USA: Kinderwunsch-Spezialist verwendet seine eigenen Spermien

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Jede Ärztin und jeder Arzt – gleich welcher Spezialisierung und Fachrichtung – möchte seinen Patienten helfen. Der dadurch entstehende Druck kann groß sein, für manchen offenbar zu groß. Vielleicht gab es auch andere Motive, die den Kinderwunsch-Arzt Donald Cline dazu bewogen, für Kinderwunschbehandlungen seine eigenen Spermien zu verwenden statt die eines zuvor vom Paar ausgewählten Spenders, berichtet die Los Angeles Times.

Der inzwischen pensionierte 77-jährige Arzt aus Indianapolis führte diese Behandlungen vor einigen Jahrzehnten durch, mindestens acht Kinder sind dadurch entstanden, das jüngste ist bereits dreißig Jahre alt. Dr. Cline gibt an, seit den 70er Jahren ca. 50 Mal Inseminationen mit seinen Spermien durchgeführt zu haben. Immer, wenn er keine Spermien eines Spenders zur Verfügung hatte, verwendete er seine eigenen.
Pipette Spermien

Die Möglichkeit, mit DNA-Proben nach seinen Vorfahren zu suchen, ist in den USA eine große Hype, wie es die Ahnenforschung dort schon immer war. Meist mit dem Ziel, den Nachweis zu erbringen, von einem der ersten Siedler abzustammen, die mit der „Mayflower“ nach Amerika kamen, oder – inzwischen fast beliebter – Verwandte in der „First Nation“ zu finden. Über kommerzielle Anbieter von DNA-Tests lassen sich auch Datenbankabfragen und Vergleiche durchführen.

Zwei Hobby-Ahnenforscher stellten auf diese Weise fest, das sie mit mehr als 70 Verwandten von Dr. Cline wesentliche Abstammungsmerkmale gemeinsam haben. IUnzwischen steht der Arzt wegen dieser als betrügerisch gewerteten Vorgehensweise vor Gericht.

Foto von CIAT International Center for Tropical Agriculture



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Kommentar

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6 Kommentare

  1. Danielle schreibt

    Puh. Vermutlich wird das auch bald wieder nötig sein, wenn nicht endlich Rechtssicherheit geschaffen wird (und Spender damit geschützt sind).

    Die Zahlen der aktiven Spender sinken fröhlich weiter.

  2. An schreibt

    Es wäre alles ohne die Genanalyseunternehmen wohl auch sein Geheimnis geblieben. Auch in DE, wo bei weitem nicht so viele Menschen Geld für teure US-Analysen ausgeben, wäre das wohl noch unbekannt.

    Am Ende fühlt man sich in seinem Vertrauen betrogen.Ich sehe das aber recht pragmatisch. Man wählt heutzutage Sperma über Katalog und hofft, dass es passt. Wenn es dann der Arzt ist, dann hat man viel besseren Zugang zu den Daten 🙂 Man muss halt ein bissl aufpassen, dass der gewünschte Ehepartner einem nicht zu ähnlich aussieht 🙂

  3. Rebella schreibt

    Der Artikel oben ist nicht vollständig. Ich will auch mal lesen. …

  4. Rebella schreibt

    Liebe Danielle, woher nimmst du deine Annahme, dass die Zahl der aktiven Spender sinken würde?

    Ich habe 2015 nach dem Urteil bei den wichtigsten deutschen Samenbanken nachgefragt und bis auf eine konnte keine Über einen Rückgang der Spendebereitschaft klagen. Im Gegenteil bekam ich Antworten wie „die Spendenbereitschaft ist ungebremst“ oder sogar, dass es eher noch mehr Spender gäbe.

    Ich glaube, auch eine klare Rechtslage wird noch mehr zur Spendenbereitschaftserhöhung beitragen.

  5. Silke schreibt

    Zum Verhalten des Arztes fällt mir nur der Begriff Vertrauensbruch ein.
    Und An: Eine pragmatische Sichtweise finde ich hier sehr schwierig. Immerhin geht es um die Zeugung eines Menschen, der irgendwann sicherlich wissen will unter welchen Umständen und mit der Beteiligung welcher Personen sein Leben entstanden ist.

    Ich glaube nicht, dass dieser Arzt seine Spermien aufgrund von fehlendem Spendersamen verwendet hat.

    Ich vermute hier Motive, die im psychosozialen Bereich liegen. Und dies macht diese Vorgehen um so schwieriger.

    In den psychosozialen Berufen gibt es die Möglichkeit an Supervisionen teilzunehmen. Gibt es sowas auch für Ärzte? Und wie sieht es mit dem ganzen anderen Personal aus? Ich habe es nicht nur einmal erlebt, dass eine Schwester, die eigentlich Blut abnehmen sollte, mit den vielen Tränen einer Patientin klar kommen musste.

    … es stecken viele wirklich spannende Themen in diesem Beitrag zum Verhalten eines Arztes in den USA.

  6. Rebella schreibt

    Danke, dass der Beitrag nun zu lesen ist.

    Es geht hier um einen Fall, der länger her ist. 70-er Jahre und vielleicht noch 80-er. Zu der Zeit war das mit der Samenspende noch viel anders als heute. Sowas wie Gentests und donor-sibling-registery, bei denen die Menschen auch eine reele Chance haben, genetisch Verwandte zu finden, gab es zu der Zeit noch lange nicht und war wohl auch schwer zu erträumen.

    Ich denke bei der Meldung an den Film von Barry Stevens „Donor offspring“. Darin wurde ja auch ein amerikanischer Arzt (Wiesner) als Spermienspender identifiziert. Wobei der schon tot war – also keine Prozessmöglichkeit mehr.