Wie wichtig ist die Gebärmutterspiegelung?


Um Fehlbildungen der Gebärmutter auszuschließen wird vor IVF-Behandlungen oft eine Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) durchgeführt.

Wie notwendig ist eine solche Untersuchung und wie oft findet man Besonderheiten in der Gebärmutter?

Diese Frage wurde in einer aktuellen Studie aus Italien untersucht. Dabei wurden die Ergebnisse von 866 hysteroskopischen Untersuchungen ausgewertet. 555 Patienten wurden vor ihrer ersten IVF untersucht und 311 nach 2 oder mehr fehlgeschlagenen künstlichen Befruchtungen.

Häufigkeit von Fehlbildungen der Gebärmutter

Es wurden in insgesamt 352 Fällen (40,6%) unterschiedliche Aufffälligkeiten der Gebärmutter gefunden. Am häufigsten waren dies Septen der Gebärmutter. Dieser sehr hohe Anteil ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass hier eine Vorauswahl bestand, in welcher die Zahl der Veränderungen naturgemäß höher ist. Z. B. wurden in einer anderen Studie mit ausschließlich männlicher Ursache für die Kinderlosigkeit vor der ersten ICSI nur in wenig mehr als 15% von der Norm abweichende Befunde erhoben.

Einfluss auf die Erfolgsrate

Betrachtet man nun den Verlauf der Behandlungen, dann zeigte sich kein statistisch signifikanter Einfluss des Ergebnisses der Gebärmutterspiegelung auf den Ausgang der Therapie. Auch fanden sich nicht mehr auffällige Befunde bei den Frauen, die bereits mehrfach ohne Erfolg vorbehandelt wurden.

Die Autoren empfehlen zwar die Durchführung der Gebärmutterspiegelung vor einer künstlichen Befruchtung, weisen aber aufgrund ihrer Ergebnisse darauf hin, dass sich dadurch die Schwangerschaftsraten nicht generell verbessern lassen, sondern nur im Einzelfall. Wie hoch der Anteil der Frauen ist, die aufgrund einer uterinen Einnistungsstörung wirklich Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, lässt sich den Daten der Studie nicht entnehmen.


Auch stellt sich die Frage, wie die Befunde beurteilt wurden. Persönlich kann ich mich an viele Diskussionen mit Kollegen erinnern, wo es darum ging, ob ein Befund ein Septum der Gebärmutter ist oder lediglich eine Normvariante mit einer etwas nach unten gezogenen oberen Gebärmutterwand. Eine eindeutige Trennung ist hier nicht immer sicher möglich. Vor allem aber im Hinblick auf später eintretende Fehlgeburten ist es sicherlich sinnvoll, Fehlbildungen der Gebärmutter auszuschließen.

Lorusso F, Ceci O, Bettocchi S, Lamanna G, Costantino A, Serrati G, Depalo R
Office hysteroscopy in an in vitro fertilization program.
Gynecol Endocrinol. 2008;24(8):465-469.


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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hmmm..eine kombination aus HS und BS finde ich ohnehin sinnvoller…immer noch die einzige möglichkeit endo manifest zu diagnostizieren.

  2. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    BS ist eigentlich eine Routineuntersuchung geworden und nun fragt man sich ob sie sinvoll ist?
    So wie ich Forum früher las, ging es bei diese BS mehr um die Diagnose einer Endometriose.
    Da widerspricht sich die Studie eigentlich.
    Ich möchte jetzt mal fragen, vielleicht auch für andere die Betroffen sind:
    1. Wie hoch ist der Zahl der Endometriose Fälle? Und beeinflusst sie nicht die Einistung?
    2. Kann man Fehlbildungen von GBM nicht durch US oder CT sehen?

    Und nicht zu vergessen: BS ist immer noch eine Op., eine invasive Untersuchung.

    Und noch ein interessantes Thema das mit diesem eng verbunden ist, wäre die Untersuchung der Eileiter.
    Viele nützen BS auch dafür.
    Die Diskussion im Forum war oft, ob man vor IUI BS oder Eileiteruntersuchung machen sollte und ob das eine IVF/ICSI ersparen würde.

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @reaba: Nun ist aber die Bauchspiegelung nicht immer indiziert. Z. B. macht es wenig Sinn, wenn schlechte Spermien der Grund sind für die Behandlung.

  4. Elmar Breitbach
    steffi schreibt

    Bei mir wurde ein Hysteosaliogram (?) gemacht und es wurden auch prompt Polypen gefunden, die auf normalem Ultraschall natuerlich unsichtbar waren… mit diesen Polypen haette ich lange probieren koennen. Ich wurde im Folgezyklus dann natuerlich schwanger… ich finde, dass vor einem so nervenaufreibenden Unternehmen wie IVF zumindest dieser Test gemacht werden muss!

    Ich glaube die italienischen Studie spricht von einer Hysteroskopie, was minimal invasiver und natuerlich teurer ist. Das kommt dann naterulich erst nach auffaelliger HSG infrage.

  5. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    @dr. breitbach:
    neeeein, so war das auch nicht gemeint 😉
    meinte frauen die bei sich nach einnistungsstörungen suchen, wo die partnerseite schon abgeklärt ist. wenn da endo nicht auszuschließen ist (oder ausgeschlossen worden ist) und eh eine HS anliegt, dann kann man meiner meinung nach auch gleich einen "look-around" per BS machen….geht doch zeitgleich HS und BS….bei einer narkose.
    ich sehe eine BS zur abklärung solcher dinge (man sieht ja auch sonstige annormalien, die fertil hinderlich sind) für sinnvoll; passivrauchen ist wahrscheinlich gesundheitsschädlicher :-).

  6. Elmar Breitbach
    Kathrinchen schreibt

    @ ich
    Zitat: "BS ist eigentlich eine Routineuntersuchung geworden und nun fragt man sich ob sie sinvoll ist?"
    Nein, das fragt man sich nicht, denn es geht in der erwähnten Studie um die Gebärmutterspiegelung nicht um die Bauchspiegelung. Gebärmutterspiegelung wird "von unten" gemacht. Damit kann nur das Innere der Gebärmutter betrachtet werden. Endometrieose ist aber im Bauchraum, das kann man damit nicht diagnostizieren.

  7. Elmar Breitbach
    CM Dartenne schreibt

    Mich würde interessieren, wieviele partielle) Asherman-Syndrom Fälle man unter diesen Patientinnen gefunden hat.
    Wir kennen ausreichend Patientinnen, die IVF, ICSI etc. erfolglos hinter sich haben, ggfs. viel Geld dafür gezahlt haben, nur um dann festzustellen, dass ihre Gebärmutter verwachsen war.
    Aus dieser Sicht ist eine diagnostische HSK vor jeder IVF natürlich wichtig …
    MfG CM Dartenne