Hallo Herr Dr. Breitbach,
der Ausfall des Forums hat mich als Partner, der sich mit seiner Frau nichts mehr wünscht als ein gemeinsames Kind, zum Nachdenken gebracht.
Meine Frau nutzt dieses Forum als Wissensquelle, verfolgt jedoch auch die Diskussionen. Dieses Forum ist ein virtueller Ort des Verstehens und des Verstanden Werdens. Daher ist der Kontakt zu Gleichgesinnten auf diese Art sehr sinnvoll, denn diese Austauschmöglichkeiten hat man im „wirklichen“ Leben leider nicht.
Dennoch zeigen mir dieser und frühere Ausfälle auch die gewachsene Abhängigkeit. Die Flucht ins Netz … mehrere Stunden tagtäglich vor dem Rechner. Ich habe meine Frau selten so besorgt erlebt in der Zeit des Ausfalls.
Hinzu kommt das diese Foren Menschen verunsichern können. Die Behandlung des Kinderwunsches ist von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Dies wird hier in den Foren auch eindrucksvoll dargestellt. Ich erlebe jedoch, dass Diagnosen und die Behandlung des uns behandelnden Arztes immer weniger getraut wird und in Frage gestellt werden, da es bei den Nutzern des Forums anders läuft. Dies fängt bei Fragen zum Spritzen (Was ist richtig: Die Nadel im 45 Grad-Winkel oder im 90 Grad-Winkel bei einer subkutanen Injektion zu führen – mit Aspiration oder ohne?) an und hört bei kompliziertesten Nebenwirkungen auf, die möglicherweise von einzelnen Nutzerinnen auch auftraten und nun gedeutet werden. Ein übertriebenes Beispiel wäre, ob starke Bauchschmerzen nach dem Transfer ein Zeichen, dass man (nicht) schwanger ist. Viele Frauen, die nach dem Transfer „Bauchschmerzen“ haben, lassen sich hierdurch stark verunsichern. Die widersprüchlichen Antworten bei dieser Vielzahl medizinischer Fragen in diesem Bereich führt meines Erachtens zur starken Verunsicherung vieler Frauen, insbesondere da viele - bedingt durch ihren langen Leidensweg - sich befähigt fühlen auf diese Fragen zu antworten, leider immer wieder widersprüchlich und auch falsch. Selbst der manchmal von den Usern eingeholte ärztliche Rat bei Ihnen mag sicherlich immer richtig, vielleicht jedoch nicht im Sinne des Behandlers sein.
Ich bin mir sicher, dass dieser Beitrag von vielen sehr kritisch betrachtet wird und viele Nutzer das hier geschilderte Problem gar nicht haben, andere nicht wahrhaben wollen. Auch könnten Sie mir vorwerfen, ich solle dies doch mit meiner Frau besprechen, was ich tue! Wie ich zu Beginn geschildert habe, finde ich diese Art von Foren gut, sinnvoll – ja sogar notwendig. Ich denke nur, dass ein Anbieter solcher Dienstleistungen sehr viel Verantwortung trägt, die manchmal unterschätzt wird. Meines Erachtens müsste diese meist als Hilfe zum Leben betrachtete Institution verlässlicher funktionieren, die Foren viel engmaschiger und verlässlicher kontrolliert und moderiert werden. Zudem sollten die Nutzer ernsthaft mit einer Art Selbstverplfichtung zur Nutzung konfrontiert werden, in der die sensiblen und problematischen Aspekte angesprochen werden. Denn das Surfen in Foren artet nicht selten zur Sucht aus. Sicherlich haben Sie viele aufgeregte Nutzer kontaktiert, die tagtäglich das Forum nutzen und nun ein Problem haben. Bei einer Untersuchung unter knapp 500 regelmäßigen Internet-Nutzern haben über 32 Prozent Suchtsymptome gezeigt. Auf der Suche nach neuen Informationen, interessanten Themen und virtuellen "Gesprächspartnern" verbringt diese Gruppe laut ISM rund 21 Stunde pro Woche im Netz. Vielleicht sollte hierzu auch ein spezieller Forenzweig eingerichtet werden, wo Nutzer hierüber diskutieren (müssen?).
Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Kritik annehmen. Ich möchte noch einmal betonen, ich finde die Einrichtung gut und habe vollsten Respekt für diesen sinnvollen nebenberuflichen Einsatz!!!