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Wie wichtig ist Vitamin D bei IVF?

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Schon seit längerem ist ein möglicher Einfluss einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D auf den Ausgang einer In Vitro Fertilisation bekannt. Eine Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse von elf Studien zusammen und bestätigt, dass Vitamin D bei IVF hilfreich sein kann.

Vitamin D ist wichtig für die Knochen, das ist bekannt. Dass es aber gar kein Vitamin ist, weil der Körper es selbst herstellen kann, ist schon weniger bekannt. Sonneneinstrahlung hilft dabei, ausreichende Mengen zu synthetisieren. Jetzt wo die Tage wieder kürzer werden und die Sonne sich eher selten blicken lässt, ist eine Mangelversorgung mit Vitamin D eher die Regel. In den Wintermonaten sind die maßgeblich für die Produktion notwendige UVB-Strahlen zu schwach. Studien belegen, dass in Deutschland bis zu 60% der Erwachsenen unterversorgt sind.

Nicht nur die Knochen sind betroffen

Viele aktuelle Studien geben Anlass zur Annahme, dass die Unterversorgung mit Vitamin D neben bestimmten Krebserkrankungen auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöht.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im letzten Jahr Stellung bezogen: Sie hat die Aufnahmeempfehlungen für Vitamin D von 5 Mikrogramm auf 20 Mikrogramm erhöht, was 800 Internationalen Einheiten (IE) entspricht. Vor allem in den Wintermonaten wird auch Erwachsenen nun zum Ausgleich des Vitamindefizits geraten.

Auch die Fruchtbarkeit scheint betroffen zu sein

Immer mehr setzt sich nun auch die Auffassung durch, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D auch für die Fruchtbarkeit von Bedeutung ist. Eine größere retrospektive Studie aus dem Jahre 2012 1)Rudick B, Ingles S, Chung K, Stanczyk F, Paulson R, Bendikson K
Characterizing the influence of vitamin D levels on IVF outcomes.
Hum Reprod. 2012 Nov;27(11):3321-7
untersuchte den Zusammenhang zwischen den Vitamin-Blutspiegeln und der Zahl erfolgreicher IVF-Behandlungen. In dieser Untersuchung fand sich bei den ausreichend mit Vitamin D versorgten Frauen eine bis zu 4x höhere Schwangerschaftsrate. Es fand sich jedoch kein Zusammenhang der Embryoqualität oder der Eizellreifung mit den Vitaminspiegeln. Die Autoren dieser Studie nahmen daher an, die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut würde durch das Vitamin D positiv beeinflusst.

Vitamin D: Auch in den Bergen reicht die Wintersonne nicht aus. Bild: Elmar Breitbach
Vitamin D: Auch in den Bergen reicht die Wintersonne nicht aus.
Bild: Elmar Breitbach

Die Gebärmutterschleimhaut profitiert

Wie könnte man diese Vermutung bestätigen? Am besten, indem man die Stimulation und Eizellreifung sowie die Einnistung getrennt ablaufen lässt. Am besten sogar komplett getrennt in zwei Frauen, wie es bei der Eizellspende üblicherweise der Fall ist. In einer aktuellen Studie zu diesem Thema2)Rudick BJ, Ingles SA, Chung K, Stanczyk FZ, Paulson RJ, Bendikson KA
Influence of vitamin D levels on in vitro fertilization outcomes in donor-recipient cycles.
Fertil Steril. 2013 Nov 5. pii: S0015-0282(13)03154-3. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.10.008.
wurden 100 Empfängerinnen gespendeter Eizellen auf einen Vitamin-D-Mangel getestet. Die Unterschiede waren sehr deutlich: 31% der Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel brachten ein lebendes Kind zur Welt, während es fast doppelt so viele (59%) in der Gruppe der Frauen mit ausreichender Vitaminversorgung waren. Das bestätigt die Annahme, es liege an der Gebärmutterschleimhaut, denn nur deren Empfängnisfähigkeit konnte bei den Empfängerinnen der Eizellspende beeinflusst werden.

Übersichtsarbeit zu Vitamin D bei IVF

Wissenschaftler der University of Birmingham und vom „Birmingham Women’s and Children’s National Health Service (NHS) Foundation Trust“, untersuchten die Ergebnisse von bislang 11 zum Thema Vitamin D bei künstlicher Befruchtung veröffentlichten Studien. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift „Human Reproduction“ veröffentlicht3)Chu J, Gallos I, Tobias A, Tan B, Eapen A, Coomarasamy A
Vitamin D and assisted reproductive treatment outcome: a systematic review and meta-analysis.
Hum Reprod. 2017 Nov 15:1-16. doi: 10.1093/humrep/dex326
. Insgesamt flossen in diese Studien die Daten von 2.700 Frauen ein, die sich einer IVF oder ICSI unterzogen haben.

Bei allen Frauen wurden die Vitamin D-Spiegel im Blut gemessen und Werte > 75 nmol/l als ausreichend bewertet (ziemlich hoch, aber über die Normwerte herrscht beim Vitamin D noch keine Einigkeit), zwischen 50 und 75 als unzureichend und < 50 nmol/l als unterversorgt.

Die Chancen auf eine Lebendgeburt war bei einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D um ein Drittel höher als bei den unterversorgten Frauen.

Das lag jedoch nicht am besseren Verlauf der Schwangerschaft, Fehlgeburten traten nicht seltener auf. Die Zahl der positiven Schwangerschaftstests war 34 % höher bei ausreichend mit Vitamin D versorgten Frauen und klinischen Schwangerschaften zeigten für diesen Fall eine Erhöhung um 46% im Vergleich zu Frauen mit einer Unterversorgung.

Was uns wirklich wunderte, war die hohe Zahl von Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel. Nur 26% der Frauen in den Studien hatte eine nachweislich ausreichende Versorgung mit Vitamin D, bei 35% war sie unzureichend und 45% wiesen einen Mangel auf.

Dr. Ioannis Gallos Co-Autor der Studie

Trotz dieser recht eindeutigen Zwischenergebnisse hat diese Übersichtsarbeit den Mangel, dass nur retrospektive Daten in den Studien erhoben wurden. Darauf weist auch der Autor der Studie hin:

Auch wenn ein Zusammenhang identifiziert werden konnte, muss der positive Effekt einer Vitamin-D-Gabe jedoch erst einmal in klinischen Studien untersucht werden. Zwischenzeitlich sollten die Frauen nicht einfach in die Apotheke laufen, um sich mit Vitamin-Präparaten einzudecken, bevor wir nicht mehr über seine Wirkung wissen.

Dr. Justin Chu Autor der Studie

 

Denn auch die Nebenwirkungen einer Überdosierung wurden bislang nur unzureichend untersucht. Die Studie unterstreicht zunächst einmal die bislang bereits bekannten Fakten. Vitamin D spielt eine bedeutende Rolle in der Schwangerschaft und auf dem Weg dorthin. Seine Rolle ist jedoch nicht eindeutig geklärt und ebenso sind die optimalen Blutspiegel noch unklar.

Also helfen auch andere Vitamine?

Nun, Vitamine sind gesund, das kann man so pauschal durchaus behaupten. Ob aber vor allem die Gabe von antioxidativen Vitaminen wirklich die Fruchtbarkeit verbessert, darf bezweifelt werden, wie auch hier bereits in einem ausführlichen Artikel beleuchtet wurde.


Literatur   [ + ]

1. Rudick B, Ingles S, Chung K, Stanczyk F, Paulson R, Bendikson K
Characterizing the influence of vitamin D levels on IVF outcomes.
Hum Reprod. 2012 Nov;27(11):3321-7
2. Rudick BJ, Ingles SA, Chung K, Stanczyk FZ, Paulson RJ, Bendikson KA
Influence of vitamin D levels on in vitro fertilization outcomes in donor-recipient cycles.
Fertil Steril. 2013 Nov 5. pii: S0015-0282(13)03154-3. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.10.008.
3. Chu J, Gallos I, Tobias A, Tan B, Eapen A, Coomarasamy A
Vitamin D and assisted reproductive treatment outcome: a systematic review and meta-analysis.
Hum Reprod. 2017 Nov 15:1-16. doi: 10.1093/humrep/dex326
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Kommentar

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17 Kommentare
  1. grueneGurke schreibt

    Vielen Dank, dass sie meiner Bitte nachgekommen sind. 🙂

  2. Sun schreibt

    Danke für den Artikel!
    Interessant wäre noch zu Wissen ab welchem Wert eine Versorgung als ausreichend gilt ( allgemein für Kiwu und speziell in den Studien)

  3. Elmar Breitbach schreibt

    <30 ng/ml wird meist als Unterversorgung definiert. Andere Studien nennen auch 50 ng/ml. Einheitliche Definitionen gibt es da nicht.

  4. Shirin Ghezelayagh schreibt

    ich bin ja überzeugt davon

  5. raise schreibt

    Heißt das, es ist ratsam, vor einem Kryozyklus Vitamin D einzunehmen? Wieviel und wie lange davor und wie lange danach? Nur, wenn der Kryozyklus im Winter ist, oder auch im Frühling oder Sommer?

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Zumindest wäre es ratsam, den Vitamin-D-Spiegel zu überprüfen. Davon abhängig wäre dann auch die Dauer der Einnahme.

  7. Andrea schreibt

    Vor der aktuellen IVF hatte ich einen massiven Vitamin-D Mangel (Wert:11). Seit 4 Wochen nehme ich nun durchgehend Vitamin D ein. Spricht etwas dagegen, damit nach dem Transfer fortzufahren?

  8. […] 2012 fanden sich bis zu 4x höhere Schwangerschaftsraten im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung. Wir berichteten auch hier darüber und auch über die möglichen Ansatzpunkte des Vitamins bei der Einnistung. So scheint die die […]

  9. […] Ein kleiner Tipp noch am Rande. Da wir beide ja seit diesem Winter Vitamin D3 nehmen, habe ich mal geschaut ob das einen Einfluß auf Schwangerschaft oder ICSI haben kann. Und siehe da, es wurde nachgewiesen, dass zu niedrige Spiegel die Chancen für eine Befruchtung mindern können. Wenn man sich mit dem Thema D3 ein wenig beschäftigt, liest man wiederholt, dass der Durchschnittseuropäer einen viel zu niedrigen Spiegel hat.

  10. […] unklar, ob dies Vitamin die Eizellqualität verbessern kann, oder ob die Wirkung eher mit einer verbesserten Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut zurückzuführen ist. In jedem Fall ist eine ausreichend hohe Versorgung mit Vitamin D von […]

  11. Libby1234 schreibt

    Super, vielen Dank für den interessanten Artikel. Die Zahlen sind in dem Fall ja wirklich frappierend. Ich werde vor dem Geschwisterwunsch Vitamin D nehmen, trotz der Zurückhaltung des Autors. Und entsprechende Aktien kaufen 😉

  12. MissMolli schreibt

    Ich vermisse noch den Hinweis, dass auf die richtige Dosierung bei Vitamin D zu achten ist. Also auch hier gilt: Viel hilft nicht viel! Denn eine Überdosierung sollte vermieden werden.
    Die genannten 20 Mikrogramm pro Tag entsprechen 800 I.E.
    Zudem gibt es natürlich auch ein paar Lebensmittel, die Vitamine Die enthalten, zB fetter Fisch, Eier, Pilze..
    Ich selbst hatte auch einen Mangel, der beim KiWu-Doc festgestellt wurde. Habe dann einfach ein Kombi-Präparat mit Folsäure gekauft. Kann ich aus praktischen Gründen empfehlen.

  13. Elmar Breitbach schreibt

    @ Miss Molli:
    Steht eigentlich schon oben 😉

    Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im letzten Jahr Stellung bezogen: Sie hat die Aufnahmeempfehlungen für Vitamin D von 5 Mikrogramm auf 20 Mikrogramm erhöht, was 800 Internationalen Einheiten (IE) entspricht.

  14. MissMolli schreibt

    Sorry – Schwangerschaftsdemenz! 🙂

  15. Elmar Breitbach schreibt

    Freut mich 😉

  16. Nine2202 schreibt

    Mein massiver Mangel wurde im Schnellverfahren mit 50.000 iE am Tag aufgefüllt und als chron. Kranke erhalte ich mit 20.000 iE am Tag. Man stellte zum ersten Mal fest, dass meine GMS endlich gewachsen ist, was vorher nie der Fall war.

    Man muss halt nur auf K2 achten und darf nicht zu viel Calzium dazu nehmen und es absprechen therapeutisch.

  17. Michaela schreibt

    Hallo!
    Ich hatte gestern meinen IVF Transfer.
    Weil ich so viel über Vitamin D gelesen habe, diese Woche beim Hausarzt testen lassen.

    In dem Testergebniss steht mein Wert mit 21,6ng/ml wie kann ich nun mit welchem Präoerat dafür sorgen, einen besseren Vitamin D Haushalt zu bekommen?

    Mein Hausarzt meint, im Winter ist der Wert halt niedriger.

    Vielen Dank für eine Antwort!