|
Bereits vor ziemlich genau drei Jahren hatte ich in diesem Blog über eine Studie der Universität Heidelberg berichtet, in welcher der Einfluss von Samenflüssigkeit auf die Einnistung der Embryonen bei künstlichen Befruchtung untersucht werden sollte.
Der Grundgedanke:
Die Samenflüssigkeit enthält eine Vielfalt von Botenstoffen, z.B. TGF und Interleukin 8, die das Wachstum von Blutgefäßen fördern und Entzündungsreaktionen oder andere immunologische Reaktionen beeinflussen. In Laboruntersuchungen haben Dr. von Wolff und seine Mitarbeiter erstmals festgestellt, dass Samenflüssigkeit die Produktion von sogenannten Zytokinen, sehr aktiven Botenstoffen des Immunsystems, in den Zellen der Gebärmutterschleimhaut reguliert. Diese begünstigen wiederum, wie aus Tierversuchen bekannt ist, die Einnistung der Eizelle.
Mehr zu dieser Studie hier. Konny kann nun über erste Ergebnisse dieser Studie berichten:
Die Teilnahme an der Studie war pro Teilnehmerin auf einen Behandlungszyklus beschränkt. 31 der 168 Patientinnen konnten nicht an der Studie teilnehmen, da zum Beispiel wegen einer schlechten Befruchtungsrate kein Transfer stattgefunden hat. Von den restlichen 137 Teilnehmerinnen bekamen 70 das Placebo und 67 die Samenflüssigkeit ihrer Partner. In der Placebo Gruppe wurden 25,7% (18 von 70) der Frauen schwanger, in der Gruppe mit der Samenflüssigkeit waren es 37,3% (25 von 67). Das bedeutet eine Steigerung von 45%.
Das ist zunächst einmal recht eindrucksvoll, aber zurecht weist Konny darauf hin, dass die geringe Zahl an Studienteilnehmern eine endgültige Aussage zur Effektivität der Untersuchung nicht zulässt, da ca. 450 Behandlungen hätten erfolgen müssen, um eine belastbare Aussage zu bekommen. Aber diese Pilotstudie ist immerhin prospektiv, vermutlich randomisiert und plazebokontrolliert (Hier mehr zum Thema Studiendesign) und daher auch schon jetzt sehr interessant. Ich hoffe, das diese Studie fortgeführt wird, denn die Zwischenergebnisse sind ja wirklich sehr positiv.
Wobei mal wieder zu monieren ist, dass die Schwangerschaftsrate von 25% in der Kontrollgruppe eher als mäßig (unter dem Durchschnitt des DIR) zu bezeichnen ist. Man müsste also mehr zu der Patientenauswahl wissen, denn so kann man gegenwärtig nicht ausschließen, dass die Auswahl der Patienten bei dem Ergebnis auch eine Rolle spielte. Und das ist die Art von Einfluss, die bei einer größeren Zahl von Patienten nicht mehr vorhanden wäre.
Lieber Dr. Breitbach,
das ist sehr interessant. Die für mich interessante Frage: Sind diese einnistungsförderlichen Botenstoffe auch in der Samenflüssigkeit von Männern mit Azoospermie enthalten?
Und zweite Frage: Da die wenigsten Praxen die Samenflüssigkeit des Partners in die Gebärmutter spritzen werden (jedenfalls jetzt noch nicht) - bedeutet das, dass man ab Punktion häufig Sex haben sollte?
Danke und Gruß,
Tralala
hallo tralala,
aus eigenem erleben: wir haben 5 erfolglose transfere gemacht. bei den letzten kryos haben wir, nicht zuletzt wegen dieser studien, die besagte substanz besagt angewendet ;-); zuvor wurde das eigentlich immer von ärztlicher seite aus abgelehnt.
zusammen mit noch anderen stimmigen faktoren kann das mit der bringer gewesen sein. mein mann hat OAT II-III…ein zufallstreffer (da war eine reife EZ) schließe ich wirklich eher aus…
glaube es liegt wirklich an der zusammensetzung der trägersubstanzen für die spermien…vllt sogar verbunden mit einer immunologischen komponente?
nix genaues weiß man nicht…aber die anwendung ist immerhin relativ angenehm..
*nix genaues weiß man nicht…aber die anwendung ist immerhin relativ angenehm..* Normalerweise schon, aber da ich jemand bin, der zu Überstimu neigt, kommt die Anwendung in dem Fall meistens eher nicht in Frage, weil einfach zu schmerzhaft. Schade eigentlich, einen Versuch wär’s ja wert. Ich könnte natürlich meinem Mann auch zu Hause ein Becherchen hinstellen, aber ich befürchte, dass er dann auszieht *lol*
Lieber doc,
die Frage von tralala finde ihc auch sehr interessant, besonders weil man eben (noch) nicht davon ausgehen kann, dass das KiWuZentrum einem die Samenflüssigkeit spritzt.
Würde mich freuen, dazu von Ihnen zu hören.
Danke im Voraus,
raise
[...] des Artikels zur Förderung der Einnistung durch Samenflüssigkeit bei einer künstlichen Befruchtung, wurde in den Kommentaren auch darüber diskutiert, ob [...]
Hallo,
ich bekam bei meinem letzten Versuch das Seminalplasma. Ich wurde SS (die SS endete leider in der 9.Woche mit einer FG). Ob`s am Seminalplasma lag, warum ich SS wurde - keine Ahnung.
Gruss, Pusteblume
@ Raise und Tralala,
Ich habe einen Beitrag eingestellt, um diese Frage zu beantworten, übr Pusteblumes Kommentar, einfach mal auf die Überschrift klicken.
Hallo, Doc,
damit ist aber nicht die Frage beantwortet, ob sich die entsprechenden Stoffe auch bei Azoospermie-Männern finden, insbesondere bei solchen, die keine Samenleiter haben, was meist mit nur wenig und vorallem anders zusammengesetzter Samenflüssigkeit verbunden ist.
Ich würde auch gern Ihre Einschätzung dazu hören.
Viele Grüße, Atonne
P.S. Bei uns hatte Sex nach TF bisher keinerlei positive Auswirkungen… aber mein Mann hat auch keine Samenleiter.
Die Samenleiter verbinden lediglich den Hoden mit dem männlichen Genitaltrakt. Die Samenflüssigkeit stammt aus Prostata und Samenbläschen. Ich weiß, dass Sie den Theorie-teil kennen, schauen Sie aber nochmal, dort ist auch ein Bild dazu. Wenn hier also von Samenflüssigkeit die Rede ist, dann ist sind damit nicht die Spermien gemeint, sondern eben jene Sekrete aus Prostata und Samenbläschen.
Lieber Doc,
sorry, dass ich auch noch mal nachhake - mein Mann hat Azoospermie MIT Samenleitern. Verstehe ich Sie jetzt richtig, dass auch bei diesen Männern in der Trägerflüssigkeit die Stoffe drin sind, die die Einnistung fördern? Und trifft dies auch zu, wenn der Embryo, der sich einnisten soll, nicht von meinem Mann, sondern von einem Spender gezeugt wurde?
Nochmals danke und viele Grüße,
Tralal
Das ist ja noch nicht abschließend geklärt, aber auch im Ejakulat des azoospermen Mannes sollten diese Substanzen vorhanden sein und einen direkten Bezug zur Entstehungsgechichte des Embryos kann man vermutlich ausschließen