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Rötelnimpfung und Kinderwunsch: Was muss man beachten?

Wartezeit nach Rötelnimpfung: Wie lange muss man warten? Was passiert, wenn die Wartezeit zu kurz ist?

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Ein ausreichender Immunschutz gegen Röteln ist vor einer Schwangerschaft wichtig und daher wird allen Frauen empfohlen, sich rechtzeitig einer Rötel-Impfung zu unterziehen. Meistens erfolgt diese Impfung bereits im Kindesalter und schützt ein Leben lang vor dieser Infektion, jedoch gibt es immer noch Frauen, die ohne Impfschutz sind. Was muss man beachten bei Rötelnimpfung und Kinderwunsch?

Was passiert, wenn man Röteln während der Schwangerschaft bekommt?

Warum wird eine Impfung bei Frauen mit Kinderwunsch angeraten?

Weil es zu schwerwiegenden Organfehlbildungen beim Ungeborenen kommen kann, wenn die Mutter an Röteln in der Schwangerschaft erkrankt. Durch die Infektion mit Röteln kann es zu einer sogenannten Rötelnembryopathie kommen. Diese zeichnet sich durch vielfältige Fehlbildungen aus:

  • Fehlbildungen der Ohren und wie Innenohrtaubheit
  • Augenfehlbildungen: Katarakt (Augenlinsentrübung) und Mikrophthalmie (verkleinerter Augapfel)
  • Angiokardiopathien (Herz-Kreislauf-Fehlbildungen)
  • Mangelentwicklung mit Untergewicht
  • psychomotorische Entwicklungsstörungen

Ähnliche Fehlbildungen können übrigens auch bei anderen Viren auftreten, die den Mutterkuchen passieren, also z. B. Windpocken und Mumps.

Wie hoch ist das Risiko einer Infektion in der Schwangerschaft?

In Deutschland haben ca. 4 bis 7% aller Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter keinen ausreichenden immunschutz gegen Röteln, sodass bei durchschnittlich 800.000 Geburten pro Jahr 30.000 Neugeborene durch eine Rötelninfektion gefährdet sind.

Wie hoch ist das Risiko für eine Erkrankung des Kindes?

Bei einer Rötelninfektion sinkt die Gefahr einer Rötelnembryopathie mit zunehmendem Schwangerschaftsalter:

Schwangerschaftswoche Fehlbildungsrisiko
1. – 6. 50 %
7. – 9. 25 %
10. – 12. 20 %
13. – 17. 10 %
> 17. 4%

In den ersten 17 SSW können bei Kontakt mit Röteln-Viren Immunglobuline gegeben werden, wenn die Frau nicht geimpft ist. In diesen Fällen müssen weitere Kontrolluntersuchungen des Blutes durchgeführt werden.

Die übliche Empfehlung zur Rötelnimpfung und Kinderwunsch

Wenn die Bestimmung des Rötelntiters (Konzentration der Antikörper gegen Röteln) ergibt, dass kein ausreichender Immunschutz besteht, dann wird die Impfung empfohlen. Meist reicht eine Impfung aus, um einen lebenslangen Schutz zu erhalten. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts rät dennoch bei Erwachsen in folgenden Fällen zur Impfung:

  • Ungeimpfte Frauen oder Frauen mit unklarem Impfstatus im gebärfähigen Alter
  • Einmal geimpfte Frauen im gebärfähigen Alter
  • Ungeimpfte Personen oder Personen mit unklarem Impfstatus in Einrichtungen der Pädiatrie, der Geburtshilfe und der Schwangerenbetreuung sowie in Gemeinschaftseinrichtungen
Impfpass. Röteln, Pertussis, - alles drin?
© clipdealer,com

Da 5% der Geimpften nicht auf die Impfung ansprechen, ist es von Bedeutung, sich zu deren Schutz impfen zu lassen (Herdenimmunität)

Wartezeit bis zur Schwangerschaft nach Impfung

Üblicherweise riet man früher dazu, anschließend 3 Monate lang zu verhüten, um eine Infektion des Feten durch die Impfviren zu vermeiden. Inzwischen ist man dazu übergegangen, nur noch eine vierwöchige Verhütung anzuraten. Was passiert jedoch, wenn man sich impfen lässt, ohne zu wissen, das man bereits schwanger war? Wie hoch ist das Risiko, wenn eine Schwangere gegen Röteln geimpft wird?

Absolut kein Grund zur Panik

Inzwischen ist man generell etwas weniger zurückhaltend und daher wird auch 1 Monate Abstand zu einer MMR (Masern, Mumps, Röteln) als ausreichend angesehen. Zwei unten zitierte Studien mit 941)Bar-Oz B, Levichek Z, Moretti ME, Mah C, Andreou S, Koren G
Pregnancy outcome following rubella vaccination: a prospective controlled study.
Am J Med Genet A. 2004 Sep 15;130(1):52-4
bzw. 180 Frauen2)Josefson D
Rubella vaccine may be safe in early pregnancy
BMJ. 2001 Mar 24;322(7288):695
, die in der Frühschwangerschaft oder kurz davor geimpft wurden, zeigten keinen Anstieg von Fehlbildungen bei den geborenen Kindern, eine lediglich ein gering erhöhtes Fehlgeburtsrisiko. Eine neuere Studie mit sehr vielen untersuchten Frauen kam zum gleichen Ergebnis3)Castillo-Solórzano C, Reef SE, Morice A, Vascones N, Chevez AE, Castalia-Soares R, Torres C, Vizzotti C, Ruiz Matus C
Rubella vaccination of unknowingly pregnant women during mass campaigns for rubella and congenital rubella syndrome elimination, the Americas 2001-2008.
J Infect Dis. 2011 Sep 1;204 Suppl 2:S713-7. doi: 10.1093/infdis/jir489
. Hier wurde die Schwangerschaft von über 30.000 Frauen nachverfolgt, die während der Schwangerschaft gegen Röteln geimpft wurden oder innerhalb eines Monats nach der Impfung schwanger wurden. Auch hier konnten keine rötelntypischen Fehlbildungen bei den Kindern beobachtet werden.

Die Empfehlung wird sicherlich weiterhin sein, mindestens einen Monate nach einer Rötelnimpfung zu verhüten. Man sollte sich durch die Studienergebnisse nicht nicht dazu verleiten lassen, den Zeitraum zwischen Impfung und Schwangerschaft absichtlich  zu verkürzen, jedoch besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Anlass zur Sorge, sollte eine Impfung versehentlich während der Frühschwangerschaft erfolgt sein.

Impfversager: Keine Antikörper nach Rötelnimpfung, was tun?

Nach der ersten Rötelnimpfung kommt es bei 90-95% zu einer Entwicklung von Antikörpern, nach zweimaliger Impfung erhöht sich diese Rate auf etwa 99%. Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission (STIKO) empfehlen die zweimalige Impfung als sicheren Schutz vor einer Rötelnembryopathie, eine nachfolgende Antikörperbestimmung wird nicht mehr empfohlen.
Nach einer zweimaligen Impfung kann davon ausgegangen werden, dass auch bei diesen Frauen eine Infektion des Kindes extrem unwahrscheinlich ist. Weitere Impfungen werden dann nicht empfohlen.

Literatur   [ + ]

1. Bar-Oz B, Levichek Z, Moretti ME, Mah C, Andreou S, Koren G
Pregnancy outcome following rubella vaccination: a prospective controlled study.
Am J Med Genet A. 2004 Sep 15;130(1):52-4
2. Josefson D
Rubella vaccine may be safe in early pregnancy
BMJ. 2001 Mar 24;322(7288):695
3. Castillo-Solórzano C, Reef SE, Morice A, Vascones N, Chevez AE, Castalia-Soares R, Torres C, Vizzotti C, Ruiz Matus C
Rubella vaccination of unknowingly pregnant women during mass campaigns for rubella and congenital rubella syndrome elimination, the Americas 2001-2008.
J Infect Dis. 2011 Sep 1;204 Suppl 2:S713-7. doi: 10.1093/infdis/jir489
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Kommentar

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121 Kommentare
  1. Bluemoon851 schreibt

    Ja, das war ja aber nicht meine Frage. Dieser Wert wurde ja in der ersten Schwangerschaft vor 2,5 Jahren festgestellt oder heißt das automatisch das es bei der nächsten Schwangerschaft wieder zu diesem oder einem ähnlich hohen Wert kommt?

    Wie sieht es eigentlich mit Tetanus aus?
    Gibt es beim Hausarzt wirklich diesen Schnelltest um festzustellen ob man noch Imun ist?
    Und was kostet er?

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Ich habe den Artikel jetzt entsprechend ergänzt:
    Meistens erfolgt diese Impfung bereits im Kindesalter und schützt ein Leben lang vor dieser Infektion.

    Zum Thema Tetanus müssen Sie Ihren Hausarzt fragen.

  3. Sandra schreibt

    Das mit den 3 Monaten Schutzfrist nach der Impfung ist im Prinzip klar.
    Bei einer Impfung und der Zweitimpfung nach 4 Wochen – zählt man die 3 Monate nach der 2. Impfung. Ist das richtig verstanden?
    Danke für eine Antwort
    Sandra

  4. Jenny schreibt

    hallo… ich wurde am 15.12.11 gegen rötel geimpft… und han´be gelesen, das man 3 monate warten sollte bis zur schwangerschaft, ich hab vorraussichtlich ende februar meine fruchtbaren tage,,, darf ich diese schon aktiv nutzen..:-)jg jenny

  5. Elmar Breitbach schreibt

    @ Jenny. Die Beantwortung dieser Frage erübrigt sich, da sie im Artikel und in den Kommentaren bereits ausreichend erörtert wurde.

  6. Saranda schreibt

    Guten Abend

    Ich habe eine Frage.
    Haben sie eine e-mail adresse und ich möchte etwas fragen.

    Schönen Abend

    Tschüss

  7. Elmar Breitbach schreibt

    Fragen können Sie gerne im Forum stellen

  8. […] musste zum FA da bei unserer großen Ringelröteln festgestellt wurden bin bei 11+0 mir wurde Blut entnommen um zu schauen ob eine Immunität […]

  9. Tina schreibt

    Hallo,
    Habe ich das richtig verstanden, das man vermutlich auch nach nur einmaliger Impfung (bei mir Anfang 2011) ausreichenden impfschutz hat?
    Wird der Titer bei jeder „normalen“ Blutuntersuchung mit untersucht (war kürzlich zum Gesundheitscheck inklusive Blutabnehmen) oder sollte ich den besser noch separat ( zb bei meiner FÄ) feststellen lassen?

    Danke und Grüße,
    Tina

  10. Elmar Breitbach schreibt

    Man sollte den Titer bei Kinderwunsch vorher noch einmal kontrollieren lassen, jedoch ist nach einer kürzlich erfolgten Impfung anzunehmen, dass Sie sich keine Sorgen machen müssen.

  11. steffi schreibt

    Hallo,
    ich wurde in den letzten 3 Jahren 2 mal gegen Röteln geimpft und die anschließende Blutuntersuchung ergab das ich keine Antikörper habe.
    Wir wünschen uns noch ein zweites Kind und ich habe große Angst mich bei meiner Tochter, oder im Kindergarten anzustecken!
    Kann ich noch etwas für meine Immunisierung unternehmen?
    Gibt es einen Zeit im Jahr in der Rötelvieren nicht so sehr aktiv sind?
    Viele Dank
    Steffi

  12. Elmar Breitbach schreibt

    Nein, wenn Sie mehrmals geimpft wurden, gibt es keine anderen Möglichkeiten mehr. Sie können dann nur hoffen, dass sich sonst alle Menschen aus Ihrer Umgebung haben impfen lassen. Ihre Tochter ist ja hoffentlich geimpft?

  13. michelle schreibt

    Hallo,heute war Ich beim FA wegen unserem kinderwunsch.hatte meinen impfausweiss dabei und da hat mein FA festgestellt Das Ich nie Die nachimpfung von röteln hatte.kann Ich mich jetzt noch nachimpfen lassen Oder muss Ich mich nochmal komplett neu impfen lassen? Mein FA sagt normalerweise reicht einmal im Leben impfen lassen?! Und wie lange müssen wir dann warten? Reichen 2-3 monate?

  14. Elmar Breitbach schreibt

    Lassen Sie den Impftiter überprüfen. Wenn der ausreichend ist, benötigen Sie keine zweite Impfung. Wie Ihr Arzt schon sagte: Eine Impfung reicht meist völlig.

  15. Nathalie schreibt

    Hallo Herr Dr. Breitbach,
    zunächst vielen herzlichen Dank für die Möglichkeit Ihnen Fragen stellen zu können und so eine zweite Meinung zu erhalten.
    Ich wurde einmal ’97 gegen Röteln geimpft, aufgrund meines Kinderwunsches habe ich meinen Titer bestimmen lassen mit dem Ergebnis, dass ich nicht immun bin. Meine Ärtzin empfahl mir also eine weitere Impfung mit 3 Monaten „Wartezeit“. Was ich mich nun Frage: Auf der einen Seite stellt eine Impfung während einer Frühschwangerschaft oder während der 3 Monate „Wartezeit“ kein hohes Risiko dar, auf der anderen Seite ist jedoch eine Rötelnembryopathie bei nicht vorhandenem Impfschutz ein hohes Risiko. Es handelt sich doch um eine Lebend-Impfung, damit werde ich doch bei einer Impfung mit dem Virus infiziert. Dann müsste doch eine Impfung und Schwangerschaft kurz vor oder nach der Impfung ein viel höheres Risiko sein als ohne Impfschutz schwanger zu werden. Denn bei einer Impfung werde ich definitiv infiziert, bei einer Schwangerschaft ohne Impfschutz besteht „nur“ die Möglichkeit sich zu infizieren? Um auf der wirklich sicheren Seite zu sein sollte man wahrscheinlich sich impfen lassen und noch länger als die 3 Monate abwarten -aber das möchte ich ungern. Ich würde mich sehr über Ihre Meinung zu meinen Überlegungen freuen, auch wenn ich davon ausgehe, dass Sie die Impfung empfehlen müssen (?).
    Herzlichen Dank im Voraus

  16. Elmar Breitbach schreibt

    Nun ja, die Antwort ist sehr einfach. Wenn man mal Ihre Überlegungen beiseite lässt, dann ist anzuraten, zu impfen und drei Monate zu warten. Das war’s dann auch bereits. Wenn man versehentlich während der Schwangerschaft geimpft wurde, scheint es nicht wirklich gefährlich zu sein, da ja auch abgeschwächte Erreger verwendet werden. Das darf aber nicht in der Empfehlung münden, gar nicht zu impfen oder es trotz Impfung auf eine Schwangerschaft ankommen zu lassen.

    Ungeduld sollte solche medizinischen Überlegungen selobstverständlich nicht beeinflussen. Was sind schon 3 Monate?

  17. Svetla schreibt

    Hallo, meine FÄ meinte heute, dass es seit zwei Jahren neue Bestimmungen bei dem Rötelnschutz gibt und inzwischen 2 Impfungen nötig wären, bevor man schwanger werden sollte. Ich habe als Kind 1993 eine Impfung erhalten. 2009 habe ich mein Kind bekommen und im Mutterpass steht mein Schutz als ausreichend da mit einem Titer von 1:256. Kann er sich bis jetzt so sehr verändert haben, so dass eine neue Impfung nötig wäre? Und müsste man vor einem neuen Kinderwunsch bei so einem Wert (obwohl vor 5 Jahren) sicherheitshalber noch mal Titer bestimmen lassen?
    Vielen Dank schon mal im Voraus!

  18. Elmar Breitbach schreibt

    nach 5 Jahren sollte man noch einmal kontrollieren, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass bei diesem guten Titer der Schutz jetzt nicht mehr besteht

  19. […] Der Keuchhusten ist erst nach der Geburt ein Problem für das Kind, dennoch stellt sich die Frage, was passiert, wenn man versehentlich in der Schwangerschaft impft. Zum Thema Röteln hatten wir das hier ja schon vor einiger Zeit klären können. […]

  20. Juliane schreibt

    Hallo.
    Ich habe bei meiner ersten Schwangerschaft im letzten Jahr keinen Rötelnschutz gehabt- also keine AK- obwohl ich alle vorgesehenen MMR Impfungen in der Kindheit bekommen habe. Nun habe ich mich in der letzten Woche noch einmal MMR impfen lassen, da wir unsere Familie wieder erweitern möchten. Meine HÄ meinte aber es könne sein, dass ich wieder keine AK bilde und war auch der Meinung dass einer Schwangerschaft nichts im Wege stände. Nun meinte aber meine FÄ auch etwas von 3 Monaten. Ich bin verwirrt was denn nun stimmt und der beste Weg ist. Könnten sie mir evtl helfen

  21. Elmar Breitbach schreibt

    Zum Thema „Drei Monate Warten“ habe ich ja bereits im Artikel und den älteren Kommentaren alles Notwendige geschrieben. Herzlichen Dank für den Hinweis auf Impfversager (=keine Antikörper nach Rötelnimpfung), das habe ich noch einmal ergänzend unten bearbeitet