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  Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   natalia2610
Status:
schrieb am 08.08.2017 20:15
Ich war bislang nur stille Beobachterin im Forum, näher mich jetzt der 2. IVF und möchte mich nun auch mit einer Frage an euch wenden. Wie schafft ihr diesen ganzen psychischen Stress ohne dabei die Lebenslust zu verlieren??

Zu mir: Ich habe eine Tochter die vor 5 Jahren auf natürlichem Weg im 6. ÜZ entstanden ist. An Kind Nummer zwei (und wir wünschen uns eine Großfamilie) basteln wir jetzt im 3. Jahr. Meine Gebärmutter ist unter der 1. Geburt gerissen und ich hatte einen Notkaiserschnitt als T-Schnitt, allerdings wurde in einer BS und GS keine Vernarbungen, etc. festgestellt. Auch die Eileiter sind durchlässig. Ich bin jetzt in fast 2,5 Jahren nicht schwanger geworden, außer einer Eileiterschwangerschaft im ersten Clomi-Zyklus (wurde erst in der 12. Woche entdeckt, der Eileiter konnte erhalten bleiben, wurde aber der Länge nach aufgeschnitten und ist somit vermutlich eher nicht mehr zu gebrauchen). Die erste IVF verlief negativ. Allerdings war der Verlauf an sich supergut, da ich mit einem AMH von 0,4 ganze 13!!! Eizellen hatte, von denen sich 8 befruchten ließen und mir 2 Achtzeller in B-Qualität eingesetzt wurden. Ansonsten alle Hormone ok.

So jetzt endlich zu der Psyche: Obwohl ich eine Tochter habe, wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein zweites Kind. Ich habe mich als Familie immer unfertig (aber glücklich) gefühlt. Das erste Jahr versuchen war wie bei den meisten Paaren normal aufregend und frustrierend aber voller Hoffnung. Schon im zweiten Jahr wurde es immer schlimmer je mehr Ärzte, Untersuchungen etc. involviert waren. Der katastrophale AMH Wert war der erste Zeitpunkt, der mir richtig Panik gemacht hat. Die erste negative IVF dann der zweite. Seitdem liegt der Kinderwunsch wie eine Trauer über jeder Sekunde meines Lebens. An manchen Tagen geht fast gar nichts mehr und ich kann nur heulen und auch meine Tochter kann mir da nicht raushelfen. Es fühlt sich oft wie eine Depression an. Anfang des Jahres war ich bereits in naturheilkundlicher Behandlung, das hat es auch etwas verbessert. Jetzt habe ich einen Therapietermin gemacht. Über allem schwebt immer der Gedanke, dass ich verrückt bin, weil ich eine zuckersüße Tochter habe und ich meine Zeit/Freude mit ihr dem Kinderwunsch opfere. Einerseits denke ich daher, dass ich das nicht mehr so lange weiterkämpfen kann unserer kleinen Familie wegen, andererseits merke ich bin ich nicht ansatzweise so weit den Kinderwunsch aufzugeben. Ich gehe mit dem Thema auch sehr offen um, den meisten, die nach Nachwuchs fragen, geb ich eine ehrliche Antwort. Schwangeren und Familien mit mehreren Kindern muss ich zu manchen Zeiten aus dem Weg gehen, es macht mich so traurig. Es ist die größte Krise meines bisherigen Lebens dabei bin ich doch Mutter?!

Wie holt ihr euch aus diesem Loch nach dem monatlichen negativ wieder hoch? Vor allem den Müttern mit Kiwu: geht es jmd. genauso? Die Angst vor dem nächsten IVF Negativ ist gerade sehr hoch.

Danke für eure Antworten!


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   Jitensha
schrieb am 09.08.2017 06:21
Hey du, ich kann dich sehr gut verstehen! Mir geht / ging es auch oft so. Auch wenn ich mir manchmal einbilde, dass ich das besser verkraften könnte, wenn ich erstmal überhaupt ein Kind hätte, aber nein, ich glaube, das mach ich mir nur vor. Ich habe mich vor allem während der ersten ICSI sehr sehr mies gefühlt, viel geweint, mich zurückgezogen, denn man kann es ja auch nicht allen erklären. Rausziehen konnte mich da auch keiner. Klar, dasa deine Tochter das nicht kann, ist ja auch nicht ihr Job. Bei mir wurde es mit der zweiten Behandlung besser weil ich erstmal versucht habe, mit mehr Zeit zu geben und mich nicht mehr so zu bedauern, dass es bei mir halt schwierig ist. Obwohl ich sonst schwangere toll finde, habe ich babys und werdende Mütter bewusst gemieden (was bei schwangeren Kolleginnen nicht so einfach ist). Und ich habe mehr gearbeitet, um abgelenkt zu sein. Soweit das eben ging... Ich habe auch Tagebuch geschrieben und mich mit einigen wenigen Freundinnen ausgetauscht. Ich mein, warum schreiben denn hier so viele Frauen?! Weil das Thema immer da ist! Bei mir kommt auch immer noch die Angst dazu,dass ich ohne Zyklus nur die Behandlung habe und eben nicht jeden Monat eine neue Chance. Ich habe also auch Ideen für Plan B gesammelt. Es ist halt eine außergewöhnliche, belastende Situation, da ist doch ein bisschen “verrückt“ werden ganz normal! Die Medis machen es da auch nicht gerade leichter. Wirklich verrückt wirst du so schnell nicht. Ich habe mich jedenfalls auch bewusst gegen professionelle Hilfe entschieden. Irgendwann wollte ich nämlich auch kein “oh das ist ja auch sehr schwer“ mehr hören. Es ist wie es ist und wenn ich mich abends mal ausheulen möchte, dann mache ich das. Am nächsten Tag geht es mir wieder besser und solange ich nicht einfach so in Tränen ausbreche, ist das auch ok! Ich versuche mir auch vor Augen zu führen, dass mein sonstiges Leben nicht das schlechteste ist und auch wenn ich das nicht immer so fühle, dann weiß ich doch, dass mir das über jedes Ergebnis helfen wird! Wir haben halt einfach alle viel durch und wichtig ist, dass wir uns damit nicht alleine lassen, ob wir uns nun einer Freundin, Psychologin, dem Forum oder dem Tagebuch anvertrauen... wir können auch ganz viel aus dieser Zeit über uns lernen und erfahren, dass wir ganz viel bewältigen können und ganz viele Gefühle aushalten.Am Ende, ist das alles gut, auch wenn wir zwischendurch verzweifeln! Irgendwann kommt irgendwo wieder ein Lichtchen!


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   natalia2610
Status:
schrieb am 09.08.2017 13:21
Hallo Jitensha,
danke für deine mitfühlenden Worte. Du hast sehr recht mit dem sich selbst bedauern und das man akzeptieren muss, dass es bei einem eben nicht so läuft wie bei allen anderen. Das muss ich auch noch lernen. Ich bewundere die Energie, die die meisten hier aufbringen und es klingt zumindest meistens so positiv. Diese positive Hoffnung muss man sich echt bewahren. Trauern kann man noch früh genug wenn wirklich keine Hoffnung mehr da ist! Hab ich richtig gelesen, dass du schwanger bist?? Das ist toll! Herzlichen Glückwünsch und alles alle Gute!!


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   Kräuterfee
schrieb am 09.08.2017 21:13
Liebe Natalia,

Du bist überhaupt nicht verrückt, ich kann Deine Gefühle sehr sehr gut nachvollziehen! Wir haben auch eine lange KiWu-Zeit hinter uns, haben sechs Jahre gebraucht für das erste Kind (ICSI-Kandidaten). Ich wollte auch immer eine große Familie und habe sehr gelitten. Schwangeren bin ich immer aus dem Weg gegangen und ich habe mich von fast allen unverstanden gefühlt. Ich bin anfangs auch sehr offen mit dem Thema umgegangen, habe aber immer das Gefühl gehabt, dass sich keiner in unsere Situation versetzen kann und sich auch fast keiner damit befassen wollte, "das wird schon werden", "entspannt Euch",...
Dann hatte ich mit 34 Jahren das Glück, mein erstes Kind in Armen zu halten und ich hatte gedacht, danach sehe ich alles einfacher, werde nicht mehr den extremen Kinderwunsch haben,... Aber es war wieder das altbekannte, ich konnte keine Schwangeren sehen, hätte bei jedem Babyanblick heulen können,...Ich könnte mich im Nachhinein über mich selbst sehr ärgern, aber ich hatte genau die Gefühle, die Du schon schildertest, der Kinderwunsch war unverändert da und jeden Monat kam wieder die Regel und mein Frust und meine negativen Gefühle waren wieder da, trotz Kind. Wir sind den harten Kinderwunschweg weitergegangen, haben eine neue KiWu-Klinik gesucht, da wir inzwischen umgezogen waren,... Neue ICSI mit Kind und weitere Kryo-Versuche,... Nun werde ich 42 und erwarte mein 4. Kind!!! Für uns hat sich der harte Kampf gelohnt und ich kann nun gut mit dem "Kinderwunsch" abschließen. Ich weiß leider auch nicht, wie man in der Zwischenzeit aus dem Loch herauskommen kann und bei mir hat diese ganze Zeit auch Narben hinterlassen. Ich hoffe für Dich einfach, dass Du immer wieder die Kraft findest, weiterzukämpfen, es lohnt sich! Drücke Dir ganz feste die Daumen, dass es baldigst klappt!!! Liebe Grüße und alles Gute wünscht Kräuterfee


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  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   eva2017
schrieb am 10.08.2017 15:49
Hallo Natalia!

Ich habe noch nie was in einem Forum geschrieben und hätte nie gedacht, dass es andere gibt, denen es genau so geht- ich hab ja schon ein Kind,da soll man nicht so ein Theater machen und vor allem nicht denen was vorjammern, die keines haben...Aber mir geht es genauso!

Ich habe einen Sohn, der im Oktober vier wird (beim 1. versuch natürlich entstanden, nicht mahl auf Eisprung geachtet) und vor 2 Jahren 2 mal abortiert - sehr früh, auch nach natürlicher Empfängnis. Seitdem läuft nichts mehr, alle meine Bekannten haben weiter Kinder bekommen und ich bin immer mehr ins Loch gefallen, habe letztes Jahr sogar meine Tierarztpraxis verkauft, weil ich nicht mehr belastbar bin (bin krank geworden und habe noch ein Magengeschwür bekommen). Jetzt sitz ich daheim mit einem Kind und sollte lauter kindgerechte Sachen machen, die regelmässig in Heulkrämpfen enden, weil alle Spielplätze, Freibäder etc mit schwangeren Mehrfachmüttern bevölkert sind - nicht mal einkaufen kann man gehen, ohne damit konfrontiert zu werden!
Ich gehe auch sehr offen damit um, aber man ist halt schnell isoliert, vor allem weil keiner das Problem als solches sieht - "geniess doch deinen Bub" etc...

Die Abklärungen haben ergeben, dass mein Mann der Diagnoseträger ist (zu unbeweglich) und bei mir alles tiptop ist (AMH-Wert von über 20, das ist wohl recht gut). In 2 Wochen fängt die erste Stimulation zur ICSI an und mir graust es ganz fürchterlich. Ich hab jahrelang Kühe hormonell behandelt und wenn es da nix wird, geht die Kuh zum Metzger, recht flott. So bescheuert es klingt, aber ich hab auch schon Selbstmordphantasien gehabt, aber beim Psychiater hab ich dann immer getan, als wäre alles ok.

Ich weiss echt auch nicht, wie man da raus kommt, ich schaff es selber auch nicht. Nachrichten schauen, dann relativiert sich alles sehr stark, das wirkt zumindest kurzfristig.

herzliche Grüsse, Eva


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   natalia2610
Status:
schrieb am 10.08.2017 21:10
Liebe Kräuterfee
Es fühlt sich gut an, zu erfahren, dass es anderen Frauen genauso geht trotz Kind/Kindern. Dein Beitrag macht Hoffnung, 4 Kinder :-) toll! Und Wahnsinn, was du alles durchgemacht hast. Ich wünsche dir für deine Schwangerschaft alles Gute!

Liebe Eva,
dies ist ebenfalls mein erster Beitrag in einem Forum und ich habe lange überlegt mit dem Schreiben, weil ich andere mit erstem Kinderwunsch nicht verletzten wollte. Ich kann diese Sicht "du brauchst dich doch nicht beschweren, schließlich bist du Mutter" sehr gut nachvollziehen. Ich hätte früher genauso gedacht und hätte mir diese negativen Gefühle nicht vorstellen können. Was du beschreibst, geht mir ganz genauso. Wenn ich mein Negativ bekomme, sitz ich mit meiner Tochter am nächsten Tag am Spielplatz, mit Sonnenbrille, heulend neben den schwangeren Müttern.

Was mir am besten hilft, ist arbeiten. Auf der Arbeit bin ich in einer anderen Rolle, da bin ich nicht Mutter und da denke ich am wenigsten über alles nach. Vielleicht würde es dir auch helfen zu arbeiten? Vielleicht auch gar nicht als Tierärztin oder mit eigener Praxis, sondern etwas ganz anderes? Bis vor einigen Monaten habe ich auch das Internet mit allen Blogs, Foren, etc. gemieden, da die Verdrängung des Themas am ehesten geholfen hat. Zur Zeit geht es nicht mehr und es tut mir gut auf Gleichgesinnte zu treffen.

Ich kann gut verstehen, dass du durch deine beruflichen Erfahrungen mit Hormonen sehr vorbelastet bist. Ich hatte auch große Angst und ich habe so ziemlich die Höchstmengen gespritzt durch den niedrigen AMH Wert. Körperlich fand ich die IVF nicht schlimm. Ich hatte kaum Nebenwirkungen. Psychisch hat mich dann das negative Ergebnis fertig gemacht.
Warum hast du deinem Psychiater nicht von den Selbstmordphantasien erzählt? Dachtest du er nimmt das nicht ernst oder hast du dich geschämt? Es ist wirklich erstaunlich wie weit einen dieser Wunsch treibt...Ich wünsche mir zur Zeit manchmal eine schlimme Krankheit (aus der ich wieder heil raus komme). Aber ich erhoffe mir dadurch Demut und dass ich mein Leben wieder zu schätzen weiß, was nämlich eigentlich sehr schön sein könnte.

Ich drück dir fest die Daumen, dass es gleich beim ersten Mal klappt!!


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   eva2017
schrieb am 10.08.2017 21:45
Liebe Natalia!

Vielleicht ist so ein Forum wirklich keine schlechte Idee.. Du hast auch niemand im Bekanntenkreis, dem es genauso geht, oder? Wie alt bist Du, falls ich fragen darf? Obwohl, das gehört ja auch zu der ganzen Problematik, zumindest bei vielen ;-) ich bin grad 37 geworden und wünsch mir zurzeit sehr, ich hätte nicht so viel Zeit mit Studium, Doktorarbeit etc. verplempert und mit mit Mitte zwanzig Kinder bekommen. Damit hätte man sich viel Drama gespart...Das sagt einem nur vorher keiner, wenn man zu studieren anfängt!
Ich will mir auf jeden Fall wider was suchen, bloss sind Teilzeitstellen in meinem Beruf selten und es gehört immer die Nacht zum "Tagesgeschäft". Das hab ich immer sehr gern gemacht, aber schon mit einem Kind und Vollzeit-arbeitendem Mann geht das nicht mehr. Die Schwiegereltern nehmen ihn nämlich nur, wenn es grad passt und nicht, wenn er krank ist. Wenn das alles nix wird mach ich vielleicht was ganz anderes, aber erst will ich das mal hinter mich bringen. Du hast schon recht, den ganzen Tag daheim rumsitzen macht die Sache absolut nicht besser! Und auch 100% Kind betreuen sind nicht immer nur lustig...

Der Psychiater hat gleich am Anfang gesagt, er habe ja auch ein Einzelkind, was daran denn schlimm sei? Dann bin ich mir wirklich recht blöd vorgekommen. Hab das jetzt aber wieder im Griff. Weisst Du, ich denke manchmal, es muss doch einen Grund geben, dass alle das "Geschenk Gottes" nachgeschmissen bekommen bloss wir nicht. Dann frag ich mich immer ob ich eine schlechte Mutter bin oder sonst einen bösen Charakterfehler habe, und das jetzt die Strafe ist. Aber das versteht keiner.

Ich kann deinen Ansatz mit der Krankheit gut nachvollziehen. Ich arbeite bei der Flüchtlingshilfe mit (hier in der Schweiz nicht ganz so dramatisch wie in Deutschland) um ein bisschen Demut zu lernen, aber die Damen da sind 1. all immer schwanger und 2. auch keine besseren Menschen, gemischt wie überall, also kann die Theorie, dass nur gute Menschen ein Kind "verdienen" auch nicht ganz stimmen. Es gibt wohl keine Logik dahinter. Also müssen wir wohl versuchen, so mit dem, was wir haben zufrieden zu sein. Das ist aber leichter gesagt als getan. Ich geh jetzt zum Yoga, aber die Erleuchtung ist mir noch nicht gekommen.

somit gute nacht! ganz lieber Gruss!


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   natalia2610
Status:
schrieb am 11.08.2017 13:02
Liebe Eva,
ich hab dir eine Privatnachricht geschrieben.


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   enidan78
schrieb am 11.08.2017 23:48
Hallo, bin ganz neu hier. Hatte heut das unbedingte Bedürfnis mich in einem Kinderwunschforum auszutauschen, weil ich mich total allein fühle. Zu mir: bin 39 und habe zwei Kinder, die wir auf normalem Wege bekommen haben. Die beiden sind 5 und 7 Jahre alt. Seit langem haben wir aber den Wunsch nach einem 3. Kind. Auf normalem Weg ist das leider nicht möglich. Ich hatte bei beiden Kindern einen Kaiserschnitt und aufgrund von Verwachsungen kommt da kein Spermium durch. Hatten heut unsere 3 Insemination. Kurz darauf bekam ich schreckliche Unterleibsschmerzen und Blutungen. Bin echt am Boden und könnt nur heulen. Und dann der gleiche Gedanke wie bei euch. Ich sollte doch glücklich und zufrieden sein mit meinen beiden Kindern. Bin ich ja auch, aber ich fühl mich noch nicht komplett. Da fehlt noch jemand bei uns. Ich fühl mich ganz schlecht so zu fühlen. Andere kriegen gar keine Kinder. Ich hab kein Recht zu jammern. Darum erzähle ich auch niemandem davon. Aber irgendwann kann man das nicht mehr oder? Ich sehe nur Schwangere. Ganz viele in meiner Umgebung bekommen das 3. oder 4. Kind. Da könnte ich durchdrehen. Es tat so gut das hier von anderen zu lesen. Ich bin also nicht allein...
LG


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   Ringfinger
schrieb am 12.08.2017 04:22
Liebe Natalia,
gerne will ich dir auch von meinen persoenlichen Erfahrungen zum Thema Sekundaere Infertilitaet berichten.
Ich sehe tatsaechlich einige Parallelen zwischen deiner und meiner 'Krankenakte'. AMH von 0,5, bin 37 Jahre alt und wir haben auch eine 5 jaehrige Tochter, die auf natuerlichem Wege gezeugt wurde (Kinderwunsch war da und schwups war ich schwanger. Damals wusste ich noch nicht, was eine ICSI ueberhaupt ist. So verwoehnt war ich diesbezueglich. )Tja und dann, wollte einfach der Geschwisterwunsch sich nicht erfuellen. Ich suchte verschiedene Frauenaerzte auf, die mich mehr oder weniger alle um Geduld gebeten haben ('das wird schon, hat doch schon mal so einfach geklappt') Da schon ein Kind da war, sah niemand wirklich die Notwendigkeit fuer eine ausfuehrliche Diagnostik. Irgendwann haben wir uns dann auf den Weg in die KIWU klinik gemacht, da ich das monatliche negativ einfach nicht mehr ertragen konnte. Ich/wir haben uns jeden montat rund um den Eisprung Stress gemacht, die Anspannung war gross. Und bei der Diagnostik hat sich dann herausgestellt, dass das Spermiogramm nicht optimal is (A+B >20%) und ich eine leichte Schilddruesenunterfunktion habe (L-Thyrox 75). Dann strichen wieder 2 Jahre ins Feld... eine erfolglose IUI, 2 erfolglose ICSIs und dann erneuter Klinikwechsel und dem Arzt sind sofort die Verwachsungen udn Zysten von meinem Notkaiserschnitt (nennt sich Istmozele) aufgefallen, die er definitiv auch als Grund fuer die sekundaere Infertilitat ansieht. Nach langem Hin und Her habe ich mich letzten Monat dann zur OP entschieden. Jetzt muss ich mich erholen und dann weiter schauen.
gerade fuehle ich mich koerperlich und seelisch ausgelaugt, und kann mir nicht vorstellen noch eine Icsi zu versuchen. Das Interssante ist, dass der Kinderwunsch die letzten 4 Jahre so stark war, dass er aehnlich wie du es beschreibst, mein ganzes Leben bestimmt hat, privat und auch beruflich wurde alles rund um die eventuell eintretende Schwangerschaft geplant. Nur kam die eben nie.
Mehr und mehr stelle ich fest, dass ich jetzt zufriedener bin und mir einfach sage,d ass ich mich ueber das freue was ich habe, naemlich eine tolle Tochter, auf die ich sehr stolz bin. Gelingt mir nicht immer, aber immer besser. WAs meine veraenderte Einstellung zu der Kinderwunschsache betrifft, kann ich gar nicht so konkret sagen. Die Zeit heilt alle wunden trifft hier definitv zu. Auch das in meinem Kopf gerade andere Themen einen breiten Raum einnehmen (z.B. Scheidung meiner Eltern und einer guten Freundin), so dass ich mich etwas ausgebrannt fuehle und mir auch die mentale Kraft fehlt wieder so viel Energie in Planung von ICSi und akzeptieren von negativ zu investieren.
Nochmals zu dir, Natalia,du schreibst , dass du dir einen Therapietermin gemacht hast. DAs ist glaube ich ein sehr guter Schritt, den du in die Wege geleitet hast. Waere auch mein naechster gewesen, haette sich mein Gefuehlchaos nicht von selbst etwas beruhigt. Ich hoffe du kannst eine vertrauensvolle Basis mit dem Therapeuten aufbauen. Ich wuensche dir alles erdenklich Gute auf deinem Weg.
Ringfinger


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   natalia2610
Status:
schrieb am 12.08.2017 15:19
Liebe Enidan,
wir sind anscheinend wirklich nicht allein. Es ist zwar natürlich nicht schön, dass es einigen Müttern so geht, allerdings ist es für uns schön zu hören, dass es andere gibt. Ich hab mir immer vorgestellt, wenn wenigstens ein zweites Kind da ist, sodass meine Tochter ein Geschwisterchen hat, wäre es danach halb so schlimm. Aber Kinderwunsch ist Kinderwunsch, sobald er sehr stark ist, ist es anscheinend egal wieviel Kinder man bereits hat. Ich drück dir die Daumen dass es diesmal klappt!

Liebe Ringfinger,
ich sehe mich auch als verwöhnt an mit meiner spontanen Schwangerschaft. Mein Frauenarzt hat letztes Jahr ganz zuversichtlich gesagt: Sie kriegen wir dieses Jahr noch schwanger, keine Angst. Wie gehst du gedanklich mit dem AMH Wert um? Ich hatte zuerst furchtbare Panik als ich mich im Internet belesen habe. Ich habe sogar zwei Doktorarbeiten zu dem Thema AMH und Schwangerschaft gelesen. Danach war ich so deprimiert, dass ich für mich die künstliche Befruchtung fast ausgeschlossen hatte. Mein Kiwu-Arzt sagte dann, dass der AMH aber nicht immer mit der Anzahl der gewonnen Eizellen zusammen hängt und ich bin vor Freude fast vom Untersuchungsstuhl gehüpft als es mindestens 10 Follikel auf dem Ultraschallbild gab.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Kraft und Energie irgendwann nicht mehr ausreicht und man langsamer machen muss. Wir müssen schließlich auch irgendwie noch für unsere Kinder da sein. Ich merke immer je schlechter es mir geht, desto anstrengender wird meine Tochter, desto mehr braucht sie meine Aufmerksamkeit. Die 2 Monate Pause, die mein Arzt zwischen den IVFs vorgeschlagen hat, waren mir viel zu kurz. Ich hab länger Zeit gebraucht. Nach der BS wegen dem Eileiterschwangerschaft musste ich auch 4 Monate Pause machen. Das hat mir gut getan. Endlich keinen GVnP mehr, das stresst mich auch total und ich hab mittlerweile gar keine Lust mehr.

Ich werde es auch nochmal mit Naturheilkunde versuchen, das hatte mir im Frühjahr sehr gut getan. Da hatte ich 10 Termine Fruchtbarkeitsmassage (auch hier war eine Therapeutin wieder sehr zuversichtlich mich in den nächsten 4 Monaten schwanger zu bekommen) Aber irgendwie hat mir das gut getan.

Ich wünsch dir eine schöne Pause und gute Besserung!


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   Mona0504
schrieb am 14.08.2017 21:17
Liebe Natalia,

bisher war ich stille Leserin auf der einen oder anderen Kinderwunschseite. Und bisher habe ich mich in Bezug aus sekundäre Sterilität nicht wiedergefunden. Nun bin ich gestern auf deine Nachricht gestoßen und wollte dir sehr gern etwas dazu schreiben. Danke, dass du deine Ängste, Wahrnehmungen und Hoffnung so offen beschrieben hast. Mir geht es ganz ähnlich. Wir haben einen dreijährigen Sohn, nach einer spontanen Schwangerschaft. Ich hatte es bis jetzt immer als selbstverständlich angesehen, dass man schwanger wird. Da wir nun seit etwa 1 1/2 mit Unterstützung in einem Kiwuzentrum versuchen schwanger zu werden, bin ich manchmal wirklich verblüfft, dass wir unseren Sohn "einfach so" geschenkt bekommen haben. Nach seiner Geburt wurde mir aufgrund einer Zyste der linke Eierstock entfernt. Die Ärzte sagten, das sei überhaupt kein Problem erneut schwanger zu werden. Nun, offensichtlich ist es das doch. Die Berg und Talfahrten während eines stimulierten Zyklus` (Bald steht wohl die erste ivf an )empfinde ich auch als total anstrengend. Aber vor allem dieser Zwiespalt zwischen: "Ich bin glücklich" da wir ja bereits ein Kind haben und "ich bin unglücklich", denn eigentlich wollten wir ja mehrere Kinder. Manchmal kommt es mir so vor, als würde die Außenwelt nicht verstehen, dass der zweite Kinderwunsch für sich alleine steht und ebenfalls ein starker Wunsch ist. Sätze wie: "Jedes weitere Kind ist doch on top" oder "Immerhin habt ihr ja schon eine Familie gegründet" empfinde ich an schlechten Tag wirklich als Zumutung. Als ich auf diesen Post gestoßen bin tat es gut zu lesen, dass ich nicht allein bin in dieser Situation. Also nochmal danke dafür. Vielleicht ist das ja hier eine Möglichkeit sich zwischendurch auszutauschen und sich gegenseitig etwas Mut zu machen.
Ich wünsche euch nun aber erstmal einen schönen Abend.
Viele Grüße, Mona


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   enidan78
schrieb am 14.08.2017 22:30
Liebe natalia2610,
ich denke mittlerweile tatsächlich, dass es egal ist wie viele Kinder man schon hat. Wenn dieser Wunsch da ist, ist er da. Dass ich mal so einer Sache "verfallen" bin, hätte ich nie gedacht. Ich mach mir und meinem Mann solch Vorwürfe. Ich war 31 und 33 bei meinen beiden Kindern. Dann war ich erstmal zufrieden. So bis ich 35 Jahre alt war. Mein Mann wollte kein 3. Kind. Dann hatte ich ihn endlich so weit. Aber scheinbar zu spät. Ich bin nun 39,5 Jahre alt. Seit über einem Jahr doktern wir nun rum. Ich ärgere mich so. Warum hab ich nicht schon mit Mitte 20 Kinder bekommen? Warum musste ich Studieren? Hätte ich das nicht getan, hätte ich schon eher Kinder kriegen können. Jetzt muss ich damit leben. Mein Bauchgefühl bei der 3. IUI ist ganz schlecht. Es wird nicht geklappt haben. Bei den anderen Malen bin ich nicht mal zum Tag des Schwangerschaftstests gekommen. Mein Zyklus war immer komplett durcheinander. Meine Tage kamen immer 1 Woche früher. Außerdem läuft das in der Praxis eh ganz komisch. Ich kenn keine Hormonwerte. Bei dieser IUI wurde nicht einmal Blut abgenommen. Uns kommt alles komisch vor. Musste mir vom Arzt auch schon sagen lassen:"Na immerhin haben sie schon 2 Kinder."

Liebe Kräuterfee,
wow 4 Kinder!!!!!! Da werd ich echt neidisch. Alle durch Kinderwunschbehandlung oder? Wie ist das ab 40? Über die Krankenkasse läuft da nix mehr oder? Ist man da komplettter Selbstzahler? Hab da wirklich Angst vor. Noch ein halbes Jahr und ich bin 40. Denk dann immer: da ist Schluss. Das wird doch teuer oder? Ich wünsch dir eine schöne 4. Schwangerschaft.

Liebe Ringfinger,
du hast von Verwachsungen und Zysten geschrieben. Die hab ich nach zwei Kaiserschnitten leider auch. Der Arzt sprach davon die Kaiserschnittnarbe nochmal zu öffnen, um die Verwachsungen zu entfernen. Das sei eine große Bauch-OP. Er macht mir da echt Angst vor. Wie lang darf man danach nicht schwanger werden? Ist es wirklich so schlimm? Wie lang ist man danach außer Gefecht gesetzt?
LG


  Re: Psyche (bei sekundärer Sterilität) sorry lang
   natalia2610
Status:
schrieb am 16.08.2017 13:11
Liebe Enidan,
ich kenne diese Vorwürfe. Ich habe wegen dem Hausbau unseren 2. Kinderwunsch um 1 Jahr verschoben. Mein Mann fand das damals schon total doof. Er fand Kinder viel wichtiger als alles materielle und möchte gerne so viele wie nur gehen. Ich dachte damals aber, da war ich 29/30 dass es dann halt ein Jahr später klappt. Tja Pustekuchen. Jetzt frag ich mich täglich, ob es wohl in diesem einen Jahr in dem ich jünger war und vielleicht einen besseren AMH Wert hatte, geklappt hätte und wir dann jetzt schon am 3. Kind wären? Aber diese Gedanken sind natürlich quatsch, denn ändern kann man gar nichts mehr. Ich lerne nur daraus dass man Kinder niemals verschieben sollte und nerve alle Freundinnen, die eigentlich wollen, bei denen aber irgendein Quatsch gerade nicht passt.
Ich frag mich manchmal ob meine Gebärmutter mir damit sagen will, dass sie kein KInd mehr kann (hab einen Notkaiserschnitt T-Schnitt und 1 Riss,die ineinanderlaufen). Mein Kiwu-Arzt sagt, das gibts nicht, der Heilpraktiker sagt klar das Organ ist traumatisiert.
Ich wünsche dir jedenfalls alles alles Gute für deine 3. Insemination und vielleicht checkst du mal die Meinung anderer zu deiner Praxis (bei Kleinputz gibts Foren zu jeder Kiwu-Praxis)?
LG
Natalia

Liebe Mona,
es ist wirklich schön, dass wir hier zusammen finden. Es gibt es auch viele Frauen, die diesen starken Kinderwunsch beim 2. nicht verspüren und die es nehmen, wie es kommt. Ich hatte schon immer einen sehr starken Kinderwunsch. Mir war immer klar, dass wenn ich keinen Partner finden würde (mir schwebte da so die 35 vor) ich trotzdem alleine Kinder bekommen möchte und immer schon mehrere. Ich habe nur eine Schwester und ich würde mich auch über mehr Geschwister freuen :-) Ich bleibe auch bei dieser Meinung jetzt wo ich weiß wie unfassbar anstrengend Kinder sind.
Ich habe gerade erst eine Nachricht von meiner Schwägerin bekommen, dass sie uns nicht versteht, dass wir IVFs machen. Sie war froh und glücklich ein gesundes Kind zu haben und wollte es dabei belassen (sie hat auch ca. 3 Jahre versucht). Letztes Jahr bei der Eileiterschwangerschaft hat sie zu mir gesagt: Siehste das kommt davon, dass du dich darauf so versteifst. Sie hat mir die Schuld gegeben für die Eileiterschwangerschaft!
Bei mir sagen die Ärzte auch, dass ich weiterhin natürlich ss werden kann, ich habe noch einen funktionstüchtigen Eileiter. leider verliere ich langsam die Hoffnung...
LG
Natalia




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