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Vorab eines: Auch in Deutschland ist der Blastozystentransfer im Rahmen einer Reagenzglasbefruchtung erlaubt, auch wenn verschiedentlich anderes behauptet wird. Hierbei werden die Embyonen bis zum 5. Tag nach der Punktion kultiviert und man hofft dadurch eine Verbesserung der Einnistung zu erreichen.
Der Blastozystentransfer im Ausland kann für bestimmt Patientinnen Vorteile haben. Dort ist es möglich, daß man mehr als 3 Embryonen so lange weiterkultviert, bis sie sich zu Blastozyste entwickelt haben (ca. 5. Tag nach der Punktion) und dann die besten auswählt. Diese Möglichkeit gibt es Deutschland nicht, hierzulande kann man nur drei Embryonen weiterkultivieren und dadurch ist nicht gewährleistet, daß tatsächlich ausreichend Embryonen dies überleben, denn nur sehr gute Embryonen entwicklen sich im Reagenzglas so weit. Einen wesentlichen Vorteil gibt es also in Deutschland nicht mit dieser Methode.
Es ist jedoch auch umstritten, ob der späte Transfer am 5. Tag einen Vorteil gegenüber dem am Tag 2 oder 3 hat. Dies wurde zumindest durch die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahre 2003 in Frage gestellt: Blastozystenstudie aus Human Reproduction 2003
1. Im 2–4 Zellstadium lassen sich keinerlei Aussagen über die Chancen einer möglichen Schwangerschaft treffen. Die ersten Teilungen sind Leihteilungen und gehen nur von der Eizelle aus. Lassen sich Embryonen über das 8 Zellstadium hinaus kultivieren sind die Chancen für eine Schwangerschaft deutlich gestiegen. Arreste? finden meist im 4 Zellstadium statt.
Das stimmt. Diese Teilungen finden manchmal sogar ohne eine echte Befruchtung statt. Arreste finden meist im 4-Zellstadium statt. Genau das ist der Punkt. Kultiviert man bis Tag 3 also bis zum 8-Zellstadium (und nicht zwingend wie hier gesagt darüber hinaus), dann kann man schon sehr viel über das Entwicklungspotential der Embryonen sagen. Offensichtlich gilt dies aber auch bereits für das 4-Zellstadium, anlässlich der Vortrags wurde dieser Punkt (Tag 2 oder 3) jedoch auch diskutiert
2. Ein Blastozystentransfer entspricht mehr der natürlichen Entwicklung, da die Embryoenen am 5. Tag in die Gebärmutter transferiert werden und nicht am 2. oder3. Tag. Zu diesem Zeitpunkt würden sie sich normalerweise im Eileiter befinden.
Stimmt. Jedoch ist dieser theoretisch-biologische Denkansatz nicht unbedingt gewinnbringend in der Praxis umzusetzen. Man hat aus diesem Grunde intratubar?e Embryotransfers (TET?) durchgeführt (ich selbst auch eine lange Zeit), leider ohne Verbesserung der Schwangerschaftsraten.
3. Unsinnige Behandlungen könnten Paaren erspart bleiben, bei denen sich die Embryonen nicht über 5 Tage kultivieren lassen. Ich halte es für ethisch verwerflich nicht lebensfähige Embryoenen zu transferieren und Paaren damit falsche Hoffnungen zu machen. Vielleicht ist das mal ein anderer Aspekt des Embryonenschutzes, da lebensfähige Embryonen nicht die Chance bekommen sich weiter zu entwickeln indem sie vernichtet oder eingefroren werden.
Es ist in keiner Studie zu diesem Thema nachweisbar gewesen, daß Embryonen, die sich im Reagenzglas nicht bis zum 5. Tag weiterentwickelten, dies in der Gebärmutter nicht doch getan hätten. Es stellt sich in der Tat die Frage, welche Patienten von dieser Therapie profitieren. Bei älteren Frauen weisen ca. 60% der Eizellen genetische Defekte auf und ca. 40% der Blastozysten. Die Darstellung, daß bei einer Kultur bis zum Blastozystenstadium die Problematik genetisch nicht intakter Embryonen nicht mehr stattfindet, ist falsch.
4. Alle Statistiken von Instituten die diese Möglichkeit anbieten beweisen genau das Gegenteil, viele Paare, die sich in Deutschland behandeln ließen uns nicht schwanger wurden, sind im Ausland auf Anhieb schwanger geworden.
Eben nicht, wie die Studie zeigt. Und die Behandlung im Ausland hat Vorteile, das bestreitet niemand. Nämlich die der Selektion. Und diese ist auch schon von Vorteil am 3. Tag, darum geht es. Nochmal: Es hat noch keine kontrollierte, randomisierte Studie den Vorteil der zwei zusätzlichen Tage in der in vitro Kultur zeigen können. Meine persönliche Meinung zum Ausland: wenn auf hohem medizinischen Niveau gearbeitet wird, dann ist die Möglichkeit zur Selektion ein Vorteil. Leider muß man sagen, daß nicht viele Zentren diesen Vorteil zun nutzen wissen.
5. Immer mehr deutsche Reproduktionsmediziner haben einen Sinneswandel vollzogen und bieten den Blastozystentransfer mittlerweile an.
Mehr aus Marketinggründen als aus echter Überzeugung. Und über die Sinnhaftigkeit dieses Verfahrens hierzulande kann man aufgrund der fehlenden Möglichkeit zur Embryonenselektion eigentlich nicht streiten.
6. Das Embryonenschutzgesetz ist unsinnig, da ein per ICSI gezeugter Embryo abgetrieben werden kann, man aber nicht mehr als 3 Embryonen kultivieren darf.
D´accord!
!!7. Studien, die von Universitäten erstellt worden, sind immer mit Vorsicht zu genießen. Ich kenne das noch von meiner eigenen Zeit an der Uni. Welcher Auftraggeber stand hinter dieser Studie ?
Ich nehme dem Kollegen, der diese Studie vorstellte, ab, daß ihn nur die Frage umtrieb, ob er mit dem Blastozystentransfer etwas sinnvolles macht. Er ist sicherlich über den Verdacht erhaben, mal eben ein weiteres Paper raushauen zu wollen. Dazu ist sein Standing in der Szene viel zu gut (und das mit Grund).
8. Ich halte diese Studie schlichtweg für eine Fälschung, täuscht sie auch völlig falsche Tatsachen vor. Auch in dieser Studie fand eine Selektion beim Transfer von Embryonen die nur 2 Zage kultiviert wurden statt. Natürlich wird das nicht explizit erwähnt.
In meiner Zusammenfassung wurde das nicht explizit erwähnt. In der Studie schon. Und genau darum geht es ja auch: Unter der Voraussetzung, daß man die Embryonen selektieren kann, ist welche Methode besser?
Um mal ein anderes Beipsiel zu nehmen, welches ich oben schon erwähnt habe: Vor mehr als 10 Jahren war der Transfer in den Eileiter sehr en vogue. Eben weil die Embryonen zum damals üblichen Zeitpunkt des Transfers normalerweise im Eileiter sind. Das Konzept war sehr schlüssig, erste Studien zeigten deutlich verbesserte Schwangerschaftsraten. Aber nachdem man dann randomisierte und kontrollierte Studien zu diesem Thema durchführte, merkte man schnell, daß es leider nicht so einfach ist, wie es zunächst aussah.
Weiteres Beispiel: Assisted Hatching: Dem Embryo durch Anritzen der Hülle das Schlüpfen und Einnisten zu erleichtern...Wunderbare Idee. Das musste einfach besser sein. Und war es in den ersten Studien auch. Nicht aber in kontrollierten und randomisierten Studien.
Die Liste der Methoden, die konzeptionell einfach eindeutige Verbesserungen erwarten liessen, dies aber nicht halten konnten ist sehr lang.
Wissenschaftlich sauber designte Studien, welche den üblichen Transfer nach 2–3 Tagen mit dem Transfer am 5. Tag (=Blastozystenstadium) vergleichen, gibt es nur wenige. Hier sind einige Studien zusammengefasst:
http://www.wunschkinder.net/news/wmview.php?ArtID=302
Es gibt die Vermutung, daß nach einem Blastozystentransfer die Zahl der Eileiterschwangerschaften sinkt. Zum einen aufgrund der schnelleren Einnistung nach dem Transfer und zum anderen aufgrund der Größe der Blastozyste, die nicht in mehr in den Eileiter passt. dazu gibt es eine Studie, die das Auftreten von Eileiterschwangerschaften nach Transfers am Tag 3 und 5 nach der Punktion miteinander verglich (allerdings nur retrospektiv):
Milki AA, Jun SH
Ectopic pregnancy rates with day 3 versus day 5 embryo transfer: a retrospective analysis.
BMC Pregnancy Childbirth. 2003 Nov 7;3(1):7
Hier wurden 623 Schwangerschaften, die nach einem Transfer am 3. Tag nach der Punktion stattfanden mit 333 Schwangerschaften verglichen, die nach einem Blastozystentransfer auftraten. Nach Transfer am dritten Tag wurden 22 Eileiterschwangerschaften festgestellt (=3,5%) und nach Transfer am 5. Tag 13 (=3,9%). Ein statistisch signifikanter Unterschied ergab sich dadurch nicht. Die Ergenisse dieser retospektiven Untersuchung leiden darunter, daß unklar ist, wieviele der behandelten Patientinnen vorgeschädigte Eileiter oder andere Risikofaktoren aufwiesen.
von
Rebella
(1)
Ein Argument gegen die Vertretbarkeit einer späteren Selektion könnte in diesem Artikel zu finden sein:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=38271. In diesem Artikel wird u.a. auf mögliche Schäden hingewiesen, die durch die nicht ganz mit der natürlichen Umgebung übereinstimmenden Kulturbedingungen im Reagenzglas entstehen können.
(2)
Dr. Singer (
http://www.singer.ch/blasto.html) lehnt den Blastozystentransfer deshalb ab, weil sich Embryonen, die im Blastozystenstadium transferiert wurden, wohl besonders häufig nochmals teilen und dadurch zu viele Mehrlingsschwangerschaften entstehen würden.
Mein Kommentar dazu:
Interessieren würde es mich, was noch in der Studie der Stanford-University drin steht. Ich gehe mal davon aus, daß auch was darüber drin steht, wie hoch die Mehrlingsrate beim Blasto-Transfer insgesamt ist, abhängig davon, wie viele Embryonen übertragen werden. Dr. Zech, der ja hier wahrscheinlich von Dr. Singer kritisiert wird, betont ja, er transferiert grundsätzlich nicht mehr als 2 Embryonen und senkt damit den Anteil der Mehrlinge deutlich. Ob das Risiko bei eineiigen Zwillingen höher ist als bei zweieiigen? – Da habe ich mich noch nicht mit beschäftigt.
Ich finde den ausschließlichen Hinweis auf die eineiigen Zwillinge einseitig.
(3)
Höhere Erfolgsraten durch Selektion lassen sich auch ohne Blastozystentransfer erreichen:
http://www.thieme.de/gebfra/04_03/fsn_03.html
http://humrep.oupjournals.org/cgi/content/abstract/18/9/1858
(Studienergebnisse zum Single-Embryo-Transfer nach Selektion am 3. Tag)
(4)
Theorie-Teil: Blastozystentransfer
(5)
Levitas E, Lunenfeld E, Har-Vardi I, Albotiano S, Sonin Y, Hackmon-Ram R, Potashnik G.
Blastocyst-stage embryo transfer in patients who failed to conceive in three or more day 2–3 embryo transfer cycles: a prospective, randomized study.
Fertil Steril. 2004 Mar;81(3):567–71
In dieser Studie wurde ein Vorteil bei Patienten gesehen, die bei ausreichender Reaktion auf die hormonelle Stimulation (= genügend Eizellen) in mindestens 3 Zyklen und Selektion der Embryonen am 2. oder 3. Tag nach der Punktion nicht schwanger wurden. Die Studie war randomisiert und kontrolliert. Es fand sich eine Schwangerschaftsrate pro Punktion für die Blastozysten von 21,7% und 12,9% für den Transfer am 2. oder 3. Tag. Dieser Unterschied ist nicht statistisch signifikant. 26% der Patientinnen, welche für einen Blastozystentransfer vorgesehen waren, hatten keine überlebenden Embryonen am 5. Tag mehr zur Verfügung.
Mr Wong
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