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  Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Libby1234
schrieb am 10.07.2016 09:52
Hallo zusammen,

in einem Fernsehbeitrag sagte eine Therapeutin, die ungewollt kinderlose Paare berät, dass manche sich das Kind so sehr herbeisehnen, dass es vielleicht deshalb nicht käme. Das Kind hätte schon vor seiner Geburt einen Berg von Aufgaben vor sich, was es für die Eltern alles sein soll, und würde davor zurückschrecken, so wie wir vielleicht vor einem vollen Schreibtisch.

Nachdem ich das gehört hatte, war ich erst mal sauer. Ich musste an den Begriff der "Krebspersönlichkeit" denken, den ich persönlich schon ziemlich gemein finde. Ich halte nichts davon, Menschen, die eine schwere Enttäuschung oder einen Schicksalsschlag wie eine schwere Krankheit erleben, zu erzählen, dass sie das alles durch ihre innere Einstellung, oder, noch schlimmer, durch ihr innerstes Wesen, selbst verursacht hätten. Meiner Meinung nach ist das Schicksal weder gerecht noch ungerecht, sondern einfach "blind", und ein trauriger Mensch braucht Trost und keine Schuldzuweisungen.

Aber in den Tagen, nachdem ich den Beitrag gesehen hatte, hat er mich weiter beschäftigt, und der Fall liegt ja vielleicht doch etwas anders als bei der "Krebspersönlichkeit", da man seine Einstellung gegenüber dem (noch) nicht geborenen Kind ja auch ändern kann.

Die Aussage der Therapeutin setzt voraus, dass Kinderseelen sich ihre Eltern aussuchen, was natürlich auch eine Glaubensfrage ist. Aber unabhängig davon kann es, glaube ich, schon sein, dass man zu hohe Erwartungen an das Kind stellt... Ich habe manchmal das Gefühl, dass das bei mir der Fall ist. Und ich würde mir doch als Kind auch Eltern wünschen, die auch ohne mich zurechtkämen... Ich wäre dann frei, mich zu entwickeln, wie ich das möchte, und müsste nicht "für meine Eltern" leben...

Ich finde es auch immer etwas bizarr und beängstigend, wenn Eltern sagen, dass ihr Leben erst durch ihre Kinder einen Sinn bekommen hat (liest man öfter mal in Blogs oder Foren). Dann erfüllen die Kinder für die Eltern eine Funktion. Ein Mensch sollte aber sein dürfen, was und wie er nun mal ist.

Letzteres zeigt ja auch, dass nicht alle Eltern es "richtig" machen...

Glaubt Ihr, dass die Therapeutin vielleicht Recht hat?

Liebe Grüße
Libby


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   CaraHope
schrieb am 10.07.2016 14:27
Ich finde solche Aussagen einen absoluten Quatsch und überdies nicht zeitgemäß.

Cara


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Lilja100
schrieb am 10.07.2016 17:11
Der Umkehrschluss wäre, dass wenn ein Kind kommt, dann haben es sich die Eltern genau im richtigen Maß gewünscht, d.h. nicht zu sehr und nicht zu wenig? Oder macht ein bisschen zu sehr oder auch gar nicht wünschen nichts aus? Gibt es womöglich eine Maßeinheit, aber der man zu sehr wünscht und ein Kind deshalb nicht kommen mag? Und wenn Kinderseelen sich die Eltern aussuchen würden, warum werden dann Frauen in einer durchsoffenen Disconacht bei einem One-Night-Stand ungewollt schwanger, obwohl sie sich partout kein Kind vorstellen können? Oder Frauen in schwierigen sozialen Situationen, katastrophalen Familienverhältnissen oder alkohol- oder drogenabhängig?

Meiner Meinung nach begründet sich eine Schwangerschaft zum fast ausschließlichen Teil auf reiner Biologie. Und einem Embryo ist es egal, wie das Befinden der Frau ist, in deren Gebärmutter er angekommen ist. Wenn er das Potential dazu hat wird er sich einnisten, völlig egal ob die Frau das will oder nicht.

Ich finde es traurig, dass Therapeuten so einen Unsinn erzählen und Paaren das Leben damit unnötig noch schwerer machen, als es in so einer Situation eh schon ist. Und was ist einem denn bitte mit so einer Aussage geholfen, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht? Liefern die Therapeuten dann auch gleich den Schlüssel mit, wie man sich ein Kind um das für eine Schwangerschaft angeblich notwendige Maß weniger wünscht? Wie soll das denn gehen?


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.16 17:48 von Lilja100.


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Kernlosetraube
schrieb am 10.07.2016 17:22
Ich sehe es wie Lilja und die Aussagen solcher "Therapeuten" machen mich wütend. Wo bleibt denn da der Therapeutische Effekt?!?


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  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Libby1234
schrieb am 11.07.2016 06:26
Danke für Eure Antworten.

Wenn die Medizin etwas nicht erklären kann, wird ja auch gerne bei der Psyche gesucht. Ich habe wegen unseres unerfüllten Kinderwunsches schon so manches über mich gehört: Zu angespannt, zu gestresst, will in Wirklichkeit gar kein Kind usw.... Finde das auch nicht hilfreich, dass man immer so grundsätzlich in Frage gestellt wird, wenn's nicht "läuft" (und die Medizin vielleicht einfach noch nicht so weit ist, zu helfen).


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Chorus
Status:
schrieb am 11.07.2016 18:25
Also, jetzt nur so als Gegenbeispiel: eine Freundin von mir, die mit 34 und dann mit 36 beidesmal im allerersten Übungszyklus schwanger geworden ist, hatte schon als Single-Frau ständig Fantasien von ihren Kindern, und dass sie - falls sie Single bleiben würde - sich ein Kind "machen lassen würde" und es dann alleine aufziehen würde. Wie gesagt hätte es aufgrund dieser Theorie nie und nimmer bei ihr sofort klappen dürfen. Zumal sie noch unbedingt aus ihrem Job rauswollte und da auch die Lösung fand.

Umgekehrt hatte ich keine konkreten Kinderfantasien und war anfangs auch nicht so wirklich hibbelig. Das kam erst mit der Zeit. Wir haben sogar den einen oder anderen Eisprung verpasst anfangs. Und meine Freundin: hat gleich die Messmethode angewandt, damit es ja sofort klappt.

Also: alles Humbug. Therapeutenquatsch - das disqualifiziert die gute Frau - das soll sie mir erst mal beweisen! Ist z.B. erwiesen, dass man mit NFP höhere SS-Quoten erzielt. Wie will sie also das erklären???? Also ohne wissenschaftliche Grundlage, dieser Frau sollte man die Lizenz entziehen, leider machensich Therapeuten gerne mal solche Aussagen. Würde gerne mal mit ihr reden, wo sie denn studiert hat und wie sie das untermauert? Esoterischer Humbug.

Auch Eltern bei denen es gleich klappt, haben teilweise hohe Ansprüche an die Kinder. Nicht umsonst spricht man von Tigermums und Helikoptereltern. Die dürfte es dann auch nicht geben, weil die ja nach dieser Theorie kaum/schwerlich Kinder bekommen dürften......


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Pikachu
Status:
schrieb am 16.07.2016 20:24
Da frag ich mich ernsthaft was für eine Therapeutin das gewesen sein soll. Der gehört dringend die Zulassung entzogen!
Die soll den Leuten helfen mit ihrem Schicksal irgendwie klar zu kommen, und nicht noch anfangen ihnen die Schuld an ihrer Situation zu geben.

Kinder bekommen ist reine Biologie. Mehr nicht. Da gibts kein zu sehr oder zu wenig wünschen.
Nach dieser bescheuerten Logik dürfte es somit keine Wunschkinder geben, sondern nur ungewollte Kinder.

Und die würde es auch nicht geben, denn wenn sich Kinder ihre Eltern aussuchen würden, dann würden die sich bestimmt keine aussuchen bei denen sie absolut nicht gewollt sind.


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Marula35
Status:
schrieb am 17.07.2016 07:14
Soso, die Kinder kommen erst gar nicht, weil sie zu große Aufgaben haben und die Eltern sind durch ihr Verhalten mitverantwortlich. Und was ist mit Kindern, die " zu den Eltern gekommen sind " und dann sterben? Da müssen wir als solche Eltern dann auch " in uns gehen" und nachdenken, was wir " falsch gemacht haben"??

Ob solche Menschen , die solche Aussagen treffen, wohl mal daran denken, was sie damit anrichten?
Ich bin -da selbst betroffen- tief erschüttert und fassungslos.

Marula, die gerne so deutlich wütend darüber wäre wie meine Vorrednerin, aber die nur Tränen hat


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Libby1234
schrieb am 17.07.2016 17:55
Hallo,

es tut mir jetzt wirklich Leid, dass ich die Frage hier gestellt habe. Ich wollte nicht damit auslösen, dass Ihr traurig oder wütend werdet... Mich hat sehr lange die Frage nach der (ungeklärten) Ursache unserer Kinderlosigkeit beschäftigt. Uns hat trotz vieler Untersuchungen und Bauchspiegelung nie jemand einen Grund dafür nennen können, und so bin ich fast auch mal geneigt gewesen zu glauben, dass mit meinem "Chi" was nicht stimmt.

Tut mir leid!

Liebe Grüße
Libby


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Marula35
Status:
schrieb am 17.07.2016 18:02
Liebe Libby, nein MIR tut es leid ! Es sollte jetzt gar nicht DIR ein schlechtes Gefühl machen. Eher wollte ich damit meiner Verachtung der Aussage dieser Therapeutin gegenüber Ausdruck verleihen!*fluester*

Oder anders: ich finds nicht nur dämlich , sondern übergriffig von der Frau.

Lg


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Mumpel
schrieb am 20.07.2016 14:55
Welches Wunsch - Kind erfüllt den keine Funktion?
Welche Eltern haben denn gar keine Wünsche oder Erwartungen, wenn sie an ihr Kind denken?

Nach einer Veranstaltung war ich sehr traurig, weil zig Leute ihre Babys und Kleinkinder dabei hatten, zum Teil so richtig kleine, die auch noch dementsprechend schreien. Vielleicht liegt es an meiner neuerworbenen Boshaftigkeit, dass ich mich fragte, warum man bei dieser Hitze einen Säugling mitschleppen muss.....es war kein Familienfest... nun gut, ich frage mich halt solche Dinge, ich habe natürlich nichts gegen Kinder. Abgesehen von mir und meinem Kummer waren die meisten Leute verzückt und die wenigsten genervt.
Aber war dieses freudige Herumreichen, dieses Jetzt-im-Mittelpunkt-Stehen denn so ganz ohne Zweck? Die Kinder waren bestimmt nicht alle dabei, weil es keinen Babysitter gab.
Ich sitze dann daheim und frage mich, was mit mir nicht stimmt, warum ich mich so ausgeschlossen fühle, ob ich mir nicht tatsächlich zu viel von einem Leben mit Kind erhoffe, ich frage und frage und frage.
Und dann diese wohlgemeinten Ratschläge! Wenn ich nicht mehr darauf warte, dann.... was dann? Dann lebt es zur Abwechslung?
Und die Vorwürfe bei jeder Fehlgeburt, die ich mir vor allem selbst mache, obwohl ich weiß wie unsinnig das ist. Es wird jedenfalls durch die Bemerkungen anderer nicht besser, die in eine ähnliche Richtung gehen. War ich nicht vielleicht zu viel dies oder zu sehr das?!
Andere bekommen einfach ihre Kinder, müssen sich nicht über Jahre hinweg mit dem Thema auseinandersetzen.
Ich finde diese Denkweise extrem unfair.
Ja, der Beitrag hat mich aufgewühlt und geärgert, aber ich finde ihn trotzdem gut und richtig an dieser Stelle, eben weil es leider Realität ist, dass man dem immer wieder ausgesetzt ist.

Ein seltsamer erster Beitrag von mir. HALLO im Forum. Ich hoffe, dass ich nicht zu krass formuliere....


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Libby1234
schrieb am 20.07.2016 23:45
Hallo auch, Mumpel!

Tja, solange alles nach Wunsch läuft, wird eben nichts hinterfragt... Und wenn es nicht nach Wunsch läuft, ist es manchmal schwer, sich da nicht verrückt machen zu lassen.

So boshaft finde ich das nicht, was Du von der Veranstaltung schreibst. Oder ich bin halt auch boshaft. Es gibt schon das Phänomen "Mein Haus, mein Auto, mein Kind". Aber so in Statussymbolen zu denken, ist sicher nicht wirklich erfüllend.

Ich glaube, es kann durchaus sein, dass man sich ein Kind (auch) aus Gründen wünscht, die zu nichts Gutem führen würden. Diese Motivation ist aber nicht der Grund dafür, dass es nicht klappt. Denn sonst gäbe es ja nur perfekte Eltern. Also ist der kausale Zusammenhang ein für alle Mal wiederlegt.

Unabhängig von Grund oder Ursache hat es mir aber gut getan, mich mal ganz gründlich zu fragen, was ich mir denn so sehr von einem Leben mit einem Kind erhoffe. Das war ein Tipp von Rheila aus einem anderen Thread. Es ist natürlich erst mal ein großes Urbedürfnis und ein Herzenswunsch, den man gar nicht rational begründen kann. Aber darum herum ranken sich, jedenfalls bei mir, auch noch andere Erwartungen und Hoffnungen. Das ist bei mir vor allem der Wunsch, weniger einsam zu sein. Ich meine nicht im Alter, sondern jetzt. Das sollte aber eigentlich nicht die Aufgabe meines nicht existenten Kinds sein. Gegen Einsamkeit kann man auch auf andere Art etwas tun.

Insofern finde ich es schon hilfreich, sich manchmal selbst zu hinterfragen - aber eben nicht mit dem Unterton: "Du machst was falsch und deshalb läuft es nicht. Jetzt finde raus, was es ist und mach' es richtig", sondern eher nach dem Motto: "Was wünschst Du Dir denn, was sich vielleicht anders erfüllen ließe?"

Liebe Grüße
Libby


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Mumpel
schrieb am 21.07.2016 12:59
Hallo Libby!

Meine Motivation, mir ein Kind zu wünschen, habe ich von Anfang an hinterfragt, gerade weil ich leider nicht zu den Menschen gehöre, bei denen im Leben alles glatt läuft. Meine eigene Kindheit und Jugend waren schwierig. Ich selbst habe mich auf dieser Welt nicht wirklich willkommen gefühlt. Da fragt man dann schon, ob man denn in der Lage wäre, es selber besser zu machen.
Ich bin da mit sehr viel Realismus herangegangen, hatte gar nie die Vorstellung von einer perfekten Mutter und von einem perfekten Kind.
Ich denke, dass gerade Eltern, die zu viel wollen in dieser Hinsicht, mehr Fehler machen als andere, die es gelassener angehen.
Bei mir ist es gerade das Gegenteil gewesen, da hat man sich zu wenig Gedanken gemacht, zu wenig gekümmert....Ich weiß also wie es sich anfühlt, zu viel mit den falschen Dingen beladen zu sein... und einsam.
Das wollte ich meinem Kind natürlich nicht antun. Das hätte es mit mir als Mama auch nicht erlebt. Ich hätte etwas anderes falsch gemacht... bestimmt. Ich hoffe aber und glaube, es wäre alles im normal menschlichen Rahmen geblieben.
Ich wünschte heute, ich hätte eine Familie, die mich unterstützt, mir Kraft und Trost gibt.
Ja, es ist eine ganz tiefe Sehnsucht in mir, eine liebevolle Familie zu haben, mir selbst eine zu erschaffen. .... und eine Aufgabe, die mir sinnvoll erscheint. Meine Arbeit ist auch herzlich wenig erfüllend, was nicht heißt, dass ich den Wunsch oder die Möglichkeit gehabt hätte, mich für die nächsten Jahre komplett in die Mutterschaft zu flüchten.
Ich hätte gerne auch mal ein Baby herumgereicht... ja auch mal, nicht andauernd.
Ich hätte gerne einen Platz für meine Liebe gehabt. Mein Partner kann gar nicht so viel in Anspruch nehmen.

Ich weiß nicht. Sind das genug falsche und egoistische Gründe? Oder einfach nur Gründe?
Im Moment habe ich noch keine Lösung, wie ich mir all diese Sehnsüchte ohne ein Kind stillen könnte. Ich werde mir eine andere Arbeit suchen müssen. Da habe ich gar keine Wahl. Ich habe nur so was von keine Idee, was mich jetzt anderes ausfüllen könnte und fühle mich einfach nur schwach und elend. Ist vermutlich alles zu früh, die letzte (wenn auch frühe) FG ist erst ein paar Wochen her.
Bin mir aber heute schon sicher, dass der Schmerz bleibt...irgendwo.... für immer. Das heilt nie ganz.
Vielleicht wünsche ich mir auch eine gut verlaufende Schwangerschaft, dass es endlich aufhört, weh zu tun.
Puuh, das musste jetzt alles mal raus.Verstehst du oder ein anderer, dass ich allergisch auf bestimmte Aussagen reagiere?
Es war ja auch ohne Kind schon nicht allzu prickelnd. Das macht mich natürlich besonders angreifbar. Und dicker ist meine Haut nun auch nicht geworden in den letzten Jahren.
Ich wünschte, in der Öffentlichkeit würde so etwas differenzierter dargestellt. So geht das gar nicht.


Grüße und einen guten und so hoffe ich erfüllten Tag


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Libby1234
schrieb am 21.07.2016 15:47
Also, ich denke nicht, dass es bei jedem "falsche" Gründe gibt oder dass diese überwiegen, und auch meine Gründe oder eben Sehnsüchte sind ja nicht alle "falsch"... Es gibt da eben diese elementaren Sehnsüchte, die man nicht in Frage stellen und nicht wegdiskutieren kann. So etwas wie einem Kind Liebe geben gehört sicher dazu...

So früh wie Du habe ich auf keinen Fall über meine Gründe nachgedacht, das mache ich eigentlich erst jetzt... Ja, allergisch geworden bin ich auch auf manche Aussagen, vor allem auf solche der Art, dass Menschen ohne Kinder ja "keine Ahnung" hätten. Völliger Quatsch, solche Plattitüden.

Weiß jetzt gar nicht, was ich Dir sagen soll... Das tut mir leid mit Deiner Fehlgeburt. Wahrscheinlich tut das mit dem Sich-Hinterfragen auch zu weh so kurz danach. Und ich wollte auch gar nicht sagen, dass jeder das tun sollte. Wobei ich sagen muss, dass ich immer dafür bin, den Job zu wechseln, wenn man damit nicht zufrieden ist. Man verbringt so viel Zeit auf der Arbeit! Und so viele Jahre lang...

Ich bin einfach nie schwanger geworden und daher wohl auch mit einem "blauen Auge" davongekommen, deshalb tut mir das im Moment wohl weniger weh.

Vielleicht hilft es, da mal eine Gegendarstellung zu bringen? Als Mail an die Redaktion, oder besser noch, unabhängig vom konkreten Anlass, auf einer Webseite? Mir hilft es immer, meiner Meinung Ausdruck zu verleihen.Man kann ja durchaus mal schildern, was solche Aussagen auslösen können. Das wird mir jetzt auch erst so richtig klar; ich war zwar auch sauer, aber nicht so heftig, weil es mir gerade generell wieder etwas besser geht. Ich denke, dass Menschen, die das Glück haben, bestimmte Tiefs nicht zu erleben, öfter etwas gedankenlos sind.

Und noch ein Nachtrag: Mir sagte mal eine Frauenärztin: "Sie haben bestimmt einfach zu viele männliche Hormone. Sie arbeiten ja auch nicht in einem klassischen Frauenberuf." Fällt in eine ähnliche Kategorie... Ich habe mich wochenlang gefragt, ob ich zu männlich bin. brigens stimmte das mit den Hormonen dann doch nicht...

Liebe Grüße
Libby


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 21.07.16 16:10 von Libby1234.


  Re: Kann es sein, dass man sich ein Kind zu sehr wünscht?
   Mumpel
schrieb am 21.07.2016 23:08
Hallo Libby! Nach so vielen Jahren ist das mit dem "blauen Auge" vielleicht doch etwas untertrieben..., habe natürlich auch nebenan gelesen. Den Schmerz kann man ja nicht aufwiegen. Ich kenne persönlich eine Frau, die auch nie schwanger geworden ist, lange tapfer durchgehalten und gehofft hat, um dann doch psychisch total aus der Bahn geworfen zu werden. Da fällt es nicht mal mir ein, meinen Schmerz mit dem ihren zu vergleichen, obwohl ich ehrlichgesagt sonst schnell mit dem Vergleichen bin... Aber du bist einige Jahre jünger und hast allein schon deshalb deutlich bessere Chancen auf eine Adoption. Ich drücke dir bzw. euch die Daumen, dass es dann am Ende doch nur ein "blaues Auge" gewesen sein wird!

Die Sache mit dem "ja nicht mitreden können" hat mich auch schon geärgert, gerade weil man als Außenstehender manches in einem anderen Licht betrachtet und eigenlich auch mal den ein oder anderen bestimmt nicht ganz verkehrten Rat geben könnte, wenn etwas nicht so gut mit den Kindern läuft. Ärgern ist das eine, es verletzt mich und ich möchte nicht gerade dann verletzt werden, wenn ich es gut gemeint habe. Es ist nunmal so, dass sich die meisten Eltern ungern dreinreden lassen und noch nicht mal gewillt sind, wenigtens zuzuhören, sondern sofort in Angriffsposition gehen. Das müsste auch nicht unbedingt so sein. Aber diese Art von Egoismus wird ehr selten hinterfragt.

Die Sache mit den männlichen Hormonen wegen deiner Arbeit, also selten so einen Schwachsinn gehört. Da fehlen mir einfach die Worte.

Das mit dem Hinterfragen, ist in meinem Fall schon ok. Es bleibt mir ja eh nichts anderes übrig, denn es kann ja nicht sein, dass ich abgesehen von einem Kind sonst gar nichts mehr für mich erhoffe und wünsche. Niemand weiß noch, was man mir sagen könnte. Da brauchst du dir bestimmt keine Gedanken machen.,-) Danke jedenfalls für deine Denkanstöße!




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