auf bis zu 70 Prozent. Das Risiko für falsch gepaarte oder fehlerhaft geteilte Chromosomen könnte bis zum Fünfzehnfachen gesteigert sein.
Zu wenige und schlecht bewegliche Samenzellen sind indes gerade für unfruchtbare Paare der Anlaß, eine sogenannte Intra-Cytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI) vornehmen zu lassen. Diese Variante der Reagenzglasbefruchtung wurde eigens für unfruchtbare Männer entwickelt. Man wartet nicht ab, ob es einer Samenzelle von selbst gelingt, in die Eizelle zu dringen, sondern unterstützt diesen entscheidenden Schritt. Eine Laborfachkraft wählt dazu ein einzelnes Spermium aus, durchsticht die Hülle der Eizelle und injiziert das Spermium mittels einer Glaskapillare.
Wenn die Spermien mancher unfruchtbaren Männer tatsächlich mit besonders vielen genetischen Schäden behaftet sind, wird das Risiko dann an die daraus entstehenden Embryonen und schließlich die Kinder weitergegeben? Britische Forscher haben sich gefragt, inwieweit man in Fertilitätskliniken angesichts einer solchen Möglichkeit beunruhigt ist. Die Ergebnisse einer darauf zielenden Umfrage wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Human Reproduction" (Bd. 18, S. 229) veröffentlicht. Demzufolge rechnen rund die Hälfte der befragten Experten damit, daß Icsi das Risiko für angeborene Schäden erhöht. Etwa ebenso viele fänden es sinnvoll, den Samen des Mannes vor einer solchen Maßnahme auf Chromosomenschäden zu untersuchen, was aber offenbar kaum geschieht (Kommentar: es ist auch ohne eine Zerstörung der Samenzelle nicht möglich). Inoffizielles Nachfragen, wie die Autoren es nennen, habe ergeben, daß der Samen mitunter für Forschungszwecke getestet wird, die Ergebnisse jedoch nicht an die Patienten weitergegeben werden.
Man nimmt an, daß vor allem Schäden an den Geschlechtschromosomen auftreten sowie eine Trisomie 21 (Down-Syndrom). Teilt sich beim Mann das Geschlechtschromosom nicht so wie vorgesehen, haben seine Kinder eines zuviel, etwa XXY, was auch als Klinefelter Syndrom bezeichnet wird. Diese und ähnliche Abweichungen machen sich nicht unbedingt bemerkbar. Sie können zwar mit geringerer Körperbehaarung, kleinerem Penis oder größeren Brüsten bei Männern einhergehen. Die Veränderungen sind mitunter jedoch so gering, daß sie erst später im Leben auffallen, wenn diese Männer nämlich ihrerseits in der Zeugungsfähigkeit eingeschränkt sind.
Zwar kann man vermuten, daß Männer, die einen hohen Anteil aneuploider Spermien haben, ein entsprechend hohes Risiko tragen, daß diese Defekte über Icsi weitergegeben werden. Ein sicherer Nachweis fehlt aber. Nur ein Screening der männlichen Samenzellen vor der Anwendung des Icsi-Verfahrens sowie die konsequente Beobachtung der daraus entstehenden Embryonen und Kinder könnte eine Antwort liefern. Auf diese Weise ließe sich auch klären, ob das Injektionsverfahren als solches zusätzliche Risiken birgt.
Immerhin mehren sich die Hinweise, daß durch Icsi nicht nur bereits – vielleicht im Übermaß – vorhandene genetische Schäden weitergegeben werden, sondern auch zusätzliche Fehlbildungen entstehen. Rund dreißig Prozent derjenigen Paare, die über mögliche genetische Risiken des Icsi-Verfahrens aufgeklärt werden, nehmen danach Abstand von einer solchen Behandlung. Die Richtlinien über künstliche Befruchtung, herausgegeben von der Kassenärztliche Bundesvereinigung, tragen dem Rechnung. Sie schreiben vor, daß der Arzt das Paar über genetische Risiken und mögliche Fehlbildungen bei Icsi aufklären muß (Humangenetische Beratung).
(Zitat Ende)

Doc Breitbach:

Diese Studie war eine Umfrage.

Die Ergebnisse sind also keine Ergebnisse einer medizinischen Untersuchung an entstandenen Kindern sondern eine Befragung beteiligter Ärzte. Das Ergebnis spiegelt also die Auffasung der Reproduktionsmediziner zum Thema wieder und nicht die faktischen Gegebenheiten. Daß die Risiken von Fehlbildungen erhöht sind oder dies zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, liegt an den Risiken, die von Seiten der Eltern bestehen. Also letztlich wahrscheinlich unabhängig von der ICSI. Schwere Fehlbildungen treten nicht häufiger auf, wenn ein kind durch ICS gezeugt wurde. Dazu gibt es auch in den News einen Artikel («große deutsche ICSI-Studie"). Diese deutsche Studie ist nach wie vor die einzige, die sich prospektiv und kontrolliert und mit einer aussagefähige hohen Zahl an Probanden dem Thema Fehlbildung bei ICSI widmet. Die persönlichen Auffassungen britischer Reproduktionsmediziner sind zwar nicht uninteressant, aber nicht relevant. Eine aktuellere Stellungnahme von Dr. Ludwig auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2004)