Estrifam enthält Östradiol (Estradiol). Dabei handelt es sich um das gleiche Hormon, welches von den Eierstöcken produziert wird, wenn eine Eizelle heranreift. Es ist also das Östrogen des weiblichen Körpers. Estrifam enthält also natürliche Östrogene.
Einsatzgebiet
Es wird laut Packungsbeilage vorzugsweise zur Behandlung von Hormonausfallserscheinungen in den Wechseljahren gegeben. Entsprechend sind Warnhinweise zur Verwendung in der Schwangerschaft enthalten. In der Kinderwunschbehandlung wird es häufig zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verabreicht. Oft geschieht dies im Zusammenhang mit einem Kryotransfer. Eine schädlicheWirkung auf eine evtl. eintretende Schwangerschaft ist nicht zu erwarten, da es sich um das natürliche Östradiol handelt.
Subjektiv erfahrbare Nebenwirkungen ist vermehrter Ausfluss, da das Gebärmutterhalssekret auf Östrogen mit Zunahme der Menge und Spinnbarkeit reagiert.
Gelegentlich wird es auch bei einer Kinderwunschbehandlung zur Unterstützung in der zweiten Zyklushälfte gegeben, zusätzlich zu einem Gelbkörperhormon, da der Gelbkörper in dieser Zeit nicht nur Gelbkörperhormone, sondern auch Östrogene bildet.
Vaginale Anwendung
Vaginale Verabreichung
Aufgrund der fehlenden Leberpassage und der dadurch entfallenden raschen Metabolisierung bietet sich als Applikationsweg auch die vaginale Verabreichung an.
Ein möglicher Vorteil der vaginalen Gabe von Östradiol liegt in der Normalisierung des Östron / Östradiol-Verhältnisses. Über das Vaginalepithel gelangt das Östradiol in den Kreislauf, so daß sich 2–4 Stunden nach vaginaler Verabreichung bereits ein maximaler Plasmaspiegel von 500pg/ml erzielen läßt, während Östron mit 100pg/ml konstant bleibt. Über diesen Darreichungsweg kann man also den Östron / Östradiol-Quotienten gegenüber der oralen Einnahme spiegelbildlich zugunsten von annähernd physiologischen Verhältnissen verändern.
Ein weiterer Vorteil – dies ist aus den Serumspiegeluntersuchungen ersichtlich – besteht in der Tatsache, daß man bei vaginaler Applikation des Östradiols einen fünfmal so hohen Serumspiegel bewirkt wie nach der oralen Verabreichung. Dadurch werden die Gonadotropine stärker unterdrückt. Gelingt es also mit der oralen Therapie nicht, die neurovegetativen Sensationen zu beseitigen, so kann dies durch die vaginale Darreichungsform möglich werden (Anmerkung: Der Originaltext betrifft die Wechseljahrestherapie!).
Im Normalfall würde ein Zehntel der oralen Östradiolmenge genügen, um bei vaginaler Verabreichung jenen Östradiolspiegel zu erzielen, den man in der Follikelphase vorfindet. Die tägliche Menge von 0,2mg mikronisierten Östradiols intravaginal zugeführt, hat damit den gleichen klinischen Effekt wie 2mg oral eingenommenes Östradiol.
Seltene unerwünschte Wirkungen (< 1%):
• Brustkrebs (Das Risiko von Brustkrebs wächst mit der Dauer einer Hormonsubstitutionstherapie. Die Anzahl der zusätzlichen Brustkrebsfälle ist im Altersbereich zwischen 45 und 65 Jahren weitgehend unabhängig vom Alter der Frauen bei Beginn einer Hormonsubstitutionstherapie).
• sehr selten:
• Estrogenabhängige gutartige Neubildungen sowie bösartige Tumoren wie v.a. Endometriumkarzinom.
• Herzinfarkt und Schlaganfall
• venöse thromboembolische Ereignisse, v.a. Thrombosen der tiefen Bein- bzw. Beckenvenen sowie Lungenembolien (VTE). Diese treten bei Anwenderinnen einer Hormonsubstitutionstherapie häufiger auf als bei Nicht-Anwenderinnen.
• Erkrankungen der Gallenblase.
• Chloasma, Erythema multiforme, Erythema nodosum, vaskuläre Purpura.
Unerwünschte Wirkungen, Einzelfälle:
• Lebertumoren.
Unerwünschte Wirkungen, ohne Angabe der Häufigkeit:
• Veränderung der Glukosetoleranz, Verschlechterung einer Porphyrie
• Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Libidoveränderungen
• Sehstörungen, Kontaktlinsenunverträglichkeit
• Hypertonie, Palpitationen, Verschlimmerung oder Entzündung von Krampfadern
• Übelkeit, Erbrechen, Dyspepsie, Blähungen, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Appetitsteigerung
• Leberfunktionsstörungen
• Hautreaktionen mit Urtikaria, Juckreiz und Ausschlag, Pruritus, Haarausfall
• Wadenkrämpfe
• Vaginalblutungen, Fluor vaginalis, vaginale Candidiasis, Zervikale Hypersekretion, Portioerosion, Wachstum von Leiomyomen des Uterus, Dysmenorrhoe, PMS-ähnliche Symptome
• Brustspannen und -schmerz, Vergrößerung der Brüste, Sekretion der Brustdrüsen
• Natrium- und Wasserretention, Ödeme, Gewichtszu- oder -abnahme, Nasenbluten.