Umfrage: Einfrieren von unbefruchteten Eizellen sinnvoll?

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Die Möglichkeit, befruchtete Eizellen einzufrieren, besteht schon lange und wird im Rahmen der künstlichen Befruchtung erfolgreich durchgeführt. Diese sogenannte Kryokonservierung wird jedoch nur mit befruchteten Eizellen durchgeführt.

Unbefruchtete Eizellen einzufrieren, wird erst seit wenigen Jahren erprobt, wie auch hier bereits berichtet wurde. Inzwischen ist die Methode so etabliert, dass auch solche Eizellen nach dem Auftauen vital sind und mit Spermien befruchtet werden können. Daher wird es auch zunehmend eingesetzt, um die Fruchtbarkeit der Frau zu verlängern. Bei diesem als „Social Freezing“ bezeichneten Verfahren werden unbefruchtete Eizellen nach hormoneller Stimulation wie bei der IVF gewonnen und für später eingefroren. Wenn man so will, ist es eine Eizellenspende des jüngeren Ichs an das ältere.

Frauen, denen der Partner für eine konkrete Familienplanung fehlt oder die andere Gründe haben, um den Kinderwunsch auf später zu verschieben, erhalten durch dieses Verfahren die Möglichkeit, das fruchtbare Zeitfenster deutlich zu verlängern.

Ausführliche Informationen zum Social Freezing finden Sie auch z. B. hier.

Neun von zehn Frauen finden „Social Freezing“ sinnvoll

Eine Umfrage, die auf der Jahrestagung der ESHRE präsentiert wurde zeigte eine sehr große Zustimmung der fast tausend Befragten (99%)zum Einfrieren von Eizellen aus medizinischen Gründen (z. B. vor einer notwendigen Chemotherapie bei einer Krebserkrankung). Was nicht weiter verwunderlich ist. Aber auch 90% sahen im Einfrieren von Eizellen aus nichtmedizinischen Gründen zur Verbesserung der Familienplanung und Verlängerung der weiblichen Fruchtbarkeit („Social Freezing“) eine sinnvolle Behandlungsoption für betroffene Frauen. Und was mich fast noch mehr erstaunte: 83% der Befragten hatten von dieser Möglichkeit bereits gehört, was aber auch an der Selektion der Umfrageteilnehmer liegen haben kann.


20% der Frauen sehen es als Option für sich selbst

Für sich selbst ziehen ca. 20% der Befragten diese Methode für sich in Erwägung, was sich auch in dem zunehmenden Interesse an dieser Methode erkennen lässt. Interessant war die Fokussierung auf die Erfolgsraten bei den Befragten, während Kosten oder Risiken für Mutter und Kind aus Sicht der Frauen eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Was halten Sie davon?

Mal abgesehen von der Möglichkeit, sich hier auch in den Kommentaren zu äußern. Teilen Sie uns doch bitte in der Umfrage unten mit, was Sie von dieser Methode halten. Ganz unten finden Sie noch einen Powerpoint-Vortrag, in dem ich die wichtigsten Fakten zum „Social Freezing“ zusammengefasst habe.

Hier unsere Umfrage: Bis zu drei Antworten sind möglich.

Ist "Social Freezing" eine sinnvolle Maßnahme?

  • Ja. und wenn ich in der Situation wäre, ich würde es auch tun. (62%, 125 Stimmen)
  • Ja. Männer können Spermien einfrieren. Frauen nun auch endlich Eizellen. (42%, 84 Stimmen)
  • Nein, ich finde diese Form der Lifestylemedizin ungefähr so sinnvoll wie Botox. (17%, 34 Stimmen)
  • Ja, und ich plane es oder habe es bereits getan (5%, 10 Stimmen)
  • Nein, aus ethischen Gründen (3%, 7 Stimmen)

Teilnehmer gesamt: 201

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Social Freezing ist als Bezeichnung dafür doch eigentlich Blödsinn, oder?

Absolut! Soziales Frieren trifft es nicht wirklich und auch im Englischen bezweifelt man inzwischen, damit eine gute Beschreibung gefunden zu haben: Vorgeschlagen wurden nun „oocyte banking for anticipated gamete exhaustion“, a term which depicts the exact indication for the strategy (see Stoop D, van der Veen F, Deneyer M, et al. Oocyte banking for anticipated gamete exhaustion (AGE) is a preventive intervention, neither social nor nonmedical. Reprod Biomed Online 2014; 28: 548-51. Nun ja, daran müssen wir offenbar noch arbeiten.

C. Lallemant, D. Vassard, A. Nyboe Andersen, L. Schmidt, N. Macklon
Oocyte freezing for social indications: an internet based survey of knowledge, attitudes and intentions among women in Denmark and the United Kingdom
Abstract O-192, Tuesday 1 July 17.00 CET ESHRE Annual Meeting 2014 Munich

Foto von epSos.de



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Kommentar

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13 Kommentare

  1. Danielle schreibt

    Ein schönes Beispiel dafür, wie das Umfeld die (bisherigen) Antworten beeinflusst. In der Bild-Zeitung gestellt, würde das Ergebnis wohl diametral entgegengesetzt aussehen.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Stimmt. Das ist vermutlich auch bei der Original-Umfrage ein nicht zu unterschätzendes Problem.

  3. An schreibt

    Es gibt, wie sie es so schön darlegen, nicht nur Social Freezing, was ich angesichts meiner langen Kinderwunschgeschichte durchaus meiner Tochter als Option abieten würde, sondern auch EZ Vitrifizierung aus anderen Gründen.

    Ich bin noch jung, aber wegen einer Endometriose-OP bleibt mir nur eine sehr begrenzte Anzahl von EZ, zu wenig für sinnvolle ICSIs. Mein Mann hat seinerseits nur noch drei Spermien-Probe zur Verfügung.

    Wir frieren jetzt unbefruchtete EZ ein, um eine sinnvolle Anzahl für eine ICSI mit TESE-Sperma zu haben. Das ist gut möglich und für uns eine schöne Lösung.

    Was das Social Freezing betrifft: man kann schlecht darüber urteilen, wenn man nicht in einer Kinderwunschbehandlung war und erlebt hat, dass eine SS nicht einfach so passiert. Dann bereut man, dass man schon 30 ist (was an sich nicht alt ist) und nicht schon früher mit der Behandlung angefangen hat. Aber wie viele Akademikerinnen treffen den Mann fürs Leben vor 30?

    Die nächste Generation steht womöglich vor der Wahl, Kinder mit 25 zu kriegen (was für Akademikerinnen schwer wird) oder evtl. das Kinderkriegen abzuschreiben bzw. langwierige Behandlungen auf sich zu nehmen.

    Wir sind so auf Vorsorge aus. Wieso nicht auch hier? Es würde viele Probleme ersparen.

    Andererseits ist das frühe Einfrieren keine Garantie, dass eine SS auch klappt und das muss gesagt werden. Spätestens wenn man mehrere (normale IVF) Behandlungen hinter sich hat und noch nicht ss wurde weiß man das.

    Danke für die Umfrage!

  4. Maiglöckchen11 schreibt

    Für mich persönlich ist die Prozedur zur Eizellengewinnung kein Spaziergang. Bei mir hätte 1 Stimu auch nicht gereicht, um eine sinnvolle Anzahl an EZ zu gewinnen, vermutlich auch mit 30 nicht. Daher: ob die Befragten sich wirklich der gesundheitlichen Strapazen bewusst sind bezweifle ich.

    Dennoch: spät, aber mit 35 Jahren würde ich eine Frau heute vielleicht ermutigen, vorsichtshalber EZ einfrieren zu lassen, wenn ein großer KiWu besteht und Gesundheit + Finanzen es erlauben. Und schon früher mal die Fertilität anhand von Hormonwerten checken lassen.

    Ich halte es aber auch für problematisch, dass sich in der Gesellschaft das Bild etablieren könnte, die moderne Frau von heute könne doch Kinder kriegen, wenn es der Umwelt, z.B. dem Arbeitgeber/Mann gerade am Besten passt. Gerade diejenigen Männer, die heute schon immer erst „später mal“ Kinder haben wollen, könnten die Frau dazu drängen, doch die EZ einfach einfrieren zu lassen, vom AG ganz zu schweigen.

    Spannendes Thema, tolle Option für Frauen, aber mich stört bei den ganzen Zeitungsartikeln darüber, dass es als so easy dargestellt wird, eben mal seine EZ einfrieren zu lassen und damit dann nachher sicher ss zu werden!

  5. Elmar Breitbach schreibt

    Ich halte es aber auch für problematisch, dass sich in der Gesellschaft das Bild etablieren könnte, die moderne Frau von heute könne doch Kinder kriegen, wenn es der Umwelt, z.B. dem Arbeitgeber/Mann gerade am Besten passt. Gerade diejenigen Männer, die heute schon immer erst “später mal” Kinder haben wollen, könnten die Frau dazu drängen, doch die EZ einfach einfrieren zu lassen, vom AG ganz zu schweigen.

    Sicherlich hat das auch Nachteile. Aber ich halte aktuell die Wahrnehmung der Fruchtbarkeit in der Öffentlichkeit für das größere Problem. Diese wird überschätzt oder vielmehr der Einfluss des Alters auf die Fruchtbarkeit unterschätzt. Auch wird man die Fertilität nicht anhand von Hormonwerten testen können. Daran kann man nur die Zahl der Eizellen, die man möglicherweise gewinnen kann, ablesen. Die Qualität der Eizellen hängt jedoch fast nur vom Alter ab.

  6. Maiglöckchen11 schreibt

    Mit der Wahrnehmung der Fruchtbarkeit haben Sie sicherlich recht. Gefühlt sind wir eben alle jünger 🙂

    In meiner Umgebung hörten viele Frauen ihre Uhr durchaus ticken. Sicherheitsorientierung bzgl. des Finanziellen einerseits, Fernbeziehungen und Umzüge für (freiwillige und unfreiwillige) Arbeitsplatzwechsel in den ersten Berufsjahren andererseits, ließen die Zeit vergehen.

    Allerdings haben meine Freundinnen ihre Kinder alle schnell und problemlos zwischen 35 und 40 bekommen. Nur in einem Fall gibt es das gewünschte 2. nicht mehr. Blöd nur, wenn dann zum Alter der Frau eine ICSI-Indikation kommt. Wenn ich die Zeit für mich zurückdrehen könnte…

    Gut, dass unerfüllter KiWu mittlerweile in den Medien präsent ist. Für mich war es ein komplett unbekanntes Thema, bis es uns selbst traf.

  7. Rebella schreibt

    Ich habe nicht mit abgestimmt, weil ich meine Antwort dort nicht wiederfinde. Prinzipiell ist es schon schön, dass man sowas machen kann. Allerdings glaube ich auch, dass das ein Riesengeschäft ist und vielleicht insgesamt sogar mehr Schaden anrichtet als Nutzen. Weil für die Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen und lagern, kostet es erst einmal viel Geld. Dann glauben sie, sie haben ja Zeit, entscheiden sich also später als sonst für ein Kind. Und dann klappt es mit den paar Eizellen, die da sind, doch nicht mehr. Ich sehe wie Maiglöcklichen auch die Gefahr eines Druckes, der auf die Frauen ausgeübt werden könnte.

    Ich glaube, als 20-jährige hätte ich es nicht gemacht. Eher als Anfang 30-jährige ohne Mann oder in schwieriger beruflicher Phase. Aus Torschlusspanik.

    Da das sozial freezing ja eh durchgeführt wird, bin ich für eine gute Aufklärung der Bevölkerung darüber, wie Nerven raubend eine assistierte Befruchtung sein kann und dass diese Methode auch keine Erfolgsgarantie ist.

  8. clydesbonnie schreibt

    Ich war 38, als ich mit meiner Tochter nach 3 Jahren unerfülltem Kinderwunsch unbekannter Ursache endlich schwanger wurde. Die ideale Kandidatin für sowas, könnte man da meinen. Ich habe damals im Blog so geantwortet (da war ich nich nicht schwanger):

    „Die Frage stellt sich mir in dieser Form nicht.
    Zu dem Zeitpunkt, zu dem meine Eizellen am besten waren, hätte ich nicht gedacht, dass ich 10-15 Jahre später solche Schwierigkeiten haben werde, ein Kind auf natürlichem Weg zu bekommen. Wegen der Kosten und wegen des Eingriffes an sich hätte ich dankend abgelehnt.
    Aus heutiger Sicht sehe ich das natürlich anders. Ich würde jetzt nicht mehr ablehnen, aber jetzt kommt es auch nicht mehr in Frage. Jetzt stellt sich eher die Frage, wie lange wir es noch probieren und wann wir mehr machen, als nur ein wenig hormonelle Stimulation. Es könnte also auf das selbe hinaus laufen, mit dem Unterschied, dass die gewonnenen Eizellen nun älter sind und sofort befruchtet und wieder eingesetzt werden.“

  9. Greta schreibt

    ich hätte mir vermutlich 20 von 24 heavy-stimus erspart, wenn ich hätte einfrieren KÖNNEN. auftauen dann nach genauer diagnose (immuproblem, mthfr, endo…)und dann bei korrekter behandlung! ging alles nicht, weil 2001 nicht möglich und die 40 als altersgrenzen drohte.

    es geht NICHT um lifestyle, sondern um ERKRANKUNGEN…

  10. Greta schreibt

    nochwas – vielleicht sollte man ZUERST die 40er-grenze abschaffen – dann würde man vielleicht noch einige kinder mehr haben und keine panik-freezings!

  11. Sandra69 schreibt

    Hätte ich mit 25 schon gewusst, was ich heute weiß und hätte es diese Möglichkeit damals schon gegeben – ich hätte mir viel Kummer einer aus Unwissenheit zu spät begonnenen Kiwubehandlung ersparen können.