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  Moechte mich vorstellen:
   tina42
schrieb am 16.03.2010 19:41
Da es keine extra "Vorstellungsrunde" hier zu geben scheint, schieb ich mich einfach mal dazwischen. Ich hab keine Frage, sondern fuehle mich einfach oft alleine, und finde mich nirgends wieder, deshab wuerde ich mich auch ueber viele Antworten freuen!
Ich bin 42, meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Grieche, bin in Berlin geboren und aufgewachsen und habe viele Jahre lang dort studiert. In der Zeit war ich mit einem Mann zusammen, der letztlich nicht in der Lage war oder in der Lage sein wollte, Familienvater zu werden. Ich hatte einen Schwangerschaftsabbruch durchfuehren lassen. Mit 34 bin ich chronisch erkrankt und kurze Zeit spaeter war die endgueltige Trennung von diesem Mann. Mit 36 bin ich, arbeitslos und ohne Geld, fuer immer nach Griechenland gegangen. Es ging mir gesundheitlich besser, ich fand einen befristeten Job an der Athener Uni und lernte 2004 den Mann meines Lebens kennen. Mit 38 Jahren habe ich geheiratet. Mein Mann ist 3 Jahre juenger als ich. Wir versuchten es auf "normalem" Weg, da wir der Natur, bzw. Gott einfach mehr vertrauten als der Fortpflanzungsindustrie. Ausserdem verdienen wir nicht viel, und der Aufwand, den die Therapien - finanziell, zeitmaessig und psychisch gesehen - erforderten, schien uns immens, und das Resultat zu unsicher. Wir sind also beide gesund, ich hab die noetigen Untersuchungen veranlasst, wie Spermiogramm, Hormonprofil, Eileiterdurchlaessigkeitstest. Alles o. k. Nun sind gut 4 Jahre seit Beginn unseres Kiwu verstrichen, und ich hab angefangen, mich von dem Thema innerlich zu verabschieden. Schon seit 1 Jahr mache ich keine Ovu-Tests mehr, die waren manchmal positiv, und es hatte trotz Sex nicht geklappt. Zwar weiss ich, dass es sogar noch aeltere Frauen als mich gibt, die noch ihr 1. Kind bekommen, ganz unerwartet oder mit Therapie. Aber ich fuehle mich insgesamt erschoepft, habe nun auch noch Magenprobleme, verdiene kaum Geld, und denke, dass es das Beste ist, wenn ich ein fuer alle Mal den Kiwu abschreibe und versuche, positiv zu denken. Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Ich bin in einem Alter (sehe zwar viel juenger aus), wo man resuemiert: Was hab ich erreicht, wo stehe ich, und was kommt denn noch? Ja, und das frage ich mich wirklich oft: Was kommt denn noch in meinem/unserem Leben?
Ich wollte wirklich trotz meiner gesundheitl. Einschraenkung ein Kind, dem ich mein Wissen und meine Liebe angedeihen lassen kann. Hat es nicht sollen sein? Ich bin auch nicht eine von diesen tollen Karrierefrauen, die sich sagen: "Ich habe leider kein Kind, habe aber einen sehr wichtigen und erfuellenden Beruf, der mich total in Anspruch nimmt und der mir soziale Anerkennung bringt. Und ausserdem hab ich ein gutes Gehalt, von dem ich/wir mir/uns noch schoene Reisen u. Hobbies leisten kann". Das ist bei mir nicht so. Mein Mann sagt mir, dass er zu mir steht, ob mit oder ohne Kind. Das ist fuer mich das Wichtigste. Er ist fuer mich immer noch die Nummer 1 im Leben, und manchmal hab ich Angst, dass ihm was zustoesst, denn dann stuende ich ganz alleine da, weil meine Eltern nicht hier leben und ich keine Geschwister habe.
Ich denke auch manchmal: Immerhin hab ich ihn, andere Frauen in meiner Bekanntschaft haben nicht einmal einen Mann, und da die Gesellschaft hier ziemlich konservativ ist, ist es auch nicht ueblich, einfach zusammenzuziehen ohne Heirat, bzw. patchwork-families sind im Vergleich zu Deutschland selten. Frauen, die nicht heiraten, leben zu 98 % bei ihren Eltern. Also soviel zu mir, ich wuerde mich natuerlich sehr freuen, falls ein "aehnlicher Fall" zu mir finden wuerde, aber auch ueber alle anderen ernstgemeinten und ausfuehrlichen Antworten freue ich mich!


  Re: Moechte mich vorstellen:
   schremmi
schrieb am 17.03.2010 12:26
hallo tina,

ich merke an dem, was du schreibst, dass du noch nicht wirklich mit dem thema
kind abgeschlossen hast. denn du erkennst, dass ein toller beruf nicht alles ist im leben.
aber du möchtest das schicksal auch nicht herausfordern, sondern den dingen ihren
lauf lassen. deshalb: wenn kein kind kommt, dann kommt keines! so ganz überzeugt
bist du von dieser aussage auch nicht, oder?
wenn ihr es nun schon 4 jahre versucht und alle untersuchungen positiv waren, dann
finde ich es in der tat seltsam und kann mir nicht erklären, warum sich nichts tut.
ok, mit 42 wird man nicht mehr so schnell schwanger wie mit 20, aber dennoch
sollte sich nach 1-2 jahren "etwas tun". und wenn du einen eisprung hast und ihr in
dieser zeit auch herzelt, sollte es irgendwann ein mal schnackeln...
ich kann dir kurz von mir erzählen, wie es bei uns ist, da ich fast gleich alt bin wie du (41):
mein mann und ich haben einen sohn von 4 jahren. dieser entstand nach einer sehr kurzen
übungszeit von 3-4 monaten (obwohl ich damals schon 36 war). nach gut 2 jahren stellte sich
der wunsch nach einem 2.kind ein. es hatte damals auch recht flott wieder geklappt, doch
leider musste ich meine erste fehlgeburt hinnehmen. diese habe ich einigermaßen gut
verkraftet, so dachte ich. es gibt außerdem sehr viele frauen, die dieses schicksal mit
mir teilen. so starteten wir wieder nach einem guten halben jahr. doch leider wurde ich nicht
mehr schwanger und haderte wieder mit meinem schicksal. warum klappt es nicht mehr? bin
ich keine richtige frau mehr? habe dann auch einiges checken lassen: alles im rahmen und
meinem alter entsprechend. also: es geht noch. tja, und im dezember, wo ich schon fast die
hoffnung aufgegeben hatte, den monat abgehakt, da hat es nach fast 20 monaten wieder
geklappt. was waren wir happy!!!! zuerst. doch dann stellte sich eine angst ein. mit einem mal
war die erinnerung an den ersten verlust wieder voll da. ich konnte das gar nicht richtig beeinflussen.
meine ärztin bot mir an, öfter zur kontrolle zu kommen. als ich weiter war, als beim letzten mal,
ging es mir schon ein wenig besser. aber die angst war immer noch da. vor fast einem monat dann
mit einem mal eine schlimme ahnung, ein gefühl, das mich nicht mehr los lassen wollte: da stimmt
etwas nicht! im krankenhaus dann die traurige wahrheit: wieder fehlgeburt!! seitdem lebe ich unter
einem schleier der trauer, des nicht-verstehen-wollens, des mich-fragens-nach-dem-warum...
da ich mich noch nicht zu alt fühle, möchte ich es noch ein letztes mal wagen und lasse nun einige
untersuchungen durchführen. zumeist werden die ursachen nicht gefunden, aber wer weiß. ich
kann aber nicht mehr ins blaue hinein versuchen. der verlust wiegt so schwer, das kann man sich
kaum vorstellen.
ein leben ohne kind kann ich mir nicht mehr vorstellen. deshalb kann ich deinen wunsch voll und ganz
verstehen. aber man kann eben auch nichts erzwingen. und wenn man den weg einer künstl. befruchtung
nicht gehen will/kann, dann ist das eben so. für uns kommt das auch nicht in frage. für mich ist 42 aber noch
kein alter, um aufzugeben. der wunsch ist bei mir so groß, so dass wir es die nächsten 2 jahre auf alle
fälle weiter versuchen.
egal, wie du dich entscheidest: ich wünsche dir alles gute!
grüße
schremmi


  Re: Moechte mich vorstellen:
   dorie81
schrieb am 19.03.2010 22:18
Hallo liebe Tina,

ich bin zwar erst 28, aber ich kann Dich nur zu gut verstehen! Wir haben 2 ISCI, 1 Kryo, 2 abgebrochene Kryoversuche hinter uns und ich bin nicht mehr in der Lage weiter zu machen, da es mich körperlich und psychisch zu sehr mitnimmt.
Mein Mann und ich haben zwar ein Auskommen mit unseren Berufen, aber reich werden wir damit nie. Ich arbeite sehr gerne in meinem Job, zumal er mit Kindern zu tun hat, aber sobald es da etwas krieselt und der Job leicht auf der Kippe steht, kommt das Kinderwunsch-Thema doppelt hoch. Ich frage mich immer, was kommt wenn der Job mal nicht mehr ist bzw. habe ich auch ganz große Verlustängste, was meinen Mann angeht (wenn er mal nicht mehr wär). Ich bin leider schon immer ein Mensch, der zu oft in seine Zukunft eingreifen will, aber ich kann nun mal nichts daran machen, außer ich wechsle den Mann. Was ich aber nicht möchte, da ich ihn über alles liebe*knutschen*!!!
Im Moment kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ich mit 50/60 Jahren sagen kann, das Leben war toll. Ich versuche mich jeden Tag auf´s neue zu motivieren, an diesem Leben ohne Kind, was Positives zu empfinden. Aber ich suche verzweifelt! *kapitaen*
Jemand der kein Kind möchte, sagt einem auch nur, dass man da eben mehr Freiheit hat, "mehr" Geld und man kann mehr Reisen oder irgend solche Sachen. Ich persönlich finde daran keinen Frieden oder eine Form von Befriedigung bzw. ist eben auch das Geld zu knapp.
Meine Vorstellung ist, evtl. irgendwann an Hilfsprojekten, die gerade Kinder betreffen, teilzunehmen.
Helfen konnte ich Dir vielleicht nicht unbedingt, aber manchmal ist es ja gut zu wissen, dass es andere gibt, die ähnlich empfinden.
Ich wünsche Dir das Beste! LG Dorie. *winkewinke*


  Re: Moechte mich vorstellen:
   Berglinse
schrieb am 20.03.2010 19:29
Hallo Tina42,

ich kann Deine Gefühle gut nachempfinden - ich bin Anfang des Jahres 40 geworden und verabschiede mich jetzt auch von meinem Traum von eigenen Kindern. Vor 8 Jahren habe ich die Pille abgesetzt und dann lange Zeit - da medizinisch alles o.k. schien bei mir und meinem Partner - es erstmal so probiert. Mit 37 haben wir dann doch mal genauer nachgeschaut und dabei stellte sich eine schwere Endometriose heraus. Die drei darauffolgenden IVF blieben erfolglos.
Mein Mann möchte nichts mehr machen.
Ich würde schon gerne, aber habe auch zuviel Angst vor weiteren Misserfolgen, fühle mich auch sehr erschöpft.
8 Jahre sind eine lange Zeit und ich habe für mich entschieden den Blick wieder nach vorne richten und das Kind, von dem ich geträumt habe, loszulassen.
Aber natürlich stellen sich mit 40 immer drängender die Fragen - welchen Sinn hat mein Leben, welche Aufgabe kann ich mir vorstellen, wie wird es später werden, wenn ich noch älter werde?
Das macht mir auch immer wieder Angst.
Meine Ehe hat auch sehr gelitten in den letzten zwei Jahren, es ist sehr unsicher, wie es weitergeht.

Seit einiger Zeit mache ich regelmäßig Achtsamkeits- und Meditationsübungen. Es ist mir am Anfang sehr schwer gefallen, da ich innerlich so unruhig war, aber inzwischen ist es ein großer Halt für mich geworden - ich kann es nur empfehlen!
Man übt dabei, nicht immer an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken, sondern mal wieder im Jetzt zu sein.
Gerade als Kinderwunschfrau lebt man ja gedanklich mehr oder weniger ständig in der Zukunft...
Und man bekommt wieder mehr einen Blick auf das "große Ganze" finde ich. Dass man ein Teil der Welt ist und mit ihr verbunden, kein "Einzelteilchen", egal ob mit oder ohne Kinder.

Hast Du jemanden außer Deinem Mann, mit dem Du dieses Thema besprechen kannst?
Ich war eine zeitlang in einer Selbsthilfegruppe, das hat mir sehr geholfen.

Ich wünsche Dir alles Gute *blume*!
Berglinse


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  Re: Moechte mich vorstellen:
   tina42
schrieb am 23.03.2010 19:16
Hallo Leute!
Vielen Dank fuer eure Antworten! Sie haben mir schon sehr geholfen.
Ich hab euch via Privatnachricht geantwortet, und wuerde mich freuen, wenn ihr nochmal zurueck-antwortet.
Liebe Gruesse!




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