KiWuWiki: Die Verantwortung

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Fünf Tage haben Matthias und ich wieder mit 60 Frauen und Männern (und fast 30 Kindern) zusammen gearbeitet und gelebt. Wir haben uns mit Frau-Sein und Mann-Sein beschäftigt, über Archetypen gesprochen, über Beziehung und Erziehung, in Workshops gearbeitet. Wenig Schlaf, viel Spaß und jetzt bin ich wieder zurück, ich lese eure Postings, vor allem die, mit den Beziehungsproblemen und ich frage mich ernsthaft, wie es überhaupt funktionieren soll, so eine Beziehung, ohne Unterstützung, ohne Gruppen, ohne coaching.


Wie können Mann und Frau überhaupt eine Beziehung führen, wenn beide eigentlich gar nicht so richtig wissen, was es heißt Mann oder Frau zu sein. Wir haben es nicht gelernt. Uns fehlen die Initationsriten der Urvölker, die Aufnahme der jungen Mädchen in den Kreis der Frauen, die Mutproben der jungen Männer, in denen sie zum Mann reifen.
Wir dümpeln allein vor uns hin. Leben völlig gegen unsere Natur in unseren Wohnungen, Männchen und Frauchen auf der verzweifelten Suche wer von beiden denn jetzt zu kurz kommt, oder droht zu kurz zu kommen. Wer wen nun weniger versteht, oder übehaupt nicht und wer nun sowieso schuld ist an der ganzen Soße. Und anstatt und Hilfe zu holen, rennt Mann in die Kneipe, während sich Frau von der besten Freundin recht geben lässt.


Immer ist der Partner schuld, oder _ was am allerschlimmsten ist – gar die Kinder, die sowieso nur auf der Welt sind, um Mama als Fußabstreifer zu benutzen..... Und irgendwann, nach den ganzen Vorwurfsarien kommen die Gespräche ganz zum erliegen und man erholt sich in der Pseudogemeinschaft, bis Frau die Lippenstiftreste entdeckt, der Mann den Ehering abstreift, Frau heimlich zum ehemaligen Schulfreund ins Hotel fährt – oder was weiß ich. Und dann ist natürlich wieder der andere schuld, und Mann oder Frau selbst kann ja gar nichts dafür und suhlt sich im Opfer Da-Sein, weil ja jeder Verstehen kann, wie schlimm die ganze Geschichte ist.


Und ich frage mich, weshalb es so schwierig ist, sich Unterstützung zu holen. Das muss noch nicht mal eine psychologische Beratungstelle sein. Das kann schon bei einer ehrlichen Freundschaft anfangen. Wenn ich “meine” Frauen nicht hätte, in der Frauen _ oder Elterngruppe und Matthias nicht “seine” Männer in der Männergruppe (die übrigens weder Birkenstock tragen, noch Bier trinken) _ ich weiß noch nicht mal, ob wir noch zusammen wären.


Wann immer wir einen Konflikt haben, und sei er noch so klein, dann fangen wir an daran zu arbeiten. Wir reden in unseren Gruppen, wir rufen unsere Freunde an, und sobald unsere Heilpraktikerin aus Amerika da ist, gehen wir zum Paargespräch. Wir schließen uns für drei Stunden irgendwo ein, reden und vor allen: wir hören einander zu. Wir lösen nicht jeden Konflikt gleich, aber auch die ungelösten belasten unsere Beziehung nicht. Mein Mann hat Männer, ich habe Frauen um mich herum. Wir tauschen uns aus. Wir reden darüber, was funktioniert und nicht funktioniert und wir versuchen zumindest die Verantwortung immer bei uns zu sehen. Das ist es, was ein erwachsener Mensch macht. Verantwortung übernehmen.


Verantwortung heißt nicht Schuld – es sind zwei völlig unterschiedliche Haltungen. Wenn ich zum Beispiel zu einem Termin zu spät komme, weil unterwegs ein Unfall war, und es gab Stau auf einer Strecke, bei der es nie Stau gibt. Dann bin ich nicht schuld, dass ich zu spät bin. Aber ich habe die Verantwortung dafür, dass ich zu spät bin.
Oder ein anderes Beispiel: Wenn hier eine Frau ihr Problem schreibt und andere greifen sie an und sie wird dadurch verletzt, dann bin ich nicht schuld daran. Aber ich habe die Verantwortung.
Und so habe ich die Verantwortung für unsere Beziehung, für unsere Töchter und überhaupt für mein Leben. Diese


Verantwortung zu haben, ist manchmal ziemlich heftig und dafür brauche ich jede Unterstützung, die ich haben kann. Menschen, die mich darauf aufmerksam machen, dass ich mal wieder im Opfer bin, und die mir eine Schulter zum weinen geben, die mich gnadenlos auf meine Macken hinweisen, nicht weil sie mich ärgern wollen, sondern weil sie mich lieben.
Wir brauchen das so sehr, um als erwachsene Männer und Frauen wirklich unseren Job machen zu können. Um als Frau das zu sein, was unsere Männer und unsere Kinder wirklich von uns brauchen.
Wir haben hier diesen Kummerkasten, das ist immerhin mehr als viele andere haben. Und dennoch ist es nicht genug. Ich und auch die anderen Frauen hier, können Anregungen geben, neue Perspektiven eröffnen, aber wirklich in die Tiefe wird es nie gehen... Leider.


Ich möchte euch ermutigen, weiterzugehen. Und wenn es nur darum geht, sich eine beste Freundin zu suchen, mit der man wirklich eine ehrliche Kommunikation führen kann, oder sich einer Frauengruppe anschließen, oder mal ein Seminar oder Training machen _ oder was auch immer. Sitzt nicht da und wartet, bis der andere irgendetwas ändert, damit die Situation besser wird, sondern fangt an euch zu verändern.


Und glaubt mir, auch ich habe immer wieder diese Sätze “warum muss immer ich anfangen, etc” – keine Ahnung. Wir Frauen sind die Führer in Beziehungen, die Männer sind die, die den Raum halten _ eigentlich war das das Thema über das ich schreiben wollte und jetzt bin ich völlig woanders gelandet....


Naja, aber auch über Frauen und Männer werde ich noch was schreiben....


Seid lieb gedrückt


Daniela


 

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