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  Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Miraja
schrieb am 08.06.2017 20:01
Hallo zusammen,

ich war hier lange registriert, finde aber das PW der genutzten Email-Adresse nicht, daher nun dieser Beitrag als Gast.

Mein Mann hat heute für uns beschlossen, dass wir den Geschwisterwunsch aufgeben. Einfach so.

Vorangegangen sind 5 ICSIS sowie 4 Kryos, jetzt aktuell noch 4 Versuche GVNP. Die Krankenkasse würde nur noch eine ICSI bezuschussen, wozu mein Mann nun sagte, das käme "überhaupt nicht in Frage".

Seit der vorletzten negativen ICSI vor ca. einem Jahr, wo er auch schon einmal sagte, jetzt sei Schluss, habe ich alleine geweint. Bin früher von der Arbeit gefahren und hab mir Zeit genommen, um traurig zu sein. Wollte ihn nicht belasten und hatte auch keine Lust darauf, dass er, statt mich einfach nur in den Arm zu nehmen und vielleicht zu sagen, dass wir ja auch mit unserem Sohn zusammen glücklich werden können, einfach nur seinerseits rumbockt und sauer wird. Lapidar wieder sagt: ist ja alles nicht so schlimm. Hör auf zu heulen.Thema abgehakt.

Natürlich weiß ich, dass man nicht ewig versuchen kann. Probieren jetzt schon gute drei Jahre. Aber aufgrund dieses etwas abrupten Endes komme ich gerade überhaupt nicht klar. Versuche ich, ihm zu sagen, wie wichtig mir der KiWu ist, erzählt er mir 10 Sachen, die mir wichtiger zu sein haben. Sage ich, für mich sei das momentan halt momentan sehr wichtig, blockt er ab. Selbst traurig war er glaube ich nur beim allerersten Versuch, danach war jedes Negativ nur noch Routine und "ja nicht so schlimm".

Wie kann ich es schaffen, mein Herz vom Abschied zu überzeugen? Was habt ihr gemacht, oder macht ihr? Einfach warten, dass es vorbei geht? Dass dieser Schmerz aufhört? Einfach so versuchen ist leider keine Option, da ich ohne Medikamente keinen eigenen Zyklus habe und eben jene nun nicht mehr von der KK gezahlt werden.

Danke fürs Zuhören,

Mia


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
no avatar    motte79
Status:
schrieb am 10.06.2017 14:07
Hallo liebe Mia,

Es tut mir leid, dass du so traurig bist. Aber verstehen kann ich dich sehr gut. Es ist verdammt schmerzlich...

Ich schreibe mal meine Gedanken zu deinem Anliegen auf. Vorher hole ich etwas aus und erzähle, wie es bei uns ist/war.
Wir befinden uns aktuell auch im Abschiedsprozess. Nur bin ich diejenige, die eher diesen Prozess eingeleitet hat.
Bei unserem Sohn hat es damals recht schnell geklappt (sh Signatur). Für das zweite Kind wurde es für uns zu einer großen Tragödie. 4 Schwangerschaft und keine davon hielt. Mit jedem fehlgeschlagenen Versuch ließ meine Kraft und Hoffnung nach und ich nahm immer etwas mehr Abschied.
Mittlerweile bin ich an einem Punkt, wo ich ganz klar sehe und weiß, dass wir zu dritt leben werden.
Mein Mann muss sich dem fügen, so leid es mir tut.
Aber wir haben eines GEMEINSAM vorher beschlossen, und zwar wie weit wir gehen werden. Wann für uns Schluss ist. Und auch wenn er noch weitergemacht hätte, war klar, wann wir (in etwa) aufhören. Diese Vereinbarung war für den Abschied sehr wichtig.
Habt ihr nie darüber gesprochen, wann ihr aufhört? Es ist immer schwierig, wenn man da nicht an einem Strang zieht.
Ich finde es aber auch ungerecht von deinem Mann, dich so Knall auf Fall vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das geht in meinen Augen garnicht. Wie ihr das gelöst bekommt, weiß ich leider nicht.
Dass dein Mann weniger leidet/das Ganze ihm viel mehr egal ist, wage ich etwas zu bezweifeln... jeder geht damit anders um... mein Mann hat mir ähnliches auch schon vorgeworfen. Ich war sogar nachdem an das Thema ein Haken gemacht wurde teils richtig erleichtert. Mein Mann war deshalb sehr böse auf mich. Aber ich habe mich jahrelang zurückgenommen, auf vieles verzichtet, Schmerzen, Operationen ertragen müssen....das hat ein Ende und befreit mich. Mein Fokus liegt auf mir, uns, der Familie. Ich habe mir einen neuen Sport gesucht, der mir Auftrieb gibt. So fällt es mir leichter, Abstand zu gewinnen.
Dennoch bin ich oft zerbrechlich und leide immer noch unter der schlimmen Zeit. Vermisse mein Sternenkind und die anderen kleinen Sternchen. Ich bin in Behandlung, das hilft mir, es zu ertragen und zu verarbeiten.

Liebe Mia, da ich auf der anderen Seite des Problems stehe, kann ich dir nur raten: REDET! Versuche mit deinem Mann an denselben Ende der Schnur zu ziehen. Habt Verständnis füreinander....

Es kommt die Zeit, da wird es auch für dich wieder leichter.
Alles Liebe
Motte


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   storax
schrieb am 05.07.2017 09:59
Hallo motte79,
ich habe mit großem Interesse deinen Betrag gelesen. Wir haben zwar keine KiWu-Behandlung hinter uns, aber auch wir leiden unter der Tatsache, kein zweites Kind bekommen zu können. Ich bin auf der Suche nach "Gleichgesinnten", um mich mit ihnen darüber auszutauschen, wie man es als Paar schafft, sich zu dritt vollständig zu fühlen und das Leben mit einem Wunschkind voll zu genießen. Ich habe Sorge zu viel von der Entwicklung unserer wunderbaren Tochter zu verpassen, weil die Gedanken immer wieder um den unerfüllten Wunsch nach den zweiten Kind kreisen. Darf ich fragen welche Art von Hilfe du in Anspruch nimmst?
LG storax


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Nicole_Flix
Status:
schrieb am 10.07.2017 20:56
Ich habe auch ein wahnsinnig schlechtes Gewissen meinem Sohn gegenüber, weil ich viel zu oft traurig bin. Obwohl ich ihn unglaublich liebe.

Wenn jemand also ein "Rezept" hat....?


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  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Queen_in_the_North
schrieb am 18.07.2017 15:40
"Rezept" ganz bestimmt nicht, meine Situation ist auch ein bisschen anders (zweimal problemlos spontan schwanger geworden, einmal FG, einmal ein wunderbarer, gesunder Sohn), und ich weiß, dass ich aus medizinischen Gründen allerhöchstwahrscheinlich nicht mehr schwanger werden kann. Habe also seit der Geburt meines Sohnes nicht mehr verhütet, aber auch nie irgendwelche "Maßnahmen" zum Schwangerwerden unternommen.

Naja, jetzt, wo gerade viele meiner Freundinnen "in die zweite Runde gehen", denke ich mir schon auch oft, "Ohhhh, ich will auch noch mal". Zumal ich mir auch immer eine größere Familie gewünscht habe, zB, um später mal meine Chance auf viele Enkel in meiner Nähe zu erhöhen :). Und natürlich würde ich auch gern nochmal so ein kleines Neugeborenes in meinem Leben willkommen heißen.

Andererseits halte ich mir dann aber auch immer ganz rational die Vorteile eines Einzelkinds vor Augen:
Trotz der großartigen Erfahrung der Mutterschaft dennoch mehr Freiraum für mich selbst als unabhängige Person, EIN Kind ab und zu fürs Wochenende bei den Großeltern abzugeben (es gibt leider nur noch ein Oma-Opa-Paar), ist kein Problem, aber wer weiß, wie sie mit zwei oder gar drei kleinen Teufelchen klarkämen, wenn sie selbst älter werden, dann natürlich die finanzielle Seite, usw usw.

Und ich denke ganz bewusst an Menschen, die nicht das Glück haben, ein gesundes Kind zu haben, sondern deren Kinderwunsch unerfüllt bleibt, die ein schwerbehindertes Kind haben (nicht, dass sie das nicht auch lieben würden, aber es verändert das Leben ja schon krass, und das, solange man lebt), usw., und ich denke an das Märchen vom Fischer und seiner Frau (die nie zufrieden war mit dem, was sie hatte), und dann höre ich eigentlich auch schon wieder auf, mit meinem "Einzelmama-Status" zu hadern :).

Ach ja, ich bin übrigens selbst als glückliches Einzelkind aufgewachsen, ich hab mir zwar schon manchmal ein Geschwister gewünscht, aber es war nie etwas, unter dem ich gelitten hätte oder so.

Liebe Grüße und alles Gute euch!


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Nicole_Flix
Status:
schrieb am 21.07.2017 21:46
Leider macht mich der Gedanke an Essen auch nicht satt.

Dass es immer Menschen gibt, denen es schlechter geht, weiß ich auch. Wenn im Herzen aber die Sehnsucht stärker ist, als der Verstand, dann nützt all das nichts.

Mein Sohn ist toll, aber ich möchte noch ein Kind. Nach meinem Sohn ist der Wunsch gewachsen, nicht weniger geworden.


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Cocolina
schrieb am 27.07.2017 11:54
Mir geht es gerade auch so...

ich verzweifle total.

und frage mich immer wieder , du hast doch schon ein Kind, genieße es doch einfach..

und doch schreit mein Herz.
ich habe jetzt eine Zwangspause verordnet, eigentlich zum aufhören... und kann es so gar nicht genießen.. weil ich genau weiß, so kann ich nicht schwanger werden und halte es für einen verlorenen Monat.

Adoption ja nein...
Zweigleisig fahren sei ein no go... der letzte Versuch war ich psychologisch am limit... und doch kann ich nicht aufhören....!!


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Nicole_Flix
Status:
schrieb am 27.07.2017 21:49
Ich habe einfach das Problem, dass ich zwar wenige, aber immer gut befruchtete EZ habe und es keinen wirklichen Grund gibt, woran es scheitert.

Ich sehe meinen Sohn und ich WÜNSCHE ihm ein Geschwisterkind und zur Zeit fragt er auch noch ständig nach einem Baby. Das zerreisst mir das Herz. Und ich sehen mich mit jeder Faser nach einem weiteren Kind.

Ich weiß um mein Glück, dass ich ein Kind habe, dass er so toll ist und genau das macht es so grausam.

Es ist erschöpfend, traurig, macht mich wütend und verzweifelt und scheinbar endlos.


Ich wünsche Dir alles Gute!


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Cocolina
schrieb am 30.07.2017 11:02
Wie viel Versuche machen denn Sinn??

Es zerreißt mich innerlich gerade...
Auch so handlungsunfähig zu sein....


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Nicole_Flix
Status:
schrieb am 31.07.2017 22:50
Keine Ahnung.

So viele, wie wir uns leisten können.

So viele, wie Eizellen da sind.

So viele, wie befruchtet wie befruchtet werden können.


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   Rundezwei
schrieb am 05.08.2017 13:45
Hallo,
wir haben auch einen Sohn aus der ersten Icsi.
Ich hab mir damals geschworen, dass wenn mir das Schicksal nur ein gesundes Kind schenkt, ich mein Leben lang dankbar sein werde.
Und das bin ich auch. Ich bin wirklich zutiefst dankbar.

Jetzt befinden wir uns in der 2. Runde.
3 mal Transfer von 2 gut entwickelten EZ. Ergebnis immer negativ.
Gestern hatte dann eine Gebärmutterspiegelung, die aber abgebrochen werden musste, da bei mir alles so eng war, dass der Arzt mit seinen Instrumenten nicht durch kam.
Jetzt muss der Eingriff in der Uniklinik wiederholt werden.
Der Arzt meinte, es könne alles und nix sein: Entweder eine KS Vernarbung am Eingang der GM oder im absoluten worst case wäre meine GM so entzündet, dass es bye bye Geschwisterle heißt. Das sei aber äußerst selten.

Trotzdem: Die Möglichkeit, dass es ein endgültiges Aus ist, finde ich total beunruhigend.
Mir war klar, dass ich wirklich alles tun würde, um unseren Traum zu erfüllen. Und wenn es hier nicht klappt, dann fahre ich ins Ausland.
Ich möchte einfach nur nicht eines Tages aufwachen, alt und unfruchtbar sein und mir denken: "Mensch, hättest Du mal, als Du noch die Chance hattest...."

Wenn ich einen negativen Test in den Händen gehalten habe, dann musste ich echt weinen. Aber nicht nur, weil der Test negativ war, sondern weil mir da bewußt wurde, welches riesige Glück wir hatten, dass es damals geklappt hat.
Ich würde die Zeit mit meinem Kind am liebsten einfrieren. Er ist so süß und er erfüllt mich so mit Freude. Und er wird älter und älter und eines Tages wird er zu mir sagen "Mama, geh weg. Du bist uncool." Darum würde ich jetzt am liebsten die Momente einfrieren.

Ich wünsche mir auch soooo arg ein Geschwisterchen. Sooo arg. Und ich werde alles dafür tun, so dass ich später mit guten Gewissen in den Spiegel sehen kann. Und wenn es einfach nicht sein soll, dann werde ich einen anderen Weg finden, die Lücke zu schließen: ein Pflegekind, ein Flüchtlingskind etc. Das sind alles Kinder, die wirklich Hilfe brauchen. Und ich denke, so einem Kind seine Liebe zu schenken, ist nicht nur für das Kind das beste, was ihm passieren kann.

Ich mach übrigens noch nebenbei eine Psychotherapie. Ich weiß nicht, welche Rückschläge noch so auf mich warten. Aber ich finde es wahnsinnig beruhigend zu wissen, dass ich jemanden habe, mit dem ich professionell darüber reden kann und der meine negativen Gedanken auch etwas zu relativieren weiß.

Ich drück Euch allen vom Herzen die Daumen, dass Ihr Euren Weg geht und nicht daran verzweifelt. Egal ob ihr weiter macht, oder das Thema abschließt!!


  Re: Abschied vom Geschwisterwunsch. Wie? Wer kann helfen?
   iseeku
schrieb am 18.08.2017 13:58
Abschied nehmen ist ein Prozess - das geht nicht von heute auf morgen.
Es hat sich zeitweise angefühlt als würde mir das Herz rausgerissen und auch wenn man das kaum glauben mag - aber es wird weniger schlimm mit der Zeit.
Ich habe auch wieder ganz bewusst sehen können was ich alles habe - habe mich bewusst an den Dingen erfreut, die mit einem älter werdenden Kind möglich sind, mit einem Geschwisterkind aber nicht usw.
Mittlerweile ist es gut so wie es ist - klar es gibt auch die Tage, an denen ich traurig bin und vor allem wütend, weil ich so viel für ein Geschwisterkind gemacht habe, aber im Großen und Ganzen bin ich glücklich - mit meinem tollen Wunderkind und meinem tollen Mann! *love1*




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