KiWuWiki : Blastozystenstudie

Blastozystentransfer verbessert die Schwangerschaftsrate nicht

Ob ein Transfer von Embryonen im sogenannten Blastozystenstadium Vorteile hat gegenüber der Rückgabe am 2.-3. Tag nach der Befruchtung ist sehr umstritten. Diese Studie zeigt, daß der späte Transfer zu keiner Verbesserung der Schwangerschaftsrate führt.

In einer sogenannten prospektiven und randomisierten Studie der Freien Universität Brüssel wurde untersucht, ob sich andere Erfolgsraten nach einem Blastozystentransfer ergeben als nach einem Transfer am 2. Tag nach der Befruchtung. Hintergrund der Studie ist, daß der Blastozystentransfer in der Öffentlichkeit aber auch der Fachpresse oft als die bessere Methode dargestellt wird, da die Auswahl der Embryonen besser sein soll als bei dem konventionellen Verfahren. Der Beweis für diese Behauptungen jedoch fehlt.

193 Behandlungszyklen bei 191 Paaren wurden für diese Studie ausgewertet. Einschlusskriterien waren: Alter der Frau < 39, weniger als 4 IVF-Zyklen in der Vorgeschichte und 4 oder mehr befruchtete Eizellen am Tag nach der Eizellentnahme. Diese Patientinnen wurden nach einem Zufallsprinzip den verschiedenen Behandlungsprotokollen zugeordnet. In 94 Zyklen erfolgte der Transfer am 2. Tag nach der Punktion und in 99 Zyklen am 5. Tag.

Die Embryonen wurden 18 Stunden nach der Befruchtung in ein glucosefreies Medium umgesetzt, die Embryonen für den späten Transfer zusätzlich nach 66 Stunden in ein spezielles Blastozystenmedium. Zwei oder drei Embryonen wurden in Abhängigkeit von der Morphologie beim Transfer zurückgegeben.

Am zweiten Tag nach der Punktion wurden durchschnittlich 2,1 (± 0,4) und am fünften Tag 1,9 (± 0,3) Embryonen transferiert. Nach einem Tag 2-Transfer kam es in 44,1% zu einer erfolgreichen Schwangerschaft (Geburt) nach 5 Tagen in 37,1%. 22% Mehrlingsschwangerschaften nach einem frühen Transfer standen 36% nach Blastozystentransfer gegenüber. Diese Unterschiede sind statistisch nicht signifikant.

Zehn Patientinnen (10,1%) hatten nach 5-tägiger Kultur keine Embryonen mehr für einen Transfer zur Verfügung, da sämtliche Embryonen im Verlauf der verlängerten Kultur abgestorben waren.

Für die untersuchte Patientengruppe (< 39 Jahre alt und weniger als 4 Behandlungszyklen in der Vorgeschichte) ergibt sich kein Vorteil durch den Blastozystentransfer.

Human Reproduction, Vol. 18, No. 10, 2145–2150, October 2003