KiWuWiki : GnRH-Agonisten

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Funktion

Die Hirnanhangsdrüse, die mit ihren Steuerhormonen (follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Luteinisierungshormon (LH) die zyklische Tätigkeit der Eierstöcke reguliert, wird ihrerseits durch sogenannte “Nervenhormone” vom Zwischenhirn aus gesteuert. Diese Hormone nennt man Gonadotropin Releasing Hormone (GnRH). Diese Nervenhormone sind biochemisch einfach aufgebaute Substanzen (ein Eiweiß aus einer Kette von 10 Aminosäuren – wie eine Perlenkette mit 10 Perlen), die nur an Zellen wirken, die Rezeptoren für diese Hormone haben.

Die Hirnanhangsdrüse kann FSH und LH aber nur dann zeitgerecht und in den richtigen Mengen ausschütten, wenn, das Gn RH vom Zwischenhirn in “Pulsen”, also stossweise ausgeschüttet wird, um die Hirnanhangsdrüse zu stimulieren. Der regulierende Einfluss des Gn RH ist dann nicht mehr vorhanden, wenn das Hormon gleichmäßig ausgeschüttet und in die Blutbahn entlassen wird. Bei permanent hohen Gn RH- Spiegeln werden die Hormonrezeptoren der Hirnanhangsdrüse blockiert und dauerhaft besetzt. Dies führt dann zu einem Funktionsverlust der Hirnanhangsdrüse und FSH und LH werden nicht mehr ausgeschüttet. Es findet keine Eizellreifung an den Eierstöcken statt und auch kein Eisprung.

Einsatz bei der Kinderwunschbehandlung

Hier werden die Gn RH- Analoga zur Downregulation verwendet, meist im Rahmen einer IVF oder ICSI

Therapieprinzip bei Endometriose

Mit diesen Substanzen ist das Prinzip des zeitlich begrenzten, voll reversiblen aber kompletten Östrogenentzuges bei Endometriose vollständig erfüllt. Die so behandelte Patientin wird also vorübergehend in künstliche Wechseljahre vesetzt. Aufgrund der beabsichtigten längeren Dauer der Therapie werden hier Depot-Präparate verwendet. Siehe hierzu auch ein Überblick über die verwendeten Medikamente. Andere Wirkungsmechanismen der Gn RH- Agonisten auf Endometrioseherde und auf das Immunsystem konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Ferner fehlen auch negative Beeinflussungen der Stoffwechselvorgänge im Organismus, wie sie unter Gelbkörperhormontherapie und Danazolbehandlung beobachtet wurden.

Nebenwirkungen

Obwohl diese Substanzen aus medizinischer Sicht nur an der Hirnanhangsdrüse wirken, treten für die behandelte Patientin in unterschiedlichem Ausmaß und in unterschiedlicher Intensität Nebenwirkungen auf, die dadurch bedingt sind, daß die Östrogenproduktion der Eierstöcke vollständig zum Erliegen kommt.

Die Nebenwirkungen umfassen etwa das Spektrum an Beschwerden, die auch von Frauen in den Wechseljahren geklagt werden. Während ein Teil der Frauen überhaupt keine wechseljahrsähnlichen Nebenwirkungen beobachtet, sind es vor allen Dingen Hitzewallungen und Schweissausbrüche, die von einer großen Anzahl von Frauen als mehr oder weniger unangenehm empfunden werden. Sehr selten, dann aber oft extrem ausgeprägt können depressive Verstimmungen eine grosse Belastung darstellen.

Intensive Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Behandlung zwingen, sind extrem selten.
Unter den objektiven Nebenwirkungen ist allerdings die Demineralisierung (Abnahme des Kalkgehaltes) des Knochens durch den Mangel an Östrogenen von Bedeutung. Für eine knochenstoffwechselgesunde Frau ist ein wiederrückbildungsfähiger Kalkverlust im Knochen von ca. 6% klinisch völlig unbedeutend und entspricht den Werten, die auch natürlicherweise während der Stillperiode auftreten. Dies gilt nur, wenn eine Therapiedauer von 6 Monaten nicht überschritten wird

Behandlungsdauer

Deshalb wurde zunächst empfohlen, eine Gn RH Behandlung nur über sechs Monate durchzuführen. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß die östrogenmangelbedingten Nebenwirkungen durch eine add-back Therapie (zusätzliche Gabe von natürlichen Östrogenen und Gestagenen in niedriger Dosis) fast beseitigt werden können, so dass Behandlungsdauern von einem Jahr und mehr sinnvoll sein können. Die Wirksamkeit der Gn RH- Agonisten auf die Endometrioseabsiedlungen und auf Endometriosezysten ist identisch mit dem Effekt einer Danazoltherapie. Die verschiedenen Gn RH- Agonisten, die heute in der Praxis eingesetzt werden, unterscheiden sich in ihrer biologischen Wirksamkeit im Vergleich zum natürlichen Nervenhormon, dem Luteinisierungs-Releasing-Hormon (LHRH) und in ihren Möglichkeiten der Applikation.

Applikationsformen

Da es sich um Eiweissubstanzen handelt, können sie nicht in Tropfen oder Tablettenform eingenommen werden, da sie bei ihrer Aufnahme über den Magen-Darm-Kanal in ihre Bausteine zerlegt werden. Also sind andere Wege nötig, um diese Substanzen unverändert in den Blutkreislauf gelangen zu lassen:

Als Nasenspray in Form von Sprühstössen applizierbare Substanzen haben den Vorteil einer kürzeren Wirkungszeit, einer besseren Steuerbarkeit. Die Nachteile bestehen:
in der ungleichmässigen, zum Teil sehr schlechten Aufnahme durch die Nasenschleimhäute;
die im Einzelfall nicht ausreichende Unterdrückung der Funktion von Hirnanhangsdrüse und Eierstöcken;
in Problemen im Zusammenhang mit der 8- oder 12-stündigen Applikation (Compliance-Probleme).
Täglich als kleine Injektionen unter die Haut zu spritzende Substanzen (ähnlich wie die Insulinspritzen) sind effektiv und gut steuerbar jedoch für die Patientin belästigend und u. U. schmerzhaft und wenig tolerabel.
Depot-Applikationsformen haben sich zur Endometriosetherapie als für die Patientin angenehme und mit sicherer Suppression einhergehende praktikable Behandlungen durchgesetzt.

FAZIT

Bei gleicher Wirksamkeit trotz unterschiedlicher Wirkungsmechanismen muss anhand des subjektiven Nebenwirkungsprofils entschieden werden, ob zur medikamentösen Endometriosebehandlung zuerst Danazol oder zuerst ein Gn RH- Agonist eingesetzt werden soll. Beispiele:
Eine Patientin mit Gewichtsproblemen, mit anamnestisch bekannter Pubertätsakne oder mit Fettstoffwechselrisiken in der Familie sollte primär mit einem GnRH-Agonisten behandelt werden.
Eine schlanke Frau, die sich kalziumarm (keine Milch oder Milchprodukte) ernährt und keine sportlichen Aktivitäten ausübt sollte primär mit Danazol therapiert werden.