Wie wichtig ist Vitamin D bei künstlicher Befruchtung?

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Vitamin D ist wichtig für die Knochen, das ist bekannt. Dass es aber gar kein Vitamin ist, weil der Körper es selbst herstellen kann, ist schon weniger bekannt. Sonneneinstrahlung hilft dabei, ausreichende Mengen zu synthetisieren. Jetzt wo die Tage wieder kürzer werden und die Sonne sich eher selten blicken lässt, ist eine Mangelversorgung mit Vitamin D eher die Regel. In den Wintermonaten sind die maßgeblich für die Produktion notwendige UVB-Strahlen zu schwach. Studien belegen, dass in Deutschland bis zu 60% der Erwachsenen unterversorgt sind.

Nicht nur die Knochen sind betroffen

Viele aktuelle Studien geben Anlass zur Annahme, dass die Unterversorgung mit Vitamin D neben bestimmten Krebserkrankungen auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöht.

Vitamin D: Auch in den Bergen reicht die Wintersonne nicht aus. Bild: Elmar Breitbach
Vitamin D: Auch in den Bergen reicht die Wintersonne nicht aus.
Bild: Elmar Breitbach

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im letzten Jahr Stellung bezogen: Sie hat die Aufnahmeempfehlungen für Vitamin D von 5 Mikrogramm auf 20 Mikrogramm erhöht, was 800 Internationalen Einheiten (IE) entspricht. Vor allem in den Wintermonaten wird auch Erwachsenen nun zum Ausgleich des Vitamindefizits geraten.

Auch die Fruchtbarkeit scheint betroffen zu sein

Immer mehr setzt sich nun auch die Auffassung durch, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D auch für die Fruchtbarkeit von Bedeutung ist. Eine größere retrospektive Studie aus dem Jahre 2012 [1] untersuchte den Zusammenhang zwischen den Vitamin-Blutspiegeln und der Zahl erfolgreicher IVF-Behandlungen. In dieser Untersuchung fand sich bei den ausreichend mit Vitamin D versorgten Frauen eine bis zu 4x höhere Schwangerschaftsrate. Es fand sich jedoch kein Zusammenhang der Embryoqualität oder der Eizellreifung mit den Vitaminspiegeln. Die Autoren dieser Studie nahmen daher an, die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut würde durch das Vitamin D positiv beeinflusst.

Die Gebärmutterschleimhaut profitiert

Wie könnte man diese Vermutung bestätigen? Am besten, indem man die Stimulation und Eizellreifung sowie die Einnistung getrennt ablaufen lässt. Am besten sogar komplett getrennt in zwei Frauen, wie es bei der Eizellspende üblicherweise der Fall ist. In einer aktuellen Studie zu diesem Thema [2] wurden 100 Empfängerinnen gespendeter Eizellen auf einen Vitamin-D-Mangel getestet. Die Unterschiede waren sehr deutlich: 31% der Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel brachten ein lebendes Kind zur Welt, während es fast doppelt so viele (59%) in der Gruppe der Frauen mit ausreichender Vitaminversorgung waren. Das bestätigt die Annahme, es liege an der Gebärmutterschleimhaut, denn nur deren Empfängnisfähigkeit konnte bei den Empfängerinnen der Eizellspende beeinflusst werden.


Also helfen auch andere Vitamine?

Nun, Vitamine sind gesund, das kann man so pauschal durchaus behaupten. Ob aber vor allem die Gabe von antioxidativen Vitaminen wirklich die Fruchtbarkeit verbessert, darf bezweifelt werden, wie auch hier bereits in einem ausführlichen Artikel beleuchtet wurde.

[1] Rudick B, Ingles S, Chung K, Stanczyk F, Paulson R, Bendikson K
Characterizing the influence of vitamin D levels on IVF outcomes.
Hum Reprod. 2012 Nov;27(11):3321-7

[2] Rudick BJ, Ingles SA, Chung K, Stanczyk FZ, Paulson RJ, Bendikson KA
Influence of vitamin D levels on in vitro fertilization outcomes in donor-recipient cycles.
Fertil Steril. 2013 Nov 5. pii: S0015-0282(13)03154-3. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.10.008.



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Kommentar

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9 Kommentare

  1. grueneGurke schreibt

    Vielen Dank, dass sie meiner Bitte nachgekommen sind. 🙂

  2. Sun schreibt

    Danke für den Artikel!
    Interessant wäre noch zu Wissen ab welchem Wert eine Versorgung als ausreichend gilt ( allgemein für Kiwu und speziell in den Studien)

  3. Elmar Breitbach schreibt

    <30 ng/ml wird meist als Unterversorgung definiert. Andere Studien nennen auch 50 ng/ml. Einheitliche Definitionen gibt es da nicht.

  4. raise schreibt

    Heißt das, es ist ratsam, vor einem Kryozyklus Vitamin D einzunehmen? Wieviel und wie lange davor und wie lange danach? Nur, wenn der Kryozyklus im Winter ist, oder auch im Frühling oder Sommer?

  5. Elmar Breitbach schreibt

    Zumindest wäre es ratsam, den Vitamin-D-Spiegel zu überprüfen. Davon abhängig wäre dann auch die Dauer der Einnahme.

  6. Andrea schreibt

    Vor der aktuellen IVF hatte ich einen massiven Vitamin-D Mangel (Wert:11). Seit 4 Wochen nehme ich nun durchgehend Vitamin D ein. Spricht etwas dagegen, damit nach dem Transfer fortzufahren?

  7. Blind date by stiepi – Plan B(auch)

    […] Ein kleiner Tipp noch am Rande. Da wir beide ja seit diesem Winter Vitamin D3 nehmen, habe ich mal geschaut ob das einen Einfluß auf Schwangerschaft oder ICSI haben kann. Und siehe da, es wurde nachgewiesen, dass zu niedrige Spiegel die Chancen für eine Befruchtung mindern können. Wenn man sich mit dem Thema D3 ein wenig beschäftigt, liest man wiederholt, dass der Durchschnittseuropäer einen viel zu niedrigen Spiegel hat.