Sonnencremes schaden Spermien

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Dieser Sommer war spermienschonend. Kühl und schattig präsentierte er sich bisher und das mögen Spermien. Zu viel Hitze soll ja die Hodenfunktion ja beeinträchtigen. Ganz besonders schädlich ist jedoch das Sonnenlicht, zumindest indirekt. Wer seine Haut vor zuviel Sonneneinstrahlung schützen möchte, wird dazu oft zu Sonnencremes mit UV-Filtern greifen. Diese haben jedoch einen schädlichen Einfluss auf die Spermienproduktion, wie eine Studie zeigen konnte.

Sonnenmilch schadet der Spermienproduktion

Niels Skakkebaek und Kollegen von der Universität Kopenhagen untersuchten in ihrer Studie den Einfluss von 29 der 31 in Europa und den USA für Sonnenschutzmittel erlaubten UV-Filter auf menschliche Spermien. Sie stellten dabei fest, dass 13 davon die Spermienfunktion störten, indem sie deren Ionenhaushalt veränderten. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Webseite der „Endocrine Society“ veröffentlicht.

Den negativen Effekt auf die Spermien erklären die Forscher mit dem Einfluss auf Kalzium-Kanäle, welche dazu führen, dass mehr Kalzium in die Zelle einströmt. Dieser Effekt ist durchaus physiologisch, aber das Timing ist falsch. Der Einstrom des Kalziums leitet nämlich den Endspurt der Samenfäden ein, wenn sie die Eizelle erreichen ud es darum geht durch eine Zunahme an Beweglichkeit in die Eizelle einzudringen. Tritt dieser Effekt zu früh ein, ist das Spermium bei Erreichen der Eizelle dann nicht ein zweites Mal dazu in der Lage. Bereits sehr niedrige Dosen können diesen Effekt auslösen, wie Skakkebaek und Kollegen in Zellkulturen nachweisen konnten. Da aber viele der Substanzen über die Haut ins Blut aufgenommen werden, kann dieser Effekt auch im Hoden eintreten, vermuten die Forscher.

Foto von derrickcollins
Sunblocker schützen die Haut vor Sonnne, aber darin enthaltene Substanzen beeinträchtigen die Fruchtbarkeit

Hormonwirkung der UV-Filter

Andere UV-Filter haben eine hormonähnliche Wirkung – ähnlich wie das Progesteron, welches normalerweise im weiblichen Körper nach dem Eisprung nachweisbar ist.

„Diese Ergebnisse sind besorgniserregend und könnten teilweise erklären, warum medizinisch nicht erklärbare Unfruchtbarkeit so weit verbreitet ist“, meinte Skakkebaek. „Unsere Studie legt nahe, dass die zuständigen Behörden die Auswirkungen der UV-Filter auf die Fruchtbarkeit vor der Genehmigung besser untersuchen lassen sollten.“

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Kommentar

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8 Kommentare

  1. Amiflosi schreibt

    Hallo,
    wie muss man sich das vorstellen? Hat das dann nur vorrübergehende Bedeutung, also wenn Sonnencreme genutzt wird. Oder schadet Sonnencreme dauerhaft?

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Gute Frage. Das ist halt das Problem bei Laborversuchen: Sie geben einem nur Hinweise auf bestimmte Zusammenhänge, jedoch bleibt unklar, inwieweit diese Erkenntnise auf die Realität außerhalb des Labors übertragbar sind.

    Wenn man sich die negativen Wirkungen (1. Kalzium-Einstrom 2. hormonähnliche Wirkung) vor Augen führt, sollte man von einer vorübergehenden Auswirkung ausgehen können.

  3. Silke Schwekutsch schreibt

    Zum Verständnis: Dies gilt auch, wenn die Sonnencreme beispielsweise im Gesicht aufgetragen wird?

  4. Kinderwunsch-Forum schreibt

    Die Versuchsanordnung der Studie untersucht dies nicht. Die Schlussfolgerung bezieht sich jedoch auf die übliche Anwendung auf der Haut. Die fraglichen Substanzen können über die Haut aufgenommen werden.

  5. Paella Vallencia schreibt

    Das finde ich erschreckend und es macht mich ratlos! Da hat man gar keine Lust mehr seine Kinder einzucremen. Einen Tod muss man scheinbar sterben! Dann hoffe ich, dass es sich nur um eine vorübergehende Auswirkung handelt – alles andere wäre fatal!

  6. Maigloeckchen11 schreibt

    Aber dann hätte ja der „Fahrt-doch-mal-in-den-Urlaub-Tipp“ zumindest für die südlichen Destinationen keine Berechtigung mehr…

    Eine Frage: ist die Schädigung auch bei ICSIs relevant? Die beeinträchtigte Beweglichkeit der Spermien müsste da doch egal sein?

    Danke im Voraus!

  7. Klaus Sucher schreibt

    Und das ist nicht das einzige Problem, das Sonnencremes – und übrigens auch Sonnenbrillen – hervorrufen. Sie verhindern nämlich außerdem angeblich die natürliche Produktion von Vitamin D, und das zu Zeiten, wo wir die ohnehin chronisch leeren Speicher füllen könnten.

  8. Karsten Fedke schreibt

    Unter anderem deshalb meide ich, wenn ich mein Urlaubplane die klassischen Urlaubsregionen mit 30 Grad und mehr. Ich habe weder Lust auf Sonnnenbrand und die damit verbundenden Risiken, noch auf die negativen Wirkungen von Sonnencreme.
    Außerdem gibt es noch andere schöne Orte. In Deutschland brauche ich eigentlich nie Sonnencreme…