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  Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   missix
schrieb am 11.04.2016 21:40
Ja, eigentlich könnte ich so glücklich sein, denn ich habe bereits eine wundervolle Tochter, die bald 5 wird. Aber ich bin es nicht, obwohl ich so gern möchte! Denn ich wünsche mir seit nun fast 4 Jahren ein zweites Kind und es will einfach nicht klappen.
Erst habe ich es mit dem Fertilitätsmonitor versucht, dann mit Akupunktur, mit einer Insemination, habe mir Endometriose entfernen lassen und hatte dann jetzt im Januar meine erste IVF mit negativem Ausgang. Die ganze 4 Jahre wurden die Muttis in der Kita wieder schwanger, ein Geschwisterkind nach dem anderen wurde geboren. Jetzt hat sogar meine 42jährige Schwester noch ein Baby bekommen und auch meine einzige und beste Freundin ist aktuell schwanger. Am Anfang war ich ein bisschen neidisch. Mit den Jahren tut es einfach nur noch weh wieder von jemandem zu hören, der gerade schwanger geworden ist. Ich gehe nicht mehr zu den Sommerfesten in der Kita, weil ich nicht sehen will, wer wieder einen dicken Bauch hat. Ich will keine Freunde oder auch Familie treffen, weil da auch einige schwanger sind oder es eventuell sein könnten!
Ich habe auch niemanden mit dem ich reden kann. Denn mein Freund teilt meinen Kinderwunsch nicht. Er hat auch nichts gegen ein weiteres Kind, nur wünscht er es sich eben nicht sehnlichst. Und meine beste Freundin ist gerade schwanger.
Ich funktioniere zwar – gehe arbeiten, mache den Haushalt, verbringe Zeit mit meiner Tochter – aber eigentlich bin ich ständig traurig, hoffnungslos und niedergeschlagen. Ich wache morgens mit Gedanken an den Kinderwunsch auf und gehe abends damit schlafen. Zwischendurch versuche ich die Gedanken an die Schwangeren oder Neu-Mamis aus meiner Bekanntschaft zu verarbeiten. Bin entweder im Stadium Frust-über-die-Periode oder im Stadium Wann-beginnen-endlich-die-fruchtbaren-Tage oder im Stadium Hoffentlich-hat-es-geklappt oder im Stadium Angst-vor-der-Periode und dann wieder von vorne…
Jeden Tag muss ich mich zusammenreißen, dass ich die Zeit mit meiner Tochter genieße und nicht an den Frust, den Neid, die Hoffnungslosigkeit denke. Ich muss mich zwingen in den glücklichen und auch alle anderen Momente mit ihr wirklich präsent und für sie da zu sein und nicht in meinen negativen Gedanken zu versinken. Gleichzeitig schaue ich sie an und ich werde so unendlich traurig. Denn sie wird ja so schnell groß. Und je größer und selbstständiger sie wird, desto mehr kommt in mir der Gedanke hoch: Oh mein Gott, es wird das erste und einzige Mal sein, dass Du erleben kannst, wie sie laufen, sprechen, essen, Fahrradfahren lernt usw. Es ist so wundervoll und so schnell wieder vorbei. – Versteht einer was ich meine? Das macht mich manchmal so und glaublich traurig, obwohl oder gerade weil es so schön ist. Es zerrinnt mir alles zwischen den Fingern.
Hinzukommt, dass ich vor kurzem 40 geworden bin. D. h., dass ich ganz real keine besonders große Chance und auch nicht mehr besonders viel Zeit habe, noch einmal schwanger zu werden. Ich habe noch 1 IVF Versuch, den ich bezahlen kann und dann wird Schluss sein mit dem aktiven Versuchen – habe ich mir vorgenommen. Falls Ihr Euch fragt, warum ich in diesem Forum schreibe, wenn ich noch 1 Versuch habe: Ich schreibe hier, weil ich nach einem Weg suche, von meinem Kinderwunschwahn Abschied zu nehmen. Denn ich habe das Gefühl, dass ich nur so wieder zu meiner Lebensfreude zurückfinden kann. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie ich die Gedanken und den Wunsch aus meinem Kopf herausbekommen soll! Vielleicht habt Ihr Tipps für den Weg des Abschieds. Denn ich möchte so gern wieder Freunde treffen und die Kindergartenfeste meiner Tochter erleben. Ich möchte nicht ständig daran denken! Ich möchte so gern keine Angst mehr vor Schwangeren oder Mamis mit Babys haben! Ich möchte so gern diesen Schmerz, diese Neidgefühle nicht mehr haben. Denn mein Leben ist doch eigentlich super: Ich habe eine tolle Tochter, einen lieben Freund und einen guten Job, ich bin gesund. Das reicht doch eigentlich aus! Das sagt mein Kopf, aber ich kann es nicht fühlen :-( Geht es jemandem ähnlich? Würde mich sehr über Austausch/Kontakt freuen. Vielleicht geht es besser, wenn man sich nicht so allein fühlt. Bin aus Hamburg, aber man kann ja auch chatten…
Alles Liebe Euch und danke fürs lesen...


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Anne1234
schrieb am 13.04.2016 20:38
Ich kann vieles was du schreibst nachempfinden. Ich habe allerdings seit einigen Monaten mit der Kinderwunschbehandlung nach fast 4 Jahren abgeschlossen. Ich bin jetzt 41, mein Kind ist 5 1/2 und wird wohl ein Einzelkind bleiben. Dabei wünscht er sich so sehr ein Geschwisterchen und ist immer ganz vernart in kleine Kinder.
Meine ganze Lebensplanung war bislang darauf eingerichtet, dass ein weiteres Kind folgen wird (Arbeit, Wohnung, alle Babysachen aufbewahrt etc). Das Abschiednehmen fällt mir sehr schwer. Ich muss es aber machen zum Einen angesichts meines Alters und der damit verbundenen Risiken und zum Anderen weil ich das Leben mit meinem Kind genießen will. Mein Kind hat eine fröhliche und dem Leben zugewandte Mutter verdient. Ob und wie ich das schaffe weiß ich allerdings noch nicht. Daher kann ich dir nicht wirklich Tipps geben. Kann dir nur sagen, dass ich dich total gut verstehen kann.
Auch bei mir ist es so, dass mein Mann meine Trauer nicht wirklich verstehen kann. Er ist mit einem Kind eigentlich ganz zufrieden. So muss ich alles mit mir selbst ausmachen.

Liebe Grüße.


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Reisemaus
schrieb am 19.04.2016 22:45
Hallo Ihr beiden,

ich lese gerade Eure Postings - ich war lange nicht mehr auf dieser Seite. Als ich Eure Postings gelesen habe, ist so einiges wieder bei mir in Erinnerung gerufen worden - vllt. hilft Euch der ein oder andere Gedanke.

Mir ging es ganz ähnlich, wie Euch - in der Zwischenzeit ist meine Tochter fast 8 Jahre und auch heute noch merkt man ihr an, dass ihr ein Geschwisterchen fehlt. Immer wieder kommt das Thema hoch und ich heule dann rum, weil es eben keinen Weg gibt, dass sie ein Geschwisterchen bekommt. Mittlerweile bin ich auch schon 47. Vor 2 Jahren war dann Schluss mit weiteren Versuchen in einer Kinderwunschklinik. Ich merkte, dass mein Körper nicht mehr wollte und es war auch eine Kopfsache - eines ist aber bis heute noch geblieben. Die Verarbeitung der Sache - es geht stückweise, Schritt für Schritt. Die Frage, nach dem "Warum gerade mir" verschwindet langsam, weil man ja weiß, dass es darauf keine vernünftige Erklärung gibt.

Meine Erfahrung ist, dass jeder einen persönlichen mal längeren oder kürzen Weg gehen muss, um sich zu verabschieden vom 2. Kind.
Ich dachte erst,o.k. man muss die Trauerphasen abarbeiten und dann ist es irgendwann geschafft. Aber so einfach ist es dann leider oftmals doch nicht. Es gibt immer Ereignisse, die einen zurückwerfen und man muss sich immer wieder aufrappeln, damit es weiter geht. Mir hat es sehr geholfen als ich einen Artikel gelesen hatte, der dieses Zurückwerfen in der Trauerarbeit behandelte. Seitdem ist es o.k, dass ich immer wieder mal zurückgeworfen werden - ich kann viel besser damit umgehen. Und auch das Wissen, dass es viele Jahre dauern kann bis man damit fertig wird.

Die Kindergartenzeit war eine ganz schlimm, weil immer wieder Frauen schwanger wurden - nur ich nicht. Es wird besser, wenn das eigene Umfeld mit der Kinderplanungsphase durch ist - sei es Kindergarten, eigene Geschwister oder auch die Freundinnen. Wenn deren Kinder 3 oder 4 werden, ist es halb so schlimm. Irgendwie stumpft man mit der Zeit auch gegen die ganzen schwangeren Bäuche ab. Irgendwann blutet das Herz nicht mehr und es zerreisst auch einen nicht mehr Schwangere zu sehen. Es ist einfach allmählich so gekommen - nicht von heute auf morgen, sondern erst nach einer langen Zeit, denn im Prinzip war mir ab dem 43. Lebensjahr klar, dass es nichts mehr wird - 4 bis 5 Jahre dauert also das Abschiednehmen schon und theoretisch und vom Kopf her bin ich am Ende fast angekommen. Wenn ich dann wieder lesen, dass jemand mit 42 oder 43 sein 2 Kind bekommen hat, kommt natürlich die Frage kurz hoch, warum klappte es bei ihr und bei mir damals nicht, aber die Frage verschwindet auch ganz schnell wieder, denn man kennt die Antwort ja bereits genügend.

So richtig zum Abschluss wird es wohl kommen, wenn ich merke, dass ich in die Menopause gerutscht bin, denn dann ist klar, dass ich mich auch von einer theoretischen möglichen Schwangerschaft verabschieden muss und ich nenne es das übergehen ins "Oma Stadium". Erst vor 5 Monaten war das Thema wieder stärker präsent als 2 Bekannte, deren Töchter in die gleiche Schule/Klasse mit meiner Tochter gehen, Ihre Kinder bekamen. Bei beiden sind das jeweils ältere Kind bereits 7 und 8 Jahre. Die beiden wohnen quasi um die Ecke. Wieder kurz diese "Warum" - Frage.

Das ich anfange das Thema langsam zu verarbeiten, habe ich auch daran gemerkt, dass es irgendwann ging, die Kindersachen zu verkaufen. Ich habe praktisch vor einem Jahr noch alles gehabt - selbst die sperrigen Sachen stellen und stellen z.T. den Keller und die Wohnung noch voll. Klamotten vom Frühchen-Stadium bis heute. Dieses Wochenende habe ich die Kinderschuhe in der Hand gehabt. Hat es mich förmlich fertiggemacht die kleinen Schuhe in die Hand zu nehmen, so sortiere ich die jetzt danach aus, wo ich diese hingeben werde. Die Emotionen und der Schmerz beim in die Hand nehmen sind einfach nicht mehr da.

Ich habe mich anfangs auch immer geärgert, dass ich so dem 2. Kind nachtrauerte und dass 1. Kind emotional nicht so genossen habe, wie ich es sollte. Ich war auf mich sauer - was fehlte mir denn, ausser dem 2. Kind - nichts, absolut nichts. Und doch war dieses 2. Kind sehr wichtig - es gehörte in meine Familienplanung - ein Einzelkind war immer unvollstellbar - die Sorge, dass dieses Einzelkind niemals Tante werden wird, wenn ich Sterbe "alleine" auf dieser Welt sein wird - denn Familienbande können in meinen Augen nicht durch Freunde ersetzt werden. Das sind 2 verschiedene Sache. Allmählich wuchs aber auch die Erkenntnis, warum ich so an dem 2. Kind hing.
Bisher hatte ich immer den Glauben, dass wenn ich mich nur genug anstrenge, hart arbeite, Leistung zeige/bringe ich auch etwas erreichen kann. Das fehlende 2. Kind hat mich gelehrt, dass das eben nicht der Fall ist, dass es Sachen gibt, die ausserhalb unsere Kräfte unseres Wollens und Könnens sind. Das hat mich verletztlich gemacht & mir viel über mich selbst gelehrt, wie ich ticke und auch warum ich so getickt habe. Eine bittere Erkenntnis, aber man muss sich ihr stellen, weil einem nichts anderes übrig bleibt.

Auch mein Mann hat das Thema viel schneller abgearbeitet als ich. Er wollte keine KiWu Klinik mehr und konnte das ganze nicht verstehen, warum man um jeden Preis weitermachen will, wenn man auch ein Kind adoptieren/pflegen kann. Beides waren aber keine Optionen für mich - ich wollte immer ein genetisches eigenes Kind - auch weil meine einzige Tochter eine Kopie ihres Vaters ist und so sehr ich sie liebe und sie mein ein und alles ist, ich wollte auch ein Kind, dass vllt. meine Züge trägt. Meiner Tochter haben andere Kinder in der Schule nicht abgenommen, dass ich ihre Mutter bin, weil wir optisch keine Ähnlichkeiten oder zumindest wenig Ähnlichkeiten haben. Das hat Sie sogar sehr verletzt bis wir im Freundeskreis ein ähnliches Beispiel gefunden haben, wo ein Kind ganz wie die Mutter aussieht und das andere wie der Vater - man aber, sieht man nur die Kinder, nie auf die Idee käme, dass es sich um Geschwister handelt.

Vielleicht war etwas dabei, was Euch hilft - ihr werdet viel Zeit brauchen und ihr werdet viel über Euch selbst erfahren bis das Thema verarbeitet ist. Am Ende kommt man nicht daran vorbei die Realität anzuerkennen - es bleibt einem nichts anderes übrig und man ist auch irgendwann erschöpft und stumpft z.T. auch ab und das macht es dann leichter die Sache Stück für Stück zu verarbeiten.

Eure Reisemaus


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Gästin
schrieb am 20.04.2016 12:08
Hallo,

ich bin 38, habe einen wundervollen Sohn (2,10) nach der 3. ICSI und stehe jetzt vor der 7. ICSI (für die mein armer Mann seine 2. TESE machen lassen musste). Und wohl vor der letzten. 7 ICSI, 20.000€ und nicht schwanger. Das wird wohl das realistische Ende meines Kinderwunsches sein.

Ich wollte immer viele Kinder, vielleicht ist es das, warum ich nicht aufhören kann. Warum mein Herz jeden Tag bricht. Warum ich mit meinem tollen Kind nicht einfach glücklich und zufrieden sein kann! Mein Kopf, mein Herz - alles sehnt sich so nach einem weiteren Kind. Mein Sohn will zur Zeit ständig "geboren" werden. Er legt sich auf meinen Bauch und dann muss ich ihn nochmal zur Welt bringen. Ich könnte heulen. Bei Schwangeren in der KiTa, in der Familie: ich könnte heulen. Oft tue ich es abends auch.

Mein Mann unterstützt mich dieses eine Mal noch, dann ist Schluss. Er würde ein weiteres Kind mit Freude begrüßen, aber auch hier ist es so, dass ich es bin mit den Seelenqualen, die bei mir jetzt viel stärker sind, als damals VOR meinem Sohn. Er hat mir gezeigt, dass es noch ein größeres Wunder ist, als ich vermutet hatte und mich "angefixt".

Ich habe einmal Babysachen aussortiert und bin dabei fast zerbrochen. Jetzt stehen die Kisten unten und ich kann sie kaum ansehen. Das ist alles so klein, so zart....da ist alles drin: die Hoffnung, das Glück, die Schlaflosigkeit, die Sorgen. Und das alles WILL ich nochmal! Ich will!

Kann mir das einer abstellen? Meine Gyn (mit Studium Psych) meinte auch, ich solle doch meinen Zwerg ansehen und glücklich sein!
Als ich ihr erklärt habe, dass ich mit ihm überglücklich bin und trotzdem/grade deswegen! auf der anderen Seite todunglücklich, weil sie da grade Äpfel mit Birnen vergleicht, hat sie mich erstaunt angesehen.

Ich möchte meinem Sohn eine Mutter sein, die nicht ständig am Abgrund hängt. Nur weiß ich noch nicht, wie ich das machen soll. Meine Versuche, professionelle Hilfe zu finden waren ja nicht sehr erfolgreich (meine Gyn, meine Hausärztin - verständnisvoll, kennt aber niemandem zu dem Thema).


Ich wünsche Euch, dass mit der Sonne und dem Frühling auch Sonne und Wärme in unsere geschundenen Seelen kommt.



Nicole


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  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Rosa2013 (vorher Wunder 2012)
schrieb am 20.04.2016 21:43
Liebe Missix,

auch wenn ich keine wirklichen Ratschläge parat habe: du bist nicht alleine mit dem Geschwisterwunsch.

Was die Ängste betrifft, Schwangere zu sehen und neidisch zu werden: das kenne ich noch aus meiner fast 7 jährigen Kinderwunschzeit bevor ich überhaupt ein Kind hatte. Alle um mich herum sind schwanger geworden und sogar bei der Arbeit fing ich an, Angst vor Mails zu bekommen, in denen Kolleginnen wieder mal von ihrer Schwangerschaft berichteten. Mir hat es damals geholfen, mich der Sache zu stellen. Ich bin irgendwann nicht mehr weg gelaufen, sondern habe angefangen, den Schwangeren zu gratulieren und mich interessiert zu zeigen. Erst habe ich so getan als würde ich mich für sie freuen. Irgendwann konnte ich das dann tatsächlich ein bisschen tun und ich habe mir gesagt, dass ich ja auch nicht eher schwanger werde, wenn sie es nicht werden!
Der Kiwu wird wahrscheinlich irgendwie bleiben und es wird immer und überall Schwangere und stillende Mütter geben.

Nach jahrelangem Kinderwunsch und 4 Fehlgeburten habe ich endlich mit inzwischen 45 Jahren meine Tochter bekommen. Und als nach einem Jahr plötzlich der Geschwisterwunsch hochkam, war ich sehr überrascht. Hätte nie gedacht, dass ich nach diesem großen Glück so dreist sein kann, es mir nochmal zu wünschen. Aber der Geschwisterwunsch brodelt nun schon seit einem Jahr in mir. Er ist viel schwächer als der erste Kiwu. Aber ich habe ähnliche Gedanken: ich möchte dass meine Kleine (inzwischen 2 jährige Tochter) nicht alleine ist, wenn ich mal sterbe. Wir sind damals den Weg der EMS gegangen und ich möchte auch, dass sie jemanden hat der die gleiche Geschichte hat wie sie. Mein Problem ist nun eher, dass wir ja nun schon einmal den Weg der EMS gegangen sind und es ja auch gut noch einmal tun könnten. Denn auch mit 47 sind die Chancen auf diese Weise ja nicht schlecht. Aber ich habe viel mehr Skrupel als bei meiner Tochter. Hinzu kommt, dass mein Mann ein zweites Kind zwar nicht schlecht finden würde, es aber auch nicht unbedingt braucht. Und ich denke nun schon seit einem Jahr darüber nach, ob ich es bringen kann, in meinem Alter nochmal schwanger zu werden. Jeder wird doch gleich vermuten, dass es nicht mit eigenen EZ geklappt haben kann.

Ich will nicht sagen, dass ich sehr doll leide und Schwangere nicht sehen kann. Es ist eher so ein Bedauern, dass ich spüre, wenn ich daran denke, dass ich es wohl nicht nochmal erleben werde. Der Wunsch ist zwar nicht mehr so stark wie damals aber dennoch denke ich jeden Tag dran und hänge ständig im Forum hier oder bei Kleinputz rum und das nervt, denn ich möchte einfach mein Leben normal weiter leben und das Thema abhaken oder all meinen Mut zusammen nehmen und nochmal eine EMS durchführen lassen.

lg Rosa


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Reisemaus
schrieb am 20.04.2016 22:12
Liebe Rosa,

ach über die Frage, ob jemand auf die Idee kommen könnte, dass es mit eigenen Eizellen nicht geklappt haben könnte, würde ich mich nicht rumplagen. Darüber denken Frauen nach, die sich mit dem KiWu-Thema und den Wahrscheinlichkeiten recht gut auskennen. Alle anderen haken das unter biologisches Wunder ab und freuen sich mit einem. Und am Ende kräht keiner danach, wie das Kind entstanden ist, wenn es gesund auf die Welt gekommen ist.

Auch mein Mann hatte nichts gegen ein 2. Kind und hätte es gerne gehabt, wenn es geklappt hätte, aber für ihn war der Kinderwunsch mit dem einen Kind auch schon vollkommen erfüllt. Der Lottogewinn war also schon da und viel eher als ich es realisieren wollte, war ihm klar, dass es ein Lottogewinn war, der sich nicht wiederholen würde. Für ihn war die Welt mit dem 1 Kind erfüllt.

Ich habe ebenso, wie Du über viele Monate in Foren mich als stille Leserin rumgetrieben und das hat auch genervt. Jeden Abend habe ich stundenlang über den Seiten gesessen und gelesen. Mich geärgert, dass ich von der Sache nicht losgekommen bin. Das ist also nicht aussergewöhnlich, dass es Dir so ergeht. Auch ein weiterer Versuch kann Klarheit bringen. Entweder es klappt und Du hast ganz andere "Sorge" oder es klappt nicht und Du merkst, dass es für Dich keinen weiteren Versuch geben wird und Du deinen Frieden finden musst - egal, wie lange es dauern wird bis es soweit ist. Am Ende sind wir mit der Realität konfrontiert und müssen uns arrangieren.
Es ist ein bisschen so, wie mit einer Trennung, wenn man verlassen wurde (also nicht selbst die Entscheidung getroffen hat). Egal, wie schmerzhaft es ist und wieviel Tränen man vergiesst, man muss sich damit abfinden, dass es ein Ende gegeben hat, dass man auf diesem Wege nicht mehr weitergehen kann.

LG,
Reisemaus


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Rosa2013 (vorher Wunder 2012)
schrieb am 21.04.2016 20:56
Liebe Reisemaus,
danke für deine ermutigenden Worte!
Du hast recht, Leute, die die ganze Kiwumaschineri nicht kennen, kämen wahrscheinlich gar nicht auf den Gedanke der EZ spende. Ich war heute bei meiner Frauenärztin zur Vorsorge und da hatten wir das Geschwisterthema auch nochmal. Sie selbst hat eine erwachsene Tochter und sagte, dass es für sie damals nicht in Frage kam ein zweites Kind zu bekommen, da ihr Mann absolut kein Familienmensch war. Sie trennte sich dann auch und war alleinerziehend. Sie sagte, dass es auf jeden Fall auch Vorteile gibt für Einzelkinder. Sie bekommen die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern und haben nicht den frühen Schmerz, vom Thron gestoßen zu werden und einen Rivalen/Rivalin zu haben (was Geschwister ja auch sein können). Trotzdem hat auch sie mich ermutigt, es nochmal zu probieren. Und sie sagte auch, dass die Leute wohl nicht auf eine Spende kommen würden. Und selbst wenn.... es sollte einem einach egal sein was die Leute denken. Naja, mein Mann ist deshalb ja noch lange nicht dafür.

Es beruhigt mich ja, dass ich nicht die einzige bin, die scheinbar forumssüchtig ist.
Ein guter Vergleich mit einer Trennung!
Das Leben geht auf jeden Fall auch mit einem Kind super weiter. Und auf der einen Seite möchte ich ihr auch die volle Aufmerksamkeit schenken. Sie ist jetzt 26 Monate alt. So ein süßes Alter und wir haben so viel Spaß zusammen. Ich weiß auch gar nicht ob ich wirklich will, dass da noch jemand dazwischen kommt.

Ich bin auf jeden Fall auch super glücklich mit unserer Tochter und ich werde auf jeden Fall drüber weg kommen, wenn es kein zweites geben wird. Wir sind ja im gleichen Alter. Diese nahenden Wechseljahre sind ja generell eine Phase des Abschieds und Neubeginns. Und selbst, wenn man schon mehrere Kinder bekommen hätte, wäre man vielleicht trotzdem wehmütig, denn es ist ja so schön und unvergesslich ein Baby im Arm zu halten.

Ich wünsche dir auch, dass du weiterhin gut mit dem Thema abschließen kannst.

Viele liebe Grüße Rosa


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Reisemaus
schrieb am 22.04.2016 00:55
Danke Dir Rosa - es ist nur so, dass meine Tochter Geschwister vermisst und gerne noch jemanden hätte. Das Thema kommt von ihr . Sie hat uns Anfang des Jahres die Frage gestellt, ob Sie nicht noch ein Geschwisterchen haben kann und mein Mann hat ihr erklärt da gibt es zwei Möglichkeiten a) man hat Sex (fand Sie furchtbar;-)) oder b) man geht zum Arzt (sprich Kiwu) und sie hat mich dann wochenlang gefragt, ob ich mir das mit dem Arzt nicht überlegen möchte. Irgendwann habe ich ihr erklärt, dass ich schon beim Arzt war und es halt nicht geklappt hat. In der Zwischenzeit hat Sie in ihrer Klasse gesagt, dass sie vllt. noch ein Geschwisterchen bekommt. Die Mama müsste sich nur noch entscheiden zum Arzt zugehen. Der Klassenlehrer war also voll im Bilde und würde sich nicht wundern, wen ich schwanger ankäme, nach den Erläuterungen meiner Tochter.

Eine andere Situation war am WE. Da haben wir uns über syrische Waisenkinder unterhalten und mein Mann fragte sie, ob sie sich vorstellen könnte, dass solch ein Kind bei uns Wohnen würde. Sie fand das toll und das immer wieder wiederholt. Den Weg zu gehen, den traue ich mich aber nicht so richtig, obwohl ich weiß, dass es ein guter Weg für uns wäre.

Und mit den Wechseljahren - na ja, das ist so eine Sache - Klar hat vllt. jede Frau Wehmut, aber wenn ich Jugendliche oder erwachsene Kinder habe, ist das doch etwas anderes, wie bei einer Frau, die ungewollt kinderlos gebliebe ist oder sich noch mehr Kinder gewünscht hat. Bei den letzte beiden trifft es sie wie eine Wucht, denn jetzt ist allemal Schluß mit den verborgenen Hoffnungen/Wünsche, es möge einfach ein Wunder gesehen.

LG Reisemaus


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Rosa2013 (vorher Wunder 2012)
schrieb am 22.04.2016 21:09
Hallo Reisemaus,
das glaube ich, dass das schmerzt, wenn die Tochter gerne ein Geschwisterchen haben möchte und man es nicht geben kann. Ich finde es so niedlich wie sich die Kinder auch den Kopf darüber zerbrechen, wie man das Ziel wohl erreichen könnte. Und dass der Lehrer nun auch schon eingeweiht ist, ist ja irgendwie süß.

Den Gedanken ein Pflegekind aus Syrien aufzunehmen finde ich toll! Bzw. überhaupt ein Pflegekind aufzunehmen, wäre ja eine gute Alternative zum eigenen Kind. Es ist sicher auch nicht so leicht "daran zu kommen". Aber ich finde es ist echt eine Überlegung wert, bevor man es vielleicht irgendwann bereut, nichts mehr unternommen zu haben. Man muss es ja auch nicht erzwingen, aber wenn du merkst, dass der Wunsch nach einem Geschwisterchen keine Ruhe gibt, wäre das ja vielleicht was. Wovor hast du denn genau Angst? Für deinen Mann scheint es ja wohl damals schon eine mögliche Option gewesen zu sein, ein Kind zu adoptieren bzw. in Dauerpflege zu nehmen.

@Missix ich drücke die Daumen, dass du noch eine weitere IVF machen kannst/willst und dass es nochmal klappt. 40 ist ja auch noch kein Alter!!!!

lg Rosa


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Cita79
schrieb am 24.04.2016 11:54
Hallo zusammen

Als meist einfach stille Leserin möchte ich mich diesmal auch mal wieder zu Wort melden. Ihr alle sprecht mir ja so aus dem Herzen! Eure Worte könnten die meinen sein und es tut irgendwie einfach gut zu wissen, bin ich nicht die einzige auf diesem Gefühlskarussell - auch wenn ich jeder von euch wünschte, sie müsste das Ganze nicht durchmachen.

Insbesondere die Worte von Reisemaus tun mir gut...Du bist in Deiner Verarbeitungsphase bereits einen Schritt weiter als ich und es beruhigt mich, dass man das Ganze irgendwann noch etwas distanzierter betrachten kann. Irgendwie freue ich mich schon auf diesen Moment. Bei uns ist es nun 4 Jahre her, seit unsere Tochter mittels ICSI zu uns gekommen ist. Retrospektiv für mich ein absolutes Wunder, denn ich hatte zuvor keinen wirklich langen Leidensdruck und war mir des Ausmasses unserer Problematik gar nicht so richtig bewusst (nach kurzer Zeit des erfolglosen Probierens liessen wir uns einfach medizinisch untersuchen und fanden ein katastrophales Spermiogramm bei meinem Mann. Die kurz darauf gestartete ICSI schenkte uns bereits unsere Tochter...),doch es sollte sich zeigen, dass unsere Maus unser erster und einziger Glückstreffer bleiben sollte. Trotz X weiteren Versuchen und weiteren Abklärungen stellte sich später nicht mal mehr ein Hauch einer Schwangerschaft ein und so kam der grosse Schmerz eigentlich erst nach ihr. All die von euch beschriebenen Situationen, in denen es immer wieder von neuem weh tut, dass man das Wunder einer zweiten Schwangerschaft und eines zweiten Kindes nicht mehr erleben darf, treffen voll und ganz auch auf mich zu. Am schlimmsten ist es dann, wenn eine Mutter, die eigentlich auch mal gesagt hat, ihr Kind bleibe ein Einzelkind, dann doch plötzlich wieder schwanger ist. Das tönt fürchterlich, wenn ich jetzt schreibe, dass ich mich in diesen Momenten schon fast verraten oder hintergangen fühle, doch genau so ist es. Manchmal stütze ich mich einfach auf den Gedanken, dass auch andere aus meinem Umfeld aus welchen Gründen auch immer ein Einzelkind haben. Wenn es dann doch anders kommt, ist es irgendwie ein noch härterer Schlag in die Magengrube, als wenn wieder eine Kollegin schwanger wird, bei der es sowieso zu erwarten war...Ich probiere dann, mich für sie zu freuen wie ich es auch bei den anderen tue/versuche, aber manchmal tut es einfach nur weh, weh,weh und mein Herz blutet...

Aber ich möchte euch hier auch noch aufzeigen, dass es durchaus auch Momente gibt, in denen ich merken, dass ein Einzelkind gar nicht so schlecht ist: Ich weiss, ich kann unsere Maus viel intensiver geniessen, als wenn ich noch gleichzeitig ein Kleinkind zu betreuen hätte. Ich kann ihr meine volle Aufmerksamkeit schenken und auf sie und ihre Bedürfnisse eingehen. Und da sie eben ein Einzelkind ist, probiere ich, sie möglichst oft mit anderen Kindern zusammen zu bringen. Dies geniesst sie zweifelsohne total und macht es in der Gruppe auch sehr gut. Ist sie dann wieder zuhause, merke ich aber ebenfalls, wie sehr sie es schätzt, nun wieder etwas "Ruhe" zu haben, ihr Zimmer und unsere Aufmerksamkeit nur für sich zu haben. Das scheint für unsere Tochter total zu stimmen und so ziehe ich daraus auch positive Erkenntnisse. Weiter bin ich mir manchmal unsicher, wie stark ein weiteres Kind unsere doch mittlerweile recht gefestigte Familienstruktur verändert hätte/verändern würde. Was, wenn unseres so zufriedenes, fröhliches und ausgeglichenes erstes Kind mit der (späten) Situation, ein Geschwister zu haben, nicht klar kommt...? Kann ein zweites Kind überhaupt nochmals so wunderbar sein wie mein erstes, das - wie oben beschrieben - heute nicht nur wegen ihrer Art sondern auch wegen unserer Geschichte ein totales Wunder für mich ist? Alles Gedanken übrigens, die mich auch gegen eine mögliche Zwillingsschwangerschaft (daher in den letzten Versuchern nur noch single Embryotransfers), und gegen ein Pflege- oder Adoptivkind entscheiden liessen...Wenn noch Familienzuwachs, dann eigener und in Einzahl. Alles andere wäre für mich eine zu grosse Ungewissheit betreffend Einfluss auf unsere Tochter. Nichtsdestotrotz finde ich es grossartig, wenn ihr euch für ein Pflege- oder Adoptivkind entscheidet, fasst das also nicht als Kritik auf! Es gibt wahrlich genügend Kinder, die Hilfe und ein liebevolles Zuhause benötigten.

Ich probiere einfach, meinen unerfüllten Geschwisterchenwunsch mit den positiven Seiten eines Einzelkindes zu überdecken. Gleichzeitig finde ich durch die bereits wieder etwas grösser gewordene Unabhängigkeit (unsere Kleine braucht ja nicht mehr die gleiche Aufsicht wie als Kleinkind) und wieder mehr Freude an unserem Garten und unserem Hund. Dies alles lenkt mich von meinem nicht ganz erfüllten Kinderwunsch etwas ab. Das gelingt mir wahrlich nicht immer und oft tut es einfach nur weh (z.B. vor 6 Monaten beim letzten KiWu-Versuch, als der Doc im Voruntersuch meinte "Sie haben soeben den perfekten Eisprung!"...was nützt mir der bei unserem Katastrophenspermiogramm...*heul*), aber es gelingt mir immer wieder und vor allem, immer häufiger. Irgendwann hoffentlich komme ich an den Punkt, wo aus der enttäuschten Hoffnung nicht mehr nur traurige Gewissheit, sondern gute Akzeptanz geworden ist.

Also, dies meine Zeilen zu euren Beiträgen. Wie auch immer ihr mit eurer Trauer, eurer unerfüllten Sehnsucht umgeht, ich wünsche, ihr findet einen positiven Ausweg aus dieser Situation, die so niemand von uns will. Viel Glück und vor allem viel Freude an euren Kindern!


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Reisemaus
schrieb am 24.04.2016 20:45
Hallo Cita79,

danke auch Dir für deinen Beitrag - ja, ich bin schon ein Stück weiter als die meisten hier und jetzt kann ich das ganze auch etwas distanzierter sehen als noch unmittelbar nach den Versuchen. Ein Besuch auf dem Spielplatz in unserer Umgebung ist absolut o.k. - man verliert nämlich allmählich den Bezug zu den ganz Kleinen, weil das eigene schon so groß ist und man hat dann auch nur Augen für das eigene Kind. Es kommt einem vor als lägen Lichtjahre zwischen einem 8 Jährigen und einem Krippenkind.

Genau wie bei Dir erging es uns - 1. ICSI negativ, 1. Kryo positiv - daher habe ich auch nie daran gezweifelt, dass es vielleicht ein paar Versuche länger dauern würde, aber sicherlich nicht mit dem Ausgang, wie es jetzt ist. Ich habe so fest daran geglaubt, dass es klappen wird. Nach dem 5. Versuch habe ich die Welt nicht mehr verstanden und beim 6. war ich dann vollends verzweifelt und wenn die Klinik nicht an einem neuen Verfahren für die Polkörperuntersuchung gearbeitet hätte, in der ich aufgrund der vielen Eizellen, die ich trotzt hohen Alters hatte (rund 14-11) in deren Probantinnenkreis aufgenommen wurde, hätten mein Mann wohl viel eher gestreikt.

Ähnlich wie Dir ergeht es mir auch - wir haben so unsere festen Strukturen - einen riesigen Esstisch an dem wir "nur" zu dritt sitzen und wir haben uns an eine Seite des Tisches. Unsere Maus am Tischende und wir sitzen jeweils an einer ihrer Seiten. Zum einen sind wir dann nicht so verloren an diesem riesigen Tisch, zum anderen haben wir immer abwechselnd uns um die Maus am Tisch kümmern können. Und ich habe mir oft die Frage gestellt, wo soll ein 2. Kind hier sitzen, um den gleichen Status zu bekommen ohne der 1. Tocher ihren angestammten Platz wegzunehmen. Darüber habe ich mir echt ganz oft den Kopf zerbrochen, am Ende aber immer wieder gesagt, dass sich wahrscheinlich eine Lösung finden würde, wenn es soweit ist.

Die gleichen Gedanken habe ich auch in Bezug auf ein Pflegekind - grundsätzlich lehne ich das ab, weil ich nicht weiß, was das Kind so alles erlebt hat und ob wir in unseren "heilen" Familienwelt das wirklich wuppen können, was auf uns zukommt. Ausserdem möchte ich meiner Tochter nicht zumuten, dass über uns immer das Damoklesschwert hängt, dass das Kind jederzeit von einem Elternteil aus unserer Familie herausgenommen werden kann. Wenn wir 2 Kinder hätte und 1 Pflegekind und das wieder gehen muss, dann hätten sich die anderen beiden ja noch, aber so würde meine Maus wieder zum Einzelkind und ich bin mir da ziemlich unsicher, ob ich ihr das wirklich und auch uns zumuten möchte.

Es ist wirklich tröstlich auch nach so langer Zeit zu merken, dass man selbst kein Einzelfall ist. Und es ist fast noch besser aus der Distanz heraus das festzustellen. Denn unmittelbar in der Zeit danach, dringt es nicht so an einen heran, dass man kein Einzelfall ist, weil man mit dem eigenen Schicksal hadert und Wut unf Frustration verspürt. Jetzt aber akzeptiert man sein Schicksal besser. Gerade, wenn man fast so ähnliche Schicksale hat, wie wir beiden.

Aus meiner Erfahrung heraus, ist es ein langer Weg und wie schon geschrieben, es gibt immer wieder Rückschläge im Verarbeitungsprozess. Je mehr die eigene Umgebung nicht mehr schwanger wird und deren Kinder dann auch schon in den Kindergarten gehen, kommt man besser damit zurecht als zum Zeipunkt, wo alle ihr 2. oder 3. Kind bekommen. Mir ging es auch nicht gut, wenn ich von Frauen mitbekam, die mein schon fortgeschrittenes Alter sind und weitere Kinder mit über 40 bekamen und zT. sogar auch noch 2 weitere Kinder. Auf die bin ich auch heute noch neidisch und finde es absolut ungerecht.
Das alles passiert uns auch, obwohl wir einem weiteren Kind (auch Zwillingen), ein warmes, liebevolles Zuhause mit Zukunftschancen hätte geben können. Immer wenn ich wieder etwas fast nagelneues von unserer Tochter verkaufe, bin ich auch ein bisschen sauer auf die ganze Situation, vieles ist einfach so wenig benutzt oder so gut in Schuss, weil pfleglich behandelt, dass es als nagelneu durchgeht und doch muss ich das ganze Zeug verkaufen, statt es für ein weiteres Kind aufheben zu können.

Am Ende ist es aber, wie es ist. Sie ist ein Einzelkind und auch wenn es meiner Tochter genau wie deiner erging, sie war immer wieder froh, wenn sie ihre Ruhe zu hause hatte, je älter sie wurde, desto eher hätte sie sich ein Geschwisterchen gewünscht und ich will nicht verhehlen, dass wir da auch Situationen hatten, in denen Sie Briefen an den lieben Gott oder an den Weihnachtsmann geschrieben hat und sie die Frage stellt, warum hat der liebe Gott ihr nicht diesen Wunsch erfüllt. Andere hätten doch auch Geschwister und sogar mehrere. Das sind Situationen, mit denen geht man, auch nach so langer Zeit nicht so einfach um.
Man muss sich immer wieder selbst verzeihen, wenn Rückschläge kommen und diese auch zulassen. Der Trauerprozess geht nicht einfach Schritt für Schritt durch. Selbst wenn man glaubt, wieder ein stück vorwärts gekommen zu sein, geht es einen oder mehrere Schritte zurück.

Die Zeit heilt alle Wunden - abgedroschen, aber es ist absolut war. Die Wunden werden geheilt, aber es bleiben sicherlich Narben - bis man die dann nicht mehr sieht, dauert es dann wieder ein bisschen.

Am Ende nur noch - ich habe mich heute ganz besonders darüber gefreut mit meiner Tochter Seilspringen geübt zu haben. Wir haben das Seil an einen Baum binden müssen (war kein weiteres Kind zum Spielen verfügbar) und ihr ist es manchmal bis zu 10 x gelungen, über das Seil zu springen - darauf war sie mächtig stolz, weil ihr das vorher nicht gelungen war.

Für mich ist sie die beste Maus, die ich je hätte haben können.
LG
Reisemaus


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Rosa2013 (vorher Wunder 2012)
schrieb am 25.04.2016 13:19
Liebe Reisemaus und liebe Cita,

bei euch finden sich ja echt Parallelen in den Gefühlen und Gedanken. Und auch ich kenne diese Gedanken: "eigentlich ist doch alles super in unserer 3er Konstellation. Wer weiß wie es wäre, wenn da noch jemand dazu stoßen würde? Unsere Kleine wäre sicher eifersüchtig. Außerdem könnte es ja auch sein, dass das unbeschwerte Glück unserer Tochter vorbei wäre, wenn das neue Kind krank wäre, etc etc. Wäre hätte würde... Eins ist klar, wenn noch ein Kind da wäre, würde sich alles finden!

@Cita du bist ja wohl erst 36 Jahre alt. Vielleicht hälst du noch ein bisschen durch und probierst es nochmal? Vielleicht nach einer längeren Pause, um mal vom Kiwu los zu kommen. Ich kann es sehr gut verstehen, dass es "ärgerlich" ist, dass du noch so gute Eisprünge hast und das Sperma deines Mannes nicht gut ist. Auch, wenn ich damals bei unseren ersten Versuchen schon Ende 30 war, war bei mir alles ok. Das Spermiogramm meines Mannes war so mittel, aber es hat immerhin gereicht, um mich 3 x spontan zu schwängern. Das Problem lag trotzdem mit an meinem Mann, da bei ihm eine balancierte Translokation der Chromosomen festgestellt wurde. Das könnte die Ursache für meine FGs sein. Da ich auch noch mit Anfang 40 an meine eigenen EZ glauben wollte, haben wir noch ein paar Versuche mit einer Insemination mit Fremdsperma gemacht. Vielleicht wäre das eine Variante? Klar das ist nicht jedermanns Sache und man macht sich dann wieder den Kopf, dass die beiden Kinder ja verschiedene genetische Väter hätten. Aber es wäre ja genauso euer gemeinsames Kind!

@Reisemaus eine sehr gute Freundin von mir ist in einer ähnlichen Situation, inzwischen 49, hat nach spontaner Schwangerschaft ihre Tochter mit 42 bekommen. Sie hat alles aufgehoben von Gr. 56 bis 110. Weil sie immer dachte da kommt noch eins. Vor ca zwei einhalb Jahren als ich schwanger war hat sie mir alles geschenkt. Ich war ihr sehr dankbar und ich weiß, dass dieser Schritt sehr hart für sie gewesen sein muss. Sie weiß dass meine Tochter durch eine EMS entstanden ist und auch, dass ich mit dem Gedanken spiele es nochmal zu versuchen. Das wird dann ebenfalls sehr hart für sie, falls das nochmal klappen sollte. Dann wird sie sich auch verraten fühlen, weil wir ja momentan beide Einzelkinder haben, die trotz des Altersunterschiedes sehr nah sind. Nachdem klar war, dass es nicht mehr auf normalen Wege und auch nicht mit Repro klappt, haben sie sich auch Gedanken zum Thema Pflegekind gemacht. Aber auch das immer wieder aufgeschoben und sich (in meinen Augen) zu viele Gedanken gemacht. Das Thema fehlende Geschwister ist bei meiner Freundin noch sehr präsent. Und ich glaube sie überlegt noch immer bezüglich eines Pflegekindes. Auf der anderen Seite genießt sie natürlich auch ihre Freiheiten, die sie nun hat. Und sie hätte ebenfalls Angst, was ein Pflegekind für ihre Tochter bedeuten würde.
So lage Rede kurzer Sinn: ich wollte nur noch ein paar Dinge zum Thema Pflegekind los werden:
ich weiß nicht wie sehr du dich mit dem Thema schon beschäftigt hast. Also bei uns war das im Rahmen der Kinderwunschjahre auch mal eine Option. Wir waren damals bei unserem Jugendamt und haben uns informiert. Dort wurde gesagt, dass für eine Dauerpflege (bis 18 Jahren) hauptsächlich Babys und Kleinkinder bis max. 3 Jahren vermittelt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind wieder aus einer Familie heraus genommen wird (weil die leibliche Mutter es haben will o.ä.) liegt bei ca. 2%. Eine ebenfalls sehr gute Freundin von mir hat ein Kind in Dauerpflege. Das Kind kam mit 3 Monaten zu ihr und ist nun 3 Jahre alt. Sie ist die Mama und ich denke kein Gericht der Welt würde zulassen, dass das Kind wieder aus der Familie genommen wird. Auch für mich und alle anderen ist sie das Kind meiner Freundin und keiner denkt darüber nach, dass sie ein "Pflegekind" ist.
Auch ich überlege noch, ob es für uns in Frage kommen könnte. Im Übrigen bekommt man ja auch nicht einfach irgendein Kind, sondern kann im Vorfeld alles mögliche angeben, was nicht in Frage kommen würde.

Ich will keinen zu weiteren Versuchen überreden. Wenn der Wunsch abgeschlossen werden kann, bzw. wenn man damit leben kann, dass hin und wieder ein kleiner Stich hoch kommt, dann ist ja auch alles gut. Und ein kleiner Stich kommt ja auch wegen anderer Dinge immer wieder hoch. Wichtig ist, finde ich,dass man sich selbst nicht die Schuld gibt. Wir haben ja alles versucht!!!

lg Rosa


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Cita79
schrieb am 25.04.2016 20:37
Liebe Reisemaus

Ja, da scheint es uns in vielen Punkten tatsächlich ähnlich zu gehen. Wie gut das tut und sei diese Erkenntnis auch bloss aus dem Internet! Du hast schon recht, die Zeit schafft Distanz und heilt Wunden...selbst wenn mit Sicherheit Narben zurückbleiben. Ich merke jetzt schon, wie es ein bisschen einfacher ist, mit Schwangerschaften von anderen umzugehen und sie nicht mehr nur immer um ihre Babies zu beneiden. Wenn auch immer noch oft genug, um mir nicht selbst nochmals eins zu wünschen. Aber es wird besser, ich merke das schon.

Gerade heute habe auch ich praktisch neuwertige Kleider unserer Tochter schweren Herzens weitergegeben. Wie gerne würde ich sie voller Zuversicht aufbewahren! Aber die Zuversicht ist weg, vor allem auch, weil mein Mann langsam genug hat von diesem KiWu-Zirkus (obwohl ja nicht er es ist, der sich die ganzen Hormone geben muss, aber das ist wieder ein anderes Thema...). Für ihn stimmt es einfach rundum, unser Leben zu dritt. Unsere Maus ist alles, was er sich an einem Kind gewünscht hat. Ich beneide ihn manchmal um dieses Gefühl der Vollkommenheit, auch wenn unsere Kleine ja auch für mich schlichtweg perfekt ist. Aber eben, er ist einfach noch in mir drin, dieser Wunsch nach einem zweiten...Bei den Kleidern mache ich es nun einfach so, dass ich von jeder Grösse dasjenige Stück, das mir am liebsten war oder an welches ich ganz besondere Erinnerungen habe, einfach behalte. Selbst wenn ich es niemals mehr werde brauchen können - das ist ein Teil meiner ganz eigenen Therapie. Ich muss mich ja nicht zwingend von allem verabschieden.

Und wie schön Du diese Szene vom gestrigen Seilhüpfen beschrieben hast - da konnte ich mich gerade völlig hineinversetzen. Ich kann mir so gut vorstellen, dass wir in einigen Jahren dasselbe erleben - in einer anderen Form erleben wir solche ähnliche Momente ja schon heute. Man freut sich dann einfach so sehr an und mit seinem Kind, dass man diesen besonderen kleinen Moment miterleben durfte (erstes Radfahren war bei uns letzte Woche so einer!) und den Stolz und die Freude an der neuen Errungenschaft zusammen geniessen kann. In diesen Momenten ist doch einfach alles gut und das Herz fliesst über vor Liebe. Das stärkt auch.

Deine Worte haben mir aber auch gezeigt, dass auch ich mich wahrscheinlich noch für Momente wappnen muss, in welchen ich Rede und Antwort stehen und eine Erklärung für das Warum finden muss...Ich hoffe einfach, das Einzelkind-Dasein wird für unsere Kleine immer etwas sein, mit dem sie umzugehen vermag. Am meisten fürchte ich Schulferien, wenn sie dann mit uns alleine wegfahren muss...irgendwann wird das nicht mehr nur cool sein für sie und ob dann immer gerade eine Freundin da ist, die mitfahren kann...? Die Zeit wird es zeigen und uns hoffentlich lehren, damit umzugehen.

Jedenfalls danke ich Dir nochmals für Deine Offenheit, fürs Teilen und einfach für Deinen Beitrag.

...und nun zu Rosa2013:

Auch Dir danke für Deinen langen und interessanten Beitrag. Auf Deine Frage hin, ob Fremdsperma was für uns wäre, muss ich leider mit 'Nein' antworten. Oder richtigerweise: Für mich ja, für meinen Mann nein. So ist das halt nun einmal und so sehr ich mir auch wünschte, er wäre kooperativer (das tönt schlimmer, als es ist, wir haben eine sehr schöne und stabile Beziehung...aber das Thema Kinderwunsch ist schon ein potentieller Beziehungskiller, den auch uns als Paar immer wieder herausfordert), auch er kann nicht aus seiner Haut heraus. Und irgendwie habe ich auch Verständnis dafür...jetzt, wo wir ein gemeinsames leibliches Kind haben. Das ist aus meiner Sicht halt schon anders, wie wenn das erste Kind schon nicht das Leibliche ist. Dann ist es sicherlich toll, wenn es auf diesem Weg nochmals klappt und so wünsche ich Dir jetzt schon viel Erfolg. Recht hast Du aber im Schätzen meines Alters ;-) und mithin in der Feststellung, dass ich noch etwas Zeit habe/hätte. Hierzu ist zu sagen, dass wir aus der Schweiz sind, wo die Kosten von ICSI und IVF-Behandlungen zu vollen Lasten des Pärchens gehen. Auch wenn wir in einer wirtschaftlich guten Situation leben...die Kosten haben sich über die Jahre in schwindelerregende Höhen bewegt (und ich meine hier nicht einfach ein paar tausend Euro, sondern deutlich mehr). Da beginne ich mir schon langsam zu überlegen, wo meine Schmerzgrenze ist und wie viel mir Behandlungen wert sind, die mir im Nachhinein bis auf das erste Mal nur ganz viel seelischen Schmerz und zerstörte Hoffnung gebracht haben...Nun ja, so bin ich einfach, ein wandelnder Kampf zwischen Kopf und Herz.

Nichtsdestotrotz ein Danke für Deine aufmunternden Worte! Und wie Du sagst: Wir alle drei (Du, Reisemaus und ich), wir geben unser Bestes und haben alles versucht! Das ist auch etwas und ich bin überzeugt, wir sind alle auf gutem Weg, mit unserem "Schicksalsschlag" irgendwann auf die eine oder andere Weise Frieden zu schliessen.


@ Reisemaus und Rosa2013: Geniessen wir unsere wunderbaren Kinder und lassen wir uns überraschen, was das Leben sonst noch für uns bereit hält! Danke für eure Beiträge, ich wünsche euch noch einen wundervollen Abend.

Cita


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Reisemaus
schrieb am 27.04.2016 22:57
Liebe Cita,
liebe Rosa,

danke Euch auch - es hat mir auch gut getan mich mit Euch auszutauschen und es hilft zu wissen, dass Ihr das alles nachvollziehen könnt und ich widerum weiß, dass ich kein Einzelschicksal bin (auch wenn ich mir das immer mal wieder einbilde).

Die Idee mit dem Lieblingsstück ist prima - bei mir wären es wahrscheinlich mehr als eins;-) Ich kann nicht so gut loslassen - habe noch einen riesen Stapel von Krippen- und Kindergartenbilder, die ich immer mal wieder anpacke (stehen in Kisten auf dem Boden im Arbeitszimmer, dass ohnehin schon aus den Nähten platzt) und sortiere dann wieder aus. Wollte daraus ein Album basteln als Erinnerung an diese Zeit - ich lüge, wenn ich sagen würde ich würde es für sie machen. Anfänglich dachte ich es, aber mittlerweile weiß ich, dass ich es für mich tue, um einfach die Erinnerung an diese Zeit zu "konservieren" und das macht mich natürlich auch jedes Mal ein Stück traurig, weshalb ich die Stapel auch nicht so oft anrühre. Geht wahrscheinlich Euch auch so, wenn ihr Bilder aus der Kleinkinderzeit anschaut

Interessant war auch der Satz von Cita, dass der Mann vom Kiwu- Zirkus genug hatte - fast O-Ton mein Mann. Dem ist das Ganze auf den Geist gegangen, auch wenn ich es war, die allein in in die Klinik zu den Untersuchungen gefahren ist & diejenige gewesen bin, die sich gespritzt hat. Einige ICSI Punktionen habe ich ganz allein "durchgestanden", weil mein Mann unsere Tochter in die Betreuung gebracht hat und ich nicht wollte, dass er mit den ganzen öffentlichen Verkehrsmitteln sich noch stundenlang rumschlägt. das ein oder andere Mal war auch die Kleine just an dem Tag oder kurz davor erkrankt oder die Punktion war auf einen Zeitpunkt, dass wir nicht sicherstellen konnten, dass wir rechtzeitig zur Abholung wieder zurück wären. Da wir bei einigen ICIS auf Kryosperme zurückgegriffen haben, war das organisatorisch kein Problem. Was ich schreiben wollte, ich hatte die "Belastung" in jeder Hinsicht, aber er fühlte sich von KiWu genervt, obwohl es "nur" um seine Unterschrift auf ein paar Seiten ging. Selbst die Anzahl der eingesetzen Eizellen war eine Diskussion wert, obwohl im Vorhinein eh nicht mit mehr als zwei, wenn überhaupt gerechnet werden konnte. Mein Wunsch nach dem 2. Kind war extrem stark und ich habe, da er der Verursacher ist, ihm auch direkt vorgeworfen, dass er mit dem Verhalten das er an den Tag legte, sich das Recht herausnehme, darüber zu entscheiden, wie oft ich Mutter werden möchte und woraus er denn sich dieses Recht herausnehmen würde. Schliesslich lag es ja nicht an mir. Ihr seht also - eine ziemlich Belastungsprobe für die Beziehung. Ich bin oft nahe am Zusammenbruch gewesen und habe auch eine Mutter-Kind Kur gemacht.
Nach der Mutter-Kind Kur war mir auch wieder ein Stück klarer, dass es mir im Grund ziemlich gut geht. In beruflicher, finanzieller Hinsicht und überhaupt. Mir sind einige Alleinerziehende begegnet, die ganz allein auf sich gestellt sind. Wenn die Mütter krank werden, muss sich z. T. das Jugendamt um die Betreuung der Kinder kümmern. Was für ein Horror.

Das alles sollte einen viel dankbarer machen und es macht es auch ein Stück, aber eben nur ein Stück, denn die Trauer/Wut die man mit sich herumträgt, die vergeht auch nicht einfach so und ausserdem sind da die vielen Meldungen, dass jemand in ähnlichem Alter wieder mal schwanger ist.

Für mich war es wichtig, dass die Entscheidung nicht weiterzumachen und sich mit dem Thema Abschied vom Kinderwunsch auseinanderzusetzen, mir jedenfalls nicht von meinem Mann bzw. den finanziellen Umständen genommen worden ist, sondern dass mir der Mediziner zu verstehen gegeben hat, dass seine Mittel nun wirklich ausgeschöpft seien und er keinen Sinn in weiteren Behandlungen sieht. Hinzukam dass ich dieses Spritzen nicht mehr meinem Körper antun konnte. Es war einfach Schluss - es ging einfach nicht mehr.
Hätte ich die Gewissheit, dass die nächsten 2 oder 3 Versuche es gebracht hätten, hätte ich es weitergemacht, da ich bereits mehrmals die Signale meines Körpers aufzuhören, bewusst ignoriert/übergangen habe. Letztendlich war keine Hoffnung mehr und die Summe, die wir schon die Klospülung haben runterspülen müssen, konnten wir auch nur dank des Verdienstes meines Mannes - sonst wäre da schon nach den ersten 3 Versuchen Schluss gewesen. Jedes Mal kam dann der Gedanke an, wieviel man damit hätte anstellen können und ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, das Geld für die Ausbildung der Tochter zur Seite zu legen oder einen Waisenhaus zukommen zu lassen. Da hatte ich dann wieder ein schlechtes Gewissen. Aber vorallem hat mich dann auch aufgeregt, dass es soviel Geld ist um ein Kind zu bekommen, was doch eigentlich durch die natürlichste Sache der Welt möglich sein sollte - nur eben nicht bei uns.

Aber eins ist ausgeschlossen - jedenfalls habe ich mir die Frage selbst nicht beantworten können und mir auch keiner sonst- die Antwort auf die Frage zu finden "Warum passiert ausgerechnet mir das" und "Warum nistet sich keine 2. Eizelle mehr ein, wo es doch bereits einmal so schnell geklappt hat". Eine rationale Antwort bekommt man nicht/gibt es nicht. Es bleiben die üblichen Floskeln - Charma, Schicksal. Damit kann ich aber absolut nichts anfangen.
Daher habe ich aufgehört, mich um das Warum zu kümmern - das hat aber auch seine Zeit gedauert. Versucht man die "Warum"- Frage zu klären, bleibt man in seiner Wut/Trauer stecken und bemitleidet sich nur selbst. Das ist aber ganz natürlich, nur am Ende stellt man sich die "Warum" Frage immer weniger und analysiert eher, warum der Wunsch so stark ist für das 2. Kind und man beneidet tatsächlich den Partner, der das so einfach abhaken kann. Aber vllt. ticken da Männer einfach anders. Ich weiß es nicht.

Ich habe mich daher ganz oft mit der Frage beschäftigt, warum mir das 2. Kind so wichtig ist - neben den Aspekten, das es jemanden hat, der von der Familie übrigbleibt wenn wir als Eltern eines Tages sterben bis über die Sorge, dass so ein Einzelkind ja auch eine ziemlich Belastung hat, wenn wir alt sind, die leichter zu tragen ist, wenn mindestens 2 Kinder da sind - und dabei geht es mir nicht um den Pflegefall. Selbst wenn ich im Alterheim sitze & das Kind womöglich Kilometerweit entfernt ist, werden Situationen entstehen, wo es sich um Dinge kümmern muss, die ich nicht mehr machen kann und da ist nicht einfach zu wuppen. Geteiltes Leid ist halt doch halbes Leid. Aber auch umgekehrt, kann das Vorzeitige Versterben eines Einzelkindes einen zum Absturz bringen oder dass es nie Tante werden kann usw. Alles keine schönen Gedanken, die hoffentlich alle nicht eintreten.

Am Ende habe ich viel über mich gelernt - warum will ich eine Familie, warum habe ich soviele Versuche unternommen, wie gehe ich mit Wünschen um, die unerfüllt werden und vorallem, dass es einfach Dinge im Leben gibt, die man nicht beeinflussen kann - so gut die Prognosen sind, so hartnäckig man auch daran arbeitet und dran bleibt, so groß auch der eigene Wille ist. Am Ende steht ein Nicht schwanger sein. Damit muss man klar kommen. Sterben werden wir nicht und man kommt allmählich darauf, dass man immer aufpassen muss, dass man vor lauter Trauer/Wut/Verzweiflung die Gegenwart nicht vergisst.
Ich denke, dass ich wieder anfangen werde mir ein kleines Buch zu holen und jeden Tag abends reinzuschreiben, was schön war und das immer herausholen, wenn ich wieder einen Rückschlag erlebe. Die Zeit, die wir nicht bewusst mit dem was letztendlich unser Leben ist, geniessen ist einfach verschwendete Zeit - und verschwendete Zeit kann man nicht wieder gut machen. Aber auch diese Wissen, hilft einem nur z.T;-))

Und ich habe auch gelernt, dass es jetzt ganz wichtig ist, darauf zu achten, dass ich gesundheitlich fit bleibe. Damit ich meine Tochter noch lange begleiten kann. Daher weiß ich auch, dass alles ohne die eigene gute Gesundheit nichts wert ist. Und ich bin dankbar, dass ich noch morgens ohne Wehwechen aufstehe.

Euch viel Kraft für den Weg, den ihr noch einschlagen werdet und tausend Dank für den Austausch.

Eure Reisemaus


  Re: Kein 2. Kind? - Wünsche mir meine Lebensfreude zurück…
   Rosa2013 (vorher Wunder 2012)
schrieb am 28.04.2016 20:39
Liebe Cita und liebe Reisemaus,
auch ich finde den Austausch mit euch sehr hilfreich!

@Cita: "Nun ja, so bin ich einfach, ein wandelnder Kampf zwischen Kopf und Herz" genauso geht es mir bezüglich eines weiteren Versuchs mit der EMS. Wahrscheinlich ist es tatsächlich einfacher, sich das beim zweiten Kind ebenfalls vorzustellen, wenn das erste Kind auf diese Weise entstanden ist. Ich kann auch gut verstehen, dass du aus der Kiwu-Mühle heraus willst und einfach mal wieder normal weiter leben willst mit deiner kleinen Maus und deinem Mann. Es ist ja auch gut, wenn die Stiche im Herzen schon mal weniger werden, wenn du Schwangere siehst. Und nochmal zum Alter: wer weiß was in ein paar Jahren ist? Klar, dann wäre der Altersunterschied nochmal größer, aber vielleicht klappt es dann doch nochmal auf die eine oder andere Art. Wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass ich letztendlich zur EMS übergehen würde, hätte ich das niemals für möglich gehalten. D.h. ich wünsche dir sehr, dass du zumindest eine Pause genießen kannst. Denn es ist so ein Geschenk überhaupt ein Kind zu haben.

@Reisemaus ich kann sehr gut verstehen, dass du irgendwann die Kiwu-Behandlungen nicht mehr wolltest, weil es für den Körper ja auch eine Belastung ist. Von den seelischen Höhen und Tiefen ganz zu schweigen. Ich denke du hast wirklich alles gegeben und bist denke ich auf einem guten Weg, dich dem Abschied und dem Schmerz zu stellen. Ich gehe davon aus, dass eine andere Methode (wie z.B. EZ Spende) für Euch ebenfalls nicht in Frage kommt. Es kann ja auch gut sein, zu wissen, dass alles ausgeschöpft ist und es wohl keine Möglichkeit mehr gibt. Und wie ich schon mal geschrieben habe, du/wir haben keine Schuld und haben alles probiert. Es muss jetzt nur irgendwie etwas in diese Lücke kommen, die durch das fehlende 2. Kind entstanden ist.

Ich merke, dass es ja bei euch beiden etwas anders war als bei mir. Ihr hattet beide von Anfang an wohl den Wunsch und die Vorstellung nach einem zweiten Kind. Gerade wenn die erste Schwangerschaft zwar mit medizinischer Hilfe, aber trotzdem relativ zügig eingetreten ist, hat man die Erwartung, dass es nochmal so gut klappt. Und hebt natürlich auch deshalb alle Dinge aus der Babyzeit auf in der freudigen Erwartung, dass man es noch einmal erleben wird. Die Trauer, wenn das aber nicht eintritt ist natürlich groß und man steckt das nicht einfach so weg. Es hat ja auch mit Lebensplanung und einer Art von Selbstverständlichkeit zu tun. Gerade, wenn um einen herum alle mehrere Kinder haben. Ich denke auch, dass der Wunsch nach einem zweiten Kind genauso stark sein kann wie der Wunsch, überhaupt Mutter zu werden. Trotzdem möchte ich auch nochmal betonen, wie toll es ist, dass Ihr Mütter geworden seid. Aber das wisst ihr ja!!!!
Bei mir war es ja so, dass ich 1. sehr spät begonnen habe und es sich dann 7 lange Jahre und 4 Fehlgeburten hingezogen hat bis mein ersehntes Baby endlich da war. Ich habe so oft gebetet und mir selbst gesagt, bitte, ich möchte es nur ein einziges Mal erleben. Ich möchte so gerne ein Kind bekommen und es aufwachsen sehen. An Geschwister habe ich nie gedacht und ich habe als ich meine Tochter mit 45 bekommen habe, natürlich nicht gedacht, dass ich es nochmal wollen könnte. Dementsprechend habe ich so ziemlich alles gleich verschenkt oder auf Baseren oder Ebay Kleinanzeigen verkauft. Nur die liebsten Dinge habe ich aufbewahrt: ihren Strampler mit dem sie aus dem Krankenhaus nach Hause kam, ihre ersten Schuhe etc. Aber die haben ja eh fast Museumswert und ich würde das einem Geschwisterchen vielleicht eh nicht anziehen. Ich hatte die schlimmsten Herzschmerzen bevor ich Mutter werden durfte. Die Zeit rannte und es war eigentlich schon klar, dass ich kinderlos bleiben würde. Das war sehr schwer für mich damit umzugehen und ich hoffte bei allen neuen Menschen die ich kennen lernte irgendwie, dass auch sie keine Kinder hatten. Aber die meisten haben nunmal wenigstens eins. Vielleicht geht es euch nach dem 1. Kind so ähnlich wie mir vor dem 1. Kind....
Trotzdem kam ja bei mir der Wunsch nach einem Geschwisterchen auf. Als ich meine Kleine mit 14 Monaten abgestillt hatte und wieder anfing zu arbeiten, kam der Wunsch auf, das alles nochmal zu erleben. Ich war so glücklich im ersten Jahr und auf allen Fotos lächele ich vor mich hin wie eine Beseelte. Und dann kamen die ganzen Gedanken, dass es ja für Kinder auch besser ist, mit anderen Kindern aufzuwachsen und dass es besser wäre, wenn sie nicht alleine wären, wenn mein Mann und ich nicht mehr da sind. Und seitdem rattern die Gedanken in meinem Kopf auf der Suche nach einer Entscheidung ob ich es nochmal versuche in Prag.

Ich habe mich viel mit anderen über das Thema Geschwister unterhalten. Im Netz findet man ja auch Artikel aus verschiedenen Zeitungen die sich mit dem Thema beschäftigen wie wichtig Geschwister sind. Das Fazit aus allem was ich gelesen habe ist: Einzelkinder sind keinesfalls unglücklicher (auch nicht als Erwachsene). Ganz im Gegenteil, oft hat es sie sehr stark gemacht, so sehr geliebt worden zu sein und diese Liebe mit keinem teilen zu müssen. In der Gesellschaft ist es nach wie vor so, dass man oft bemitleidet wird, wenn man nur ein Kind hat, aber auch das sind nach den Artikeln die ich gelesen habe eher Vorurteile, da es damals sehr untypisch war keine Geschwister zu haben. D.h. man war entweder Waise oder unehelich oder es gab ähnlich "schlimme Schicksale". Einzelkinder suchen sich ihre sozialen Netzwerke und haben oft sehr stabile Freundschaften. Es gibt also viele Vorteile, ein Einzelkind zu sein.

Ich habe mich in letzter Zeit auch oft mit Freunden unterhalten. Manche von ihnen haben nicht einmal Kontakt zu ihren Geschwistern oder zumindest kein inniges Verhältnis. Ich selbst habe eine Schwester die nicht ganz zwei Jahre älter ist als ich. Wir sind uns sehr nahe, haben aber auch schon immer so eine schlimme Rivalität zwischen uns. Es gab eine Zeit da hatten wir 3 Jahre lang keinen Kontakt (wegen eines Mannes, wie dumm). In dieser Zeit ist mein Vater sehr krank geworden und ist nach wenigen Wochen verstorben und das hat dann meine Schwester und mich wieder näher zusammen rücken lassen. Aber ich muss auch sagen, dass es mir ohne meine Schwester damals auch gut ging und ich mich freier gefühlt habe.

Was ich nur sagen will ist, dass ich wirklich nicht mehr denke, dass man ganz unglücklich ist ohne Geschwister. Egal wie, wenn man Geschwister hat ist gut und wenn nicht ist das vielleicht auch gut. Ok, meine Tochter ist noch so klein, ich weiß nicht wie ich reagieren würde, wenn sie selbst sich ein Geschwisterchen wünschen würde. Das würde mir schon einen Stich versetzen.

Aber in meinem Versuch zu entscheiden, ob es nicht total irrwitzig ist, noch einen Versuch zu starten, bin ich derzeit eher soweit, dass ich es meiner Tochter gar nicht antun will, ihr einen Teil meiner Aufmerksamkeit zu entziehen. Das alles fühlt sich wahrscheinlich anders an, wenn Kinder größer sind. Bis meine Tochter aber größer ist, bin ich auf jeden Fall selbst für Plan B zu alt und deshalb muss ich es jetzt entscheiden und das fällt mir so schwer. In meinem Leben und in unserem Haus und auch von meinem Nervenkostüm etc. war eigentlich kein zweites Kind vorgesehen.

Ihr merkt schon ich drehe mich auch im Kreis und das Thema beschäftigt mich maßlos. Mein Mann tickt da so ähnlich wie eure Männer. Keine große Lust auf weitere nervliche Belastung durch Medis, WS und Co. Auch eine weitere Geburt muss er nicht mit erleben (unsere war relativ dramatisch für ihn, da Notkaiserschnitt nach 20 Std. Wehen). Wenn so ein zweites Kind auf einmal da wäre, wäre es gut, wenn nicht dann ist er mit unserer Maus auch happy. Sie ist eh das tollste Kind der Welt und besser geht es nicht sagt er.

Meine notwendige Entscheidung ist sehr akut. Ich bin ja seit einem Jahr am hin und her überlegen. Aber nun habe ich selbst alles schon in die Wege geleitet und befinde mich quasi im Transferzyklus. Ich nehme Estrifam zur Unterdrückung des ES und Utrogest ab 4 Tage vor Transfer und der könnte schon so um den 10. Mai sein. Ich bereite mich aber eher freudlos darauf vor, weil ich denke, dass ich es am Ende nicht durch ziehen werde. Und wenn nicht jetzt, dann gibt es auch kein später. Ich wäre ja so schon gerade 48 bei der Geburt falls es klappen würde. Mir sitzt dieser Zwang und die Zeit stärker denn je im Nacken. Dabei habe ich ja noch so ein kleines Kind das nicht durchschläft und mich körperlich ganz schön anstrengt. Wenn ich mich nachts aus dem Bett hieve um nach ihr zu sehen wenn sie weint, denke ich immer, dass es auf keinen Fall geht mit einem Säugling. Ich bin eher ein schlanker bewegungsfreudiger Typ und ich habe die Schwangerschaft mit 44 damals total genossen und mich sehr wohl gefühlt. Das kann ich mir nun einfach nicht nochmal vorstellen.

Tut mir leid, dass ich nun so ausufere hier. Aber es tut einfach gut, all die Gedanken mal aufzuschreiben. Ich wäre so gerne zufrieden und würde so gerne abschließen und mich auf meine Maus konzentrieren. Wenn ihr über Erlebnisse schreibt wie erstes Fahrradfahren oder dieses schöne Mutter-Kind Seilspringen-Erlebnis dann finde ich es auch toll, einfach nur ein Kind zu haben und es voll und ganz zu unterstützen und zu genießen. Schade, dass es nicht einfach so passiert, dass noch ein zweites kommt. Dann wäre es auch gut. Einfach so, ohne dass man sich so viele Gedanken machen müsste. Oder in meinem Fall, wenn es den Fluch und den Segen der EMS nicht geben würde. Aber dann würde ich wohl immernoch hoffen, dass ein Wunder passiert und ich einfach so schwanger werde was ja utopisch ist.

Ich wünsche euch und mir viel Lebensfreude und die Kraft abzuschließen. Gibt es nicht einen Schalter? (Ich glaube diese Frage habe ich hier an anderer Stelle schon mal gelesen).

Viele liebe Grüße Rosa




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