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Bisherige Tendenzen der Auswirkungen der Gesundheitsreform auf IVF / ICSI
a) Zitat Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (
Original-Pressemitteilung vom 30.3.04):
Seit 1.1.2004 hat die Zahl der Inanspruchnahme von psychosozialer Beratung spürbar zugenommen. Auch
Adoptionsstellen verzeichnen eine steigende Nachfrage, während reproduktionsmedizinische Zentren über einen Rückgang um bis zu 40% berichten.
Außerdem lässt sich nach Angaben von Petra Thorn vom BKiD-Vorstand eine Zunahme der
Fremdsamenbehandlungen beobachten, nachdem die teure
intracytoplasmatische Spermieninjektion, die vor allem bei der männlichen Fruchtbarkeitsstörung eingesetzt wird, nur noch teilweise kassenfinanziert wird.?
Aussage von Prof. Kentenich, Reproduktionsmediziner im DRK-Krankenhaus Berlin-Westend: Bei den Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen hat es einen Rückgang um 20 – 40% gegeben. Die 40% betreffen eine große Anzahl der Praxen, speziell in sozialen Brennpunkten wie z.B. Berlin und Magdeburg.
Aussage Michael Thaele,
Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschland e.V. (Focus 2.8.2004): Die Zahl der IVF-Behandlungen hat sich in der ersten Hälfte im Vergleich zum Vorjahr um 50% vermindert, was in absoluten Zahlen 15.000 Behandlungen entspricht.
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b) Der bisherige durchschnittliche
EBM-Punktwert von 3,5 Cent hat sich zum 1.1.2004 auf 5,11 Cent erhöht. Der Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschland e.V. hat die Ärzte aufgefordert, einheitlich mit 5,11 Cent zu kalkulieren. Bisher ist uns zumindest kein Fall bekannt, in dem weniger kalkuliert wurde. Das entspricht einer Erhöhung von gut einem Drittel, wenn man die bisherigen durchschnittlichen 3,5 Cent zugrundlegt. Viele Praxen, die bisher Selbstzahlern noch den 1-fachen GOÄ-Satz angeboten haben, haben diesen jetzt auf mindestens 1,5-fach erhöht, um nicht unter den per EBM abgerechneten Kosten zu liegen. Die gesetzlichen Kassen sparen somit also nicht wie geplant 3,5 Cent pro Punkt, sondern nur 0,95 Cent pro Punkt. Gespart wird daher mehr an den Paaren, die sich die hohe Zuzahlung nicht leisten können und daher auf ihr Wunschkind verzichten müssen.
Bei den Medikamentenkosten wird zumindest bei den Kassen – mehr als die Hälfte gespart, weil die Patienten sich durch den Eigenanteil zunehmend die Medikamente im Ausland beschaffen, wo sie wesentlich günstiger sind. Interessant wäre es, daraus die steuerlichen Mindereinnahmen und den Verlust an Apotheker-Arbeitsplätzen zu ermitteln.
c) Laut einer amerikanischen Studie (Frankfurter et al: Fertil Steril Supplement; O-135 (1998) neigen Selbstzahler dazu, sich die maximale Anzahl von Embryonen transferieren zu lassen, um maximale Erfolge zu erzielen. Das wiederum führt aber zu vermehrten Drillings- und Zwillingsschwangerschaften, die wiederum höhere Kosten der GKV produzieren. Das
D.I.R. (Deutsches IVF-Register) 2004 wird darüber leider erst Ende 2005 Auskunft geben können, wie sich das bei uns ausgewirkt hat. Dr. Michael Thaele, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren, rechnet mit einer 36%igen Steigerung der Mehrlingsgeburten und einer daraus resultierenden Kostenerhöhung von 17%. Im Vergleich zur Geburt eines einzelnen Kindes kostet die nachgeburtliche Versorgung für Zwillinge das Vierfache, für Drillinge sogar das Zehnfache.
d) Zahlen über mehr Behandlungen im Ausland liegen uns bisher nicht vor. Häufigere Anfragen im
Forum lassen jedoch darauf schließen. In vielen Nachbarländern sind die Kosten geringer und die Erfolgsquoten oft höher, weil keine Behinderungen durch ein restriktives Embryonenschutzgesetz bestehen.
e) Einige Paare sparen jetzt erstmal auf einen Versuch. Das Makabere daran ist: Je länger sie sparen müssen, desto mehr sinkt ihre Aussicht auf Erfolg, weil sie dabei selbst immer älter werden.